Managing the Arts. Erfahrungen mit einem MOOC

Ich muss unbedingt noch Hausaufgaben machen! Denn gerade war Abgabetermin für die erste große Aufgabe des MOOC “Managing the Arts. Marketing for Cultural Institutions”. Als Supporter eingetragen, kann man zwar kein Zertifikat erwerben. Man nimmt aber jede Menge mit. Wenn, ja wenn man sich dranhält! Ich habe mich auch noch mit einigen anderen Supportern zusammengeschlossen. Wir arbeiten parallel an den gestellten Aufgaben. Denn man weiß ja, wie motivierend so ein bisschen Zeitstress wirkt, nicht wahr? Es macht unglaublich viel Spaß, mit Kulturschaffenden aller Herren Länder in Kontakt zu treten und gemeinsam über Texte zu diskutieren. Und der professionelle Input, den man erhält – was soll ich sagen – der ist schon große Klasse. Eine ganz andere Liga. Auch wenn ich derzeit ziemlich viel Zeit investiere (keine Ahnung, ob ich das beibehalte) – die Texte und auch die speziellen Fall-Beispiele geben mir eine unglaubliche Energie! Wollt ihr mal einen kurzen  Einblick in das, was da so passiert? Hier habe ich mal ein bisschen was zusammengefasst!

MOOC

Das Projekt MOOC (Definition) ist vom Goethe-Institut gemeinsam mit der Leuphana Universität Lüneburg entwickelt worden. Die Leuphana Digital School “ist von der Idee inspiriert, ein weltweit zugängliches Lehrangebot zur Verfügung zu stellen.” Ich finde das toll! Vor allem im Hinblick auf die Länder, die nicht so einfach Zugang zu Fortbildungen etc. haben. Mich interessiert es aber auch brennend, wie man das Lernen online gestalten kann. Bin sicher, dass darin auch eine spannende Zukunft für die Museen enthalten ist.

Teilnehmer, Unterstützer und Teams

Wie ist der MOOC aufgebaut? Zunächst einmal gibt es Einblicke in die Arbeit von insgesamt 4 Fall-Beispielen. Das sind Kulturinstitutionen aus Bangkok, Budapest, Lagos und Berlin (Theater “Hebbel am Ufer”). Man entscheidet sich als Team, eines in den Fokus zu nehmen. Und auch ich habe mich beim Zusammenfinden in einer Supporter-Gruppe daran orientiert. Aktuell sind in dieser Gruppe eine Museumspädagogin aus Kroatien, eine Künsterlin und Marketingberaterin aus Kanada sowie eine Galeristin aus Wien. Es gab noch andere Interessenten aus Nigeria, Chile – aber von denen haben wir bislang nichts mehr gehört! Wahnsinn, da sind ja insgesamt 17.000 Menschen zu handeln. Die Frage der Selbsorganisation ist auch eine ganz entscheidende. Da muss man wahrscheinlich auch erst mal reinfinden.

Ach so, unser Fallbeispiel ist das Center for Contemporary Art in Lagos. Wir haben  über einige Videos die Menschen und ihre tolle Arbeit vor Ort kennengelernt. Die Teilnehmer aus den offiziellen Teams hatten die Aufgabe, eine Analyse der jeweiligen Fallbeispiele zu schreiben. Zuvor galt es, ein Lexikon der zentralen Begriffe zu entwickeln. Als Supporter konnte ich mich schon von den Participants ganz tolle Ideen gesammelt wurden und wirklich sehr spannende Texte gelesen. Auch ein paar nicht so gute waren darunter. Ich hoffe, dass mein Feedback auf Englisch so aufbauend rüber gekommen ist, wie es in dem Fall gemeint war. Überhaupt ein toller Nebeneffekt des MOOC: ein perfektes Englisch-Training für mich.

Die komplexen Inhalte aus den vielen Texten, die man durcharbeitet, kann ich hier natürlich überhaupt nicht abbilden. Aber ich möchte euch drei Begriffe geben, die mich bis jetzt sehr beeindruckt haben.

