Weltkrieg Zwo – Weihnachtsalbtraum

Heute wäre er 90 Jahre alt geworden – der Kölner Literaturnobelpreisträger und beste Nachkriegsautor überhaupt Heinrich Böll. Der Schriftsteller, der einer der wichtigsten Dichter des 20. Jahrhunderts ist, hat vor allem mit seinen vielen Texten über die Stadt Köln offenbart, wie sehr er diese liebte und gleichzeitig hasste. Er mochte die Türme des Kölner Doms beispielsweise nicht, weil er fand, dass sie zu sehr Preußens Gloria demonstrierten. Und mir ist er mit seiner speziellen Sicht auf Weihnachten besonders im Gedächtnis und jetzt zu dieser Zeit denke ich hin und wieder an seine bedrückende Schilderung von Weihnachten 1946, kurz nach dem Ende der Bombenangriffe, die die Stadt bis zu 90 Prozent zerstörten. Er beschrieb eine unwirkliche Stille und den Geruch und Geschmack von Staub in der Luft so eindringlich, dass ich jedesmal, wenn ich diese Textstelle lese, unweigerlich Durst bekomme. Aber auch ein anderer Weihnachtstext ist unverzichtbar für all diejenigen, die dem süßen Gedudel zur Weihnachtszeit etwas entgegen setzen wollen.
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„Nicht nur zur Weihnachtszeit“ berichtet von Tante Milla, die nach einem Nervenzusammenbruch die ganze Familie nötigt in einer Endlosschleife auf alle Ewigkeit den heiligen Abend immer und immer wieder zu zelebrieren. Die gnadenlose Wiederholung des immer wieder ritualisiert ablaufenden Programmes entbehrt nicht der Komik aber ist auch unglaublich tragisch. Mit diesem als Hörspiel aufgenommenen Text zeigt Böll einmal mehr seine satirische Seite, die die Schwächen der kleinen Leute sensibel beobachtet und analysiert.

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