Keramiken von Michael Cleff
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Vibrant Systems – Arbeiten von Michael Cleff im KERAMION

Seit ich in Frechen wohne, hat sich die zeitgenössischen Keramik in mein Kunsthistorikerinnen-Herz geschlichen. Das liegt natürlich zum einen daran, dass Frechen die Keramikstadt vor den Toren Köln ist. Zum anderen aber an den Ausstellungen, die mich immer wieder in das Keramion ziehen. Das Museum leistet hervorragende Arbeit auf dem Gebiet der Vermittlung von zeitgenössischer Keramik und ich kann es jedem ans Herz legen, der sich ein bisschen mehr mit dieser Kunstform beschäftigen möchte. Die aktuelle Ausstellung mit Arbeiten von Michael Cleff ist noch bis zum 23. August im Keramion zu sehen. Hier ein paar Argumente für euch, warum ihr sie unbedingt sehen müsst.

Michael Cleff zählt zu den bedeutendsten deutschen Künstlern, die mit keramischen Materialien arbeiten. Seine aktuelle Ausstellung im Keramion heißt „Vibrant Systems“. Der Titel bringt zwei Begriffe zusammen, die ich eigentlich nicht unbedingt miteinander vereint hätte. Unter Systemen habe ich mir irgendwie etwas Starres und wenig Lebendiges vorgestellt. Aber welch ein Irrtum! Beim Betrachten der Arbeiten von Michael Cleff konnte ich eine neues Verständnis von Systemen lernen! Ich bin übrigens sehr angetan von den fantastischen Fotos, die mir der Künstler für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt hat. Danke, Michael!!

Über Addition

Der Künstler hat seine Arbeiten in Serien gefasst, die jeweils eine ästhetische Fragestellung zu durchdenken scheinen. Bei der Serie „Über Addition“ wird man mit unterschiedlichen Formen und Körpern konfrontiert, die in ihrer Kombination Bilder aus unserem kollektiven Gedächtnis evozieren. Architektur, Türme, Hallen – so etwas in diese Richtung erscheint in meinem Kopf beim Betrachten der Werke. Man nimmt die Vogelperspektive ein und überlegt sich, in welcher Landschaft sie vielleicht stehen oder ob die kleinen Öffnungen Fenster sein könnten. Sobald man sich aber auf die besondere Oberflächen-Ästhetik der Keramiken einlässt, passiert etwas Überraschendes. Man betrachtet ein Objekt, eine Skulptur.

Diese Skulpturen strahlen ganz selbstverständlich in den Raum und bauen mit ihren Formen und Massen eine besondere Beziehung zu ihrer Umgebung auf. Und das funktioniert im Keramion auf eine ganz besondere kongeniale Weise. Wer schon mal in dem brutalistischen Bau von Peter Neufert war, der kennt die faszinierenden Bögen und Schwünge im Rundbau, die wie geschaffen scheinen, die Arbeiten von Michael Cleff zu zeigen.

Über Addition

„Cleff folgt bestimmten selbst gesetzten Regeln, niemals aber lässt er sich von ihnen versklaven und sind seine formalen Entscheidungen berechenbar. Und der Eigensinn des Materials, die Überraschungen, die sich insbesondere beim und nach dem mehrmaligen Brennen der Keramik ergeben, tragen erheblich zum Charme seiner Plastiken bei.“

Roland Mönig hat an einer Stelle im sehr empfehlenswerten Katalog (Open Access) „An den Rändern“ wunderbar zusammengefasst, was die Besonderheit der Arbeiten von Michael Cleff ausmacht. Und erwähnt auch einen Aspekt, der mich schon immer am Thema Keramik fasziniert hat: Dieser ganz besondere Moment beim Herstellen, den man zwar künstlerisch beeinflussen, aber auf den letzten Schritte nicht mehr steuern kann. Man muss die finale Gestaltung dem Brand überlassen. Und was da passiert, kommt mir immer vor, wie ein Geheimnis.

Liquids

Dieses gestalterische Phänomen tritt bei den Arbeiten der Serie „Liquids“ in den Vordergrund. Hier hat Michael Cleff mit fetten Glasuren gearbeitet, die nach dem Brand ein ganz spannendes Krakelee aufweisen. Das wirkt hier wie lebendiges Wasser. Solch ein unterschiedliches Verhalten des Ausgangsmaterials regt die Sinne an, man spürt dem Haptischen gedanklich nach und erfreut sich an der spannenden Oberfläche.

Aktuell arbeitet Michael Cleff an neuen Arbeiten, die er als „Pläne“ bezeichnet und bei denen er seine Position zur Qualität geometrischer Formen durchdekliniert. Eines der ersten Geometrie-Bücher stammt übrigens aus der Hand Albrecht Dürers! Mich interessiert das Thema Geometrie weniger im mathematischen Sinne. Spannend finde ich zum Beispiel in diesem Zusammenhang die Idee von der Vermessung der Welt. Bei mir lösen die fiktiven Grundrisse und Pläne von Michael Cleff Vorstellungen vom Begreifen dessen aus, was unser Leben bestimmt, in was wir eingebunden sind und welchen Rhythmen wir unterworfen sind.


Michael Cleff in der Ausstellung „Vibrant Systems“ aktuell im Kermion in Frechen zu sehen. Foto: Anke von Heyl

Der Besuch in der Ausstellung hat mich auf so vielen Ebenen angesprochen, dass ich ganz verwundert bin, was abstrakte Formen alles auslösen können. Das ist sicher die besondere Qualität dieser Skulpturen, deren keramisches Eigenleben einen auf eine besondere Reise mitnimmt.

Am 23. August findet um 11.30 Uhr die Finissage zur Ausstellung statt. Mit einem Vortrag von Gabi Dewald zum Werk von Michael Cleff. Der Künstler ist auch anwesend und es lohnt sich wirklich sehr, mit ihm ins Gespräch zu kommen.

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4 Kommentare

  1. Als ich mein Volontariat im MAK Frankfurt gemacht habe, hatte ich auch noch viel mit Keramik zu tun – und war immer sehr begeistert von dem Material und was die Künstler*innen daraus entstehen lassen. Danke für den Artikel! Ein guter Anstoß, mich mal wieder mehr mit Keramik zu beschäftigen (vielleicht auch aktiv).

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