Wieder stARTcamp-Zeit

Das erste stARTcamp in diesem Jahr fand am Samstag in Münster statt. Startcamp-Zeit! Eine Zeit, neue Menschen kennenzulernen. Zeit, liebe Netzbekanntschaften wieder einmal persönlich zu treffen. Zeit, zu lernen, diskutieren und jede Menge einzusammeln. Für die Nachbereitung. Zum drauf rumdenken. Es war ein ganzer Stoffbeutel voll! Danke an Michelle, Sarah und Jan, dass ihr wieder so einen feinen Rahmen gegeben habt! Ich mag Münster. Und auch die Mischung bei eurem Barcamp. Toll, dass die westfälische Kulturszene da immer so breit vertreten ist! Es liegt sicher auch an den drei Buchstaben: LWL – schön, dass der Verband sich wieder für das Treffen engagiert hat.

Was ich hier darüber schreibe, soll diesmal nicht die übliche Art der Nachberichterstattung werden. Vielmehr möchte ich ein spezielles Thema in den Fokus rücken. Weil ich das unbedingt weiter diskutieren will! Vielleicht klappt das ja! Wenn ihr mitmacht!

beutel

Ach, erlaubt ihr mir vorab noch eine Bemerkung. Ich war irritiert über diverse Erwartungshaltungen. Die Kritik in der Abschlußrunde, es habe zu wenig Raum für Interaktion gegeben, nehme ich sehr ernst. Vor allem, weil das meine absolute Lieblingsbeschäftigung ist: Interaktion anleiten. Gut, vielleicht muss man noch mal ganz klar kommunizieren: ein Barcamp bedeutet, dass sich JEDER einbringen kann. Ich will gerne zugeben, dass man sich vielleicht nicht vortraut, wenn jemand eine fertige Präsentation mitbringt und einen fixen Plan hat. Aber mich hat so auch das Gefühl beschlichen, dass eine gewisse Neigung zum Konsum den Mitmach-Impuls unterdrückte. Kann sein, dass ich falsch liege. Aus Erfahrung weiß ich allerdings auch, dass die Raumsituation nicht ganz unerheblich für die Interaktionsrate ist. Vielleicht muss man da beim nächsten Mal noch dran drehen. Ich finde ja sowieso, dass der offene Charakter eines Barcamps Luft nach oben lässt. Also wenn ihr mich fragt: bisschen mehr UN und etwas weniger KONFERENZ wäre nicht schlecht. Ihr dürft hier aber gerne auch Vorschläge loswerden, was zu mehr Interaktion beitragen könnte.

Session zu Museumselfies

Das Wort Session leitet sich vom lateinischen sedere(sitzen) ab. Mh, vielleicht sollte man demnächst mehr in Bewegung sein! Ein bisschen hat mir die Diskrepanz zwischen Diskussionsbedarf und Wissensvermittlung zu schaffen gemacht. Irgendwie fühlt sich manches dann so unvollständig an. 45 Minuten können so verdammt schnell vorbei sein!

Im Vorfeld hatte ich ja schon aus einer Diskussion auf verschiedenen Blogs heraus angekündigt, das Thema Museumselfie in das stARTcamp Münster einzubringen (und ich wurde da auch streng ermahnt, das einzulösen :-). Anscheinend war es auch für viele der Anwesenden ein drängendes Anliegen, darüber zu sprechen (ich hab nicht durchgezählt, aber wir waren knapp 30 Sessionistas – ha! den Begriff hab ich mir eben ausgedacht :-)). Damit der Gegenstand unserer Diskussionen zumindest in allen Köpfen präsent war, zeigte ich eine kleine Beispiel-Dia-Schau. Mir ging es dabei nicht so sehr darum, eine These zu Sinn und Zweck der Selfies zu formulieren.

Vielmehr wollte ich die Session als Anfang einer fachlichen Diskussion nutzen, die noch mehr Raum braucht. Deswegen habe ich in meine Methoden-Trickkiste gegriffen und meine ABC-Liste hervorgezaubert. Ich kenne keine bessere Möglichkeit, vorhandenes Wissen einer Gruppe zu dokumentieren. Die Assoziations-Misch-Maschine zum Thema “Museumselfie” – hier ist sie!! Mit den eingesammelten Wortgeschenken (jeder konnte bis zu 5 Worte aus der eigenen Sammlung  auswählen) habe ich einige Cluster angefertigt. Wie ich finde, ergibt sich ein spannendes Bild. Und spannende Anknüpfungspunkte für die weitere Diskussion. Vor allem vor dem Hintergrund, dass es sich hier um eine recht homogene Gruppe Kulturschaffender (teilweise auch Museums-Mitarbeiter) handelt, ist das ein wertvoller Input. Danke noch mal an alle, die sich darauf eingelassen haben.

