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Hör mal Kunst!

„Haaaaalloooo!! Guck mal!!! Hier ist was ganz Tolles“ – bei offensiver Werbung zucke ich auf Twitter meistens zurück! Aber tatsächlich hat soundtrackery seine Werbebotschaft an die richtige Frau gebracht (gut ein bisschen verschnupft bin ich schon, das ich nur eine von Vielen bin 😉 Nein, im Ernst! Das Buch Soundtracking Kunst von der Kunsthistorikerin Silke Vry und dem Designer Holmer Ehrenhauss ist wirklich eine Bereicherung der an  zündenden Ideen zur Kunstvermittlung nicht gerade reichen Buchlandschaft. Und weil man beim Beltz-Verlag so nett war, mir ein Rezensionsexpemplar zu schicken, konnte ich mich auch genauer einlesen. Hier das Ergebnis meiner Betrachtungen 🙂

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„Das Schweigen der Bilder hat ein Ende!“- Prima Einstieg in das Konzept, mit dem die Autoren Kunst lebendig machen. Bilder zu vertonen, das ist natürlich keine neue Erfindung. Aber ich bin tatsächlich zum Fan vom Soundtracking Kunst-Buch geworden. Das liegt ganz klar an dem erfrischenden Text. Endlich einmal nicht die betuliche Erklärbär-Attitüde, die mir leider zu oft in Kunstbüchern für Kinder begegnet. Kreative Perspektiven, überraschende Ideen – und auch eine ordentliche Prise Humor. Das bringt meine Gehirnzellen in Schwung! Sehr erfrischend, wie die Kunst nicht nach Jahreszahlen sortiert sondern in einem imaginären Museum präsentiert wird. In der „Galererie der lautstarken Emotionen“ oder im „Krach- und Krawumm-Saal“. Die Assoziationsketten tanzen! Bei „Halle der bewegten Geräusche“ kam mir kurz Harry Potter in den Sinn! Und warum auch nicht einen eigenen Kosmos für die Kunstwelt erfinden, in welchen die Kinder eintauchen können und Abenteuer erleben!

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Das Prinzip von Soundtracking Kunst macht Gedanken und Gespräche auf den Bildern sichtbar. Es vertont aber auch mit herrlichen Lautmalereien. Die können plakativ sein, wie bei der auf Wolken in den Himmel auffahrenden Madonna „Tschooom“. Manchmal verweisen sie auf Details, was mir besonders gut gefällt. Da lenkt erst ein kleines zartes „Pling“ den Blick auf den fallenden Heiligenschein des Jesusknaben, der bei Max Ernst von seiner Mutter verhauen wird! An solchen Kleinigkeiten entzündet sich meine Begeisterung als Kunstvermittlerin. Ich erfreue mich auch sehr an den Erikativen „Schlörk! Mampf!“, die helfen, auf dem Hieronymus Bosch Bild einen kleinen fettwanstigen Mönch zu entdecken.

Und so mäandert man sich munter durch die Kunstgeschichte. Lässt auch die abstrakten Künstler wie zum Beispiel Mondrian nicht aus („Hallo rechte Winkel!“). Auf gut 50 Seiten kann man sich hier durch ein amüsantes Bilderbuch blättern. Was mich aber wirklich sehr überzeugt hat, ist die Tatsache, dass dann nicht Schluss mit lustig ist. Sondern es  noch einen richtig tollen Do-it-yourself Teil gibt!

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Da das Prinzip Soundtracking Kunst eng mit typographischen Ideen verbunden ist, liegt es vielleicht nah, hier auch eine entsprechende Anleitung zu liefern. Aber auch an dieser Stelle gilt: es kommt auf die Perspektive an! Will heißen: welche Idee steckt dahinter. Durch einige überzeugende Methoden schaffen es die Autoren, Kreativität anzuregen. Vor allem im Umgang mit der Kunstbetrachtung entfalten sich dann Kaskaden von tollen Einfällen, die Kunst gewinnbringend kommentieren können. Ganz besonders entzückt hat mich die Idee des Konzentrators. Ich benutze eine ähnliche Anleitung auch gelegentlich in Kinderführugen (Fernrohr mit der Hand bilden). Es klingt banal, aber durch so etwas wird genaues Hinsehen eingeübt. Nein, keine Angst, ich will jetzt nicht darüber lamentieren, dass in der heutigen Zeit die Konzentration …. Jeder entdeckt Kunst auf seine ganz eigene Weise. Und das zuzulassen, ja sogar anzuregen, ist für mich ein wichtiger Schritt. (Jetzt denke man sich bitte an dieser Stelle einen Diskussionsstrang über die Frage von Deutungshoheit, Offenen Museen und noch sehr viel mehr….)

Der vorgestellte Workshop hat in mir einen Gedanken wachsen lassen. Wann haben wir bei der klassischen Kunstvermittlung die Zeit „danach“ im Blick? Für mich stellt sich oft die Frage nach Wirksamkeit der Kunstvermittlung auch in den Alltag hinein. Was fangen die Besucher/Kunstbetrachter mit ihren Erlebnissen an? Ein ganz toller Appell ist dieser hier: Mach ein Hobby draus!!!

Klasse Buch! Ich kann es zum Blättern und vor allem zum Nachmachen der dort angeregten Soundtracking Ideen nur empfehlen!

(Die Bilder habe ich von der Website des Verlages gesreenshoted. Für die Zukunft wäre die Versorgung mit Bildmaterial keine schlechte Idee! )

 

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2 Kommentare

  1. Da ich ja nun aus der Kunstvermittlung und dem „Danach“ endgültig ausgestiegen bin ( es sei denn, die Enkel melden noch mehr Interesse an ), werde ich mir das Buch sicher nicht mehr kaufen ( ich kämpfe noch mit meinen vollen Regalen ), werde es mir aber bei nächster Gelegenheit am Donnerstag genau anschauen. Denn Neues interessiert mich immer. Und es ist schon eine tolle Sache, wenn es gelingt, für Kunst zu begeistern. Meine Erfahrung : Das ist aber schon sehr an den Menschen, die Person gebunden, wie sehr DIE sich für Kunst begeistert und das lebt.
    Liebe Grüße
    Astrid

  2. Liebe Astrid,
    das Buch ist einfach auch ein schönes Bilderbuch, das man mit Enkeln durchaus angucken kann. Aber du hast natürlich sehr recht, dass gute Vermittlung an Personen hängt und deren Engagement für die Sache. Aber eigentlich ist das doch in vielen Dingen so. Einzelne tragen dann leider oft auch die Versäumnisse, die von der strukturellen Seite her gemacht wurden. Aber das ist ein anderes Thema 😉
    Herzlichst
    Anke

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