Kölner Radtour mit Kultur IV – Von Park zu Park

Mit dieser Radtour erkunden wir den Kölner Norden und fahren zu insgesamt drei Parks mit viel Kunst! Gestartet wird am Ebertplatz. Alternativ könnte man die S-Bahn nutzen und an der Haltestelle Hansaring aussteigen.

Für die Tour haben wir insgesamt 4,5 Stunden veranschlagt – inklusive einer längeren Rast. Die reine Fahrtstrecke bemisst ungefähr 17 km. Also, eine passende Tour für einen ausgedehnten Halbtages-Ausflug.

Wir fahren entlang des kleinen Stadtparks den Theodor-Heuss-Ring hinunter zum Rhein. Der Park ist Ende des 19. Jahrhunderts angelegt worden und zeugt vom eleganten Anspruch der Neugestaltung der Stadt durch die breiten Ringanlagen. Mich erinnert dieses kleine Pärklein irgendwie an den Central Park. Aber als Miniatur-Ausgabe.
Am Rheinufer treffen wir auf einen ungewöhnlichen Bau: die Bastei, die vom Kölner Star-Architekten Wilhelm Riphahn dort 1924 erbaut wurde. Sie ist ein Stück Architekturgeschichte!

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Nachdem ihm Adenauer mit auf den Weg gegeben hatte „Bau dat Ding, Riphahn, aber machen ses schön“ setzte der Architekt sein aus eigenem Antrieb geplantes Projekt um. Die expressionistische Zackenform hatte er schon in einem Modell in Originalgröße getestet um möglichen Bedenken seitens des Denkmalschutzes entgegen zu treten. Die „Caponiere“ in der Folge der mächtigen Ecktürme der Kölner Stadtmauer unter preußischem Militär gebaut, war bereits seit Jahrzehnten eigentlich funktionslos. Die Kölner erkannten schnell das Potential als Aussichtsplattform. Gerne wurde hier gelagert und ein kleines Picknick mit Blick auf den Rhein veranstaltet. Riphahn nahm dieses Freizeitverhalten auf und hatte die Idee eines feinen Restaurants. Es sollte jedoch noch einige Zeit vergehen, ehe er es dann tatsächlich umsetzen konnte. Ein Luxus-Restaurant entstand, das bei seiner Eröffnung im Jahre 1924 das eleganteste im ganzen Rheinland war und in einem Gedicht von Ringelnatz sogar zu literarischen Ehren gekommen ist.

Am Rhein entlang radeln wir nun gemütlich der Zoobrücke entgegen. Kurz davor geht es an einer Ampel über das Konrad-Adenauer-Ufer in den Skulpturenpark Köln. Die Räder kann man davor abstellen und nun sollte man sich Zeit nehmen für einen ausführlichen Rundgang durch eine der schönsten Kulturinstitutionen für umsonst und draußen!

1997 entstand auf dem großen Areal mitten in der Nordstadt nahe des Kölner Zoos der Skulpturenpark Köln. Eine private Stiftung unterhält das von der Stadt zur Verfügung gestellte Areal und zeigt alle zwei Jahre eine neue Inszenierung spannender zeitgenössischer Skulpturen. Der Park geht auf die Initiative des Sammlerehepaares Eleonore und Michael Stoffel zurück. Bis 2015 ist die aktuelle Präsentation zu sehen. Eine sehr gut gemachte mobile App liefert die wichtigsten Informationen zu jedem der ausgestellten Werke. Eigentlich bin ich viel zu selten hier, denke ich jedes Mal. Und ja, es ist irgendwie auch vom Wetter recht abhängig, ob man hier etwas länger verweilen will. Allerdings hat ein verhangener regnerischer Tag im Skulpturenpark durchaus auch seinen Reiz. Aber wenn man mit dem Rad unterwegs ist, dann ist ja auf jeden Fall schon mal gutes Wetter!