Spaß

Leider waren meine Moderationskarten zuhause aus! Deswegen habe ich zu allem gegriffen, was als Ersatz tauglich schien. Heraus kam eine ganz spannende kreative Optik! Meine Session lag vor der Abschlussrunde und wir waren schon etwas im Verzug. So habe ich einfach alles eingesackt. Und als ich es zuhause dann ausgepackt habe, war ich ganz aufgeregt. Was würde wohl alles zusammenkommen. Wow! Mein erstes Cluster bildet einen großen Schub positiver Energie ab. Das liest sich wunderbar – besonders angesichts manch warnender und mahnender Einschätzung in den Feuilletons. In vielen Diskussionen um Qualität, Banalität und sonstigem bildungsbürgerlichem Getöse möchte ich einmal die Stichworte Niederschwelligkeit und Differenzierung dagegen halten. Es muss ja nicht immer gleich um komplexe Inhalte gehen, ein bisschen Leichtigkeit darf sein. Und wir müssen nicht wirklich rechtfertigen, was der Faktor “Spaß” oder “Humor” bringen soll. Oder? Ich hoffe nicht!

anarchie

Zugegeben, das ist meine subjektive Zusammenstellung. Was meint ihr? Ist es ein Dilemma, das es zu lösen gilt? Die Frage nach der Qualität und natürlich auch nach den berechtigten Bedürfnissen der Kunst? Ein bisschen Guerilla? Hacking the museum? Warum nicht? Ich finde das gut! Aber natürlich gilt es, immer auch die Fragen der Relevanz im Blick zu haben. Meiner Meinung nach liegt hier die größte Herausforderung für die Institutionen. Und ja: ich meine, man sollte die Risiken eingehen!! Wie seht ihr das?

verwirrend

Tscha! Jetzt kommt das eigentliche Dilemma. Verwirrung. Keine Rechtsicherheit. Fragen über Fragen. Dann lieber gar nichts machen? Wie ist das mit der Verantwortung den Besuchern gegenüber? Ist es grundsätzlich nicht möglich, einige Grundregeln festzulegen, weil jede Ausstellung, jedes Kunstwerk einen neuen Fall darstellt? Sind die Konditionen des digitalen Raumes ausreichend bedacht worden, wenn es um die Frage der Bildrechte geht? Im Zusammenhang mit der unstreitbar wichtigen Blogger-Relation scheint es notwendig, die existierenden Presse-Lizenzen auszuweiten. Aber auf welcher Grundlage?

contentIsKing

Ein astreines Cluster als Antwort auf die Frage, was denn diese doofen Selfies im Museum zu suchen haben. Und auf die Schnelle viele Fäden, die man nur aufnehmen muss, um daran weiter zu denken. Es ging mir ja auch darum, das Museumselfie als einen Indikator für die Besucherforschung zu sehen. Das nimmt der Diskussion auch die Schärfe. Wenn es nämlich plötzlich nicht mehr unbedingt um die Rechteproblematik geht. Sondern darum, dass man hier einen Aspekt des Alltags aufgreift, der für mich im Zusammenhang mit der viel beschworenen intrinsischen Motivation stehen kann. Wie ich ja bereits an anderer Stelle gesagt habe, sehe ich hier vor allem die Vermittler gefordert. Aber es ist natürlich auch ein Aspekt, der für Werbestrategien nützlich sein könnte. Man muss sich nur ein bisschen Zeit gönnen, darüber nachzudenken.

Tellit

Und somit kommen wir dann auch wieder zu Social Media, zu den sozialen Netzwerken. Hier mischen sich die Stichworte zu der Frage, wie und wo nutze ich das Museumselfie mit denen zur Überlegung, wie können wir gemeinsam das oben angesprochene Dilemma der Unsicherheit im Umgang damit lösen. Ich habe  gerne dokumentiert, was wir am Samstag angefangen haben. Ist doch beeindruckend, was in so kurzer Zeit (sagte ich bereits, dass es nur 45 Minuten waren) zusammenkam! Gerne bleibe ich mit euch allen gemeinsam dran am Thema!

Wer sich übrigens noch weiter einlesen will: in diesen Blogs wurde das Thema Museumselfie oder Fotoerlaubnis im Museum bereits diskutiert. Falls ich noch einen Beitrag übersehen habe, gebt mir bitte Bescheid.

