Mein Kulturtipp für Köln

Tanja hat zu einer Blogparade aufgerufen, in dem sie um meinen Kulturtipp bat. Und ich hab einen fantastischen für Köln. Also eigentlich hätte ich jede Menge für euch. Aber es fügt sich gerade wunderbar, dass diese und nächste Woche zwei Ausstellungen in Köln eröffnen, die ihr unbedingt sehen solltet. Das Wallraf-Richartz-Museum zeigt „Die Kathedrale“ ab dem 26.9. und kurz darauf (ab dem 2.10.) wird im Museum Ludwig „Ludwig goes Pop“ anlaufen. Beides wirkliche Highlights für den Kunstherbst! Im Folgenden lest ihr also einige Argumente, warum der Ausflug nach Köln unbedingt lohnt! Mein Kulturtipp in zwei Schritten.

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Die Kathedrale

In der Ausstellung geht es um das Bildmotiv der gotischen Kathedrale. Man begegnet den Bildern eines Caspar David Friedrich und erlebt, wie die Kathedrale zum romantischen Sehnsuchtsort stilisiert wurde. Klar, dass auch die genaue Topographie eines Steinriesen namens Kölner Dom in etlichen Bildern beschrieben wurde. Absoluter Höhepunkt der Schau wird indes sicher die Bildfolge von Claude Monet sein. Die Kathedrale von Rouen. Morgens, mittags und abends. Der Impressionist hat jede Schattierung, jede Nuance des Lichtes aufnotiert, welches sich in den den architektonischen Details verfängt.

Allein 28 Ansichten hat Monet zwischen 1892 und 1894 von der Westfassade der Kathedrale gemalt. Nur minimal veränderte er den Blickpunkt! Der russische Avantgarde-Künstler Malewitsch hat später einmal sehr treffend beschrieben, dass es Monet bei seiner Serie nicht allein um Licht- und Schattenwirkung ging. Es sei ihm um die Malerei als solche gegangen. Mit dieser Idee beginnt der Schritt in die Moderne!

Kulturtipp
Max Ernst, Laon, 1916, Öl auf Leinwand, 65,6 x 100,5 cm, Museum Ludwig, Köln, Foto: RBA Köln

Und heute kann man in der Kölner Ausstellung vier Beispiele aus der berühmten Kathedralen-Serie Monets betrachten und sie mit der Arbeit des Pop Art Künstlers Roy Liechtenstein vergleichen, der dieses Motiv in seiner typischen Raster-Darstellung übernimmt. Lichtenstein war der Ansicht, Monet habe das Serielle für die Kunst erfunden und die Pop Art feierte eben diese Art der Kunstproduktion.

Weitere Entdeckungen in der Ausstellung sind die mystischen Kathdralen der Expressionisten, zu denen diesmal auch Max Ernst zählt. Und ebenfalls absolut bemerkenswert: ein ca. 9 Quadratmeter großes Foto von Andreas Gursky, das die Auflösung der festen Mauern feiert, wie man sie in den großen Glasfenstern vieler Kathedralen beobachten kann! Mein Kulturtipp wird allerdings erst rund, wenn ihr auch die zweite Ausstellung in Betracht zieht.

Kulturtipp
Andy Warhol, Kölner Dom, 1980, Serigraphie und Acryl mit Diamantenstaub auf Leinwand, 125 x 105 cm, © 2014 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Artists rights Society (ARS), New York, Stadtmuseum, Köln. Ich erinnere mich noch ganz genau daran, wie wir das Bild im Kunstunterricht nachmalen mussten!

Pop Art

Natürlich ist auch Warhols Kölner Dom in der Kathedralen-Ausstellung des Wallraf zu sehen. Und er leitet von da perfekt über zu der großen Pop Art Ausstellung im Museum Ludwig. Peter Ludwig hat die Pop Art in den siebziger Jahren nach Köln gebracht und bis heute verfügt man hier über eine der größten Sammlungen dieser Kunstrichtung weltweit! Nachdem vor vielen Jahren die Protagonisten der Pop Art in Einzelschauen abgefeiert wurden, war es nur eine Frage der Zeit, bis eine Überblicksausstellung folgte. Jetzt ist sie da und bietet mit Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Roy Lichtenstein und selbstverständlich dem großen Andy Warhol alles auf, was Rang und Namen hat. Mein Kulturtipp schlägt also den Besuch zweier Ausstellungen in Köln vor, die viel miteinander verbindet und euch vielleicht neue Perspektiven auftun werden.

