Berliner Bahnhof

hauptbahnhof_1.jpg
Er ist einer der größten Kreuzungsbahnhöfe Europas und steht auf einer Art „grüner Wiese“ mit viel Platz um sich herum: der neue Berliner Hauptbahnhof, der im Mai diesen Jahres triumphal zum Wohle der Reisenden eröffnet wurde. Die Homepage der Deutschen Bundesbahn feiert das filigrane Bauwerk, das für sie eine logistische Herausforderung darstellte und immer noch darstellt. Das Büro des Hamburger Architekten Meinard von Gerkan, das schon mal die „ideale Stadt“ in China bauen darf, hatte sich mit dem Berliner Bahnhof an Tradition und Moderne gehalten, einen wirklich konsequent leichten, lichtdurchfluteten Raum geschaffen. Doch – und da kennt die Bahn dann nix – weil irgendetwas nicht ganz in die Logistik passte, hat man von seiten des Bauherrn kurzerhand ein ortsansässiges Architekturbüro beauftragt, den Bau hier ein wenig zu kürzen und dort mal eben eine Zwischendecke mit Baumarktcharme einzuziehen. So wurde der von Kunsthistorikern schon als richtungsweisend gefeierte Bahnhofsbau dermaßen in seiner Wirkung beschnitten, dass der ansonsten nicht als Prozesshansel verschriene Architekt vor Gericht zog. Und: Hurra! Er hat gewonnen. Mit heutigem Urteil vom Berliner Landgericht erging die Auflage für die Deutsche Bahn, die den Berliner Bahnhof gerne als Vorzeigeobjekt nutzt, die olle Flachdecke wieder rückzubauen. Na klar, das Unternehmen will in die Berufung gehen. Man jammert, dass dies mindestens 30 Millionen Euro kosten würde und drei Jahre Bauzeit den reibungslosen Verkehr beeinträchtigen würde. Tja, hätten sie sich halt früher überlegen müssen, ob sie so selbstherrlich in die architektonischen Details hätten eingreifen sollen. Das Urteil ist auf jeden Fall ein deutliches Signal in Richtung der so häufig schwelenden Urheberrechts-Problematik. Und wird damit eindeutig von mir begrüßt und beklatscht.
hauptbahnhof.JPG
Eindrucksvoll zeigt die beleuchtete Architektur, was sie kann!

Ähnliche Beiträge

  • Nobelpreis für Kunst

    Christian Boltanski wurde mit dem Praemium Imperiale für Skulptur 2006 ausgezeichnet. Das ist eine Art Nobelpreis für Kultur. Seit 1989 gibt es diesen Preis, der von der Japanese Art Foundation verliehen wird und dessen Bedeutung in den letzten Jahren stetig gewachsen ist. Ein Preis, der spartenübergreifend Preisträger präsentiert, die von insgesamt sechs international besetzten Gremien…

  • Auweia

    In Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn muss ein Foyer neu gestaltet werden. Der Ausstatter einer Bar des Museums hatte mit billigen Plagiaten edler Designersessel versucht, eine entsprechend exklusive Atmosphäre zu schaffen. Die Kopien müssen nun aus dem öffentlich zugänglichen Raum entfernt werden. Quelle: OLG Köln, Urteil vom 04.08.2006, Az. 6 U 227/05…

  • Kuchi – e

    Bilder wie die legendäre „Woge“ von Hokusai oder andere Landschaftsdarstellungen haben die europäische Kunstgeschichte seit Ende des 19. Jahrhunderts geprägt. Der japanische Farbholzschnitt war den Künstlern der Moderne vor allem wegen der Tendenzen zur Abstraktion und der geheimnisvollen Austrahlung wichtige Anregung. Das Fehlen von Licht und Schatten ist zum Beispiel eine andere Wahrnehmung der Natur,…

  • Ganz großes Kino

    In den 80er Jahren tauchte er als der gefeierte Star eine neuen Malerei in der New Yorker Kunstszene auf und seine Bilder wurden zu utopischen Preisen gehandelt: Julian Schnabel, der sich mit der zum Teil auch selbstgesteruerten Inszenierung als „Pavarotti“ der Kunstszene nicht unbedingt einen Gefallen tat. Allerdings hat er damals wirklich Revolutionäres vollbracht, indem…

  • Kommentar zum Eva-Prinzip

    Rosemarie Trockel (1952) »Ohne Titel (Ofenplatte)« 1991, Eisen, Einbrennlackierung Rosemarie Trockel gilt als eine der wichtigsten zeitgenössischen Künstlerinnen und ist selbstverständlich alles andere als ein „Heimchen am Herd“. Selbstbewusst ist sie eine global playerin der Kunstszene und natürlich generationsbedingt eine Tochter der feministischen Bewegung. In ihren „Herdbildern“ beschäftigt sie sich durchaus auch mit dem Rollenverständnis…

Ein Kommentar

  1. Es versteht sich, dass Bahnchef Hartmut Mehdorn gar nicht glücklich mit der Gerichtsentscheidung ist. Unterdessen hat er Gegenwehr bis zur letzten Instanz angekündigt und Meinhard von Gerkan einen „Egotrip“ vorgeworfen. Seine ins Feld geführte „Preisverantwortung“ wirkt allerdings als Argument nur mager gegen Gerkans Argument, dass zur Verantwortung auch das Bewusstsein zähle, dass Architektur sowohl ein Zeugnis der Gegenwart als auch ein Abbild der Gesellschaft sei. „Man kann ein Bauwerk nicht einfach verstümmeln und verunstalten“, meint er. Recht hat er!

Kommentar verfassen