Wer ist eigentlich Julian Schnabel?

Aktuell liest man seinen Namen ja in den Listen der Oscar-Nominierungen und er hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen als Filmregisseur gemacht. Ich erinnere mich noch an die späten 80er Jahre, als er als neuer Wilder der amerikanischen Kunstszene gefeiert wurde. Mir kamen seine Bilder, in denen schon mal gerne Hirschgeweihe und ähnlich schwülstige Elemente auftauchten, hin und wieder einen Tick zu sehr nach Effekten haschend vor. Dennoch konnte man sich ihnen nie ganz entziehen. Ganz in diesem Sinne inszenierte sich Schnabel auch als barock wirkender Künstler-Typ. Nachdem er dann als „Shooting Star“ in der Senke verschwunden war, kam 1996 der wirklich gelungene Film „Basquiat“, mit dem er sich als Regisseur positionierte. Im letzten Jahr konnte man bei der wunderbaren „Berlin“ Aufführung von Lou Reed sein intelligent auf sinnlich-haptische Reize setzendes Bühnenbild verfolgen. Einen Dokumentarfilm hat er übrigens zu dieser Tour auch gemacht. Nun ist er mit seinem Film „Schmetterling und Taucherglocke“ für den Oscar nominiert.
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Der Film beschreibt das Leben des ehemaligen französischen Elle-Chefredakteurs Jean-Dominique Bauby, der nach einem Schlaganfall nur noch sein linkes Auge bewegen kann. Ein faszinierender Film, der die Perspektive eines in seinem Körper gefangenen Intellektuellen eindrucksvoll umsetzt. Besonders die Macht der bildlichen Eindrücke, die der Gelähmte verarbeitet und die letztlich seine einzige Freude sind, hat der Maler Schnabel als Regie-Herausforderung betrachtet.
Der aus dem tiefsten Brooklyn stammende Schnabel begann seine künstlerische Karriere als Stipendiat des “Whitney Independent Study Program”, einer der einflussreichsten Kaderschmieden für Künstler und Kuratoren. Über das Studium tauchte er ein in die damalige New Yorker Kunstszene, die allerdings vorrangig von der Concept oder Minimal Art dominiert zu sein schien. Eine Europareise 1976 brachte den Künstler in Kontakt mit den großen Meistern der Kunstgschichte, von denen ihn vor allem Giotto und Frau Angeliko faszinierten.
Mit sogenannten “Tellerbildern”, in denen er mittels zerbrochener Teller einen dynamisierten Untergrund für seine gestische Malerei schuf, begann er sich vor allem klassischer Themen zu bedienen. Innerhalb kürzester Zeit stieg er zu einem gefeierten Superstar auf – in einer Zeit, als die Rückkehr der Malerei gefeiert wurde, traf er genau den Nerv der Szene. Mit seinem spielerischen Ansatz einer neuen Materialität (z.B. Verwendung von Lastwagenplanen, auf denen er seine ornamentalen Details aufbrachte) entwickelte er eine Ästhetik, die bisweilen auch nicht ohne Mode-Effekt auskam, aber dadurch begeisterte, dass sie keine Angst vor Sentimentalität und Kitsch zeigte. Der „Pavarotti der Kunst“, wie der Künstler gerne genannt wird, vergleicht seine Malerei mit der Kraft der Natur, die sich auch durch die zubetonierten Straßen der Zivilisation immer wieder durchschlagen kann und neue Wurzeln treibt.

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