de Stijl
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Kunst zum Fakten-Freitag: 100 Jahre De Stijl

Ein bisschen Kunst in die Runde zum Fakten-Freitag schicken? Das hat mich gereizt und ich suchte mir ein Stichwort. Gemeinschaft. Gerade in letzter Zeit denke ich viel über dieses Phänomen nach. Soziale Gruppen sind spannend und ich blicke immer mit besonderem Interesse auf die Fülle an Künstlergemeinschaften zu Beginn des letzten Jahrhunderts. In diesem Jahr feiert eine Gruppe ihr 100jähriges Jubiläum, der ich ein wenig Aufmerksamkeit schenken will. Mit folgenden 10 Fakten feiere ich De Stijl! Und sammele auch gerne, was ihr mit dieser Gruppe verbindet. Ihr habt doch bestimmt spontan ein Bild vor Augen!

  1. De Stijl feiert in diesem Jahr 100jähriges Jubiläum. Theo van Doesburg und Piet Mondrian (zwei Maler) sind die Initiatoren und bald fanden sich Bart von der Leck, Vilmos Huszar und Georges Vantongerloo (alles Maler), Anthony Kok (Dichter) und Robert van’t Hoff, J. J. P. Oud, Thomas Gerrit Rietveld (ab 1919)  und Jan Wils (alles Architekten) als Mitstreiter. Als Gruppe waren sie eher lose miteinander verbandelt und hielten meist per Post Kontakt.
  2. Farbe, Form, Fläche, Linie. Die vier Säulen von de Stijl. Einflüsse des Kubismus spielten für die Künstler von de Stijl eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Abstraktion.
  3. Die Idee von de Stijl richtete sich unter anderem an philosophischen Prinzipien von Hegel und Platon aus und schwörte auf den Dualismus von Subjektivität und Objektivität. Von Abstraktion und Natur. Symmetrie und Asymmetrie. Über allem stand ein rationales Weltbild. Mondrian hatte sich mit dem Theosophen M. H. J. Schoenmaekers befasst und dessen Idee von einem neuen Weltbild in seine Gedanken zum Neo-Plastitzismus übernommen.
  4. Bis 1928 gab die Gruppe die gleichnamige Zeitschrift De Stijl heraus. Hier veröffentlichte Rietveld seinen berühmten Stuhl – zunächst ohne farbige Fassung. In der Zeitschrift formulierten sie den Anspruch,  zur Entwicklung eines neuen Schönheitsbewusstseins beizutragen.
  5. Ihr Manifest war geprägt von einem Absolutheitsanspruch. „Der Kampf des Individuellen gegen das Universelle offenbart sich ebenso im Weltkrieg wie in der Kunst unserer Zeit.“
  6. Das Schräge führte zum Bruch. Weil van Doesburg 1924 mit der Idee von Kontra-Kompositionen (verdrehte Flächen im Raum) kam, verweigerte Mondrian die Mitarbeit und zunehmend wurde de Stijl zur One-Man-Show van Doesburg. 1928 war es endgültig aus mit der Gruppe.
  7.  Als architektonisches Manifest von De Stijl gilt das sogenannte Haus Schröder in Utrecht, das Gerrit Rietveld 1924 baute. Die völlig neuen Bauformen überforderten sowohl das Bauamt bei der Genehmigung als auch die Arbeiter bei der Ausführung. Deswegen musste Rietveld bei den Planungen ordentlich tricksen und war ständig auf der Baustelle, um alles zu überwachen.
  8. Das Barock galt den Mitgliedern von de Stijl als Inbegriff eines überkommenen Stils. Alles, was sie propagierten, war das genaue Gegenteil vom ausufernd schwingenden barocco. Geradlinigkeit, Horizontale, Vertikale formten ein neues Barock, wie sie es in ihrer Zeitschrift einmal beschrieben.
  9. Es existiert eine Postkarte, auf der van Doesburg mit Kuli auf ein Foto des Weimarer Bauhauses vertikal de Stijl mehrfach auf die Fassade gekritzelt hatte. Er hätte gerne den ganzen Laden umgekrempelt. Aber Gropius verhinderte, dass van Doesburg dort Meister wurde. Dennoch hatten die de Stijl-Ansätze großen Einfluss. Zum Beispiel auch auf das Bauhaus-Credo „Die Form folgt der Funktion“.
  10.  Heute ist sicher Piet Mondrian der bekannteste aller de Stijl-Vertreter. Auf dieser interaktiven Seite kann man ihn kennenlernen. Ein Besuch im Gemeentemuseum Den Haag lohnt sich nicht nur deswegen auch online. Das Museum besitzt mit über 300 Exponaten die wohl weltweit größte Mondrian Sammlung. Ich werde auf jeden Fall bald mal einen Besuch einplanen.

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2 Kommentare

  1. Liebe Anke, ein schöner Text zum Fakten-Freitag anlässlich des 100jährigen Jubiläums der Künstlergruppe De Stijl. Auch wir im Marta Herford feiern Form und Funktion mit der Ausstellung „Revolution in Rotgelbblau – Gerrit Rieveld und die zeitgenössische Kunst“ ab Oktober. Viele Grüße, Lina

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