Liebe

Dieses Stichwort brachte der niederländische Professor Arjo Klamer in seiner Keynote und ich finde es so simpel wie passend. Zum einen, weil ich seinen Gedanken dahinter sehr mag. Er führt nämlich vor, dass Kunst nicht alleine für sich stehen kann. Sondern dass es immer andere braucht, die sie erleben. Und da hängt dann das ganze Gedankengebäude dran. Zum anderen, weil ich so eine emotionale und positiv gestimmte Perspektive als äußerst motivierend empfinde. Manchmal sind doch intellektuelle Diskurse so abstrakt. Ich mag es, wenn Kulutr in einen Zusammenhang der Wertschätzung gebracht wird und man von Freundschaft über Beziehung spricht. Hier schließt sich dann das nächste wichtige Stichwort an:

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Beim Lesen stieg in mir eine gewisse Ungeduld und Spannung auf. Denn was ich da in der Sekundärliteratur so selbstverständlich beschrieben finde, erscheint mir angesichts persönlicher Erfahrungen so unerreichbar. So fern, wie eine Utopie. Oder ist es so, dass die Theorie goldener erscheint. Mir gefiel besonders der Aspekt der “shared experience”, der für das Kunstmarketing in den Blick genommen wurde. Überhaupt ist sehr viel von relationship marketing die Rede. Und der Kulturmanager solle sich seiner Rolle als Mediator von Interaktion bewusst werden. Auch bemerkenswert: “…the art institution is not only in one place.” So Chris Dercon, der mir in seinen Keynote-Videos äußerst sympathisch rüberkommt.

Werte

Vielleicht der entscheidende Impuls aus den ganzen Betrachtungen. Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich das Gezerre über “Richtig” oder “Falsch”, “gut” oder “schlecht” und vor allem “digital” oder “analog” gehörig auf die Nerven geht. Dann frage ich mich, worum es denn eigentlich geht. Und ich fand es sehr interessant, das Stichwort “Werte” in den Kulturmanagement-Texten recht häufig zu lesen. Im Essay von Hye-Kyung Lee entdeckte ich einen aussagekräftigen Gedanken: “… Romantic belief in the value of the arts and in “producer authority” over the consumer.” Die Autorin führt in diesem Zusammenhang das Orientierungs-Dilemma ein. Ich bin der Meinung, dass eine Diskussion auf dieser Ebene spannend sein kann. Sicher für die Vermittlungsarbeit aber auch für Themen wie “Museumsselfies” etc. Aber so eine ganzheitliche Diskussion zu führen – da braucht es neutrale Kräfte. Sonst wird da sehr schnell emotional draufgehauen! John Holden wirft in seinem Text die Frage auf, wie man einen Weg finden kann, Werte für etwas zu definieren, das extrem schwer oder gar unmöglich zu messen ist. Ich muss seinen Essay noch zuende lesen … hoffe, ich komme dazu…

Keep on learning

Es ist noch viel zu tun. Mittlerweile hat Phase 2 begonnen. Nach “The cultural economy” mit jeder Menge Definitionsfragen geht es nun über zu “Mapping the terrain: Art organizations and cultural institutions in context!” Ich hechel noch ein bisschen hinterher. Auch das Abgeben von Bewertungen der Teamaufgaben ist eine Herausforderung, will man nicht einfach nur “Good job” schreiben. Ich werde sehen, was ich noch mitmachen kann. In jedem Fall bereichert das mein eigenes Arbeiten unglaublich! Ist jemand aus meinem Netzwerk auch dabei? Dann freue ich mich über eure Einschätzungen hier in den Kommentaren.

 

 

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8 Comments

  1. Liebe Anke,

    nach dem ersten Scannen, nun auch gelesen – klasse! Ich hoffe, ich darf als Nicht-Teilnehmerin hier auch kommentieren. Das Thema finde ich einfach zu spannend und es scheint nach deinen Ausführungen so, dass Grundsätzliches verhandelt, aber der Praxisbezug wohl auch gegeben ist, oder? Ich hatte auch erst überlegt, daran teilzunehmen, schreckte aber vor der zu investierenden Zeit ab, die nötig ist, wenn frau es wirklich ernst betreibt.