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Seit einiger Zeit kann man den Park auch vom Rheinufer her betreten. Diese Anbindung finde ich klasse. Wenn man von hier aus den Park überblickt, so sieht man linker Hand etwas zurückversetzt auf der Wiese hoch oben auf einer Art Säule ein kleines Katzenmädchen stehen. Sie stammt von der Künstlerin Leiko Ikemura, die in Köln lebt. „Die Heiterkeit des fragilen Seins“ – so lautete der Untertitel einer Ausstellung der Künstlerin in Berlin. Mit ihrem phantasievollen Ansatz verwandelt sie den Park in eine Art Märchenwald. Der sehnsüchtige Blick des kleinen Zwitterwesens folgt der Strömung des Rheins in ferne Welten.

Dazu passt sehr schön der wehrhafte Turm von Manfred Pernice im Hintergrund. Fast wirkt es so, als sei das Katzenmädchen aus diesem Turm entflohen. Die Arbeit des Berliner Bildhauers ist ein typisches Beispiel für die Bestimmung von zeitgenössischen Skulpturen zwischen architektonischem Zitat und designtem Objekt. Man kann sogar draufklettern auf die „Peilanlage Forelle“. Irgendwie klingt das nach einem konspirativen Treffpunkt. Türme, die nicht selten sind bei Pernice, sind in der Kunstgeschichte als Utopie-Motive gern genommen. Material und seltsame Dimension des Turmes tun ihr Übriges, um einen in eine verrückte Geschichte zu verwickeln!

Inmitten der von mehreren Flanierwegen durchkreuzten Wiese ist ein Werk von Anish Kapoor aufgestellt. Das als riesiger Hohlspiegel gearbeitete Objekt setzt die Natur, den Park mit dem Himmel und den Bäumen in den Mittelpunkt. Auch die Wahrnehmung des Betrachters in diesem besonderen Naturraum spielt dort eine wichtige Rolle. Der aus Indien stammende Künstler thematisiert in seiner Kunst oft das Immaterielle und die spirituelle Seite der Welt.

Ob jeder Betrachter sich so wirklich in das Spirituelle einfinden kann, weiß ich nicht. Öfter hab ich schon beobachtet, dass manche Besucher interessante Verrenkungen davor ausprobieren. Aber das ist auch in Ordnung, wie ich finde. Eine Möglichkeit, die verschiedenen Spiegelungen austesten. Und letzten Endes findet sich in vielen Werken Anish Kapoors dieser Moment der Bewegung, der Veränderung, in den die Betrachter seiner Kunst immer auch mit einbezogen werden.

Zwei Arbeiten unserer Empfehlung für die Betrachtung im Skulpturenpark sind zwei unterschiedlich gearbeitete Pavillons. Solche Bauten sind uns von historischen Gartenanlagen her vertraut und zumindest der Garden Pavillon von Suo Fujimoto spielt mit dieser Assoziation. Seit er bei der letzten Einrichtung der Skulpturen 2011 in den Park gelangte, verschiebt er die Blickachsen und Wahrnehmungsachsen der Anlage gewaltig. Ein augenzwinkerndes Zitat des „White Cube“ stellt zudem noch eine Nähe zur Idee klassischer Ausstellungsräume her. Ich mag Kunstwerke, die nicht nur sich selbst genügen, sondern auch den Blick des Betrachters lenken und ihm somit neue Seherlebnisse bescheren. Suo Fujimoto ist ein Architekt der besonderen Art, der mit Aussagen wie „In einem Haus zu wohnen, ist wie in einem Baum zu wohnen“ starke Impulse für die Wahrnehmung von Baukunst setzt.