Iliou Melathron (Christian Gries)

Kultur und Kunst (Wera Wecker)

MuSerMerKu (Angelika Schoder)

Museumsglück (Michelle van der Veen)

Tine Nowak

Nachtrag (Danke Wibke für die Anregung!)
Auch spannend: die Tweets gestern zur #MuseumWeek unter dem Hashtag #poseMW
Ich hab mal ein paar Beispiele eingefangen

 

So hab ich mir das vorgestellt, es trudeln jetzt immer mehr kreative Beispiele zum Thema ein. Danke Peter Soemers für den Hinweis auf das wunderbare Storytelling mit dem Teddy Friedeltje … der reist durch die Welt und macht Selfies in Museen. Auch schon mal nur mit der Eintrittskarte. Schaut mal bei Pinterest vorbei, da hat Ursula Oberst die Reiseerlebnisse von Friedeltje veröffentlicht. Wahrscheinlich bin ich nicht so falsch, wenn mich das irgendwie an die wunderbare Welt der Amelie erinnert, oder? Richtig klasse, so viele kreative Anregungen!!!

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32 Comments

  1. Liebe Anke,

    Ihr seid ja alle so schnell, wenn es ums “verbloggen” geht. Ich brauche immer ewig, um einen Beitrag zu schreiben. Aber ich bin auch erst gestern Abend (nach Irrungen und Wirrungen mit der Bahn) Heim gekommen.
    Aber ich hatte mich vor ein paar Wochen auch zu einem Beitrag zum Thema “Fotografieren im Museum” hinreißen lassen.
    https://kulturundkunst.wordpress.com/2015/02/12/mona-lisa-und-der-rest-der-welt-im-selfie-wahn/
    Wobei ich dieses Thema immer wieder gern aufgreife. Im Maritimen Museum habe ich extra zu diesem Thema für Blogger eine eigene Seite aufgesetzt: http://www.immhh.de/info-und-service/im-netz/
    Zum Fotografieren hat Olafur Eliasson in seiner Ausstellung “Contact” herausgefordert. Ich habe diese Ausstellung wirklich heiß und innig geliebt. So veröffentlicht der Künstler bzw. selbst viel Material, sondern sie fordern auch explizit zum Teilen auf, es ist quasi Teil der Kunst: https://kulturundkunst.wordpress.com/2015/02/11/contact-is-content/
    Und ein weiterer Beitrag, der sich rund um die Fotografie dreht ist dieser: https://kulturundkunst.wordpress.com/2015/01/27/fotos-in-museen/

    So langsam bin ich mit dem Thema durch und verbeuge mich vor den Künstlern, die einfach damit spielen und den Besucher somit auch herausfordern. Denn ich habe über die Installationen von Eliasson lange nachgedacht und tue es immer noch. Für mich wurde die Banalität der Selfies zu einer echten Herausforderung. Allein das Perspektiven-Spiel mit den Schatten – ich habe es geliebt!

    Liebe Grüße
    Wera

    • Liebe Wera, ich hatte deinen Mona-Lisa-Beitrag schon nachgetragen. Aber danke, dass du hier noch mehr Inhalte teilst. Und Asche auf mein Haupt: ich hatte den Beitrag über Olafur Eliasson gar nicht gelesen. Der ist ja wirklich genial! Also der Beitrag, aber auch der Künstler.

      Bin übrigens der Meinung, dass es nicht um die Schnelligkeit geht, wenn wir bloggen 🙂 Sondern um Nachhaltigkeit! Und da ist es super, dass deine ganzen Beiträge hier nochmal das Thema bereichern. Ganz herzlichen Dank dafür. Und ich hoffe, du bist noch lange nicht durch mit dem Thema 🙂 Denn es gilt dranzubleiben.

      Großes Kompliment auch für deine Bloggerseite im Maritimen Museum. Das ist vorbildlich!

      Herzliche Grüße von Anke

      • Liebe Anke,

        herzlichen Dank. Ja, es ist manchmal so viel. Ich folge auch so vielen Bloggern, die spannende Sachen schreiben. Manchmal komme ich gar nicht hinterher. Es ist schon schwierig alles nachzulesen. Manchmal muss man sich einfach einzelne Themen bündeln. Darum finde ich es gut, dass Du es hier zu diesem Thema tust. 🙂

        Liebe Grüße
        Wera

  2. Liebe Anke, danke für die Zusammenfassung Deiner Session. Sie zeigt, wie wichtig Selfies im Moment sind, vor allem im Museumsbereich. Mir gefällt aber auch der methodische Ansatz, da kommt innerhalb kürzester Zeit wirklich Beachtliches zusammen.