    Ich hoffe natürlich, dass du uns hier auf dem Laufenden hälst. Vor allem reizt mich die Anwendung der Theorien und die Erfahrungen, die damit gemacht werden. Ich bin gerade in meinem aktuellen Blogposts auf die Guerilla-Aktion des Technoseums gestoßen. Verfolgt hatte ich es damals schon, aber das Monitoring bekam ich erst jetzt mit. Über 27 Millionen Kontakte crossmedial ergab die Kampagne. Das sind Zahlen, die zeigen, dass digital-analoge Kampagnen, die auf Dialog und Irritation setzen für die Kultur Erfolg haben. Was mir neben den Zahlen besonders daran gefällt, ist das sympathische Selbstverständnis des Museums, ihren Bildungsauftrag nicht nur ernst zu nehmen, sondern Jugendliche für Naturwissenschaften zu sensibilisieren und vielleicht ihre Lust wecken, einen entsprechenden Beruf zu erlernen: “Denn wer sich früh genug für Naturwissenschaften und Technik begeistert, ergreift später vielleicht eher einen Beruf in diesen Bereichen.“ (Urton Technoseum). Das lässt sich generell auf die Kulturvermittlung übertragen, zumindest dass sich die Ignoranz gegenüber Kultur erst gar nicht aufbaut. Das fordert aber ein Umdenken der Kulturinstitutionen, denn es gibt genügend Alternativen zu ihnen.

    Ich erlaube mir ausnahmsweise mal den Link zum Blogpost hier zu setzen – hoffe das ist o.k.: http://www.tanjapraske.de/2015/03/16/das-technoseum-herzblut-tomaten-und-ohrenspitzer-6/#more-659

    Ich bin auf deine weitere Berichterstattung sehr gespannt. Ich kann mir vorstellen, dass insbesondere der Austausch zu anderen Kollegen, die du noch nicht kanntest, sehr bereichernd ist – raus aus der #Filterblase, hinein in den #Perspektivwechsel – ganz hervorragend!

    Bitte weiter so!
    Herzlich
    Tanja

  2. Ich versuche, den Input in straffer Form weiterzugeben, liebe Tanja. Muss aber selber gucken, wie viel Zeit ich investieren kann. Aber wie gesagt – es ist echt gewinnbringend.
    Ich könnte natürlich auch in eine Bibliothek gehen und mir mal ein paar Publikationen zum Thema vornehmen. Aber das Tolle ist natürlich, dass man hier schon eine gewisse Auswahl hat. Und es in gut verdaulichen Häppchen serviert wird. Es werden auch Diskussionen zum Material innerhalb eines Forums angeregt. Da fällt es mir aber manchmal schwer, in den Dialog mit einer so riesigen Masse zu treten. Ich habe am Anfang mal auf den ein oder anderen Beitrag geantwortet. Und auch kurz einen Austausch mit einem Kulturschaffenden aus der Ukraine angefangen. Das fand ich sehr spannend. Das ist es, was mich neben dem ganzen Input nämlich auch brennend interessiert: was macht die Kultur in solchen Ländern: Ukraine, Nigeria. Wo sie mit ganz anderen Lebensumständen zu kämpfen haben, als wir uns das hier vorstellen können. Und trotzdem an der Kultur festhalten. Das berührt mich sehr. Über den Tellerrand hinausschauen dürfen, ein weiterer Aspekt, der mich an diesem MOOC begeistert!
    Interessant, was die im Technoseum machen – und klar, wenn es zum Thema passt, verlinke gerne auch auf weiterführende Beiträge. Das bereichert die Diskussion ja.
    Herzlichst
    Anke

  3. Liebe Anke, danke für den Bericht. Er macht Lust, den MOOC noch einmal genauer anzuschauen. Ich hatte mich angemeldet und mir das Portal auch einmal angeguckt, fands aber auf den ersten Blick etwas unübersichtlich und hatte nicht genügend Geduld, es mir genauer anzuschauen. Das werde ich jetzt aber noch einmal machen. Klingt sehr inspirierend.

  4. Lieber Christian, du hast recht. Die Übersichtlichkeit ist allein durch die Massen da. Man muss schon recht viel Zeit aufwenden. Oder eben an einer Ecke anfangen und sich gar nicht erst vorstellen, dass man alles mitkriegt. Ich lasse mich hier und da treiben. Aber lies dich ruhig mal in die Texte der Teams ein. Oder entscheide, welches Fsllbeispiel dich am meisten interessiert. Ich bin mal gespannt, ob mein positiver Eindruck weiter bleibt.
    Kannst ja mal Rückmeldung, was dein Eibdruck ist!
    Herzlichen Gruß
    Anke

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