Aber mein absoluter Liebling ist und bleibt die „Tomatensuppe“ – eine von Anfang an in den Park integrierte Architektur, die als Pförtnerhäuschen genutzt wird. Jorge Pardo hat hier wieder einmal die Grenzen zwischen Alltagsobjekt und ästhetischem Kunstwerk verschwimmen lassen. Das grelle Orange und das Plexiglas setzen einen wirklich starken Impuls in den Park, der eben nicht nur als schön arrangierte Anlage mit Dekor wahrgenommen werden soll. Übrigens kann man mit dem netten Museumswärter, der normalerweise in diesem Häuschen Wache schiebt, ganz hervorragend plaudern!

Einen ganz anderen Weg schlägt James Lee Byars ein. Das Alltägliche ist nicht sein Metier. Er, der mit der Performance „The Play of Death“ einst auf dem Balkon des Domhotels das Erhabene und Sublime eines perfekten Augenblicks inszenierte, arbeitete gerne mit Gold. Mit spirituell aufgeladenen Objekten transportierte der amerikanische Künstler auch die Idee des Zen-Buddhismus von Stille und Perfektion. Die goldene Kugel, die den Park als Dauerleihgabe der Eleonore-und-Michael-Stoffel-Stiftung bereichert, nimmt den Betrachter mit auf eine meditative Gedankenreise. Wenn die Sonne scheint, entfaltet sie ihre ganze Pracht und ich hab schon oft mitten im Park vor diesem Kunstwerk einfach mal die Zeit vergessen.

Wer dabei einmal den Blick heben möchte, der erschrickt vielleicht, wenn er den Hubschrauber auf dem Dach des ehemaligen Cafés (schade, dass hier der Betrieb eingestellt wurde) erblickt. Dieser Schreckmoment ist durchaus einkalkuliert vom Künstler Michael Sailstorfer. „Hoher Besuch“ scheint mit diesem seltsam unwirklich daherkommenden Flieger erwartet zu werden. Der Künstler hat den normalerweise einen Höllenlärm verbreitenden originalen Motor durch einen Elektromotor ersetzt, der zu besonderen Anlässen in Gang gesetzt werden kann. Dies unterstreicht dann die irreale Situation und verstärkt die Irritation.

Boxende Hasen! Da stehen zwei boxende Hasen! Oder tanzen die? Je näher man kommt, desto menschlicher werden die beiden sich spiegelnd gegenüberstehenden Hasenfiguren. Um das Ganze – bildlich gesprochen – auf die Spitze zu treiben, stehen sie auch noch auf überdimensionierten Pfeilen. „Large Mirror Nijinski“ hat der Brite Brian Flanagan seine Arbeit genannt. Der Hase ist ein bei ihm häufig verwendetes Motiv. Er interessiert ihn, weil er aus seiner Sicht menschliche Eigenschaften besonders pointiert deutlich macht. Natürlich spielt dabei auch eine Rolle, dass der Hase in vielen alten Kulturen und Mythen ein ganz besonderes Tier ist, welches die Verbindung zum Übersinnlichen mit sich bringt. Ich denke sofort an Beuys, der dem toten Hasen auch schon mal die Bilder erklärte. Flanagan verbindet das Bild mit der Figur des russischen Tänzers Vaclav Nijinski. Ich kann nicht anders: jedes Mal, wenn ich an den beiden vorbeigehe, vollführe ich ein paar kleinen Tanzschritte. Und beschwingt geht es weiter durch den Park!

Vermisst ihr eigentlich Abbildungen? Ich hätte gerne hier einige der Kunstwerke eingestellt, das geht aber wegen der Bildrechte natürlich nicht. Ich hoffe, ich kann euch den Besuch vor Ort trotzdem schmackhaft machen!

