Neujahrsgedanken

Bei meinen Recherchen zur Kunst, die sich mit Sylvester und Neujahr beschäftigt, stieß ich interessanterweise auf viel Dramatik, Depression und negativen Beigeschmack. So dass ich auf den guten alten Goethe zurückgreifen musste, der ja in seiner abgeklärten Art für fast jede Lebenslage etwas Literarisches zu bieten hat!
In der bildenden Kunst kam ich auf die japanische und chinesische Tradition der Neujahrsbilder, die vor allem als sogenannte „Türgötter“ Schutz und Glück bringen sollten. Wobei man allerdings anmerken muss, dass das asiatische Neujahr mit dem 18. Februar verbunden wird. Dennoch wünsche ich mit einem solchen Neujahrsbild allen Lesern der Kulturtussi für den bevorstehenden westlichen Jahreswechsel alles Gute und weiterhin die nötige Neugier, hier mitzulesen!!
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Zum neuen Jahr
Zwischen dem Alten
Zwischen dem Neuen,
Hier uns zu freuen
Schenkt uns das Glück,
Und das Vergangne
Heißt mit Vertrauen
Vorwärts zu schauen,
Schauen zurück.
Stunden der Plage,
Leider, sie scheiden
Treue von Leiden,
Liebe von Lust;
Bessere Tage
Sammeln uns wieder,
Heitere Lieder
Stärken die Brust.
Leiden und Freuden,
Jener verschwundnen,
Sind die Verbundnen
Fröhlich gedenk.
O des Geschickes
Seltsamer Windung!
Alte Verbindung,
Neues Geschenk!
Dankt es dem regen,
Wogenden Glücke,
Dankt dem Geschicke
Männiglich Gut;
Freut euch des Wechsels
Heiterer Triebe,
Offener Liebe,
Heimlicher Glut!
Andere schauen
Deckende Falten
Über dem Alten
Traurig und scheu;
Aber uns leuchtet
Freundliche Treue;
Sehet, das Neue
Findet uns neu.
So wie im Tanze
Bald sich verschwindet,
Wieder sich findet
Liebendes Paar,
So durch des Lebens
Wirrende Beugung
Führe die Neigung
Uns in das Jahr.
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Johann Wolfgang von Goethe

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