Michelangelo

Ich bin kein Architekt, soll er des Öfteren gesagt haben. Dennoch hat der 72-jährige Michelangelot Buanarotti eine der beeindruckendsten Kirchenkuppeln der Christenheit geschaffen, die den Petersdom bis heute zu einem unverwechselbaren Monument macht. Dass hier eher ein Genie, denn ein rational denkender Baumeister am Werke war, bezeugen auch frühere Planungen, die von seinen Zeitgenossen kopfschüttelnd betrachtet wurden, weil man sie absolut nicht verstand.
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Eine Festungsanlage hat er für Florenz entworfen, die man als wirr und untauglich beurteilte. Hätte man wohl mal besser auf Michelangelo gehört, denn kurze Zeit später wurde die Stadt überfallen und die bisherige Stadtmauer erwies sich als untauglich. Auf jeden Fall wurde Michelangelo fortan wieder um Rat gefragt. Die Aufträge für die Mitarbeit am Petersdom zogen sich allerdings über Jahrzehnte hin, zwischendurch wurde Michelangelos Intimfeind Bramante mit den Arbeiten betraut, dann überantwortete man Michelangelo die Ausmalung der Sixtinischen Kapelle und schlußendlich kam dann – quasi die Krönung – die Frage nach der Kuppel.
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Die Rezeptionsgeschichte zu Michelangelo hat mit manchen Mythen zu kämpfen. Sicher ist so ein Universalgenie wie er es gewesen ist, schwierig zu fassen und man weiß einige Aspekte seines Lebens nicht wirklich einzuordnen. War er einer der faszinierendsten Renaissance-Bildhauer und hat mit dem David die wohl berühmteste Skulptur der Geschichte geschaffen, war er einer der visionärsten Maler seiner Zeit und schuf mit dem Jüngsten Gericht und dem Zeigefinger Gottes das festgefügteste Klischeebild aller Zeiten oder war er eben ein herausragender Architekt mit nahezu utopischen Entwürfen? Alles sind Aspekte seiner Kunst, die es immer wieder im Zusammenhang zu bewerten gilt. War er schwul? Das ist auch eine Frage, die hin und wieder in den Raum geworfen wird, vor allem angesichts solcher Gedichte an seinen Freund Tommaso de Cavalieri
Du weißt, Herr, daß ich weiß, wie sehr du weißt,
daß ich, um dich zu fühlen, dich erreiche,
und weißt, ich weiß, du weißt, ich bin der Gleiche:
was ists, das uns im Gruße zögern heißt?
Ist wahr die Hoffnung, die du mir gebracht,
und wahr der Wunsch und sicher, daß er gelte,
so bricht die Wand, die zwischen uns gestellte,
verhehltes Wehe hat nun doppelt Macht.
Wenn ich an dir nur liebe, was auch du
am meisten an dir liebst, Herz, zürne nicht.
Das sind die Geister, die sich so umwerben.
Was ich begehr in deinem Angesicht,
dem sehn die Menschen unverständig zu,
und wer es wissen will, der muß erst sterben.
Wer sich eingehender mit Michelangelo beschäftigen möchte und dies vielleicht im Gegenüber mit seinen Handzeichnungen tun möchte, der kann das dieser Tage im Rheinischen Landesmuseum in Bonn tun, das für eine kurze Zeit (bis zum 28. Oktober) sechs selten ausgestellte Zeichnungen Michelangelos präsentiert. Kostbar und lichtempfindlich, wie sie normalerweise sind, sollten sie nicht mehr als insgesamt 60 Tage im Jahr überhaupt gezeigt werden. Ein absolutes Highlight also und eine lohnenswerte Reise in die Bundesstadt.

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