Stichwort Partizipation

Partizipation

Das Marta Herford hat zu einer Blogparade aufgerufen. Nach Karlsruhe nun schon das zweite Museum, das zu Museum zu einer Parade aufruft! Ich finde es jedenfalls super. Und dann noch das Thema. #BesucherMacht – jetzt soll es aber richtig krachen. Man merkt, dass es dem Museum ernst ist. Sie wollen den Dialog, sie wollen Partizipation. Und schieben gleich mit Paarweise eine spannende Kurationsbeteiligung der Besucher hinterher. Wir haben es hier mit zwei Ansätzen zu tun, die ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem offenen Museum sind. Dass das mit der Partizipation nicht ganz einfach ist, ist bestimmt jedem klar. Mir zumindest seit nunmehr 30 Jahren, in denen ich mich als Kunstvermittlerin mit diesem Thema beschäftige. Da geht es ans Eingemachte. Es muss das System Museum neu gedacht werden. Und da haben wir noch nicht vom Internetz gesprochen. Ich will die Frage nach der Besuchermacht gerne aufgreifen und mich mit Begriffen auseinandersetzen, die damit zu tun haben. Aus meiner Sicht. (Achtung: viel Text, keine Bilder.)

Beziehungsstatus: es ist kompliziert

Wer ist denn dieser Besucher eigentlich? Und welche Macht hat er tatsächlich. Gut, das Thema “Abstimmung mit den Füßen” wollen wir mal beiseite lassen. Das ist irgendwie auch nicht so richtig zielführend. Vor allem nicht, wenn es gilt, Visionen zu entwickeln.

Besucherforschung ist ja ein alter Hut. Es gibt da unzählige Studien, die uns Auskunft darüber geben, woher die Besucher kommen. Sicher auch viele, die uns etwas über sein Geschlecht, seinen sozialen Status und das Alter erzählen. Aber ich habe irgendwie das Gefühl, dass es kaum qualitative Untersuchungen gibt. Was erwartet der Besucher? Oder vielleicht: was hält ihn eigentlich ab, ins Museum zu kommen. Wenn er da war: was nimmt er an Erkenntnis mit nach Hause. Ich meine mich zu erinnern, dass es vor ein paar Jahren mal eine Studie zu Barrieren kultureller Nutzung gab. Leider kann ich die hier nicht verlinken. Aber es gäbe sicher noch sehr viel zu tun, wenn man wirklich an dem Besucher interessiert ist und ihn näher kennenlernen möchte.

Bestimmt kann jeder, der im Umfeld der Museen oder anderer Kulturinstitutionen arbeitet, aus der eigenen beruflichen Erfahrung schon viel beisteuern zum Bild des Besuchers. Auch zu den Erwartungen und Bedürfnissen gibt es eine Menge zu sagen. Die große Frage lautet jedoch: wie weit geht man hier aufeinander zu? Wie viel Zeit nimmt man sich füreinander? Achtsamkeit! Wertschätzung! Winzigkeiten können manchmal so wichtig sein. Das fängt schon bei der Sprache an.

Der Museumsbesuch

Hier habe ich einen interessanten Satz gelesen: “Der Museumsbesuch ist soziales Handeln” (S. 192). Volker Kirchberg weist darauf hin, dass der Besuch des Museums eine “notwendige definitorische Komponente der Existenz von Museen” sei. Später entwirft er sogar die Vorstellung vom Museum als eine Art Bühne. Alles Gedanken, die eine spannende und mir recht frische Perspektive auf den Museumsbesuch eröffnen. Das hat doch Potenzial, oder?

Vor diesem Hintergrund muss sich natürlich auch die Frage nach der Besuchermacht völlig anders stellen. Es geht nicht darum, den Besucher in einen ihm ansonsten verschlossenen Raum hineinzulassen und ihm für eine begrenzte Zeit zu erlauben, darin zu agieren. Sondern erst durch den Besucher kann sich überhaupt das Museum als solches vollenden. Das Museum – und in der Folge natürlich auch die Artefakte, die Objekte, die Kunst – brauchen den Besucher!

