Ganz großes Kino

In den 80er Jahren tauchte er als der gefeierte Star eine neuen Malerei in der New Yorker Kunstszene auf und seine Bilder wurden zu utopischen Preisen gehandelt: Julian Schnabel, der sich mit der zum Teil auch selbstgesteruerten Inszenierung als „Pavarotti“ der Kunstszene nicht unbedingt einen Gefallen tat. Allerdings hat er damals wirklich Revolutionäres vollbracht, indem er in der Welt der puren minimal art einbrach wie ein Berserker und plötzlich mit Gefühlen daher kam. Jetzt hat er die Bühne von Lou Reeds „Berlin“-Tour gestaltet. Hier kann man eine fundierte Kritik des wunderbaren Konzertes nachlesen.
Lou_Reed1.jpg


Auf dem Hintergrund japanischer Landschaftsmalerei hängen zwei neo-expressionistische Sackleinen, die ein wenig nach Revolution aussehen. Eine schwülstig exotische Atmosphäre wird heraufbeschworen, die die intensiven Bilder des wackeligen Videos betont, in welchem die in den Songs beschriebenen Dramen stattfinden.
schnabel_andys_schatten.jpg
Ungewöhnliche Oberflächen sind das Markenzeichen von Julian Schnabel, der seiner neoexpressionistischen Malerei gerne eine taktile Dimension hinzufügte. Sein Selbstbildnis „Im Schatten Andys“ malt er auf zerbrochenem Porzellan und setzt auf diese Weise auch noch einen neodadaistischen Aspekt.
schnabel_lou_reed_raven.jpg
Die Covergestaltung des Poe-Projektes „The Raven“ von Lou Reed geht ebenfalls auf Julian Schnabel zurück, der in den 90er Jahren seine Liebe zum Film entdeckte und mit dem Werk über seinen Künstlerfreund „Basquiat“ großen Erfolg erzielt. Das Medium des Films und der Fotografie und der filmischen Inszenierung scheint dem „barock“ wirkenden und denkenden Schnabel so nah zu sein, dass er immer mehr auf dieses setzt und 2000 auf der Biennale den goldenen Löwen für sein Werk „Before Night Falls“ erhielt und ganz aktuell in Cannes für seinen neuesten Film „Le Scaphandre et le papillon“ ausgezeichnet wurde.
schnabel_skulpturenpark.jpg
Bei der zweiten Ausstellung des Kölner Skulpturenparks war Julian Schnabel auch mit einer Skulptur vertreten. Neo-expressiv, haptisch spannend nachvollziehbar und wie ein archaisches Fundstück aus ferner Zeit mutet seine Figur an, die sehr raumgreifend und obsessiv wirkte.

Ähnliche Beiträge

  • Weniger ist mehr

    Ein Fernsehbeitrag über das Schicksal eines architektonischen Schätzchens, das im tschechischen Brünn dem Verfall anheim gegeben wird, wenn nicht ganz schnell jemand einschreitet, rief mir den kongenialen Wegbereiter der modernen Architektur wieder ins Gedächtnis. Mies van der Rohe, der sich von Aachen aufmachte, die Welt zu erobern, der über das Bauhaus bis in die heutige…

  • Kulturmarketing

    Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: ich finde es absolut wichtig, dass sich Kultureinrichtungen und Kulturschaffende auch am mainstream orientieren. Wenn man Aufmerksamkeit in der heutigen Zeit erreichen möchte für seine Angebote, dann darf man sich nicht zimperlich hinter einem möglicherweise überholten Bildungsverständnis verschanzen und den wegbleibenden Massen hinter rufen: bleibt doch, wo ihr seid….

  • Künstlersozialkasse

    Ist derjenige ein Künstler, der in die Künstlersozialkasse aufgenommen wird? Mh, wäre mal zu überlegen, ob dies ein Kriterium für Kunst sein könnte. Die Idee, Kunstschaffende darin zu unterstützen, Kunst zu schaffen, indem man ihnen bei der Beschaffung des täglichen Brotes ein wenig unter die Arme zu greifen, finde ich ja grundsätzlich gut. Allerdings ist…

  • Sweet Lord

    Also, jetzt mal ehrlich, ihr Katholiken. Was ist denn an diesem Kunstwerk auszusetzen? Der kanadische Künstler Cosimo Cavallaro hat eine lebensgroße Christusstatue aus Schokolade geschaffen, die im Roger Smith Hotel in New York zur Karwoche ausgestellt werden sollte. Cavallaro, der ganz in der Tradition der sechziger Jahre mit Lebensmittel als organischem, vergänglichem Material arbeitet, hat…

  • Vertikult – Portal für Kulturschaffende

    Anscheinend häufen sich die Tendenzen, Kulturschaffende miteinander zu vernetzen, wie ein interessantes Portal zeigt, dass in Kooperation mit dem Fraunhofer Institut entstanden ist. Vertikult ist eine Möglichkeit für Kulturarbeiter, das über die üblichen Jobangebote und -gesuche hinausgeht und auch Kooperationen anbietet oder Links zu Ausschreibungen im Kulturbereich bietet. Außerdem werden Seminare angekündigt und Informationen weitergereicht,…

  • Bilder vom Schockrocker

    Eigentlich ist er mir ja immer eine Spur zu heftig, der schockende Rocker Marilyn Manson. Wobei seine Bezüge zum romantischen Gothik nicht unbedingt die Schlechtesten sind. Ganz erstaunt war ich jedoch, als ich erfuhr, dass der sonst eher wegen strippender Eheweiber in der Yellowpress vertretene Celebrity auch malt! Weniger erstaunt allerdings, als ich einige der…

Ein Kommentar

  1. Ach ja, ich war gestern auf dem Konzert „Berlin“ -allerdings in Düsseldorf. Es war faszinierend, Lou Reed und seine Stimme, seine Gitarre, live zu erleben und man war teilweise wie gebannt von der Geschichte, die die unglaublich engagierten Musiker auf der Bühne darboten.
    Einziger Schock: es waren nur ungefähr 800 Menschen da. Erschütternd. Für mich ist Lou Reed ein Megastar, ein wahrer Künstler, ein Idol. Und keiner geht hin????!!! Komische Zeiten sind dies!!!

Kommentar verfassen