Stillgestellt

Manchmal kommen einem Themen wie ein Boomerang immer wieder vor die Nase. Mir geht es gerade so mit der „Entschleunigung“. Nicht nur, dass sich mal wieder alle Projekte in der Prioritätenliste auf den ersten Platz schummeln wollen. Nein, die lokale Presse greift das in ihrem Magazin auf und mahnt ständig vor dem gefährlichen Hamsterrad. Und um das Ganze noch zu toppen, schickt mir eine Klinik aus Süddeutschland Unterlagen für Therapien gegen Burnout zu. Was habe ich mich dagegen gefreut, dass mir auf Umwegen ein kleiner Katalog mit Fotografien von David Hiepler und Fritz Brunier zugespielt wurde, der den Titel „Stillgestellt“ trägt und mit unglaublich wohltuenden Fotoserien meine Hektik zu pulverisieren scheint.

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(c) hiepler, brunier aus der Serie: Dead Sea


Stillgestellt – dieser Begriff impliziert nicht nur die Stille sondern auch das Auge der beiden Fotografen, die in unterschiedlichen Serien ganz besondere Momente eingefangen haben. In einer Welt, in der alles lauter und bunter zu werden scheint, halten sie den Atem an und zeichnen mit ihren Fotografien Bilder, die nicht nur Stille sondern auch eine äußerst sensible Ästhetik ausstrahlen. Subtile Grauwerte werden mit farblichen Akzenten nur vorsichtig belebt. Nichts schreit heraus. Manches wirkt wie zarte Zeichnungen.

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(c) hiepler, brunier aus der Serie: Die Wartenden

„Warten ist eine still gestellte Tätigkeit. Der Wartende ist im Nichstun festgehalten. Man kann eine Zigarette rauchen, die Fingernägel betrachten, eine Zeitung lesen oder auf seinem Mobiltelefon herumdrücken, doch eigentlich gibt es wirklich nichts zu tun, außer zu warten. Ein jegliches Tun ist nur sinnloses Auflehnen. Im Warten hat man keine Verfügung über seine Zeit: sie ist angehalten oder rennt einem davon.“ Der Schweizer Philosph Kadlcik hat neben dem Architekten Lonn Combs und der Fotografin Valeria Herklotz zum Thema „Stillgelegt“ eigene Überlegungen beigetragen. Und so formiert sich diese feine Publikation, die von Panatom gestaltet wurde, zu einem wunderschönen Fotobuch, das man gerne zur Entschleunigung in die Hand nehmen will. Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass dies der Auftakt zu einer feinen kleinen Reihe ist. Man darf gespannt sein, was dort noch produziert werden wird.

Buch „stillgestellt“
mit 32 Fotografien,
erschienen bei Panatom Book, Berlin 2012

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