In ihrem Blogbeitrag schreibt Sarah Niesel darüber, dass man ein museales Urteilsvermögen vom Besucher erwarte. Sie bezieht sich hier auf die Co-Kuration im Hinblick auf die Ausstellung “Paarweise”. Aber vielleicht kann man das auch erweitern auf die Begegnung zwischen Besucher und Kuratoren generell? Zumindest spricht sie davon, dass der Besucher in dem genannten Experiment “Zutritt zur Bühne des Museums” erhält. Ein bisschen klingt es danach, als öffne man ihm eine geheime Kammer. Was aber, wenn der Besucher die Bühne von vorne herein für sich beansprucht? Das geht nicht?

Community

An dieser Stelle muss ich über Gemeinschaft sprechen. Oder über die neudeutsche Community. Es geht um eine Gruppe von Menschen, die ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl verbindet. Wer bei Wikipedia nachliest, der wird in der Definition auch finden, dass der Community durchaus eine Abgrenzung nach außen zu eigen ist. Das ist zum einen spannend, wenn man sich nach Zielgruppen umtut. Und diese vielleicht nicht nur in “junges” Publikum und “Stammbesucher” unterteilt. Sondern noch ein bisschen differenzierter hinschaut. Genau analysieren, das ist echt auch Arbeit. Und man hat ja kaum Ressour … okay, lassen wir das mal.

Anders herum wird auch ein Schuh draus. Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Museumsarbeiter ist nicht zu verachten. Zudem erlebe ich es immer wieder, dass man sich nicht verstanden fühlt mit all den Anforderungen, die so ein Museumsjob mit sich bringt. Abgesehen von den ganzen Sachzwängen (ich schmeiße mal eben das Stichwort “Bildrechte” in die Runde … und höre ein kollektives Aufjaulen!!!). Aber das muss man auch mit in die Waagschale werfen, wenn es um die Macht des Besuchers geht. Der Besucher sollte seine Macht auch sinnvoll einsetzen und verstehen, was wichtig ist.

Nochmal zur Frage der Zielgruppe. Da fällt mir ein Interview mit Nina Simon ein, dass ich vor einiger Zeit via Periscope verfolgt habe. Sie betonte, dass sie ihr Museum (Santa Cruz Museum of Art and History) sehr klar auf die Gruppe der vor Ort lebenden Menschen fokussiere. Das heißt, sie sprechen die unmittelbare Nachbarschaft an. Und konzentrieren sich komplett darauf. Ein kleiner Radius, den sie im Blick haben. Aber so können sie dort natürlich sehr gezielt auf die Bedürfnisse der Zeilgruppe eingehen.

Auch wenn es vielleicht keiner so bestimmt sagen würde – viele Museen, die ich kenne, strecken ihre Fühler ganz weit aus. Manchmal sogar über den großen Teich. Weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass ein Großteil ihrer Besucher Touristen oder international agierende Professionals sind? Oder weil sie sich eine gewisse Reputation von der Wahrnehmung über die Grenzen des eigenen Ortes hinweg erwarten?

Jetzt wäre es an der Zeit ein Wort über Influencer zu verlieren. Oder Stakeholder. Multipliatoren. Jede für sich bedeutsam. Vor allem auch im Hinblick auf das Wörtchen “Macht”. Das sind die Verbindungen in größere Communities. Habe ich einen, sind die Chancen groß, sie alle zu kriegen. Aber was sind die Konditionen? Wie mache ich Influencer zu meinen Komplizen? Was brauchen Multipliatoren, um die Botschaft weiterzutragen? Wie viel Macht gestehe ich Stakeholdern zu? Wenn es jetzt um Social Media geht, dann fehlt natürlich der Begriff: Reichweite. Ich lass das jetzt mal hier offen. Beziehungsweise lade zur Diskussion ein. Denn ich möchte zum eigentlichen Kern der Sache kommen.

Partizipation

Oben habe ich ja schon auf das mittlerweile legendäre Buch von Nina Simon verlinkt. The Participatory Museum. Vor ein paar Jahren gab es auch ein spannendes Blog vom Frankfurter Historischen Museum dazu. Und obwohl es irgendwie so durchgenudelt klingt, ist das Thema Partizipation noch längst nicht bis in alle Feinheiten diskutiert worden. Und schon gar nicht überall in der Praxis umgesetzt. (In diesem Jahr ist das Thema Partizipation zumindest heiß genug, um es zum Leitmotiv der re:publica zu machen. Ich überlege noch, ob ich mich als Speaker bewerben sollte.)

