Hausbesichtigung

Am Wochenende konnte man das ehemalige Wohnhaus von Gerhard Marcks in Köln-Müngersdorf besichtigen und ich nutzte die Gelegenheit, um einige Fotoimpressionen einzufangen.
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Man hatte Gerhard Marcks dieses Haus als Entlohnung für die „Trauernde“ vor St. Maria im Kapitol geschenkt und Riphahn baute es. Er baute es schön (um auf ein Zitat von K. Adenauer zurückzukommen). Die Trauernde ist in Form eines Modells mit Anzeichnungen und Übertragungspunkten dann auch im Atelier ausgestellt. Die ganze Besichtigungsaktion ist ein kleines Zwischenspiel, welches vom Kunsthaus Lempertz organisiert worden war.
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Bevor nun bald ein neuer Mieter in das Haus einziehen wird, wollte man die Gelegenheit nutzen, eine kleine Verkaufsausstellung mit Marcks-Werken zu präsentieren und gleichzeitig der interessierten Öffentlichkeit einen Einblick in die wundervoll schlichte Architektur zu gewähren.
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Das im Grünen gelegene Haus ist in schlichter L-Form auf das Notwendigste beschränkt. Im vorderen Bereich zweistöckig und dahinter erhebt sich das wunderbare Atelier mit der notwendigen Deckenhöhe. Riphahn, immer auch auf funktionale Ausstattung bedacht, installierte hier auch eine kleine Galerie mit Einbauregalen.
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Die wirklich sehr funktionale Einfachheit der Architektur wird an manchen Stellen mit kölnspezifischen Bezügen aufgepeppt. So finden sich die für die 50er Jahre typischen Deckenkonstruktionen und die Wendeltreppe mit dem zierlichen roten Handlauf erinnert in der steinernen Ausführung an die des Südturms vom Kölner Dom.
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Auch die Gartenseite offenbart nette Details, wie die leichte Schrägung der Wandgestaltung – ein bei Riphahn auch in anderem Zusammenhang eingesetztes Stilmittel. Auf diese Weise wirken Fronten leichtfüßig und elegant. Die „Liegende“ setzt im Garten einen reizenden Akzent.
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Der Sehnsucht der Nachkriegsgeneration nach dem Süden ist wohl die Palme geschuldet, die etwas unvermittelt im Müngersdorfer Garten auftaucht.
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Mein Lieblingsdetail ist jedoch der Spruch, der jeden empfängt, der dieses Haus betritt.
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