EG Null – Raum für Kunst

Wer dieser Tage im Auto an der Kreuzung Tunisstraße / Komödenienstraße an der Ampel wartet und den Blick nach rechts wendet, der wird möglicherweise eine schöne Überraschung erleben. Ein großes Fenster öffnet den Blick in den Schauraum EG Null. Und man erhascht eine Blick auf “Maximum Power 2”. Eine Arbeit des Künstlers Bastian Hoffmann, der derzeit hier ausstellt. Eine echte Entdeckung, wie ich finde! Und wie die meisten der in diesem Projekt der Generali Deutschland vorgestellten Künstler ein “Gewächs” der KHM. Die Kunsthochschule für Medien ist mit dem Experimantallabor von Mischa Kuball ein Bündnispartner im EG Null und die Kuratoren Georg Elben und Julia Höner betreuen das lobenswerte Kunstengagement der Versicherung.

Doch zurück zu “Maximum Power 2”. Die Arbeit besteht aus einem Nissan Micra, über den sich unablässig ein Schwall Wasser ergießt. Es entsteht eine reizvolle Spannung zwischen dem fast spießigen Kleinwagen und der Ästhetik einer glänzenden Oberfläche. Absolute Höchstleistung, wie der Künstler diese faszinierende Installation hinbekommen hat.

hoffmann

In dem eleganten Raum mit dem großen einladenden Fenster zur Straße hin finden sich drei Arbeiten von Hoffmann, die vor allem das Spiel mit Oberflächen und Wahrnehmung von Bildrepräsentationen eint. Zentrales Stück ist eine großformatige Video-Präsentations-Wand, auf der man nach einigem Hinsehen Berggipfel in wabernden Nebelschwaden erkennt. Frönt der Künstler hier romantischer Sehnsucht nach dem Naturerlebnis? Oder lockt er den Betrachter mit einer Scheinwelt hinter das Licht? Denn dass er eine besondere Freude an illusionistischer Täuschung hat, kann Bastian Hoffmann nicht verhehlen. Man muss sich nur einmal den schwebenden Berg anschauen, der die Besucher direkt nach Betreten des Raumes in den Bann zieht.

Die Video-Installation ist ein meisterhaftes Lehrstück moderner Kunst. Was sehen wir und was ist Wirklichkeit? Schon die Surrealisten haben sich dieser Frage angenommen und Bastian Hoffmann greift diesen Impuls in seiner Arbeit auf. Im Falle der Berggipfel steckt tatsächlich eine mehrfach gebrochene Bild-Abbild-Spirale dahinter. Zunächst hat er ein Modell aus Pappe gebaut, welches er mit Google-Earth-Fotos von tatsächlichen Bergen beklebt hat. Mit Kunstnebel und geschickter Kameraführung entstand dann die fantastische Bergwelt im Video. Irgendwie kommt mir spontan René Magritte in den Sinn. Ceci n’est pas un montaigne! Auch bei dem schwebenden Berg ist er in meinem Hinterkopf. Le Château des Pyrénées – bei Magritte schwebt ein riesiger Felsbrocken durch den Himmel.

schwebenderBerg

(c) Bastian Hoffmann. Jürgen, 2013. Holz, Keramik

Doch während der Surrealismus eher in die verschütteten Welten des Unterbewusstseins führt, geht es Hoffmann um etwas anderes. Immer wieder thematisiert er in seinen Arbeiten die Umsetzung einer bestimmten Idee. Mit idea (altgr.) ist das Erscheinungsbild von etwas gemeint, was gesehen wird und dabei einen bestimmten Eindruck macht. Gestalt, Erscheinung, Urbild – das sind gedankliche Ecken, in denen man die Arbeiten von Hoffmann unbedingt weiterdenken sollte. Bevor es jedoch auf dem hochphilosophischen Podest zu kompliziert wird, nimmt der Künstler uns mit zu einer radikal banalen Transformation dieses Gedankens.

In genial konzipierten Video-Clips ahmt er Youtube-Tutorials nach, die mit Schminktipps oder DIY-Anleitungen eine unfassbar riesige Fangemeinde erreichen. Ein durchaus auch kritisch zu sehender Trend der zeitgenössischen Medienwahrnehmung. “Today I want to show you …!” sind perfekt in Ästhetik, Dramaturgie und Sounddesign diesen Vorbildern angepasst. Es sind spannende Statements auch zum künstlerischen Prozess an sich und nicht ohne eine erfrischende dadaistische Note. Mein Lieblingsvideo ist dieses hier:

how to turn a wooden board into a press board from bastian hoffmann on Vimeo.

Noch bis zum 12. September haben Kunstinteressierte Zeit, sich die Ausstellung anzusehen. Dafür muss man nur beherzt am Eingang in der Tunisstraße 19 klingeln und kann sich dann nach kurzer Anmeldung beim Empfang in der Zeit von Montag bis Freitag, 10 bis 20 Uhr umsehen.

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