„Über 140 Zeichen“- Ein twitterarisches Lesebuch

In einem Rutsch durchgelesen und bei jedem zweiten Satz innerlich ganz begeistert aufgehüpft: das war mein gestriges Nachmittagsschmankerl, das ich euch allen wärmstens ans Herz legen möchte. Das im coolen Frohmann-Verlag erschienene „Über 140 Zeichen“ ist nicht nur ein Blick in die Twitter-Werkstatt zahlreicher Autoren. Nein, es ist auch selbst ein fabelhaftes Stückchen „Twitteratur“, wie es Jan-Uwe Fitz aka @vergraemer so treffend befindet.

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Twitter ist nämlich mehr als ein Nachrichten-Stream. Und was dieses Mehr ausmacht, das findet sich in dieser von Stephen Porombka zusammengestellten Anthologie aufs Vortrefflichste beschrieben. Apropos Anthologie: „twitter ist eine sehr eigenartige form der anthologie. in gewisser weise eine anthologie des twitter ist eine sehr eigenartige form der anthologie. in gewisser weise eine anthologie des vertrauens, da nicht tweets, sondern twitterautorInnen liebevoll für die eigene timeline oder noch feinsortierter in eigenen gruppen zusammengestellt werden“ lässt @van_Roehlek seinen kafkaesk anmutenden herrn z sagen. Sein Beitrag ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie sich die Worte in diesem Twitter zu spannenden neuen Realitäten verdichten können.

Das digital publizierte Buch führt den Leser durch die Verschränkung von realen Impulsen für den nächsten Tweet und nahezu philosophischen Diskursen über Identität und Sprache immer tiefer in das Twitter-Universum. Dieses wird vor allem als eine großartige Spielwiese beschrieben, wo zum Beispiel eine Maxime lautet: „Man soll einzelne Tweets nie erklären. Nie, nie, nie.“ So der @MannvomBalkon, der mich allerdings überrascht hat mit der Vorstellung eines Satzbausteine hin- und herschiebenden Tweet-Entwicklers.

Ob sie Twitter als „Tagebuch“ (@UteWeber) begreifen oder als „endloses Leporello“ (@Chouxsie) – in einem sind sich alle Autoren einig: Twitter hat einen ganz besonderen Einfluss auf ihre Sprache und man kann sicher davon sprechen, dass hier ein neues literarisches Empfinden entstanden ist. Auch wenn man das hie und da durchaus argwöhnisch betrachtet. „Ich habe keine Geister gerufen. Ich hab mich lediglich bei Twitter angemeldet.“ In solchen Sätzen des @vergraemer steckt viel Wahrheit! Wehe dem, der Twitter nicht als Spiel begreift.

„Twitter lässt mich am Denken anderer Menschen teilhaben“ beschreibt @sinnundverstand und sieht Twitter durch den „Zwang, zum einmal Geschriebenen zu stehen“ als wichtige Schule des Schreibens. Es gilt, hier eine eigene Stimme zu finden, die Balance zwischen Professionalität und Privatheit zu halten und sich dem „Flow zu überlassen“ (@FrohmannVerlag).

Besonders Spaß hatte ich beim lesen des herrlichen Interviews mit @TurmBuchOch, die jede Frage gekonnt mit einem Zitat der Weltliteratur beantwortete. So geht das mit dem Spielen. Und weil Twitter auch immer dieses Flüchtige anhaftet, so ist dieses Buch doppelt wichtig. Da wird nämlich das festgehalten, was wir alle an Twitter so lieben. Der „Dance-Floor“ der 140 Zeichen (@FrohmannVerlag). Es zuckt schon in den Füßen!!! Bleibt mir nur noch, eine unbedingte Leseempfehlung für „Über 140 Zeichen. Autoren geben Einblick in ihre Twitterwerkstatt“ abzugeben.

 

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Kommentare

2 Antworten zu „„Über 140 Zeichen“- Ein twitterarisches Lesebuch“

  1. Avatar von vergraemer

    Ich bin aber auch ein verdammter Wichtigtuer, das darf man nicht unterschlagen, Frau von Heyl!

  2. Avatar von Anke von Heyl
    Anke von Heyl

    Nun mal nicht so bescheiden, Herr Vergraemer …

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