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22. Dezember 2006, Texte zur Kunst:

Vincent van Gogh

Die meisten Menschen wissen um die dramatischen späten Jahre des Künstlers Vincent Van Gogh. Wie hat sich jedoch der Künstler Vincent entwickelt, welche Stationen seiner Kunst sind wichtig und worin liegt seine außerordentliche Bedeutung für die Kunstgeschichte. Gehen wir doch einmal Schritt für Schritt durch die Welt des Vincent van Gogh und tauchen ein in eine Malerei, die intensiv und authentisch ist und bis heute zum Genialsten zählt, was in der modernen Geschichte der Kunst geschaffen wurde.

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Vincent van Gogh – der Vater der Moderne

„... die Welt geht mich nur insofern etwas an, als ich sozusagen eine gewisse Schuld und Verpflichtung habe – weil ich nämlich dreißig Jahre lang auf dieser Welt umhermarschiert bin - aus Dankbarkeit ein bestimmtes Andenken in Form von Zeichen- und Malarbeit zu hinterlassen – nicht geschaffen, um dieser oder jeder Richtung zu gefallen, sondern um ein aufrichtiges menschliches Gefühl zum Ausdruck zu bringen.“
Vincent (Brief 309)

„Auf dem Punkt, wo ich jetzt bin, glaub ich aber, einen empfundenen Eindruck von dem, was ich sehe, wiedergeben zu können. Nicht immer buchstäblich genau, vielmehr niemals genau, denn man sieht die Natur durch sein eigenes Temperament.“
(Brief 399)

„Meine Pinselführung hält sich an keine bestimmte Technik. Ich haue unregelmäßige Pinselstriche auf die Leinwand und lasse sie, wie sie sind. Dicke Farbkleckse, unbemalte Leinwandstellen, hier und da eine völlig unfertige Ecke, Übermalungen, Roheiten; kurz, das Ergebnis ist, fürchte ich, ziemlich beunruhigend und ärgerlich und wird Leute mit vorgefaßten Meinungen über Technik keinesfalls beglücken ... Ich arbeite immer direkt an Ort und Stelle und suche in der Zeichnung das Wesentliche zu erfassen – die Flächen, die mit Konturen umzogen sind, mit vorhandenen oder nicht vorhandenen, jedenfalls immer empfundenen, die fülle ich dann mit gleichfalls vereinfachten Tönen aus ... Kurz, lieber Freund, jedenfalls keine Augentäuscher-Malerei.“ (Brief B 3 an Bernard)


Portraits
Van Gogh gilt als Pionier der modernen Portraitkunst. Große Bildnisse des 20. Jahrhunderts (Kokoschka, Picasso, Bacon) wären ohne seinen Ansatz nicht vorstellbar.

„Und diese Idee mit den Porträts, da lasse ich nicht locker, denn es heißt für eine gute Sache kämpfen, wenn man den Leuten zeigt, dass noch was anderes in den Menschen steckt, als der Photograph mit seiner Maschine herauszuholen vermag ... Und gemalte Bildnisse haben ein eigenes leben, das wurzelecht aus der Seele des Malers kommt – da kann die Maschine nicht ran. Das wird einem, scheint mir, um so klarer, je mehr Photos man sich ansieht.“ (Brief 439)

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Selbstportraits
Es haben sich aus van Goghs Jugendzeit zwei Fotos erhalten, die aber keine befriedigenden Informationen über das tatsächliche Aussehen geben können. Insgesamt sind 33 gesicherte Selbstportraits bekannt. Die Suche nach der eignen Identität spiegelt sich in den meisten dieser Bilder. Das eigene Menschsein wird befragt. Damit wird er zum Vorbild für die sog. Existenzmalerei und Ausdruckskunst. Vor allem in seinen Pariser Selbstbildnissen ist der nachhaltige Einfluss seines großen Landsmannes Rembrandt nicht von der Hand zu weisen, der ja auch zahlreiche Selbstbildnisse in immer unterschiedlichen Posen und Rollen der Nachwelt hinterlassen hat.

Biografisches
Vincent-Willem wird am 30. März 1953 als 1. Kind von Theodorus (ein protestantischer Pastor) und Anna-Cornelia (die Tochter eines königlichen Buchbindermeisters und 3 Jahre älter als ihr Mann) geboren.