    Noch kurz zu den Erwartungshaltungen: Ich war da auch etwas irritiert, denn nirgends ist es leichter als bei einem Barcamp zu interagieren. Wenn ich das jetzt mal zu interpretieren versuche, heißt das, wir müssen Hilfestellung leisten, damit alle interagieren können. Das ist in meinen Augen eine bedenkliche Entwicklung, wenn wir die Fähigkeit, selbständig zu interagieren, verloren haben. Du hast in Deiner Session einen Weg aufgezeigt, ich habe mir überlegt, welche Möglichkeiten es bei meiner Session gegeben hätte. Vermutlich hätte ich mich auf die Wirkungsziele beschränken und miteinander herausfinden sollen, welche unterschiedlichen Ziele zum Beispiel der Relaunch einer Website oder ein Blog haben kann? Ich probier das mal aus, danke für Deine Anregungen!

    • Lieber Christian, es ist natürlich auch grundsätzlich die Frage, wie sehr man dann auch methodisch vorgibt. Ich denke auch über meine Rolle bei solchen Barcamps nach. Ich denke, dass die Durchmischung von Newbies und Experten irgendwie schon moderiert werden müsste. Ich fand ja die Marcs Idee mit den Zelten nicht schlecht. Aber auf der anderen Seite geht das alles schon in eine ganz andere Richtung, als Barcamps ursprünglich mal gedacht waren. Vielleicht kann man mit Themencamps entgegnen? Der Barcamp-Gedanke ist doch, dass alle auf einem gleichen Level sind und über die Themen auf Augenhöhe diskutieren können. Das gerät natürlich in die Schieflage sobald einige überhaupt nicht wissen,welchen Gegendstand man bespricht. Da muss man dann viel zufüttern, um überhaupt in die Diskussion zu kommen. Was mich natürlich immer sehr freut: es gibt immer welche, die man mitnehmen kann und auch begeistern, sich weiter in die Materie einzudenken.

      Dein Thema fand ich unglaublich wichtig! Zur ABC-Liste kann ich nur zuraten 🙂

  3. Liebe Anke,

    danke für den Einblick in die Stimmungslage beim startCamp Münster und in die Auswertung deiner Session. Mich bewegt das Thema MuseumsSelfies ja auch und ich fand es sehr schade, dass ich nicht beim Camp dabei sein konnte – deine Session hätte ich gerne mitgenommen!

    Vielen Dank auch fürs verlinken!

    Viele Grüße
    Angelika

    PS: Wirst du beim stARTcamp in München sein?

    • Liebe Angelika,
      leider kann ich nicht nach München kommen. Da bin ich an der Uni und habe mein Block-Seminar. Ich hoffe ja auch, dass ich das Thema im Rahmen meines Lehrauftrages noch einmal bearbeiten kann. Es ist auf jeden Fall Stoff für viel Diskussion und Nachdenken über sinnvolle Vermittlungsarbeit. Was die Rechteproblematik angeht, so hoffe ich auch, dass da mal mehr Bewegung in die Angelegenheit reinkommt.
      Auch wenn der erste Hype der Selfieness vorüber ist. Ich finde, daran kann man so schön Grundsätzliches festmachen. Lass uns mal weiter dran stricken und über die Vernetzung auf den diversen Blogs einen feinen inhaltlichen Knotenpunkt basteln 🙂
      Viele Grüße
      Anke

  4. Liebe Anke,

    mein neuer bester Freund zu dem Thema ist der Link zur Datenbank der VG-Bild: http://www.bildkunst.de/service/kuenstlersuche/onlinerechte.html
    Das bringt zumindest etwas Licht ins Dunkel. Denn Museen sagen zwar teilweise: Ja, fotografieren Sie gerne in der Ausstellung. Aber am Ende ist man selbst zuständig, wenn die VG-Bild sich meldet.

    Schade dass du nicht in München sein kannst! Ein andermal!

