Hausbesichtigung

Am Wochenende konnte man das ehemalige Wohnhaus von Gerhard Marcks in Köln-Müngersdorf besichtigen und ich nutzte die Gelegenheit, um einige Fotoimpressionen einzufangen.
marcks-haus212.jpg


Man hatte Gerhard Marcks dieses Haus als Entlohnung für die „Trauernde“ vor St. Maria im Kapitol geschenkt und Riphahn baute es. Er baute es schön (um auf ein Zitat von K. Adenauer zurückzukommen). Die Trauernde ist in Form eines Modells mit Anzeichnungen und Übertragungspunkten dann auch im Atelier ausgestellt. Die ganze Besichtigungsaktion ist ein kleines Zwischenspiel, welches vom Kunsthaus Lempertz organisiert worden war.
marcks-haus12.jpg
Bevor nun bald ein neuer Mieter in das Haus einziehen wird, wollte man die Gelegenheit nutzen, eine kleine Verkaufsausstellung mit Marcks-Werken zu präsentieren und gleichzeitig der interessierten Öffentlichkeit einen Einblick in die wundervoll schlichte Architektur zu gewähren.
marcks-haus11.jpg
Das im Grünen gelegene Haus ist in schlichter L-Form auf das Notwendigste beschränkt. Im vorderen Bereich zweistöckig und dahinter erhebt sich das wunderbare Atelier mit der notwendigen Deckenhöhe. Riphahn, immer auch auf funktionale Ausstattung bedacht, installierte hier auch eine kleine Galerie mit Einbauregalen.
marcks-haus14.jpg
Die wirklich sehr funktionale Einfachheit der Architektur wird an manchen Stellen mit kölnspezifischen Bezügen aufgepeppt. So finden sich die für die 50er Jahre typischen Deckenkonstruktionen und die Wendeltreppe mit dem zierlichen roten Handlauf erinnert in der steinernen Ausführung an die des Südturms vom Kölner Dom.
marcks-haus9.jpg
marcks-haus10.jpg
Auch die Gartenseite offenbart nette Details, wie die leichte Schrägung der Wandgestaltung – ein bei Riphahn auch in anderem Zusammenhang eingesetztes Stilmittel. Auf diese Weise wirken Fronten leichtfüßig und elegant. Die „Liegende“ setzt im Garten einen reizenden Akzent.
marcks-haus2.jpg
marcks-haus4.jpg
Der Sehnsucht der Nachkriegsgeneration nach dem Süden ist wohl die Palme geschuldet, die etwas unvermittelt im Müngersdorfer Garten auftaucht.
marcks-haus.jpg
Mein Lieblingsdetail ist jedoch der Spruch, der jeden empfängt, der dieses Haus betritt.
marcks-haus20.jpg

Ähnliche Beiträge

  • Kuchi – e

    Bilder wie die legendäre „Woge“ von Hokusai oder andere Landschaftsdarstellungen haben die europäische Kunstgeschichte seit Ende des 19. Jahrhunderts geprägt. Der japanische Farbholzschnitt war den Künstlern der Moderne vor allem wegen der Tendenzen zur Abstraktion und der geheimnisvollen Austrahlung wichtige Anregung. Das Fehlen von Licht und Schatten ist zum Beispiel eine andere Wahrnehmung der Natur,…

  • MoMA reloaded

    Das Museum of Modern Art in New York gilt als eines der erfolgreichsten, berühmtesten und wichtigsten Museen weltweit. Es hatte immer (!) gigantische Besucherzahlen und war erfolgreich wie kein Zweites. Dennoch kam vor 10 Jahren mit dem neuen Direktor Glenn Lowry ein Macher ans Ruder dieses Flaggschiffs der Kunstmuseen, der – damals für alle etwas…

  • David Hockney und der iPod

    David Hockney ist ein von mir sehr verehrter Künstler, der vor allem als Fotograf bei mir bleibenden Eindruck hinterließ, als er 1997 seine Ausstellung im Museum Ludwig präsentierte. David Hockney, ein Künstler der späten Pop Art Generation, der allerdings auch Bezüge zu meinem anderen großen Idol Pablo Picasso aufweist. Spannend, was dieser Künstler geschaffen hat….

  • Darf Kunst alles? Neue Variante

    Der dänische Künstler Kristian von Hornsleth hat eine neue Dimension erreicht hinsichtlich der Frage, wie weit darf Kunst gehen? In seinem aktuellen Kunstprojekt hat er in Uganda die Bewohner eines kleinen Dorfes mittels Schweine- und Ziegenbezahlung dazu gebracht, offiziell seinen Namen anzunehmen. Und das Ganze hat auch einen Titel: „We want to help you, but…

  • Kommentar zum Eva-Prinzip

    Rosemarie Trockel (1952) »Ohne Titel (Ofenplatte)« 1991, Eisen, Einbrennlackierung Rosemarie Trockel gilt als eine der wichtigsten zeitgenössischen Künstlerinnen und ist selbstverständlich alles andere als ein „Heimchen am Herd“. Selbstbewusst ist sie eine global playerin der Kunstszene und natürlich generationsbedingt eine Tochter der feministischen Bewegung. In ihren „Herdbildern“ beschäftigt sie sich durchaus auch mit dem Rollenverständnis…

  • Au weia – Brillo!

    Skandal! Skandal! Die Brillo-Boxes sind nicht echt! Einige zumindest. Sie wurden von einem schwedischen Tischler 1990 angefertigt. Pontus Hultén wollte sich wohl eine Kleinigkeit hinzu verdienen zum kargen Ausstellungsmacher-Gehalt! Warhol hatte eine Ausstellung 1968 auf Einladung Hulténs im Stockholmer Moderna Museet mit unzähligen Brillo Kartons bestückt. Aus Ermangelung genügender „ready mades“ ließ er dann einfach…

2 Kommentare

Kommentar verfassen