Ein Sohn gleichen Namens wurde am 30.März 1852 tot geboren – in zahlreichen Abhandlungen wurde das Problem der Identitätskrise van Goghs bereits ausgeführt

Schwester Anna-Cornelia wird 1855 geboren, der Bruder Theodore Vincent 1857, Schwester Elisabeth-Huberta 1859, Schwester Wilhelmina Jacoba 1862 (sie lebt seit 1902 in einer Nervenheilanstalt), Bruder Cornelis Vincent, 1867 geboren, begeht 1900 Selbstmord. Die Vorfahren van Goghs waren meist Geistliche, ein Bischof von Utrecht war darunter, Goldschmiede und Kaufleute, 3 Onkel sind Bilderhändler

Im Kunsthandel (1869-76)
Zunächst beginnt Vincent eine Ausbildung in Den Haag in der Kunsthandlung Goupil, wo später auch Theo tätig wird. 1872 besucht der 15jährige Theo seinen älteren Bruder in Den Haag, man verspricht sich feierlich, immer füreinander da zu sein, anschließend beginnt ein reger Briefwechsel, der mehr als 600 Briefe im Laufe der Zeit entstehen lässt.

1873 wird er für den Chef nach London geschickt. Dort verliebt er sich in die 19jährige Eugénie, die Tochter seiner Pensionswirtin. Er bittet sie eines Tages um ihre Hand und wird ausgelacht. Ein traumatisches Erlebnis für van Gogh, das sein Verhältnis zu Frauen zeitlebens unentspannt und schwierig macht.

Im Jahre 1875 hält er sich erstmalig in Paris auf. Dort brodelt gerade die Diskussion um den Impressionismus und Vincent van Gogh saugt begierig alles auf. Kurz darauf wird er aus dem Geschäft entlassen, weil er sich im Umgang mit den Kunden nicht eben als einfach erweist. Angeblich hat er auch gesagt: „Bilderhandel ist organisierter Diebstahl!“

England 1876 – Er finanziert den Aufenthalt als Hilfslehrer (gibt Französisch und Deutsch-Unterricht) und wird als Hilfsprediger bei London missionary tätig.

Holland 1877/78 – Nun versucht er es im Buchhandel – als Volontär in Dordrecht. Das scheint eher nicht seine Berufung, er versucht ein Theologie-Studium in Amsterdam, das er aber auch recht rasch abbricht. Ein kurzer Aufenthalt in Etten bei seinen Eltern folgt.

Belgien 1878-80 – Er verfolgt immer noch eine theologische Karriere und wird zunächst Missionsschüler in Brüssel; danach arbeitet er als Prediger in Borinage. Er zeigt wahres Mitgefühl mit den dort lebenden Bergarbeitern. Man will ihn jedoch wegen übertriebener Aufopferungsbereitschaft nicht weiter beschäftigen. Vincent zeichnet viel, allerdings sind alle in dieser Zeit entstandenen Blätter verschwunden. Es ist eine Zeit des Umherirrens ohne Arbeit und ohne Geld. Theo fängt an, ihn zu unterstützen

Brüssel 80/81 Hier wagt er erste Schritte zum Künstler, beginnt an der Kunstakademie zu studieren.

Etten 1881 – Vincent will Zeichnen lernen. Die van Goghs bekommen Besuch von Vincents älterer Kusine Cornelia Adraina Vos, genannt Kee, in die sich Vincent verliebt. Sie ist Witwe und hat einen neunjährigen Sohn. Sie lehnt Vincents Liebe vehement ab und Vincent gerät in eine traumatische Verfassung, innerhalb derer er seine Hand über eine Lampenflamme hält, um seine Liebe zu beweisen. Das Ganze mündet in einen fürchterlichen Streit mit der Familie

Den Haag 1881-83 – Er betreibt Studien bei seinem Vetter, dem Maler Anton Mauve, im Februar 1882 verkauf Vincent eine Zeichnung an Tersteeg für 10 Gulden. Kurz darauf beginnt das Verhältnis mit der schwangeren Prostituierten Clasina Maria Hoornik, genannt „Sein“ (Alkoholikerin, 5jährige Tochter). Teersteg kauft ihm 10 Zeichnungen ab, die Familie will Vincent unter Kuratel stellen lassen, weil er sich weigert, das Verhältnis zu Sien abzubrechen, er will sie sogar heiraten, Vincent muss sich wegen Trippers 3 Wochen im Krankenhaus behandeln lassen. Drenthe 1883 – Trennung von Sien.

