Wann stirbt ein Kunstwerk?

Als Paradebeispiel für die Frage nach der Konservierung von Gegenwartskunst mag der sogenannte „Beuys-Block“ gelten, der im Hessischen Landesmuseum Darmstadt derzeit zu heftigsten Diskussionen führt. Beuys hatte die Organisation der Werkgruppen in insgesamt sieben Räumen des Museums 1970 selbst vorgenommen. Soll man die mittlerweile vergilbten Stoffbespannungen gegen weiße Tünche ersetzen? Wollte Beuys die Patina? Spannende Fragen tauchen immer da auf, wo die klassischen Kunstbegriffe außer Kraft gesetzt wurden. Beuys hat ja gerade die Veränderung zum Kunstwerk erklärt. Schwierig, schwierig. Die Diter Roth Retrospektive 2003/2004 im Kölner Museum Ludwig führte interessante Beispiele zu dieser Frage vor. Wie soll man einen schimmeligen Käse für die Nachwelt bewahren?? Mir wurde auch regelmäßig übel, wenn ich den Raum mit den Beethovenköpfen aus Schokolade betrat, die ihren Verwesungsprozess zwar unter einer Plexiglasabdeckung angetreten hatten, die hielt aber nicht völlig dicht!
Das Kunstmuseum Stuttgart hat sich nun dieser Frage und anderer Fragen angenommen und organisiert ein äußerst interessantes Kolloquium.
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Immer wieder gerne erzählt wird ja die legendäre Geschichte der Putzfrau, die eine mit Fett eingeriebene Badewanne, die Beuys geschaffen hatte, im Museum einfach blank putzte – tatsächlich waren es übrigens SPD-Abgeordnete, die ein Behältnis zum Bierkühlen suchten, als sie im Museum Morsbroich eine Veranstaltung abhielten


Symposium zur Konservierung und Metamorphose des Originalen in der Gegenwartskunst an der Akademie Schloss Solitude im Rahmen des Programms art, science & business, in Kooperation mit dem Kunstmuseum Stuttgart 1.-3. Februar 2007
Alterungsprozesse und Zerstörung verändern und vernichten Kunstwerke. Unter welchen Bedingungen und mit welchen Logiken wird jedoch versucht, die häufig empfindlichen Originalobjekte zu erhalten? Wann gilt ein Werk als nicht wiederherstellbar? Im Rahmen des Symposiums sind Fachleute aus den Bereichen Wissenschaft, Museum, Restaurierung, Kunsthandel, Versicherung und Recht eingeladen, ihre Prämissen und Praktiken der Objekterhaltung zu diskutieren. Ziel der dreitägigen Veranstaltung ist es, gängige Leitvorstellungen im Umgang mit der Kunst zu überprüfen, wie etwa die von Originalität, Werk und Authentizität. Auf diese Weise wird ein neuer, praxisorientierter Zugang zum Kunstwerk eröffnet.
Programm
Donnerstag, 1. Februar 2007
20.00 Uhr
Begrüßung durch Jean-Baptiste Joly und Angela Matyssek
Anschließend Festvortrag:
Im Zeichen des Originals. Bedingungen eines denkwürdigen Konzeptes. Gottfried Boehm, Universität Basel
Freitag, 2. Februar 2007
I. Sektion
Moderation: Volker Schaible, Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart
9.00 – 9.30 Uhr
Einführung
Angela Matyssek, Kunstmuseum Stuttgart
9.30 – 10.30 Uhr
Das falsche Original. Aufbau und Abbau von Aura Peter Geimer, ETH Zürich
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10.30 – 11.30 Uhr
Von den vielen Toden eines Hais. Damien Hirsts Natural History zwischen Konservierung und Selbstauflösung Petra Lange-Berndt, Universität Siegen
11.30 Uhr
Kaffee/Tee
12.00 – 13.00 Uhr
Wie überlebt ein Kunstwerk seinen Urheber? Das postmortale Urheberpersönlichkeitsrecht und die Kontrolle über die Werkintegrität Eberhard Ortland, IFK Wien / Berlin
13.00 Uhr
Mittagessen
II. Sektion
Moderation: Iris Dressler, Württembergischer Kunstverein, Stuttgart
14.30 – 15.30 Uhr
Wie klassifiziert man einen „Totalschaden“?
Stefan Horsthemke, AXA Art Versicherung AG, Köln
15.30 Uhr
Kaffee/Tee
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Dieter Roth, Literaturwurst, 1961
16.00 – 17.00 Uhr
Die Bewahrung des Verfalls. Konservatorische Praxis am Beispiel Dieter Roths.
Heide Skowranek, Kunstmuseum Stuttgart
17.00 – 18.00 Uhr
Kunstmaterial oder Elektroschrott? Über das Sterben und Auferstehen elektronischer Kunstwerke Joanna Phillips, Schweizer. Institut für Kunstwissenschaft, Zürich
18.30 Uhr
Abendessen
20.00 Uhr
Restoring Judd: Radical Art, Radical Solutions Peter Ballantine, New York (in englischer Sprache)
Samstag, 3. Februar 2007
III. Sektion
Moderation: Marion Ackermann, Kunstmuseum Stuttgart
9.00 – 10.00 Uhr
Reise-Bilder
Ulrich Wilmes, Museum Ludwig, Köln
10.00 – 11.00 Uhr
Die Renovierung der architektonischen Umgebung des „Block Beuys“ im Hessischen Landesmuseum Darmstadt. Zum Verhältnis von Museumseinrichtung und Authentizität eines Kunstwerks Klaus-Dieter Pohl, Hessisches Landesmuseum Darmstadt
11.00 Uhr
Kaffee/Tee
11.30 – 12.30 Uhr
Werkform und Urzustand
Gianfranco Verna, Annemarie Verna Galerie, Zürich
12.30 Uhr
Abschlussdiskussion
—-
Anmeldung bei Julia Warmers, jw@akademie-solitude.de
Telefon: 0711-99619-135.
Kunstmuseum Stuttgart
Sandy Stoll
Kleiner Schlossplatz 13
70173 Stuttgart
Telefon: (0711) 2 16-94 73
Fax: (0711) 2 16-78 20
E-Mail: sandy.stoll@kunstmuseum-stuttgart.de

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