Luca Lanzi. Malìa. Eine Ausstellung im Frechener Keramion

Seit ich in Frechen wohne, komme ich immer wieder in Berührung mit Keramik. Die Stadt steht für eine lange Tradition – angefangen vom Bartmannskrug bis hin zu den Keramikröhren für die Kanalisation. An zahlreichen Hausfassaden sehe ich Hinweise und vor allem ist das KERAMION ein Ort, an dem die zeitgenössische Keramik einen prominenten Platz bekommen hat. Das Museumsgebäude ist ein brutalistischer Traum – 1970/71 vom Kölner Architekt Peter Neufert und dem Ingenieur Stefan Polony erbaut. Der Bau soll eine Töpferscheibe imaginieren! Aktuell ist hier wieder eine Ausstellung zu sehen, die zeigt, welche spannenden Geschichten zeitgenössische Keramiker zu erzählen haben. Eine absolute Empfehlung für einen kleinen Kulturtripp vor die Tore Kölns!

Puppen, Tiere und Pflanzen sind die Motive, die der italienische Künstler Luca Lanzi noch bis zum 19. August 2018 im KERAMION in seiner Einzelausstellung präsentiert. Wer allerdings eine Ansammlung von harmlosen und leicht zu verstehenden Niedlichkeiten erwartet, sieht sich getäuscht. Irritierend wirkt Lanzis ganz eigener Kosmos ungelenker, maskenhafter Puppen, archaisierender Tierdarstellungen und abstrahierter, schematischer Flora.

Luca Lanzi, Feticcio, 2016, Terrakotta, Gips, HBT 36 x 30 x 20 cm, Foto: Luca Lanzi

Besonders die stereotypen Gliederpuppen ohne physiognomische Individualität – häufig mit „Feticcio“, also „Fetisch“ betitelt – dienen dem Künstler trotz des Verzichtes auf Erzählerisches als starke Ausdrucksträger. Allein die dezenten farbigen Hinweise in der Oberflächenbemalung einiger Figuren lassen die Verletzlichkeit des Kreatürlichen erahnen und machen die Arbeiten in ihrer Uneindeutigkeit zur individuellen Projektionsfläche. Malìa – so der Titel der Ausstellung – bedeutet auf Italienisch “Zauberei” und nicht von ungefähr denkt man bei den Figuren an magische Rituale – so wie sie in anderen Kulturen existieren. Es scheint, als habe Lanzi ebenso, wie die Künstler der klassischen Moderne ( z.B. Picasso und Max Ernst) die Kraft archaischer Figuren erkannt, die so unmittelbar an tiefe Schichten unseres Unterbewusstseins rühren.

Luca Lanzi, Uccelino, 2016, H: 30 cm x B 25 cm x T 25 cm, Foto: Eric Tschernow

“Das Movens Lanzis aber ist, die Übermacht der Ratio zu bremsen und mit dem Fetisch der Gefühlswelt einen ungleich stärkeren Einfluss beizumessen” schreibt Gabriele Beßler im Ausstellungskatalog. Der Besuch bei den keramischen Wesen – und einigen sehr schönen Zeichnungen – verzaubert und nimmt einen mit auf eine ganz besondere Reise! Leichte Irritationen nicht ausgeschlossen! Aber die können manchmal auch den Blick schärfen!

Das Beitragsbild zeigt: Luca Lanzi, Capriola, 2009, Terrakotta, Gips, HBT 27 x 33 x 38 cm, Foto: Luca Lanzi

Mehr über die Ausstellung auch bei Schnuppe von Gewinner!

 

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