LWL Museum für Kunst und Kultur eröffnet

OFFEN! Mit großen Lettern vor dem Hintergrund der großartigen Architektur werben Plakate deutschlandweit für die Eröffnung des LWL Museum für Kunst und Kultur in Münster. Eine wahre Landmarke der Museumsarchitektur wird heute eröffnet. Ich war am Mittwoch schon einmal dort und konnte staunen. Was mir aufgefallen ist und warum ihr auch unbedingt mal hinfahren solltet, lest ihr in diesem Beitrag.

LWL Museum

Fassade des Museums mit einer Installation von Otto Piene: “Silberne Frequenz”

Offen

Offen ist nicht nur ein Schlagwort, mit dem das LWL Museum für Kunst und Kultur Werbung macht. Offenheit ist auch ein ganzheitliches Konzept. Der von Staab Architekten Berlin gestaltete Neubau ist an vielen Stellen zur Stadt hin geöffnet. Es gibt eine Passage, die zwei wichtige Plätze in Münster miteinander verbindet und im Inneren holen hohe Fenster mit interessanten Ausblicken an vielen Stellen das Außen in den Museums-Rundgang hinein.

LWL Museum

Der St. Paulus Dom

Dieses architektonische Verschränken mit dem Stadtbild erinnert auch an die Ursprünge der Sammlung, die regionale Kunst und Geschichte vermittelt. “Schatzkammer Westfalens” heißt es in der Pressemeldung. Und so haben wir bei dem Schnelldurchlauf zur Pressekonferenz auch eine Zeitreise durch die westfälische Kunstgeschichte unternommen. Das Museum besitzt unfassbar schöne Kunst – vom Mittelalter bis in die heutige Zeit. Und präsentiert diese in einer Ästhetik, die ihresgleichen sucht. Fantastische Inszenierungen, herrliche Durchblicke und Gegenüberstellungen lassen den Rundgang zu einem unvergleichlichen Erlebnis werden. Ich hätte in jedem Raum Stunden verweilen mögen. Allein, wir waren ja nur auf Stippvisite! Da ich im Übrigen auch die Stadt Münster wunderschön finde, wird bald mal ein Kurzurlaub hier eingeplant!

LWL Museum

Präsentation und Vermittlung

Wenn man mich jetzt fragt, welcher Raum mir am besten gefallen hat, dann hab ich sofort eine Antwort parat: der Raum, der dem Unbewussten in der Kunst gewidmet ist. Mit Arbeiten von Surrealisten wie Max Ernst und Hans Arp. Hier geht die übliche Rauminszenierung (vom Büro SPACE4)  einen interpretatorischen Schritt weiter und deutet mit einer dunklen Balkenkonstruktion Gedankenstränge und Assoziationsketten an, die man auf einer Freudschen Couch liegend nachvollziehen kann. Mir persönlich gefallen solche “Geschichten”, die durch eine besondere Dramaturgie der Präsentation erzählt werden. Die rein ästhetische Präsentation mit den gut lesbaren Wandbeschriftungen hat sicherlich auch etwas. Aber ich bin überzeugt davon, dass viele Besucher ein wenig an die Hand genommen werden müssen, damit sie die Wirkung und Bedeutung von Kunst in ihrer Komplexität erschließen können.

LWL Museum

Kunstrezeption im Liegen! Im Hintergrund “Abstrakte Formen II” von F. Marc

Sicher wollt ihr jetzt von mir wissen, was mit der Kunstvermittlung generell in diesem Hause ist 😉 Ich habe bei der Eröffnung ein paar Worte mit Ingrid Fisch gewechselt (ich hoffe, es war nicht schlimm, dass ich nach dem erschöpfenden Rundgang so hartnäckig war!) und konnte mir die Räume für die Vermittlung auch noch ansehen. Das gefiel mir gut, was ich da gesehen habe. Besonders eine Sonderausstellungsfläche finde ich super und wichtig für jede erfolgreiche Vermittlungsarbeit. Die gab es da neben unterschiedlichen Werkräumen und jeder Menge Depotfläche für kreative Materialien. Man setzt im LWL Museum für Kunst und Kultur verstärkt auf bildnerisch-praktische Vermittlung, es gibt allerdings auch einige performative Ansätze, wie mir Ingrid Fisch erzählt hat. Spannend fand ich auch die Idee, Kunstvermittlung für die U3 Kids anzubieten. Niederschwellige Angebote setzen so früh wie möglich an, um das Museum als Erlebnisort im Bewusstsein zu verankern. Bin neugierig, welche Erfahrungen da gemacht werden und freue mich, wenn man irgendwann einmal mehr hört davon.