“Im Kontext der new museology erscheinen partizipative, das Publikum grundlegend involvierende Ansätze und Formate von Bewegung, Performanz, Praxis im Ausstellungssaal bisweilen als Ausweg aus der Krise der Repräsentation in Museen, als Strategie, mit der die Institution das Terrain von Macht hinter sich lässt.”

Interessanter Satz, den ich einem sehr langen Text von Elisabeth Timm gefunden habe. Ich verlinke gerne darauf. Auch wenn es mir persönlich zu viel Theorie und Zusammenfassung der Geschichte bzw. fachlicher Diskussion ist. Mit langer Literaturliste!

Theorie ist ja bekanntlich grau. Was also mit des Lebens goldnem Baum? Michael Kröger hat ja schon ausgeführt, wie Partizipation im Felde der Kunstrezeption aussehen kann: “jeder Betrachter besitzt oder erzeugt unterschiedliche Möglichkeiten, um auf Angebote oder Zumutungen eines Werkes spielerisch, reflektierend oder sonstwie teilnehmend zu reagieren – und damit die Grenzen der Werkbetrachtung zu verändern.”

Aber – und jetzt kommt die Vermittlung ins Spiel – wer verfügt über die Fähigkeiten, auf die Angebote, die ein Kunstwerk macht, entsprechend zu reagieren. Ja, der Besucher hat die Macht. Im Museum ist er eingeladen, die Kunst zu vollenden. Was aber, wenn er sich das nicht zutraut? Wenn er den Einstieg nicht findet? Hat der Besucher genügend Selbstvertrauen, sich intuitiv mit seinem Wissen, seiner Persönlichkeit, der Kunst zu nähern. Seinen eigenen Assoziationen zu trauen?

Ein häufig gehörter Satz in meinem Job ist der: “Wenn Sie das jetzt nicht gesagt hätten, dann wäre mir das nicht aufgefallen.” Ich mag diesen Satz überhaupt nicht! Weil er für mich die Quintessenz einer passiven Rezeptionshaltung ist, die keinen glücklich macht. Den Kurator nicht. Und den Besucher schon gar nicht. Leider ist es aber eine über lange Zeit gepflegte Praxis der Rezeption. Da kommt man nicht so schnell raus. Und wenn dem Besucher jetzt eine Macht zugesprochen wird, so kann er sie unter Umständen gar nicht nutzen. Er weiß nichts damit anzufangen. Hier beginnt für mich die Verantwortung des Museums, den Besucher eine Partizipation zu ermöglichen. Auch durch gezielte Anleitungen zur Interaktion. Mikel Bower hat in seinem Beitrag  Ideen aus dem Theater geschildert. Für solche und alle anderen Aktivitäten gilt: Nachhaltigkeit ist das Zauberwort. Der Erfolg solcher Strategien kann und wird sich nur über einen längeren Zeitraum messen lassen.

Das Digitale

Im Grunde gilt das, was ich bislang geschrieben habe für das Digitale genauso wie für das echte Leben. Denn – und ich weiß nicht, zum wievielten Male ich das jetzt sage – es geht um Kommunikation zwischen Menschen. Für das Agieren in den sozialen Netzwerken sollten die Regeln des menschlichen Miteinanders gelten. Das wird aber meist schwierig, wenn man als Mensch gar nicht so richtig erkennbar ist im Netz. Es setzt doch auch eine gewisse Authentizität voraus. Und die Tatsache, dass ich mein Gegenüber erkenne. Erst dann weiß ich auch, wie ich mit ihm sprechen kann.

Ich habe immer wieder von Museumsmitarbeitern Klagen gehört, dass die Aufforderungen zur Interaktion ins Leere liefen. Keiner antwortet auf die Fragen, die bei Twitter gestellt werden. Oder niemand reagiert auf ein launig gewähltes Posting auf Facebook, bei dem man auf viele Kommentare gehofft hatte. Von anderer Seite kommen mir auch Klagen zu Ohr, dass man eine Frage an ein Museum richtete oder einen Blogbeitrag über eine Ausstellung geschrieben hat und das von Museumsseite nicht wahrgenommen wurde. Merkt ihr selber, nicht wahr?

