Treffpunkt Kunstbuch

Ich sage es direkt vorneweg: ich liebe Kunstbücher (und schreibe sogar manchmal selber welche)! Was kann es Schöneres geben, als an einem entspannten Nachmittag bei König in der Ehrenstraße durch die Regale zu stöbern und die neuesten Expemplare in die Hand zu nehmen. Man lässt sich treiben und auch wenn man noch so viele Bücher zuhause stapelt, die ungelesen sind: am Ende landet dann ein neues Kunstbuch in der Tüte. Warum ich jetzt plötzlich von Kunstbüchern schwärme? Es gibt einen guten Grund und der heißt artbookworld. Eine noch in der Beta-Phase befindliche Plattform, die der Kerber-Verlag jüngst ans Laufen gebracht hat. Ein Konzept, in dem einiges Potential steckt.

artbookworld

Screenshot

Kunstbücher online kaufen ist doch nichts Neues, werdet ihr mir jetzt entgegnen. Natürlich nicht. Und auf den ersten Blick ist vielleicht auch noch nicht ganz ersichtlich, wohin die Reise von artbookworld geht (Beta!). Wenngleich einen das angehängte …world eigentlich auf die Fährte bringen könnte. Es geht den Machern nämlich um eine redaktionell begleitete Plattform. Da bin ich hellhörig geworden. Denn seit meinen Erfahrungen beim 11punkt Verlag bin ich der Überzeugung, dass gezielt ausgewählte Inhalte einen unschätzbaren Vorteil bei der Frage der Sichtbarkeit liefern können. Vor allem, wenn man dabei den Aufbau einer Community von Kunstinteressierten und Kunstbuch-Liebhabern im Blick hat!

Gutes Gefühl

Eine Kunstbuch-Erlebniswelt möchte artbookworld schaffen, die außergewöhnliche Kunstbücher in den Blickpunkt rückt. Das klingt zunächst einmal so ambitioniert wie allgemeinplatzig. Eine Chance sehe ich allerdings in der Tat darin, dass man die redaktionelle Begleitung wirklich ernst nimmt und die Besucher des online-Shops auf eine Erlebnisreise zum Kunstbuch schickt.  Wie wir wissen, funktioniert ein nachhaltiges Erlebnis am besten über emotionale Trigger. Die gilt es zu erschaffen.

artbookworld1charlottereimann

Fotos: Screenshot und Facebook-Seite von artbookworld

Ihr werdet mir sicher zustimmen, dass Begeisterung für Kunstbücher vor allem über die unwahrscheinlich schöne Haptik funktioniert! Zunächst einmal finde ich den Plan nicht schlecht, mit aufwendigem Bildmaterial ein entsprechendes Feeling herzustellen. Allerdings hängt das natürlich vom Ausgangsmaterial ab! Ob alle beteiligten Verlage entsprechend ansprechendes Material zur Verfügung stellen können, bleibt abzuwarten. Eine Chance ist es allemal.

Viel wichtiger als alles Hochglanz-Bildmaterial sind aber die Menschen, die hinter der Plattform stecken. Wird es gelingen, eine Glaubwürdigkeit aufzubauen, die dazu führt, dass man regelmäßig vorbeischaut? Und hier bin ich wirklich optimistisch. Ein erster Anfang ist schon dadurch gemacht, dass Projektleiterin Charlotte Reimann gezielt Influencer angesprochen hat. Auch ich bin nach unserem Gespräch von artbookworld überzeugt und werde gerne weiter am Ball bleiben.

Zum Beispiel hat mich sehr begeistert, dass man plant, mit Buchhandlungen über Möglichkeiten einer gewinnbringenden Zusammenarbeit zu sprechen. Das wäre wirklich toll, wenn dort zusammenwächst, was meiner Meinung nach zusammengehört: die Kohlenstoff-Welt mit den Segnungen des Internets.

Themenwelten

Was man genau unter der redaktionellen Begleitung der Plattform versteht, wird sich noch zeigen. Geplant sind beispielsweise “Thementische”. Da werden dann auch Gäste von außen eingeladen, diese zu bestücken. Eine Bereicherung durch möglichst viele Perspektiven von unterschiedlichen Experten! Das macht das Unterfangen glaubwürdiger als würde nur die Plattform-Betreiber selber ihre Empfehlungen abgeben.

Und so kann die Plattform zu einem sympathischen Treffpunkten für Kunst und Kultur im Netz werden. So etwas fehlt nämlich und ich sehe darin das große Potential von artbookworld, hier eine Art Knotenpunkt zu werden, an dem Gespräche über spannende Inhalte oder kontroverse Thesen geführt werden können. Dann verkaufen sich die Bücher ganz nebenbei.

Aus meiner Sicht könnte das Seitendesign noch mehr nach Themenwelt aussehen. Mir ist das noch zu glatt. Stöbern, sich treiben lassen und vielleicht auch mal einen kleinen Plausch anzetteln –  dafür hätte ich gerne im übertragenen Sinne ein virutelles Sofa, auf dem ich Platz nehmen könnte. Aber ich kann mir vorstellen, dass es mit jedem Thementisch, den man dort aufstellt, bunter und anregender wird.

 

Kommentar verfassen