Nuenen

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Nuenen 1883-85 – Die Familie lebte hier seit 1882, Vincent hat viele Ideen und Pläne, es entstehen fast 200 Gemälde während dieser Zeit und zahlreiche Aquarelle und Zeichnungen, 1884 verliebt sich die 43jährige Tochter einer Nachbarin in Vincent, die beiden wollen heiraten, beide Familien sind dagegen. Margot – so heißt die Geliebte - will sich mit Strychnin vergiften, Vincent hat nun vier Malschüler, die er unterrichtet, März 1885 stirbt der Vater nach einem Schlaganfall. Am Geburtstag Vincents und dem Todestag seines totgeborenen Bruders wird Pastor Van Gogh beerdigt.Es folgt ein unschöner Erbstreit, in welchem Vincent beschieden wird, da seine Ausbildung so teuer gewesen sei, habe er keinen Anspruch auf ein Erbe. Vincent verzichtet.

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Vincent malt „Die Kartoffelesser“, das Hauptwerk seiner holländischen Periode, erstmals erregen seine Arbeiten in Paris einige Aufmerksamkeit. Im August 1885 stellt der Farbenhändler Leurs in Den Haag erstmals einige von Vincents Arbeiten in 2 Schaufenstern seines Geschäftes aus. Voller Hoffnung und Wehmut nimmt Vincent Abschied von Holland

„Wenn ich sage, dass ich ein Bauernmaler bin, dann ist das wirklich so, und es wird Dir in Zukunft noch deutlicher werden – ich fühle mich da zu hause. Und es ist nicht umsonst gewesen, dass ich bei den Bergleuten und den Torbauern und den Webern und Bauern hier so viele Abende beim Feuer gesessen und nachgedacht habe – das heißt, wenn mir das Arbeiten Zeit zum Nachdenken ließ. Weil ich zu allen Stunden des Tages immerfort das Bauernleben sehe, bin ich so völlig hineingeraten, dass ich fast nie an etwas anderes denke.

Das (nämlich diese Gleichgültigkeit wäre sehr schlimm für mich, sofern mir der Sinn nach schönen Schuhen und einem Herrenleben stünde, doch -–puisque j'y vais en sabots, je m‘en tirerai (da ich in Holzschuhen gehe, werde ich schon durchkommen).“

„Ein Bauernmädchen in seinem staubigen, geflickten blauen Rock und seiner Jacke, die durch Wetter, Wind und Sonne die feinsten Farbtöne kriegen, ist in meinen Augen schöner als eine Dame (...) Nein, man muß die Bauern malen, indem man selber einer von ihnen ist und fühlt und denkt wie sie, indem man nichts anderes sein kann, als man ist.“ (Brief 404)

Zwischen November 1884 und April 1885 schuf van Gogh in den engen und einfachen Behausungen der Nuenener Bauern rund 200 Werke – Skizzen, Zeichnungen und Ölbilder.
Kein anderer Maler hatte sich im Jahre 1885 so weit in seinem Ausdrucksverlangen vorgewagt. Van Gogh spürte, dass die Figuren, die Bauern und Arbeiter auf den Bildern der alten Meister nicht „arbeiten“, nicht leben. Er wollte keine posierenden Denkmäler zeichnen und malen, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, voller ‚Charakter‘, in der Wahrheit ihrer konkreten Lebenssphäre. Um solches auszudrücken war er sogar bereit, zu übertreiben.

Antwerpen 1885/86 – Er besucht die Kunstakademie in der Malerei- und Zeichenklasse. Van Gogh lehnt jedoch das akademische Lehrprinzip ab. Er hat sehr unter Zahn- und Magenproblemen zu leiden und evtl. auch Syphillis.

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Schädel mit brennender Zigarette, Winter 1885/86, Amsterdam Rijksmuseum

In gewisser Hinsicht ist der sarkastische Schädel das Schlüsselbild der Antwerpener Zeit. Zunächst macht sich van Gogh einfach lustig über die Gepflogenheiten in den Zeichenklassen, denen das Skelett unentbehrliches Requisit ihrer anatomischen Studien war, der rudimentäre Rest eines Menschen, der nach Maßgabe akademischer Weisheiten dem Maler in seinen Kämpfen um Proportion und knochenbauliche Genauigkeit beistehen sollte. Die Leblosigkeit dieses Lehrmodells war gerade das Gegenteil dessen, was van Gogh selbst im Bild erfassen wollte. Doch nun hat sich der Schädel eine Zigarette zwischen die hervortretenden Zähne gekjlemmt: Deswegen ist er zwar nicht weniger totes Gerippe, doch überzeiht ihn zugleich ein Schimmer von Lebensnähe in seinem Charakter als groteske Witzfigur. Weniger komisch mutet das Bild an, bringt man es mit van Goghs Bemühungen in Zusammenhang, sein Äußeres attraktiver zu gestalten. Er hatte sich gerade sein lückenhaft gewordenes Gebiß reparieren lassen. Die Frage, warum in Nuenen keine Selbstbildnisse entstanden sind, warum sie gleichzeitig um so forcierter in Paris in Angriff genommen werden, mag durchaus eine Erklärung finden in van Goghs neugewonnenener stadtbürgerlicher Eitelkeit; erst nach der kosmetischen operation fand er sich ansehnlich genug. Andererseits wird die frisch angenommene Urbanistät ihr gut Teil zu der Überzeugung beigetragen haben, nun auch eines Selbstbildnisses würdig zu sein – und deswegen einig Auffrischungen am eingefallenen, abgelebten Gesicht nötig zu haben. Seine Gesundheit war überhaupt stark angegriffen

