Ein Abend mit Jim Avignon

Mit einem Konzert seiner neuen Band „Anxieteam“ eröffneteJim Avignon gestern Abend seine Ausstellung in der Galerie Schüppenhauer. Die neue Band (parallel zu Neoangin), die laut PR-Text die Leere füllen möchte, die der King of Pop hinterlassen hat, besteht aus Jim und dem Maler-Musiker-Kollegen Jon Burgerman und fühlt sich folgenden Stilrichtungen verpflichtet: Rick Wakeman / New Order / Yazz / Felt / Denim / Pet Shop Boys / Arab Strap / 8bit bEtty / The Proclaimers / Micachu / The Fall / Michael Jackson / Telex / Pulp / Robert Crumb / XOC / Bit Shifter / Boxcutter / Stacka Bo / Dan Deacon / Family Fodder / Ian Dury / Ian Curtis / John Peel / Jeffery Lewis / Aidan Smith / John Cooper Clarke.
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Ihre Musik klinge wie „happy magic and sad wonderment“ beschreiben die beiden auf ihrer Myspace-Seite. Bevor sie gestern Abend mit Ukulele und Masken ihre kultige Aufführung begannen, bemalten sie im Duett die Fensterscheibe der Galerie mit einem wuchernden Bild voller Comic-Figuren und absurder Einfälle und schufen sich so ein perfektes Bühnenbild für die Performance.
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Jim Avignon, ist ein Künstler, der aus der Techno-Szene ebenso seine Inspiration schöpfte, wie aus den Ikonen der Pop Art. Seine genialen Performances haben ihn berühmt und zum Star der Clubszene gemacht. Legendär ist seine subversive Performance auf der documenta 9, wo er jeden Tag ein Bild malte, welches er sofort zerstörte. Überhaupt scheint es ihm darum gelegen, seine Kunstwerke in gewisser Weise den Mechanismen des Marktes zu entziehen. Indem er beispielsweise Wert darauf legt, dass die Arbeiten bezahlbar sind. Hieraus aber einen zentralen Aspekt seiner Kunst zu sehen und gleich mit dem Label „cheap art“ daherzukommen, halte ich für überzogen. Denn es führt weit weg vom eigentlichen Anliegen Jim Avignons. „We don’t want your money, we only want your love“!
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Der Künstler sieht sich selbst als moderner Geschichtenerzähler und so tauchen in seinen Gemälden, die er in expressiv-kubistischer Comic-Manier malt, all die absurden Alltagssituationen der modernen Spaßgesellschaft auf, die vom Betrachter als kritisch-ironische Anmerkungen zum Weltverständnis erkannt werden. Folgerichtig hat Jim Avignon auch ein Buch herausgegeben, in welchem er mittels genial gestalteter Schaubilder uns allen die Welt erklärt.
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Seit 2006 lebt und arbeitet Jim Avignon in New York. Seine Arbeiten aber vor allem seine Konzerte sind immer wieder Highlights der New Yorker Kunstszene, die vor allem seine kleinen Interaktionen während der Konzerte liebt. Das deutsche Publikum ist da deutlich reservierter, wie man gestern beim Verteilen der selbstgebastelten Glückskekse oder der spontan eingestreuten SMS-Aktion merken konnte. Allerdings kam mir die Mischung des Vernissage-Publikums gestern Abend durchaus wie eine typische „Jim Avignon“-Aktion vor: junge Kunststudentinnen, die ihn verehren und um ein Autogramm bitten, offensichtlich langjährige gute Freunde, ein uralter gebrechlicher Mann, der sich in die Galerie verirrte und einen kurzen Teil des Konzertes mit anhörte, coole Medienmenschen und die Kölner Kunstszene mit Lehrern und Hobbyfotografen. Trotz heißer Temperaturen war das gestern eine sympathische Begegnung mit einem bemerkenswerten Künstler.
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Ergänzend sei auf die jüngsten Aktivitäten von Jim Avignon hingewiesen, der mittlerweile auch zum Modedesigner avancierte. Mein besonderer Favorit unter seinen kleinen Videoclips ist – passend zur großen Sommerausstellung in Berlin – der zu Frida Kahlo. Jim Avignons Ausstellung in Köln ist noch bis einschließlich 28.8.2010 zu sehen und lohnt einen Besuch auf jeden Fall

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