Darf Kunst alles? Neue Variante

Der dänische Künstler Kristian von Hornsleth hat eine neue Dimension erreicht hinsichtlich der Frage, wie weit darf Kunst gehen? In seinem aktuellen Kunstprojekt hat er in Uganda die Bewohner eines kleinen Dorfes mittels Schweine- und Ziegenbezahlung dazu gebracht, offiziell seinen Namen anzunehmen. Und das Ganze hat auch einen Titel: „We want to help you, but we want to own you“. In seinen Erklärungsmodellen gibt sich der Däne schnodderig-provokant. Er glaube an die freie Marktwirtschaft, er habe etwas zu kaufen gesucht und dafür eine Bezahlung angeboten. Diese Bezahlung werde auch gerne angenommen und die Dorfbewohner hätten nun einen schönen Namen und alle seien glücklich damit.
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Selbstverständlich wirft sich der Künstler in die Brust und behauptet, er tue nur Gutes für die arme Bevölkerung und verhelfe dieser zu einer besseren Zukunft. Sein Kunstwerk beinhaltet eine Photodokumentation, die nun als Ausstellung gezeigt werden soll. Die abgebildeten Dorfbewohner knüpfen auch schon die Hoffnung daran, dereinst vielleicht selbst einmal z.B. nach Europa reisen zu können, weil sie möglicherweise berühmt sein werden.
Nehmen wir einmal die verschiedenen Ansätze des Künstlers, so kann man aus dem ganzen Drumherum zumindest herauslösen, dass es dem Künstler selbstverständlich um Provokation geht, dass er möglicherweise auch auf Mechanismen der Globalisierung aufmerksam machen möchte und auch sicher sich intensiv mit der Situation vor Ort beschäftigt hat. Und natürlich ist es auch klar, dass die Dorfbewohner über die ihnen offerierten Ziegen und Schweine glücklich sind, dass es letzten Endes für sie auch kein großer Akt ist, auf ihrer ID-Card den Namen des Dänen aufzuführen – den sie übrigens auf gar keinen Fall aussprechen können!!
Allerdings scheint es mir auch wichtig, die Metaebene dieses Projektes zu betrachten. Welche ethischen Grundsätze werden hier berührt. Geht es nicht auch um die Frage der Würde jedes Einzelnen. Und birgt die provokant hervorgestoßene Formulierung „we want to own you“ nicht ein Pulverfaß an moralischen Verfehlungen? Natürlich hat sich sofort rund um den Globus auch ein lauter Protest gegenüber von Hornsleth laut gemacht. Und klar: das ist sicher auch eine gewollte Reaktion, die der Künstler eingeplant hat. Aber die Waage zwischen der Möglichkeit, dass durch gezielte Provokation auch Missstände offen gelegt werden und der Tatsache, dass hier Menschen als „Ware“ behandelt werden, die scheint mir doch zu sehr schief zu hängen. Und die menschliche Psychologie funktioniert nun auch einmal so, dass durch steten Tabubruch auch die Grenzen für das, was als Tabu angesehen wird, eindeutig ausgedehnt werden. Und in diesem Falle sehe ich keinerlei kulturellen oder sonstigen Mehrwert in der Aktion des Künstlers. Deswegen auch hier ein deutlicher Protest gegen ein solches Konzept!!!

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