Luxus pur: Jacques-Émile Ruhlmann

Mein Text über den exquisiten Möbeldesigner Ruhlmann konnte aus Platzgründen nicht mehr in das ehrgeizige Publikationsprojekt „Moderne Möbel: 150 Jahre Design“ von Andrea Melhose und Martin Wellner aufgenommen werden. Somit nutze ich die Gelegenheit, ihn hier nachzureichen und gleichzeitig ein bisschen Werbung für dieses tolle Möbelbuch zu machen. Einen solch schön gestalteten Überblick über 150 Jahre Möbeldesign lohnt es, zu besitzen. Ob als Coffeetable-Book oder als informatives Nachschlagewerk. Ganz nach Ihren Interessen.
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Mein Beitrag im Buch: Möbel des Jugendstil


Zwischen dem fulminanten Auftritt auf der Ausstellung der dekorativen Künste in Paris 1925 und seinem frühen Tod 1933 hat Jacques-Émile Ruhlmann insgesamt rund 1700 Möbelstücke entworfen. Möbel, die von einer unglaublichen Perfektion und Ästhetik waren. Unvorstellbare 1000 Arbeitsstunden steckten zum Teil in den kostbaren Gegenständen, die fast den Gegenwert eines Einfamilienhauses erreichten.
Als der junge Ruhlmann 1907 das Pariser Malergeschäft seines Vaters erbte, begann der unaufhaltsame Aufstieg des Autodidakten, der sich zunächst als Inneneinrichter, als Architecte décorateur, verstand und spät den Begriff Möbelkünstler verwendet hat. Kurz vor dem ersten Weltkrieg entschied sich Ruhlmann, seinem Geschäft auch die Möbelproduktion hinzuzufügen, musste sich allerdings für die folgenden Jahre mit dem Zeichnen von Ideen und Visionen begnügen, da der Krieg die Ausführung kostbarer Möbel unmöglich machte.
1919 tat sich Ruhlmann zur Vergrößerung seiner Firma mit Pierre Laurent zusammen. Bis 1923 vergab Ruhlmann seine Produktion nach außen. Dann sammelte er fähige Handwerker um sich und etablierte seine eigenen Werkstätten, die zeitweise über 100 Beschäftigte hatten. Die von ihm gelieferten Entwürfe wurden nach langem Hin und Her mit den Auftraggebern von seinen Mitarbeitern in mehreren Schritten sorgfältig umgesetzt. Zunächst in ein Modell im Maßstab von 1:100, danach in eines im Maßstab von 1:10 und zuletzt ließ er für die Schreiner ein Modell in Originalgröße anfertigen. Ruhlmann war als Designer Autodidakt, sich aber seiner Sache dermaßen sicher, dass er immer bereitwillig Einblick in seine Entwürfe gewährte – eine Tatsache, die ihn von so manch anderem Entwerfer unterschied!
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Foto: Musée des années 30 à Boulogne-Billancourt
Das wohl berühmteste Möbelstück aus der Produktion Jacques-Émile Ruhlmanns ist das „Meuble au Char“, für das er bereits 1917 erste Entwürfe zeichnete. Mit einer ersten Version des Sideboards reüssierte er im Herbstsalon 1919. Er verwendete das später oft eingesetzte edle Makassar-Holz und verzierte das Möbelstück mit filigranen Beinen und einer Dekoration aus eingelegten Elfenbeinstäbchen, die einen antiken Wagenlenker zeigen.
1925 fand die Ausstellung statt, die der Bewegung ihren Namen gab: Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes. Hier nahm Ruhlmann mit einem sensationellen Projekt teil. In einem Pavillon hatte er mehrere Räume auf das Eleganteste ausgestattet und sich erstmals als Ensemblier präsentiert. Die Vorstellung einer imaginären Villa eines Sammlers hatte ihre Vorläufer, aber niemals gab es eine derart luxuriöse Umsetzung, und nicht wenige halten den Grand Salon dieses Hôtel du Collectionneur für den Höhepunkt der Art déco. Mit dem Auftrag, Möbel für den Élyseepalast zu konzipieren erklomm Ruhlmann dann endgültig den Olymp der Innenarchitektur. Noch heute steht eines der beeindruckendsten Möbel aus dieser Serie im Arbeitszimmer des Präsidenten – ein in den Ausmaßen gigantisches Sideboard aus edlem Amboise Maser mit Elfenbeineinlagen.
1931 stattete Ruhlmann das Büro des Kolonialministers Paul Raynaud aus, das auf der Exposition coloniale einen zentralen Raum einnahm. Mit bildhaft sprechenden Sesseln – das Modell hieß Éléphant und war aus marokkanischem Leder – schuf er eine adäquate Ausstattung. Diese mächtigen Sessel sollten zum Markenzeichen Ruhlmanns werden.

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