Ein Kunstwerk habt ihr bestimmt noch nicht entdeckt! Das Ohr! Ein leuchtend rotes Ohr, was in einer Baumkrone nahe der Rheinuferstraße ganz lakonisch vom Künstler Bogomir Ecker in den Park integriert wurde. Was mag dieses Ohr schon alles gehört haben? Insgesamt sieben Eröffnungen hat es belauscht, denn es ist von Anfang mit dabei. Wenn man es erst einmal erblickt hat, dann beeinflusst das rote Ohr das Hören ganz gewaltig. Es ist wie ein aktivierender Impuls, der einen dann plötzlich dazu bringt, das Rauschen der Zoobrücke, die Stimmen im Park oder das Tuten der Rheinschiffe bewusst zu hören! Die Natur lauscht zurück!

Da es noch mehr Kunst auf unserer Tour zu bewundern gilt, ist es an der Zeit, aufzubrechen und auf die andere Rheinseite überzuwechseln und unsere Radtour dort fortzusetzen.rheinpark
Auf geht es über die Zoobrücke in den Rheinpark. Für Fahrradfahrer, die ihr Rad nicht die Wendeltreppe auf die Zoobrücke hinauftragen wollen, bleibt leider nur der etwas umständliche Weg links am Zoo-Haupteingang vorbei und parallel zur Inneren Kanalstraße auf die Brücke aufzufahren.Auf der anderen Rheinseite kann man dann einem eleganten Schwung folgend direkt in den Rheinpark hinunter gleiten.parkcafe
Die weitläufige Anlage war bereits zweimal Schauplatz der Bundesgartenschau. 1954 wurde der Park angelegt und mit vielen kleinen Details ausgestattet, die heute noch zu bewundern sind. So ist zum Beispiel ein kleines Park-Café ein wahres Kleinod, das allerdings noch immer einer nötigen Restaurierung harrt. Mittlerweile eines der Wahrzeichen Kölns ist die Rheinseilbahn, die bis heute unermüdlich über den Fluss kreuzt. Leider bin ich nicht ganz schwindelfrei und so hab ich bis heute eine Überfahrt noch nicht so wirklich genießen können. Es ist aber unbestritten ein außerordentliches Erlebnis. Ganz zauberhaft ist auch die Mini-Bahn, die noch mit der originalen kleinen Zuglok im 50er-Look nicht nur kleine Jungs in ihren Bann zieht.Bahnrheinpark
In den zwanziger Jahren wurden nicht nur die Richtung Deutz angrenzenden Messehallen erbaut, sondern auch unter der Leitung von Fritz Encke ein Erholungspark. Bauten wie das Staatenhaus und auch die Anlage des Tanzbrunnens sind damals entstanden.
Als die Stadt Köln den Zuschlag für die Ausrichtung der Bundesgartenschau 1957 erhielt, wurde die heute noch sichtbare Gestalt des weitläufigen Rheinparks geschaffen. Mit aufgeschütteten Trümmerresten gestaltete man eine sanft hügelige Landschaft, die wunderbar begrünt wurde und die vor allem durch zahlreiche Brunnenanlagen ein äußerst lebendiges Gesicht erhielt. Zudem hatte das Wallraf Richartz Museum sein Depot durchforstet und unter anderem Skulpturen von Gerhard Marcks und Renée Sintenis zur Verfügung gestellt. 2007 – zum 50. Jubiläum – wurde der Park zu Recht als schönste Gartenanlage Deutschlands ausgezeichnet.VLUU L100, M100  / Samsung L100, M100Auch heute noch kann man den besonderen Charme der 50er-Jahre im Park erahnen. Ein besonderer Schwerpunkt lag damals auf der Gestaltung von Themengärten. Der sogenannte Brunnengarten ist mit insgesamt verschiedenen Zierbrunnen ein bis heute unübertroffenes Wasserschauspiel in Köln, das in den letzten Jahren durch einige Initiativen vor der vollständigen Verwitterung gerettet werden konnte.
Neben einigen abstrakt gestalteten Schalenbrunnen ist vor allem das Schauspiel einer von Helga Hammerbacher angelegten Wasserterrasse bemerkenswert. Man kann hier sehr schön nachvollziehen, wie die abstrakte Formensprache der fünfziger Jahre mit der Idee eines lebensfrohen Wasserplätscherns die Euphorie der Wirtschaftswunderzeit aufgenommen hat.