Wenn man Interaktion will, wenn einem das mit der Partizipation wirklich wichtig ist, dann muss man sich auch zeigen. Dann muss ganz klar sein, wer hinter den Social Media Auftritten steckt oder wer einen Blogpost verfasst hat. Auch wenn ein Team daran arbeitet, es muss immer klar sein, mit wem es der User/Besucher/Follower/Fan gerade zu tun hat. Und auch wenn es Trolle gibt, die mit der Aufmerksamkeit des Museums ihre doofen Zwecke verfolgen könnten: es muss reagiert werden. In welcher Form und wie ausführlich, ist verhandelbar. Aber das Schweigen im Walde führt dazu, dass die Hemmschwelle immer höher wird, mit dem Museum interagieren zu wollen.

Und ein Letztes noch: Michelle hat schon darauf hingewiesen, dass das ganze schöne Partizipationsmodell nichts nützt, wenn man es nicht weitersagen kann (darf). Hier tut sich noch einmal ein anderer Begriff von Offenheit auf. Für die Interaktion in den sozialen Netzwerken ist es notwendig, dass man dort auch Gestaltungsmöglichkeiten hat. Man will doch mehr sein als nur Klick-Vieh. Dass man es hier manchmal mit großen Herausforderungen zu tun hat, will ich nicht abstreiten. Und so schließt sich der Kreis: niemand hat gesagt, dass Partizipation einfach ist. In diesem Sinne: lasst uns gemeinsam weiter denken und kreative Ideen entwickeln, die sie möglich machen.

 

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22 Comments

  1. Liebe Anke,

    vielen Dank für den ausführlichen und tiefsinnigen Beitrag zu #BesucherMacht, der neue Aspekte in die Diskussion um die Partizipation in Museen einbringt.
    Auf einige Dinge, die Du ansprichst wird diese Woche auch ein Beitrag aus unserer Museumspädagogik eingehen, der die Partizipation und ihre Lücken am Beispiel unserer Aktion zu Paarweise beleuchtet. Denn, wie Du es schön gesagt hast, “erst durch den Besucher kann sich ein Museum als solches vollenden” und hierzu ist die Bereitschaft und das Engagement von beiden Seiten notwendig – dieser Prozess scheint derzeit in volle Gange zu geraten und wir wollen uns daran beteiligen …

    Viele Grüße aus dem Marta von Tabea

    • Liebe Tabea,
      ich finde es wirklich großartig, dass sich im Moment viel bewegt. Wenn wir alle dranbleiben und nicht aufgeben – auch wenn es manchmal etwas zäh scheint – dann wird der Wandel eintreten. Tausend Dank noch mal für eure Bereitschaft, etwas anzustoßen.
      Herzlichst
      Anke

  2. Liebe Anke,

    ich freue mich sehr, dass du die Zeit gefunden hast dich an der Blogparade zu beteiligen. Ich mag deine Beiträge einfach, gehören sie doch zu den wenigen wo Kunstvermittlung weiter gedacht wird als nur bis in die Räume am jeweiligen Haus.
    “Kunst braucht den Besucher” ich habe sofort viele altmodisch orientierte Fachkollegen aufschreien hören 😉 dabei bewahren wir Kunst für die Gesellschaft. Trotzdem bleibt das Fazit irgendwie weiterhin es muss viel passieren. Ich bin gespannt was die Kunstvermittlung vom Marta noch zur Partizipation sagt, hoffe aber wir bleiben in der Diskussion.

