Human Resources in der Kulturarbeit

Da ploppte doch unlängst in meiner Twitter-Timeline eine Erinnerung an den Aufruf des Lenbachhauses zu einer besonderen Blogparade auf. Hach, was würde ich nur ohne mein Twitter machen. Da wäre das wieder durchgegangen bei all dem, was gerade jetzt wieder los ist. Aufgerufen wurde zum Thema “Human Resources / Fremd- und Selbstbestimmung in unserer Arbeitswelt”. Bislang sind da schon richtig tolle Beiträge eingegangen. Das Thema ist kulturhistorisch äußerst ergiebig und ein zentraler Aspekt gesellschaftlicher Wahrnehmung. Ich will gerne zur Diskussion beitragen und aus der Praxis einer Kulturschaffenden plaudern.

Anlass für die Blogparade ist die Ausstellung PLAYTIME. Der Titel zitiert einen Tati-Film, der sich mit der schönen neuen Arbeitswelt auseinandersetzt und die Ausstellung beschäftigt sich mit spannenden Fragen: Wie setzen sich KünstlerInnen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe mit dem Thema Arbeit auseinander? Was bedeutet künstlerisches Arbeiten heute? Und inwiefern unterscheidet sich künstlerische Arbeit von anderen Formen der Arbeit? Ökonomie, Selbstdarstellung und Identität sind Stichworte mit denen sich Werke von u. a.  Darren Almond, Monica Bonvicini, Pet Shop Boys, Charlie Chaplin,   Peter Fischli & David Weiss, Andrea Fraser,  Jörg Immendorff, Christoph Schlingensief beschäftigen.

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Die Idee hinter der Blogparade gefällt mir richtig gut! Eine Ausstellung in den digitalen Raum erweitern, indem man zum Nachdenken über ihr Thema auffordert. Das birgt jede Menge spannendes Potenzial. Und dann haben die auch noch alles richtig gemacht, indem sie mich als Kulturbloggerin auf äußerst sympathische Weise angeschrieben haben:

“Auch mit Ihrem Blog sowie Projekten stellen Sie gewissermaßen eine neue Form der Kunsthistorikerin par excellence dar. Es wäre im Kontext unseres Themas sehr interessant mehr über Ihre Gedanken bezüglich unserer/ ihrer Arbeitswelt zu wissen.”

So geht meiner Meinung nach gute Bloggerrelation! Da will man doch gerne die Zeit investieren und einen Beitrag für die Parade schreiben und natürlich auch das Lehnbachhaus und die Ausstellung PLAYTIME empfehlen. Das Ganze kann man übrigens gerne als Beispiel für neue Arbeitsweisen in der Kulturbranche sehen.

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Was macht meine Arbeitswelt aus? Seit zwölf Jahren bin ich selbständig und mittlerweile sehr zufrieden damit. Ich sage mittlerweile, da ich eine deutliche Veränderung des Kulturbetriebes verspüre, in der es z.B. die alten Modelle der Anstellung auf Lebenszeit im Museumsbetrieb nicht mehr gibt. Das hat zwar einerseits mit Ressourcen-Mangel zu tun – nie ist genug Geld da,  notwendige Manpower bereitzustellen. Andererseits nimmt die Zahl sonderfinanzierter Projekte zu, die dann einen Personalbedarf für einen begrenzten Zeitraum haben.  Hat man sich also einmal an den permanenten Wandel gewöhnt und verfügt über ein gut funktionierendes Netzwerk, dann ist es die ideale Arbeitsform für Menschen wie mich, die gerne Neues anpacken.

Human Resources im Kulturbetrieb. Wie liest sich dieser Satz? Mir kommt er fast selbst ein bisschen befremdlich vor, denn aus meiner Wahrnehmung ist die Kulturszene geprägt von einem gewissen Mangeldenken. Und das ungünstige Verhältnis zwischen ausgebildeten Fachwissenschaftlern und angebotenen Stellen trägt auch nicht gerade zu einer positiven Stimmung bei. Da bleibt dann kein Freiraum für eine gezielte HR-Strategie wie sie zum Beispiel das Metropolitan Museum of Art betreibt.

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Ich greife mal die Idee der Fortbildung im Kulturbetrieb auf. Die ist auch für Kreative und Kulturschaffende immens wichtig. Man kann nicht immer auf Knopfdruck neue Ideen produzieren. Wie komme ich an neue Projekte, wo ist noch Bedarf, mit wem kann man sich zusammentun? Für mich sind das Internet allgemein und die Netzgemeinde speziell zu einem nie versiegenden Quell von Inspiration geworden. Barcamps sind übrigens hervorragend zum Vertiefen aktueller Schwerpunkte geeignet, Twitter filtert mir die wichtigsten Themen der Kulturbranche und auf Facebook diskutiere ich mit Kolleginnen und Kollegen. Wenn es um das Thema Selbstdarstellung geht, dann weiß ich sowieso kein besseres Medium als das Web – und hier vor allem ein eigenes Blog. Außer natürlich eine charmante Präsenz in der hin und wieder augenzwinkernd Kohlenstoffwelt genannten offline-Wirklichkeit.

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Die Herbergsmütter mit Guido Renner auf der Bühne des stARTcamps 2012. Foto: Oliver Schwarz

Soziale Netzwerke sind Beziehungsanbahnungsinstitute – auch und vor allem wenn es um berufliche Belange geht. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich spontan Wibke Ladwig angepiekst habe, ob sie nicht Lust hätte, mit mir das stARTcamp nach Köln zu holen. Wir kannten uns von ein zwei Kulturtwittwochen, die ich spontan ins Leben gerufen hatte, um andere Kulturtwitterer kennenzulernen. Die dritte im Bunde der Herbergsmütter war dann mit Ute Vogel auch aus diesem Kreise rekrutiert worden. Unsere Arbeit haben wir übrigens überwiegend online organisiert. Besprechungen per Google-Hangout oder in einer “geheimen” Facebook-Gruppe!

Da die Ausstellung im Lehnbachhaus und auch die Blogparade die Frage aufgeworfen hatten, ob die Arbeit fremd- oder selbstbestimmt sei, will ich hier noch einmal ein flammendes Plädoyer für diese Art der Selbstbestimmung abgeben, die uns mit dem Netz gegeben wird! Trotz aller Probleme von NSA und Co. Die Selbstbestimmung besteht aus meiner Sicht vor allem darin, eigene Inhalte zu schaffen, sich über kluge Beiträge zu definieren und vor allem mit Menschen zusammenzuarbeiten, mit denen man gemeinsame Ziele verfolgt.

Ein kleines Fundstück zum Schluss zeigt noch einmal eine analoge Facette meiner Arbeitswelt. Es passt hervorragend ins Thema. Die Kulturverwaltung einer mittelgroßen Kreisstadt hat mich vor Jahren als Autorin für ein Schulbuch engagiert. Leider wurde der Job mittendrin abgebrochen, weil man in der Verwaltung nicht mehr die Ressourcen für die Koordination des Projektes bereitstellen wollte konnte. Aus dem bis dahin erarbeiteten Inhalt seht ihr hier die Seite zum Thema Arbeit!

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