Was man aus den leichten und gefälligen Architekturformen jener Jahre Wunderbares zaubern kann, zeigt die Integration der sogenannten Rosenterrassen in die Claudius-Therme. Mit drei Seiten großzügig verglast und durch zierliche Stahlstreben gegliedert, ist das Café einst ein reizender Blickfang gewesen und verbindet heute die Therme auf gelungene Weise mit dem Rheinpark. Früher startete von hier aus noch ein Mini-Sessellift, auf dem man in moderater Höhe durch den Rheinpark gondeln konnte. Nach der Umgestaltung und Integration der Rosenterrassen ist dieser eingestellt worden und das gesamte Areal von der Claudius Therme übernommen worden.

Apropos Therme: diese wird auch heute noch gespeist von einer Mineralwasserquelle, die man im Rheinpark vorgefunden hatte und die einst durch einen Trinkbrunnen genutzt wurde.

Wir setzen unsere Radtour fort, indem wir in östlicher Richtung zum Auenweg fahren. Vor dort aus wechseln wir auf die Deutz-Mülheimer-Straße, die hinter der Mülheimer Brücke mit interessanten Kulturstandorten aufwarten kann. Das Kunstwerk ist eines der größten selbst verwalteten Atelierhäuser deutschlandweit und ein spannendes Gelände, das nicht selten als Drehort für atmosphärische Filmaufnahmen herhalten muss. Ein Besuch während der offenen Ateliers oder zur Langen Nacht der Museen ist unbedingt empfohlen. Wer hier kurz vorbeiradeln möchte, der fährt die Deutz-Mülheimer-Straße noch einmal stadteinwärts hoch.

Wenn wir die Straße weiter in der anderen Richtung fahren, so fällt einem auf, dass sich links und rechts immer mehr historische Industriebauten zeigen. Und tatsächlich befindet man sich hier auf einer der letzten erhaltenen Industriestraßen Deutschlands. Unternehmen wie Klöckner Humboldt Deutz hatten hier ihre Produktionsstätten. In einer der alten Hallen ist bis heute die ehemalige Teststrecke für die Wuppertaler Schwebebahn versteckt. Da das gesamte Gebiet aber nicht komplett erschlossen ist, bleibt es den Augen Interessierter verschlossen. Projekte wie das Hotel New Yorker mit dem angeschlossenen sanierten Dock One bilden da eine Ausnahme. Aber man ahnt, was sich an architektonischen Schätzchen noch in diesem Areal verbergen könnte.

Das Café Jakubowski ist eine gute Möglichkeit, eine kleine Pause einzulegen. Hier gibt es leckeren Kaffee und auch einen köstlichen Kuchen. Danach geht es noch ein Stückchen weiter die Deutz-Mülheimer-Straßen entlang, um dann über die Krahnenstraße wieder an das Rheinufer zu gelangen. Den Rest der Strecke kann man gemütlich am Rhein entlang Richtung Stammheim fahren. Für das letzte Stück empfiehlt es sich, in die Stammheimer Hauptstraße einzubiegen. So gelangt man am besten zu unserem nächsten Ziel – zum Haupteingang des nächsten wundervollen Parks randvoll mit Kunst.

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Der Schlosspark Stammheim stammt im Ursprung der Anlage aus den Jahren 1828 bis 1832. Da nämlich beauftragte der Besitzer eines ehemaligen Rittergutes am Rhein den Gartenarchitekten Maximilian Friedrich Weyhe mit der Gestaltung eines zum neu erbauten Schloss passenden Parks. Vor allem durch die Belieferung mit exotischen Baumarten durch die Kölner Flora wurde der Park zu einem außergewöhnlichen Kleinod.
Seit 2002 wird jedes Jahr zu Pfingsten eine Skulpturen-Ausstellung im Schlosspark präsentiert, die von der Initiative Kultur Raum Rechtsrhein organisiert wird. Die besondere Atmosphäre der Kunst zwischen den uralten Bäumen so direkt am Rhein ist unübertroffen. Man kann den Park zu jeder Tageszeit betreten und ist aufgefordert, sich so viel Zeit zu nehmen, wie die Auseinandersetzung mit der Kunst in der Natur braucht.
Die Arbeiten der Künstler setzen sich in den meisten Fällen mit der Situation des Schlossparks auseinander.