    Viele Grüße
    Angelika

    PS: Magst du meinen Namen mit einem “o” statt einem “a” ausstatten? 😉

    • *rotwerd* Sorry, sofort das “o” reingesetzt … War nen freudscher Vertipper 🙂 Weil es schade ist, dass wir uns erstmal nicht so schnell persönlich austrauschen können ….
      Danke für die Datenbank-Verlinkung bei der VG Bildkunst. Auf die Schnelle hab ich mich da gar nicht zurechtgefunden! Aber was du sagst: man ist am Ende selber zuständig!
      In der Datenbank wird dann wahrscheinlich auch nicht stehen, dass es in Ordnung ist, wenn man auf dem Blog Abbildungen verwendet, sondern eher, wie viel das kostet, oder wie sind da deine Erfahrungen? Ich muss mich da mal reindenken. Solche Datenbank-Optiken verwirren mich aber auch immer sehr. Bin das nicht gewohnt …
      Liebe Grüße
      Anke

  5. Liebe Anke,

    kein Problem! 😉
    In der Datenbank kann man zunächst prüfen, welche Künstler vertreten werden – z.B. in Bezug auf Onlinerechte. Separat kann man nach Reproduktionsrechten und Folgerechten recherchieren – aber für Social Media und Blogs, das “klassische” MuseumsSelfie-Terrain, sind ja erstmal Onlinerechte von Interesse.
    Sucht man z.B. nach Salvador Dalí, stößt man darauf, dass er (bzw. seine Rechteinhaber) in allen 3 Bereichen von der VG Bild vertreten wird. Will man hier die Rechte entsprechend einholen, kann man sich dann auf der Seite im Bereich “Tarife” schlau machen und die entsprechende Nutzung anmelden.
    Aber Erfahrungen habe ich da noch nicht gemacht – ich achte darauf, entsprechende Künstler nicht zu veröffentlichen.

    Viele Grüße
    Angelika

  6. Liebe Anke !

    Der rechtliche Aspekt ist ein ganz wichtiger. Ich wollte selbst einen Artikel darüber schreiben, dann kam aber alles anders. Mit Kollegen haben wir den Österreichischen Kunstrechtstag ins Leben gerufen und da habe ich einfach den Vortrag “Museumselfies und Fotografieren von Kunst im Museum – Urheberrechtliche Frage- und Problemstellungen” vorgeschlagen, den jetzt ein Autor von meinem Handbuch (Kunstrecht) – ein Rechtsanwalt mit Spezialsierung auf Urheberrecht (der früher in einem Museum arbeitete) – übernimmt. Es ist halt ein Schwanken zwischen dem Wahren der Rechte und einer Werbung für das Museum (und Anpassen an die Änderungen, die das Internet so mit sich brachte). Wenn ich darf – hier der Link zum Kunstrechtstag – http://www.kunstrechtstag.at.

    Sicherlich kommen noch weitere rechtliche Aspekte dazu, wenn in Ausstellungen Werke aus einer Privatsammlung hängen.

    Zuletzt erst bekam ich von einer Museumsverantwortlichen zuhören, dass es besser wäre, generell das Fotografieren im Museum zu verbieten und die Leute sollen kommen und sich das im Original anschauen. Natürlich habe ich hier die bekannten Argumente vorgebracht aber, naja, so lange, so eine Ansicht in den Köpfen vieler ist, ist es noch ein langer Weg.

    Argumentieren kann man viel dafür und auch dagegen. Letztlich werden aber zahlreiche Museen auch durch unsere Steuergelder finanziert, da sollte man dann nicht im Elfenbeinturm sitzen und mit dem Finger auf jene zeigen, die ihnen gratis Werbung machen und auch Leute und vorallem die nächste Generation ins Museum bringt.

    @Angelika – danke für den interessanten HInweis auf die VG Bild.

    Liebe Grüße
    Alexandra

    • Liebe Alexandra,
      so ein Kunstrechtstag klingt sehr gut. Wäre super, wenn dort möglichst viel getwittert wird, so dass wir draußen auch ein paar Dinge mitkriegen.
      Wir sind uns – glaube ich – alle einig, dass man die Rechteproblematik in der Kunst noch viel differenzierter betrachten muss, als das in der Vergangenheit der Fall war.
      Ich kenne das Dilemma ja auch aus der Kunstvermittlung. Wenn man in einem Museum mit moderner Kunst Vermittlungsarbeit betreibst, musst du das im Grunde unter Ausschluß der Öffentlichkeit machen. Das ist natürlich traurig, denn so werden viele gute Projekte nicht in die Welt hinausgetragen, Wissen kann nicht vermittelt werden, die Bildungsarbeit kommt nur einem ausgewählten kleinen Kreis zugute. Das habe ich schon so oft bedauert. Es ist auch nicht leistbar, zusätzliche Kosten für die Verwertungsrechte aufzubringen. Ich habe einmal angefangen, in einem kleinen Video, was wir zu einem sehr spannenden Vermittlungsprojekt gemacht haben, zu zählen, wann und wie viele Sekunden Arbeiten von Künstlern im Bild waren (ja, auch kleine Ecken und Ausschnitte), die rechteproblematisch sind. Ich hab dann aufgegeben und der Film ist nie gezeigt worden. Schade, weil das Projekt war genial!!
      ich kann nur wirklich hoffen, dass sich im Sinne der gesellschaftlichen Relevanz von Kunst in Zukunft andere Modelle gefunden werden.