    Liebe Grüße
    Michelle

    • Liebe Michelle,
      wie schön du das gesagt hast: altmodisch orientierte Fachkollegen. Ich lache jetzt noch. Aber die Lage ist natürlich ernst. Ich will nicht ausschließen, dass es Kunst gibt, die nur sich selbst genügt. Da muss man vielleicht auch mal drüber nachdenken. Aber in der Regel ist doch Kunst auch in einem sozialen Raum und somit auch dessen Bedingungen unterworfen. Ich bin immer bereit, auch in verschiedene Richtungen zu denken. Wir wissen ja, dass Einbahnstraße nix bringt. Aber mir fällt es sehr schwer, Kunstproduktion ohne den Rezipienten zu denken. Das ist vielleicht zu abgehoben für mich. Bin eher so der bodenständige Typ 🙂 Und eigne mich deswegen vielleicht so gut fürs Vermitteln … Nun denn, es bleibt spannend. Und ich mag diesen Diskurs, der über die Blogs im Digitalen und immer wieder auch im Analogen stattfindet. Hoffe auf noch viele Gelegenheiten dazu.
      Herzlichst
      Anke

  3. Liebe Anke,

    gut dass du ansprichst, dass Influencer, Stakeholder und Multipliatoren alle für sich bedeutsam sind. Ich würde hier noch weiter differenzieren und sagen, dass jeder einzelne ein Multiplikator sein kann – egal ob es Mitarbeiter, Besucher oder Vertreter alter und neuer Medien sind. Es ist schade, dass sich einige Museen vorwiegend auf ihre Stakeholder konzentrieren – und Besucher zählen da häufig nicht in erster Linie, sondern (je nachdem ob es sich um staatliche oder private Institutionen handelt) Vorstände, Freundeskreise, die Politik. Auch um Influencer geht es natürlich – Print und Online, Hauptsache die Presse berichtet, und wenn man “modern” ist, gut wenn die Blogger schreiben. Dass aber jeder Besucher, wenn er begeistert von einem Museum oder einer Ausstellung ist, der beste Multiplikator sein kann, wird manchmal vielleicht vernachlässigt. Wenn ein Besucher allen Kollegen, Freunden und Familienmitgliedern erzählt, wie toll etwas ist und dass man es sich unbedingt anschauen müsse, dann hat man am Ende vielleicht mehr Besucher, als wenn im Wochenblättchen lediglich auf den Termin einer Ausstellung verwiesen wird. Und vielleicht möchten Besucher auch aktiv mit “Macht” mitgestalten und sich einbringen – vielleicht möchten sie aber auch nur passiv begeistert werden – und ohne Erwartungshaltung einfach ernst genommen.

    Viele Grüße, Angelika

    • Liebe Angelika,

      vollkommen richtig: jeder einzelne Besucher könnte nach dem Museumsbesuch zum Multiplikator werden. Und auch als solcher behandelt werden. Wichtig in dem Fall ist auch hier eine gute Betreuung. Und manchmal kann ein freundliches Lächeln vom Wachpersonal schon Wunder wirken 🙂

      Herzliche Grüße von Anke

  4. Liebe Anke,

    wunderbar konstruktiver Artikel und richtige Diskussion dazu. Ich bin ganz bei dir, wenn du den Fokus auf die Vermittlung und die Gespräche zwischen Museum und Besucher setzt. Das analoge ist mir sehr wichtig und wir hatten ja schon häufiger über die Funktion des Kunstvermittlers als Begleiter des Besuchers gesprochen. Denn was gibt es besseres, wenn der Besucher sich mit der Kunst auseinandersetzt. Klar muss man akzeptieren, dass es vielleicht eine ganz andere Sichtweise gibt als die vom Museum gedachte. Für mich ist der Punkt spannend, steht er doch für Offenheit und Austausch. Punkte, die für das Digitale genau so relevant sind. Es geht um authentische Gespräche von Mensch zu Mensch, um ganz normale Regeln der Kommunikation.

    Wer nicht mit anderen kommuniziert, der brauch sich nicht zu wundern, dass der dann auch nicht mit einem spricht, obwohl man das ja doch gerne hätte. Kommunikation hat nun nichts mit Werbebotschaften zu tun. Ich lese gerade Peter Soemers Beitrag zu #BesucherMacht, der kommt bei mir als Gastbeitrag, eine wunderbare Facette bringt er da rein.

    Mir gefällt der Punkt von Nina Simon, auf den Angelika ja auch eingeht – sehr treffend!

