Gelsenkirchener Barock

Am Freitag verstarb der Fotokünstler Bernd Becher, der gemeinsam mit seiner Frau Hilla Fotogeschichte geschrieben hat und maßgeblich an der Entwicklung der Fotografie als ernstzunehmendes Genre der Kunstgeschichte mitgewirkt hat. Die Bechers sind Lehrer so erfolgreicher Megastars wie Andreas Gursky und bezogen sich nach eigenen Worten auf den großartigen Wegbereiter der modernen Fotografie August Sander. Sicher wird es schwer sein für die Ehefrau die Dynamik dieses stilbildenden Duos alleine weiter zu treiben. Allerdings sind die Verdienste der beiden schon längst ausgezeichnet mit zahllosen Preisen auf dem Olymp der Kunst angekommen.
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„Unser Fritz“, Wanne-Eickel, 1982 und Zeche Waltrop, 1982


Es scheint, als hätten die Zechen, Bohrtürme und Wasserspeicher ein Eigenleben, eine wie auch immer geartete Individualität, die es aufzuspüren gelte. Hilla und Bernd Becher fingen diese seit den 60er Jahren in ihren stillen schnörkellosen Fotografien ein und präsentierten sie in einem unspektakulären Schwarzweiß. So schien die Konzentration auf die einzelnen Verstrebungen und formalen Schwerpunkte leichter nachvollziehbar und angesichts der Fülle an Formen bezeichnete Bernd Becher die Ergebnisse schon einmal als den wahren Gelsenkirchener Barock. Da sie jedoch nicht im Ruhrgebiet halt machten, sondern auf der ganzen Welt nach den Zeugnissen der Industriekultur suchten, schufen sie mit ihren Bildreihen besonders eindringliche Bilder der modernen Zivilisation. Fast so als wenn sie Hinterlassenschaften für eine weite Zukunft sein sollten. Es scheint als spielten Zeit und Raum keine Rolle – vielmehr weht der Hauch der Ewigkeit durch diese doch so sehr für das Pragmatische gedachten Bauwerke, die dadurch eine fast mystische Erhabenheit austrahlen.
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Amerikanische Getreidesilos, zwischen 1982 und 2006

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