So stellt die Arbeit  „Remnants“ der New Yorkerin Linda Cunningham eine Erinnerung an die vielen Schichten der Historie dar. Ursprünglich mit Fundstücken aus Berlin zu einem Fragment gestaltet, ist hier vor allem der mittelalterlich anmutende Spitzbogen eine deutliche Anspielung auf das untergegangene Schloss.

Auch Herbert Labusga hat mehrfach die Vergangenheit des Schlossparkes in seinen Arbeiten reflektiert. So sind auch die beiden Löwenfiguren aus seiner Werkstatt, die als Bauschmuck am Eingang an die einstige Pracht der Residenz von Fürstenberg-Stammheim erinnern. In einer früheren Installation erschien auch das Fürstenpaar am Rheinufer in einem Zitat des alten Schlossbaus.

Ganz frei assoziiert die Künstlerin Jaeyoung Choi mit ihrer filigranen Wolke aus Kabelbindern, die sie in eine Baumkrone hineingehängt hat. Ein kleines Plastikteil, das in seiner Anhäufung plötzlich eine andere Aussage erhält. Und zwar die der ideellen Verbindung – ein schöner poetischer Moment mitten in der Natur.

Mein Lieblings-Kunstwerk im Stammheimer Schlosspark ist die Arbeit von Gilbert Flöck. Dieser inszenierte eine als „Loreley von Stammheim“ bekannte Dame aus dem Hause derer zu Fürstenberg-Stammheim. Ihr Rock ist eine Hecke, aus der eine rokokohaft anmutende Frauenfigur als Drahtzeichnung hervorschreitet. Die Inszenierung dieser historischen Szene wird noch durch eine muntere „Hundmeute“ ergänzt. Mir gefällt diese Art der Zeitreise im Park. Und die frühere Bewohnerin muss ein wahrhafter Knaller gewesen sein – sie erregte so viel Aufsehen, dass so mancher Rheinschiffer extra am Ufer anlegte, um vielleicht einmal einen Blick auf sie zu erhaschen.

Dazu passt das am Rheinufer in die Ferne blickende Grafenpaar, welches Herbert Labusga aufstellte, um an die Zeit zu erinnern, als es noch ein Schloss gab und man sich hier an dieser äußerst exponierten Stelle eine hübsche Residenz hingesetzt hatte. Das eigentliche Kunstwerk ist in einem sehr interessanten Prozess hergestellt worden. Den Rasenboden als „Form“ nutzend, schachtete der Künstler die Formen der Figuren und ein dazugehöriges „Fenster“ aus und goss diese mit Beton aus. Dass dieser auch so manchen Bodenfund mit aufgenommen hat, erhöht nur die Wirkung als Träger der Vergangenheit. Die Arbeit zeigt sehr schön, wie die Kunstwerke im Zusammenhang ihrer Umgebung zu theaterhaften kleinen Szenen inszeniert werden können.

Labusga wiederholt dieses noch einmal, indem er mit den  „Bürgern von Stammheim“ aus Stahl den Park auf eine ganz besondere Weise bevölkert. Sollte sich jetzt jemand an die berühmten „Bürger von Calais“ erinnert fühlen, die einst von Auguste Rodin geschaffen wurden – nur zu! Diese Assoziation ist sicher vom Künstler gewollt!

