Sweet Lord

Also, jetzt mal ehrlich, ihr Katholiken. Was ist denn an diesem Kunstwerk auszusetzen?
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Der kanadische Künstler Cosimo Cavallaro hat eine lebensgroße Christusstatue aus Schokolade geschaffen, die im Roger Smith Hotel in New York zur Karwoche ausgestellt werden sollte. Cavallaro, der ganz in der Tradition der sechziger Jahre mit Lebensmittel als organischem, vergänglichem Material arbeitet, hat meines Erachtens eine sensible und in der Tat sehr schöne Christusfigur geschaffen. In der schlichten Feinheit seiner Gliedmaßen und der fast schwerelosen schwebenden Figur erkenne ich nur eine Übertragung der Christusverehrung und keinerlei Ansätze für etwa ironische Kommentare aus der Richtung „Schokohasen“ etc. Zumal ich als ewige Beuys-Vereherin auch um den Gehalt von Schokolade weiß, die Kraft gibt, Energie und positive Gefühle vermitteln hilft, kann ich schon gar nichts gegen den Schokoladenchristus einwenden. Es gibt aus meiner Sicht keinen Grund, aufgebracht gegen diese Christusfigur anzugehen.


Bill Donohue, Vorsitzender der Katholischen Liga in den USA, allerdings zeterte von „einer der schlimmsten Verletzungen christlicher Gefühle, die es je gegeben hat“. Er kritisierte vor allem, dass „My Sweet Lord“, wie die Schokoladenfigur genannt wird, ausgerechnet in der Karwoche und über Ostern in der Galerie des Hotels gezeigt werde. Ich finde es gerade dann passend, lieber Herr Donohue, denn hier feiert man das Geistige und Transzendentale. Dies könnte in der Schokoladenfigur nachvollzogen werden.
Der künstlerische Leiter der Lab Gallery des Roger Smith Hotels, Matt Semmler, knickte leider ein und bezeichnete die Wahl des Zeitpunkts als einen „unglücklichen Zufall“. Man darf ihm jedoch die Daumen drücken. Vielleicht setzt er sich ja doch noch durch!!
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Ein Kommentar

  1. Ein sehr schönes Kunstwerk. Vielleicht kann man sich mit den Kritikern ja darauf einigen, die Statue später im Rahmen einer Eucharistiefeier zu essen, zum einen erführe der „Leib Christi“ eine ganz neue, süße Umsetzung, zum anderen wäre dann der Stein des Anstoßes weg.

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