„Pop­ulär, massen­pro­duziert, ver­brauch­bar, bil­lig, witzig, sexy, spie­lerisch, auf­fal­l­end, ver­führerisch“- es war der Engländer Richard Hamilton, der als Erfinder der Pop Art gilt und der mit seiner Beschreibung Ende der 50er Jahre erst einmal in guter Bürgerschreck-Manier auftrumpfte.

Heute erlebe ich immer wieder, dass diese Kunst die Museumsbesucher direkter und unmittelbarer erreicht als andere Werke der Moderne. Liegt es daran, dass Vieles mit dem Alltäglichen zu tun hat. Mit Erlebnissen, die jeder so oder ähnlich nachvollziehen kann. Natürlich spielt auch eine Rolle, wie sehr die Ästhetik dieser 60er-Jahre-Kunst in Design und Werbung heute eingegangen sind.

Wenn ihr also vom Wallraf die ca. 10 Minuten Fußweg rüber zum Kölner Dom wandert, dann seid ihr mit wenigen Schritten auch gleich im Museum Ludwig und könnt nach einer kleinen Stärkung den zweiten Teil vom Kulturtipp genießen. Ich freue mich sehr, wenn ihr mir dann von euren Erlebnissen berichtet. Gerne hier in den Kommentaren.

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10 Kommentare

  1. Liebe Anke,

    wunderbar, gleich zwei Ausstellungs-Tipp von Dir zu erhalten. Ich bedauere doch sehr, am Samstag nicht zum stARTcamp Köln kommen zu können, denn diese beiden Ausstellungen hätte ich sehr gerne gesehen, zumal es Verbindungen zwischen beiden gibt. Als Mittelalterfrau und Kulturbloggerin MUSS ich dahin, ob ich es schaffe, ist unsicher – menno, aber wenn, dann gebe ich dir Bescheid.

    Es ist tatsächlich erstaunlich, warum Pop Art den Museumsbesucher näher ist. Vielleicht hast du Recht, dass das an den Sehgewohnheiten und am Erfahrungshorizont des Betrachters liegt. Fände es spannend, wenn es hierzu noch Stimmen und Meinungen gibt. Warum geht ihr gerne in eine Pop Art Ausstellung?

    Herzlichen Dank für deinen sehr schönen Beitrag, kaum zu glauben, aber ihr seid jetzt bereits 2,5 Beiträge – olla, das kann was werden.

    Alles Liebe,
    Tanja

    1. Liebe Tanja,
      du weißt, du bist hier bei uns immer willkommen.
      Und ich wäre auch sehr gespannt, wenn hier über Erfahrungen mit dem Besuch von Pop Art Ausstellungen gesammelt würden. Ein immer still gehegter Traum von uns Kulturbloggern: viele viele Kommentare 😉
      Danke dir, dass du den Anfang machst!
      Und super, dass du wieder einmal ein niederschwelliges Paradebeispiel gewählt hast. Bin sicher, Kulturtipps können Viele geben!
      Auf bald.
      Herzliche Grüße von Anke

  2. Liebe Anke, kaum erfahre ich von DIESER Blogparade, gibt es von dir schon einen Post zur Ausstellung, in der ich am Freitag eine Führung habe. Aber: macht nichts. Unsere Stadt hat so viele Angebote, da finde ich auch noch was Eigenes…
    Es ist mir aber jetzt Anlass, dich endlich in meine Blogroll aufzunehmen, denn sicherlich wird es manchen „Fund“ bei dir geben, den ich noch nicht gemacht habe.
    Liebe Grüße
    Astrid

    1. Liebe Astrid,
      mich interessiert, was du bei deiner Führung für Eindrücke sammeln wirst. Kannst mir ja mal davon berichten. Klar, in Köln gibt es soooo viel. Zum Beispiel hätte ich auch noch auf die Ausstellung im Museum Schnütgen hinweisen können. Die feiern ja das Jubiläum der Heiligen Drei Könige.
      Hab in deinem Blog rumgelesen – gefällt mir gut 😉
      Herzliche Grüße von Anke

      1. Danke!
        Dann hast du ja vielleicht auch meinen Post entdeckt, in dem ich über unsere Führung op Kölsch im Schnütgen durch unseren Karnevalsfreund berichtet habe ( Label: Kalenderwochen ).
        Ich bin seit Jahrzehnten in der Museumspädgogischen Gesellschaft, da gibt es meist zu allen Sonderausstellungen für die Mitglieder eine Veranstaltung. Und die zum Thema „Hl. Drei Könige“ kommt noch….
        Ich finde deinen Blog übrigens auch sehr animierend…
        Herzlichst
        Astrid

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