Einen ganz besonderen Reiz scheinen die alten Bäume auf so manchen Künstler ausgeübt zu haben. Sie installieren sie ihre Kunst hängend in die Äste, oder führen die Wurzeln weiter. So wie in der Arbeit von der Künstlergruppe Take Five, die ein goldenes Wurzelwerk von einer Rotbuche aus Richtung Wasser wachsen lässt.

Die Arbeit von Peter Marth und Stephanie Schröter ist ein besonders schönes Beispiel dafür. Da pflügen drei sich an den Händen haltende Figuren durch den Rasengrund. Seltsam archaisch mutet diese Haltung an. Ich denke sofort: „Das sind Freunde, die gemeinsam gegen Widerstände ankämpfen!“ Ach, herrlich, wenn Kunst die Synapsen befeuert und man seine eigenen Gedankengebäude errichten kann. Ausgelöst von einem Impuls, den die Kunst einem in den Kopf setzt. Hier an der frischen Luft und am rauschenden Rhein. Ich merke, wie ich immer mehr zum Fan von Skulpturenparks werde. Natur und Kultur – eine unschlagbare Mischung.

Dass der Park so manchen Künstler zu Phantasien in besonderer Kulisse anregt, zeigt auch die surrealistische Arbeit „Die Befreiung der Parkbank“ von Andreas Schmotz. Dort wird die ansonsten stoisch für die Besucher bereitstehende Parkbank plötzlich zu einem rebellischen Wesen und tanzt im wahrsten Sinne aus der Reihe.
Und so gibt es noch zahlreiche andere Kunstwerke, die Geschichten erzählen, die Phantasie anregen und den Besuch des Stammheimer Schlossparks zu einem wunderbaren Erlebnis werden lassen. Wir aber machen uns nach dem ausführlichen Rundgang auf die Heimreise.

Wer möchte, kann noch einen kleinen Schlenker über die Schlossstraße zur Salvatorstraße und über die Straße Am Oberhof machen. Eine weitere Schleife können fitte Radler auch noch einplanen. Nämlich zum Telegraphen, der einige hundert Meter weiter in nördlicher Richtung an der Egonstraße zu finden ist. Die Nr. 50 innerhalt einer optischen Kommunikationskette zwischen Berlin und der Rheinprovinz ist ein faszinierendes Denkmal frühester Nachrichtenübermittlung und entstand 1834!

Die dörfliche Struktur von Stammheim ist ganz hübsch anzusehen. Weiter geht es über die Gisbertstraße wieder hinunter zum Rheinufer und zurück in Richtung Mühlheimer Brücke. Von der Mülheimer Freiheit biegen wir in die Wallstraße und können dort einen kleinen Zwischenstopp im Café Vreiheit einlegen. Dieses Café ist berühmt für seinen tollen Frühstücksbrunch am Sonntag. Aber auch zu den anderen Tagen gibt es immer ein leckeres und frisches Angebot. Alles bio!

Frisch gestärkt geht es weiter über die Buchheimer Straße kurz auf den Cleveschen Ring und dann hinauf auf die Mülheimer Brücke. Von dort aus hat man noch einmal einen herrlichen Blick auf den Knick, zu dem der Rhein so kurz vor Leverkusen weit ausschwingt. Wir fahren die Mülheimer Brücke auf der linken Seite hinunter zur Straße An der Schanz und dann durch die Riehler Aue. Dort kann man – so man nicht schon vorher gerastet hat – im ehemaligen Schwimmbad einkehren. Auf dem Gebiet eines der ältesten Schwimmbäder Kölns konnte 1998 ein herrlicher Biergarten eingerichtet werden. Weiter am Rheinufer entlang gelangen wir wieder zum Theodor-Heuss-Ring und zum Ebertplatz von wo aus ihr die Heimreise antreten könnt – je nachdem, wo ihr hinmüsst per Bahn –  oder noch ein paar Strecken mit dem Rad.

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