      Herzliche Grüße von Anke

  7. Bin gerade auf der Seite der VG-Bildkunst unterwegs gewesen und finde diesen Satz:

    “(…) die umfangreiche Rechtsprechung ist nur von Fachleuten zu überschauen, so dass sich in jedem Zweifelsfall eine Rückfrage beim Rechteinhaber oder bei den Verwertungsgesellschaften empfiehlt.”

  8. Liebe Anke,

    längst noch nicht alles richtig gelesen und verdaut, aber Friedeltje möchte nicht länger warten und sich nun bei Dir bedanken, dass er zu der Ehre Deines Blogs gekommen ist! Ja, eine Idee meiner Frau, und ich mische gerne mit! Wir haben uns “Die fabelhafte Welt der Amélie” immer noch nicht angeschaut …
    Ein kurzer Versuch einer Analyse, was sich hinter Friedeltje’s Selfies verbirgt? These 1: eine Art und Weise des Museumselfies wobei man eine gewisse Anonymität behalten kann (man lichtet sozusagen seinen Stellvertreter oder Avatar ab). These 2: ‘Ich fotografiere meine Kinder im Museum’. An Beides ist etwas dran, meine ich.
    Nun, bevor diese Deutungen hier zuhause zu einer Ehekrise führen: zur Hintergrund gehört auch, dass Friedeltje mit seinen Selfies reagiert auf seinen Eisbärfreund Gustaafje (machmal auch auf den Bildern zu sehen). Gustaafje geht grundsätzlich mit mir ins Museum und versteht sich als hervorragender Kunstkenner und -kritiker. Er hält Friedeltje für einen Kulturbanausen und möchte ihm am Liebsten den Zutritt verwehren! Aber Friedeltje geht mit meiner Frau mit und hält nun mächtig mit seinen Selfies dagegen! Ruft kunsthistorische Arroganz vielleicht gerade ‘Banalität’/Selfies hervor, wie hier offensichtlich der Fall ist? Wie auch immer: Kaffee und Kuchen im Museumscafé führt uns dann immer wieder zusammen.
    Soweit dieser kleine Exkurs zu Banalitäten(?) während durchaus seriösen Museumsbesuchen …
    Bald werde ich mich hier nochmals zum Thema Museumselfie äussern – ohne Euch Bären aufzubinden!

    Liebe Grüsse von Peter

    • Lieber Peter, danke für deinen Kommentar und den Hinweis auf Gustaafje … den hatte ich ganz übersehen. Ich finde diese Idee, einen liebenswerten Kommentar zum Museumsbesuch zu schaffen, ganz zauberhaft. Und es ist in der Tat eine gute Möglichkeit, nicht ins Bild zu müssen. Außerdem erzählt es noch eine ganz wunderbare Geschichte, die wieder emotionale Dinge anrührt. Darum geht es doch auch!
      Tja, die kunsthistorische Arroganz – nennen wir es mal beim Namen. Es scheint mir tatsächlich ein besonderes Phänomen gerade aus dieser Fachrichtung zu sein. Beim Thema Kunst sind immer tausend unterschiedliche Ebenen der Kommunikation angesprochen. Es geht in der Regel um die Status-Frage. Und weil die Branche leider nicht boomt wird das gepaart mit Mangeldenken. Ganz schlimmer Mischung. Umso schöner, wenn man befreit aufatmen kann und mit Gleichgesinnten darüber lachen kann 🙂
      Vielleicht sprechen wir auch mal über kulturelle Unterschiede in der Rezeption. NL vs. GER – wir haben ja an anderer Stelle schon von German Befindlichkeit gesprochen. Spannendes Thema. Ich freu mich über weiteren Austausch mit dir. Es war toll, dich in Münster persönlich kennenzulernen. Herzliche Grüße auch an deine Frau, die ich auch gerne mal kennenlernen würde.
      Anke