    Mach weiter so!
    Herzlich,
    Tanja

    • Liebe Tanja,

      auf Peters Beitrag bin ich auch gespannt. Ich finde es klasse, dass er die Rolle des “normalen” Besuchers immer wieder in alle Diskussionen einbringt. Und ist er nicht das beste Beispiel dafür, was für eine enge Beziehung entstehen kann, wenn der Besucher ernst genommen wird, wenn man ihm zuhört, ihn sogar immer wieder auffordert, seine Meinung zu sagen. Gut, nicht jeder Besucher wird in der Lage sein, seine Bedürfnisse und seine Verbindung zum Museum so pointiert darzulegen, wie Peter. Aber es geht sicher auch eine Nummer kleiner.
      Gespräche führen – und das auch jenseits vom Dialog über die Kunst – finde ich extrem wichtig.
      Ich habe ja unlängst einen Workshop an der Wuppertaler Uni abgehalten. Dort sind Studierende gerade dabei, sich mit der Idee einer Dachmarke für die Kulturbetriebe auseinanderzusetzen. In unserem Brainstorming formulierten sie ihre Visionen für die Kultureinrichtungen. Da war dann auch als Idee dabei, dass man jederzeit die Möglichkeit hätte, Fragen zu stellen. Und diese einem auch direkt beantwortet würden. Ich erinnere mich hier an das Projekt Pop Talk im Museum Ludwig. Kennst du das? Das war schon ein super Ansatz. Vor dem Bild stehen und eine Frage stellen über die App, die auch noch zeitnah beantwortet wird. A-B-E-R …. ja klar, das große ABER ist natürlich wieder die Sache mit den Ressourcen. Die Idee an sich ist aber klasse. Und ich meine, man könnte ein Stück von dieser Idee durchaus einlösen. Die sozialen Netzwerke bieten immerhin eine recht unkomplizierte Struktur, die so eine Kommunikation ermöglichen kann.

      Herzliche Grüße von Anke

  5. Hallo Anke,
    das sind mal wieder sehr viele interessante Gedanken in einem Post. Ich finde den ganz wichtig, dass das Museum ohne den Besucher auch gar nicht existieren könnte. Das ist die wahre Besuchermacht, die man als Museumsarbeiter auch schnell mal verdrängen, sich aber immer wieder vor Augen halten sollte.
    Wichtig auch der Hinweis, mit der Partizipation nicht unbedingt mit riesigen Großprojekten anfangen zu müssen, sondern einfach nur mit einer gepflegten, auf Gegenseitigkeit beruhenden, auf Augenhöhe geführten und ernst gemeinten Diskussionskultur – online wie offline.
    Viele Grüße,
    Marlene

    • Hallo Marlene,

      eine ernst gemeinte Diskussionskultur ist ein guter Begriff. Was braucht es dafür? Das ist ja immer die Schwierigkeit, wenn man dann wieder in der Praxis ankommt. Wie setzt man diesen Perspektivwechsel um. Das hat ja Auswirkungen auf so viele Details. Nehmen wir zum Beispiel mal das Thema Sprache. Schreibe ich aus dieser veränderten Perspektive anders? Ich meine, ja! Dann kommen so Begriffe wie das berühmte Service-Design. Das ist dann natürlich schon eine Ansage. Aber auch da kann man mit kleinen Dingen viel erreichen.
      Alles in allem ein langer Prozess. Aber ein wichtiger.

      Herzliche Grüße
      Anke

  6. “Aber – und jetzt kommt die Vermittlung ins Spiel – wer verfügt über die Fähigkeiten, auf die Angebote, die ein Kunstwerk macht, entsprechend zu reagieren. Ja, der Besucher hat die Macht. Er kann Kunst vollenden. Was aber, wenn er sich das nicht zutraut? Wenn er den Einstieg nicht findet? Hat der Besucher genügend Selbstvertrauen, sich intuitiv mit seinem Wissen, seiner Persönlichkeit, der Kunst zu nähern. Seinen eigenen Assoziationen zu trauen?”

    Hallo!

    Ein guter Text; ich vollziehe sehr viel nach oder bin der gleichen Ansicht.

    Als Zitat habe ich aber das gewählt, über das ich immer stolpere: darf der Besucher sich ERNST GEMEINT, EHRLICH über seine Persönlichkeit den Dingen nähern, über das ” Was hat es mit mir zu tun?”, das bei so vielen Kunstvermittlungen angeboten wird…? Ich habe immer das Gefühl, dass das einerseits einladend geäußert wird, aber das “aber” nicht lange auf sich warten lässt… (ohne jemanden persönlich zu meinen; ich beziehe mich ganz abstrakt auf mir bekannte Verfahrensweisen).

