Frauenzimmer Gesprächsspiele

… so bey Ehr- und Tugendliebenden Gesellschaften, mit nutzlicher Ergetzlichkeit, beliebet und geübet werden mögen.

1641 begann der gebürtige Nürnberger Georg Philipp Harsdörffer mit seinem achtbändigen Werk, das in der Absicht entstanden war, eine Art Konversations-Anleitung vor allem für Frauen zu geben. Harsdörffer wollte das sprachliche Niveau des Bürgertums heben und sein Hauptwerk ist gespickt mit Sprachspielereien, die er zum Teil von antiken Vorbildern abschaute. Zum Beispiel enthält es ein so genanntes Leipogramm, einen Text, der auf die Verwendung bestimmter Buchstaben des Alphabets – hier M und L – verzichtet.
In seinen Anleitungen treffen eine adlige Jungfrau auf einen gelehrten Soldaten, eine Cassandra Schönliebin auf einen belesenen Studenten und ein alter Hofmann auf eine kluge Matrone. Jeglicher Stoff wird beredet – möglichst fünfzig Themen pro Band. Und am Ende ist alles ein lehrsames Gesellschaftsspiel im Schäferkostüm.
Trotz allem Parodistischen, das diesem alten Text (den es in einer heute leider vergriffenen Neuauflage gegeben hat und der im Anfang der 90er Jahre bei den Sprachwissenschaftlern große Begeisterung hervorrief) ist es doch aus heutiger Sicht interessant zu sehen, dass man sich auch schon in der Mitte des 17. Jahrhunderts Gedanken über das überzeugte Auftreten in der Gesellschaft gemacht hat. Während man damals die Sache jedoch unbedingt spielerisch anging, artet heute der Kampf um die Außenwirkung manchmal ins Hysterische aus!

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