      • Nun einmal flux loslegen. Habe noch nie so rasch und ausführlich Blogposts kommentiert. Du weisst sehr wohl Menschen dazu zu motivieren! Und ein wenig stARTcamp-Fieber habe ich auch noch.
        Ich wollte mit den Selfies anfangen. Aber da lese ich gerade, dass Tanja Praske nun den Doktortitel führen darf! Das passt doch hervorragend zum Thema ‘kunsthistorische Arroganz’ – Tanja verkörpert ja gerade das Gegenteil! Ich gratuliere zum Doktor und zum Nicht-Arroganz!
        Ob es da Unterschiede gibt zwischen den Niederlanden und der Bundesrepublik, wage ich nicht so richtig zu behaupten. Plakativ einmal ein paar Ursachen für diese Arroganz, wenn sie denn auftritt: Angst, nicht wissenschaftlich zu sein oder zu wirken. Vielleicht auch einmal Angst, den Job zu verlieren. Angst, die Würde der Kunstwerke würde geschmälert werden. Es einfach nicht gelernt haben, Kunstgeschichte in einen grösseren Rahmen zu betrachten (was Kunst im Leben von Menschen alles bedeuten kann, und die Weise worauf) und auf Publikum zuzugehen.
        Mir begegnet diese Arroganz eher selten, aber gerade locker, gesund-selbstsicher und weitherzig ist die Atmosphäre manchmal nicht. Schade. Exakt vor einem Jahr habe ich auf einem GLAM-Kongress in Kopenhagen in einem sogenannten Ignite (Präsentation von exakt 5 Minuten) Museumsleute dazu aufgerufen, dem Publikum nicht nur Art History sondern auch ‘HeART History’ zu schenken:

        (Sharing is Caring 2014: https://sharecare14.wordpress.com/ ). Natürlich betreiben überaus viele die Kunstgeschichte auch mit Herz und Seele; nur scheint es manchmal, als dürfte das Publikum das nicht gerade herausspüren können (‘wissenschaftlich-professionell sollte es wirken’).

        Ein kurzes Wort zu den (Museum)Selfies. Ich verfolge das Thema nicht sehr aufmerksam. Aber lande immer wieder bei Alli Burness (@alli_burnie); z.B. http://www.museuminabottle.com, http://museumselfies.tumblr.com/ und die kurze Präsentation ‘Understanding the Museumselfie’: http://www.slideshare.net/AlliBurness/understanding-the-museumselfie-41891204 . Ich liebe Ihre blogposts. Und ich liebe die Instagram-Selfie-Aktionen der National Gallery of Art in Washington (“ngadc” auf Instagram).

        Reicht für heute, oder?

        • Peter, was für eine wundervolle Wortschöpfung: HeART History! Das finde ich wirklich schön.

          Natürlich betreiben viele Kunsthistoriker ihren Job mit Herzblut. Sie entwickeln eine Leidenschaft für Handhaltungen oder Fußnoten. Sind voller Begeisterung bei der Sache, wenn es um Zuschreibungen oder Provenienzforschung geht. Aber das findet alles in einem geschlossenen Kreis eingeweihter Gleichgesinnter statt. Es gibt sehr wenig Bereitschaft, das Wissen zu teilen.

          Nahezu erschütternd finde ich einige Wortmeldungen der letzen Zeit, die sinngemäß vorschlagen, sich nur noch auf die Museumsbesucher zu konzentrieren, die ein gewisses Bildungsniveau mitbringen. Das ist aus meiner Sicht nahezu menschenverachtend. Und komplett falsch!

          Ich bin sehr froh über die wachsende Community von Museumsprofessionals und auch solchen Experten, wie du einer bist! So hoffe ich, dass man diesen Gedanken ein massives Gegenargument in den Weg stellen kann.

          Ich wünsche dir und deiner Familie ein paar sonnige Ostertage und freue mich schon auf ein nächstes Treffen mit dir. Vielleicht beim stARTcamp in Dortmund? Das wäre schön.

          Herzliche Grüße von Anke

  9. Hallo Anke, nach zum Teil sonnige Ostertage im Rheingau ist nun die Arbeitswoche angesagt und verschiebt sich das online Leben wieder auf die Abenden … Ich habe ein Paar Zeilen zu der Lage der Kunstgeschichte in den Niederlanden in der Mache – könnte noch einige Tage dauern.
    Eine schöne Woche wünscht Peter

    • Hallo Peter, jetzt ist hier auch die Sonne angekommen 🙂 Au fein, ich bin sehr gespannt auf deinen Artikel. Freue mich auf mehr Einblicke in die niederländische Kunstszene.
      Herzliche Grüße von Anke

