Watteau und Westwood

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Westwood-Robe mit dem Titel „Watteau“
Im bayrischen Tutzing beschäftigen sich Kulturwissenschaftler Ende Januar mit einer interessanten Synergie: die Mode der Jetztzeit wird untersucht auf die Reminszenzen an vergangene Epochen. Dabei steht die exzentrische Modemacherin Vivienne Westwood im Zentrum der Betrachtungen, die nach ihrer Punkkarriere vor allem durch die geschickte Überführung historischer Schnitte in moderne Kostüme die Laufstege der Modeszene bereicherte. Vor allem die vielen Stunden, die Westwood im Londoner Victoria&Albert Museum zeichnend verbrachte, machen sich in ihrer Mode bemerkbar.
Im Stile eines Salons des 19. Jahrhunderts wird in der Evangelischen Akademie Tutzing ein Gespräch mit einer überaus interessanten Expertenmischung präsentiert.


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Alte Kunst und neue Mode, nicht nur Vivien Westwood bedient sich der alten Meister. Kostbare Stoffe, raffinierte Schnitte und ein intensives Farbspiel lassen im modernen Gewand die Sehnsucht nach den alten Zeiten auferstehen.Die Inszenierung durch Kleidung, ob auf dem Tableau der Leinwand oder dem Laufsteg ist wohl der kleinste gemeinsame Nenner von Watteau und Westwood.
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Dazwischen liegen mehr als dreihundert Jahre, und wenn man bedenkt, dass Antoine Watteau in der ersten Version seines Gemäldes «Einschiffung nach Kythera» (um 1710) sich an der Mode des 17. Jahrhunderts orientierte, wird die Zeitspanne noch etwas größer. Auf kleinem Format, überraschen und faszinieren Watteaus Farbnuancen mit ihrem schimmernden Licht, die seine Personen über eine sorgfältig komponierte Kleidung, man könnte sagen ‹Kostümierung› auszeichnet. Alleine der Farbe wegen, die geheimnisvoll zum Verweilen einlädt, lohnt sich ein Besuch in Frankfurt, Berlin oder Paris.
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Vergleichbares findet sich bei Vivienne Westwood, deren Entwürfe mehr als nur schöne Modeteile sind. Mit wechselnden Sujets und Botschaften, sind sie bühnenreife Darstellungen, durchaus dem Szenenbild einer Theateraufführung vergleichbar. Der Formenreichtum ihrer Kollektionen verblüffte und provozierte besonders in den Anfangszeiten durch ungewöhnliche Materialien und ästhetische Disharmonien. In der Kombination von Gegensätzen, wie enge Taille – gebauschter Rock, mit der Betonung einzelner Körperteile in ungewohnten Proportionen, finden sich Anleihen bei Watteau und anderen. Eines ihrer Abendkleider verweist unter dem Namen «Watteau» (Frühjahr/Sommer 1996) auf die Quelle ihrer Inspiration, die Handschrift «Westwood» ist jedoch eindeutig.
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Watteau, Les deux cousines, ca. 1717
In Zeiten des Out- und Indoor, dem Trend zur pflegeleichten und bequemen Kleidung, fällt die Mode Vivienne Westwoods angenehm aus dem Rahmen. Sie versinnbildlicht, dass Kleidung mehr sein kann als bloßes Bedecken und weckt die Sehnsucht nach dem Formen- und Materialreichtum vergangener Epochen, in der auch die Alltagskleidung sorgfältig hergestellt war. Zu einer Reise in versunkene und wieder auferstandene Welten laden wir sehr herzlich zu einem Wochenende in das Tutzinger Schloss ein.
Tagungsprogramm
Freitag, 19.1.2007
18:00 Abendessen und Beginn der Tagung
19:15 Begrüßung
Karin Andert, Studienleiterin
19:30 Mode, Markt, Modernität: Salons, Galerien und die Modeindustrie im Neunzehnten Jahrhundert Dr. Ulrich Lehmann, Research Department, Victoria Albert Museum, London
21:30 Gespräche in den Salons
Samstag, 20.1.2007
8:00 Morgenandacht in der Schlosskapelle
8:15 Frühstück
9:00 Antoine Watteau Einschiffung nach Kythera Prof. Dr. Jutta Held, Universität Osnabrück
10:30 Pause mit Kaffee und Tee
11:00 Kariert-drapiert-kopiert! Vivienne Westwood und ihre Hommage an die schottische Hochlandbekleidung Iris-Elisabeth Karl, Kostümhistorikerin und Meisterschülerin von Vivienne Westwood (1998-2001), Berlin
12:30 Mittagessen
14:30 Vivienne Westwood. Einblicke in die Designmethodik, inspiriert durch Kunst von Watteau bis Emin Prof. Dipl.-Des. Martina Glomb, Fachhochschule Hannover, FB Design und Medien, Designerin für Vivienne Westwood (1989-2001)
16:00 Kaffee/Tee und Kuchen
16:30 Mode – eine Kunst?
Siglinde Zisler, Dr. Andrea Kluge und Roland Müller-Neumeister, Deutsche Meisterschule für Mode, München
18:00 Abendessen
19:30 «Haute couture Salon experimentell» – Präsentation Deutsche Meisterschule für Mode, München
21:30 Gespräche in den Salons
Sonntag, 21.1.2007
8:00 Morgenandacht in der Schlosskapelle
8:15 Frühstück
9:00 «L’Art de la Mode». Kunst, Mode und Frauenbild in den 1860/70 Jahren Dr. phil. Dipl.-Ing. Birgit Haase, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Studiendepartment Design
10:30 Pause
11:00 Das notwendige Zeitkostüm Mode und Moderne seit Charles Baudelaire Prof. Dr. Friedmar Apel, Universität Bielefeld
12:30 Mittagessen und Ende der Tagung
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Tagungsorganisation Angelika Mrozek-Abraham Tel: 0 81 58/2 51-127
Email: mrozek@ev-akademie-tutzing.de
beantwortet Ihre Anfragen zu der Veranstaltung in der Zeit von Montag bis Freitag von 9.00 Uhr bis 12.00 Uhr.
Preise für die gesamte Tagungsdauer: Teilnahmebeitrag EUR 60,-
Vollpension im Einzelzimmer EUR 120,-; Vollpension im Zweibettzimmer EUR 100,-
Verpflegung EUR 40,- (ohne Übernachtung und Frühstück)

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