    Wie gerne würde ich das einmal diskutieren!

    Viele Grüße,
    Sabine

  7. Liebe Sabine,

    ich verstehe, was du meinst. Es kommt schon auch auf die Einladung an, die ausgesprochen wird. Das gilt für Gespräche genauso, wie für den gesamten Museumsraum. Und – da haben wir es wieder – auf die allgemeine Haltung, die aus all dem spricht.

    Ich erlebe es eben sehr oft, dass sich Besucher nicht trauen, dass sie meinen, sie wüssten das ja eh nicht und mit ihnen zu tun habe das alles sowieso nichts. Dass es natürlich Museumsbesucher gibt, die sich intensiv mit Kunst beschäftigen und eine – sagen wir mal – gewisse Erfahrung im Umgang mit der Kunst haben, steht auf einem anderen Blatt. Die habe ich jetzt mal nicht im Blick. Obwohl man sicher auch hier überlegen müsse, was diese Besucher für Bedürfnisse haben. Nach vertiefenden Texten, nach Gesprächsmöglichkeiten.

    Mir geht es heute um die, die abwinken und im Zweifelsfall sich auch gegen einen Museumsbesuch entscheiden, weil sie sich da eh nicht so wohl fühlen. Aus einer Mischung von den genannten Vorbehalten. Es ist auch eine gewisse Übung, die man im Umgang mit der Kunst braucht. Um vielleicht auch seine eigenen Assoziationen überhaupt in so einem Zusammenhang ernst zu nehmen.

    Dass Gesprächsangebote auch schon einmal “aufgesetzt” wirken können, das kenne ich auch. Es muss eben eine gelebte Haltung sein, die dahinter steht. Wissensvermittlung eben nicht nach einem “hierarischen” Prinzip (ich weiß etwas und du nicht!).

    Ich habe mich übrigens entschlossen, den Satz “Er kann Kunst vollenden” aus dem Text zu nehmen. Das führt in der Diskussion um das, was mir wichtig ist, etwas in die Irre. Mir geht es vor allem um das soziale Gefüge im Museum. Kunstproduktion ist noch einmal ein anderes Feld.

    Ehrlich, authentisch – ich glaube, das sind zwei ganz wichtige Aspekte, die man weiter verfolgen sollte. Dazu muss man auch mal Grundsätze erneuern und verinnerlichen. Ist vielleicht ein schwerer Weg, der sich aber lohnt.

    Herzliche Grüße
    Anke

    • Ja, es kommt auf die Haltung an, die dahinter steht… “gelebte Haltung” ist gut gesagt… und ich fand Tanjas Beschreibung der “ganz normalen Kommunikation von Mensch zu Mensch” da treffend gewählt. Sich auch angehört zu fühlen, zu merken, das Gegenüber möchte mich zuerst mal in meinem Sinne verstehen, möglichst wenig interpretierend, ist ganz wichtig, denke ich… denn dann erst bleibt man offen für die Antwort – und durchaus für Lernen! Dann darf es auch “ich weiß was und du gleich auch” 🙂 sein.

      • … und du gleich auch … das gefällt mir! Und es ist ja auch so, dass die Menschen offen sind und aufnahmefähig. Genau, von Mensch zu Mensch. Zuhören. Aufeinander eingehen. Sind eigentlich ganz banale Grundsätze der Höflichkeit, oder?

        • Ja, das sollte man meinen. Ganz oft erlebt man aber, dass ein Gegenüber so bemüht ist, seine Haltung zu verteidigen, dass es das Zuhören und zumindest kurze sacken-Lassen der anderen Haltung vergisst… und das ist ja gerade bei unterschiedlicher Ansicht wichtig! Einigkeit ist schön, stellt aber ja viel weniger Anforderungen an die Gesprächspartner.

    • Ja, genau, das hatte ich im Kopf. Vielen Dank für den Hinweis. Und natürlich für die Studie!
      Herzliche Grüße
      Anke

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