      • Gerne sage ich ein paar Worte zu ‘Lage und Verfassung der Kunsthistoriker in den Niederlanden’. Ich bin dazu aber schlecht qualifiziert: ich bin kein Kunsthistoriker und ich begegne nicht so oft Kunsthistorikern – bin aber seit einem Jahr Mitglied in “Vereniging van Nederlandse Kunsthistorici” – toll, dass ich da Mitglied werden durfte!
        Gerne werde ich etwas zur ‘Ehrenrettung’ der Kunsthistoriker beisteuern. Zunächst einmal den Vermerk, dass das Niederländische Institut für Kunstgeschichte (www.rkd.nl ; vgl. http://website.rkd.nl/rkdenglish/Collections?set_language=en ) – aktiv ist auf Facebook (www.facebook.com/RKD.nl ) und Twitter (https://twitter.com/RKDnl ) und verstärkt digitale Projekte in Angriff nimmt. Ein Beispiel sind die E-Publikationen RKDMonographs http://www.rkdmonographs.nl/ . Neuerdings schliesst es sich mit mehreren Instituten (inklusive Bildarchiv Foto Marburg) international zusammen um 31.500.000 Karteikarten digital anzubieten. In einem Interview sagt Direktor Chris Stolwijk dazu: “essential to go digital, otherwise we will be working for a only very small group of researchers” (http://www.theartnewspaper.com/news/museums/151347/ ). Heimlich hoffe ich, dass das RKD immer mehr Fotos ohne ‘Wasserzeichen’ und umsonst zur Verfüging stellen wird.
        Andererseits steht – wie das gesamte Kulturbudget in den Niederlanden – auch das RKD finanziell unter Druck und es wird von der Politik dazu aufgefordert, immer mehr Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und mit den Universitäten zu suchen – und vice-versa. Innerhalb des RKD sind es vor allem die jüngeren Leute, die die Social Media accounts bedienen.
        Die “Vereniging van Nederlandse Kunsthistorici” (www.kunsthistorici.nl) ist ebenfalls aktiv auf Facebook und Twitter (https://twitter.com/kunsthistorici – eben, richtig aktiv! – Gruss an @AnnemiekRens  ). Das neueste Bulletin (online) widmet sich ganz der Frage nach den Berufschancen der angehenden Kunsthistoriker: http://www.kunsthistorici.nl/vnk-bulletin/ , 2015/1. In den Interviews werden schon kritische Anmerkungen gemacht und wird der notwendige Unternehmergeist der Kunsthistoriker angesprochen.
        Vermutlich ist die akademische Welt (und der eine oder andere Kurator) noch am meisten verschlossen. Ich weiss aber um den grossen Leistungsdruck der im akademischen Betrieb vorherrscht, das macht einiges auch wieder verständlich. Die grossen, bekannten Museen wie Rijksmuseum, Van Gogh, Mauritshuis, Gemeentemuseum Den Haag haben in Bezug auf Marketing, PR und Social Media, längst die Kurve zu einem offenen, angstfreien Umgang mit Kunst und Publikum geschafft. In einem gestrigen Zeitungsinterview sagt die Direktorin des angesehenen Mauritshuis in Den Haag: “Das Vermitteln von Kunst an ein breites Publikum, das ist die Zukunft der Museen” (http://fd.nl/fd-persoonlijk/1102844/ik-hou-niet-van-spelletjes ). Scheint mir doch ein schönes Schlusswort, oder?
        Liebe Grüsse!

        • Lieber Peter,
          ganz herzlichen Dank für diesen Einblick in den Stand der Dinge bei den Kunsthistorikern in den Niederlanden. Ja, da scheint mir schon vieles ein Stückchen weiter gedacht zu werden als bei uns.
          Und was für ein tolles Schlusswort von der Direktorin des Mauritshuis. In diesem Sinne machen wir mal alle gemeinsam weiter und hoffen, dass sich das auch für Deutschland immer mehr als Leitbild durchsetzen wird.
          Morgen bin ich auf der Maitagung (Museum and the Internet). Ich bin sehr gespannt, was wir da zu hören und sehen bekommen.
          herzliche Grüße von Anke

          • Viel Freude und Erfreuliches wünsche ich für Morgen – werde abends Twitter checken 🙂
            Übrigens halten eine Reihe von kleineren Museen in NL auf Social Media usw. auch tapfer mit 🙂

          • Das RKD hat mir gerade erzählt, dass es nicht nur die ganz jungen Mitarbeiter sind, die die Social Media Accounts bedienen 🙂 . Liebe Grüsse!

          • Ob jung ob alt … ich finde ja auch, dass das keine Rolle spielt. Alle zusammen, das ist schön!

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