Medien und Spiele

tisch

Und wie halten die es mit neuen Medien, mag sich jetzt der ein oder andere fragen. Ja, die gibt es auch! Beeindruckendstes Beispiel für den Einsatz ist ein Spieletisch, der inmitten des Raumes zum Thema “Westfälischer Frieden” installiert wurde. Mit maximal 10  Besuchern kann man hier an einem Kartenspiel teilhaben, das die Prinzipien von Friedensverhandlungen vermittelt. Eine prima Idee und ich bin sehr überzeugt von dem Ansatz, der den Gamification-Aspekt komplexer einlöst als viele der üblichen Puzzle-Anwendungen. Allerdings hab ich mich gefragt, wie die Nutzung im normalen Museumsbetrieb funktionieren wird. Für den Einsatz bei Schulklassen ist der Spieltisch nicht vorgesehen. Klar, es sind zu wenig Plätze vorhanden. Aber ist das nicht die perfekte Zielgruppe dafür? Ich wage ein bisschen zu zweifeln, ob der allein durch die Sammlung wandelnde Besucher sich ernsthaft mit dem Spiel auseinandersetzt und gar mit weiteren ihm unbekannten Besuchern zu einer Spielrunde zusammenfindet. Wenn dem so wäre, wäre das natürlich genial. Inhaltlich kann ich zu der Spielkonzeption nicht viel sagen, da ich auf dem Rundgang kaum Zeit hatte, das auszuprobieren. Mir erschien die Spielstruktur aber sehr komplex! Wäre so ein Spiel nicht viel gewinnbringender auf der Homepage eingesetzt? Um so potentielle Besucher im Vorfeld überhaupt erst einmal für das spannende Thema “Westfälischer Frieden” zu gewinnen?

guide

Einen Medien-Guide gibt es auch. Einfach drauf los, animiert dieser! Man kann zwischen verschiedenen Touren auswählen und einige Videos bereichern die Kunstbetrachtung. Auch wenn ich das Gerät im Smartphone-Format viel zu klein für die Videos finde, ist es ein schöner klassischer Audio-Guide. Und Herr Jauch spricht zu uns! Aber warum so ernst, so gedämpft? Da hätte ich mir ein bisschen mehr lebendige Moderation gewünscht!

Eine nette Idee auch, mit der Hutträgerin des Jahres einen Einspieler zu produzieren, der auf Mackes “Modesalon” Bezug nimmt. Aber wieso hat man es beim reinen Hut anprobieren belassen? Wieso nicht den Blick von außen auf das Kunstwerk gewagt? Mich hätte sehr interessiert, was Nadine Angerer von dem expressionistischen Bild hält.

Mein Fazit

Das heute für die Öffentlichkeit zugängliche LWL Museum für Kunst und Kultur in Münster ist ein wunderschönes Museum! Kostbare Kunstwerke perfekt inszeniert sind ein wahrer Augenschmaus! Diesen kann man schon von außen erahnen, wenn Schaufenster und Passagen sich einladend dem Kunstinteressierten öffnen. Herein, herein! So scheint die Architektur zu rufen.

Auch die Vermittlungsangebote sind angetreten, sich den Bedürfnissen der Besucher anzupassen. Hier hätte es für meinen Geschmack ein bisschen mehr Experiment, deutlich partizipativer sein dürfen. Auch beim Medieneinsatz! Dennoch kann ich den Besuch in diesem Museum nur jedem ans Herz legen! Genießt diese Fülle an Schönheit und erlebt eure eigenen Geschichten im LWL Museum für Kunst und Kultur.

askacurator

Ich wünsche dem gesamten Museumsteam eine erfolgreiche Premiere an diesem Wochenende und danach gute Erholung von den anstrengenden Eröffnungsvorbereitungen. Und sage an dieser Stelle: Auf Wiedersehen in Münster!