„Der Arzt verlangt, ich müsste kräftiger leben und bis ich gekräftigt bin, mich mit der Arbeit schonen. Nun habe ich es noch durch starkes Rauchen verschlimmert, und das habe ich getan, weil man dann seinen leeren Magen nicht so spürt.“
Brief 449

So gesehen ist dieser Schädel van Goghs erstes Selbstbildnis, ein zynischer, unbarmherziger Kommentar zu seinem Äußeren, dessen abstoßende Ungepflegtheit nun, in der Stadt, zu einem Problem geworden ist – nachdem sie in Nuenen noch Markenzeichen gewesen war, Signum der Verbundenheit mit den Bauern. Zum Memento mori der eigenen Hinfälligkeit gesellt sich schließlich noch das zeitgenössische Faible für das Motiv des wandelnden Toten. Arnold Böcklin hatte schon 15 Jahre zuvor eine „Selbstbildnis mit fiedelndem Tod“ gemalt; die Totentanzthematik wird dann kurz nach 1900 ihren Höhepunkt finden in Hugo von Hofmannsthals Schauspiel „Jedermann“.

Paris

Paris 1886 – Vincent fährt nach Paris, Theo leitet dort für die Fa. Boussod & Valadon (Goupil) eine kleine Galerie am Montmartre, kurz darauf ziehen die beiden Brüder in die Rue Lepic 54. Vincent studiert im Atelier Cormon (u.a. mit John Russel, Toulouse-Lautrec und Emile Bernard), durch Theo lernt er die Impressionisten kennen, schließt Freundschaft mit Pisarro.

Mai 1886 – Vincents Mutter zeiht mit Will nach Breda um, ein Trödler kauft die von Vincent bei der Familie zurückgelassenen etwa 70 Bilder für wenige Cent pro Stück.

Frühjahr 1887 – Vincent führt rege Diskussionen um den Impressionismus. Bernard, Gauguin, Toulouse-Lautrec und Vincent bilden die Gruppe „Peintres du Petit Boulevard“ (gemeint ist dabei der Boulevard de Clichy), als Gegenpol zu der Gruppe „Peintre du Grand Boulevard“. Er pflegt eine enge Freundschaft mit Signac, eine kurze Liaison mit Agostina Segatori scheint ihn zu beflügeln. Mehr als 200 Bilder entstanden in den zwei Paris-Jahren

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Porträt Agostina Segatori im Café du Tambourin, Amsterdam

Das aus Italien stammende Malermodell, bereits gereift doch immer noch eine schöne Frau, hatte wahrscheinlich eine Affäre mit Vincent. Hinter ihr hängen Bilder an der Wand. Van Gogh. hatte hier bereits zwei Ausstellungen organisiert. Eine mit japanischen Farbholzschnitten und eine mit eigenen Werken. Das Bild ist mit privater Emotionalität gemalt und zeigt viel Nähe zu Toulouse-Lautrec.

Arles

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Selbstbildnis mit Strohhut, Sommer 1887, Amsterdam Rijksmuseum

Ein ganz neues Gefühl für die Malerei spielt bei diesem Bildnis eine Rolle. Eine Flut von Gelbtönen strömt mit sommerlicher Heiterkeit über Hemd, Gesicht, Kopfbedeckung und sogar den Hintergrund. Sparsam gesetzte Linien in Violett setzen einen feinen Akzent von Komplementärkontrast hinzu. Einzig die roten Tupfer des Bartes halten die Tradition der Lokalfarbigkeit hoch, doch tauchen sie zu unvermittelt und sporadisch auf, als dass sie tatsächlich die Haare beschrieben. Das wohlvertrauten Konterfei des Künstlers wird zum Experimentierfeld für bildnerische Wirkungen. Natürlich bleiben die groben Züge dieses Antlitzes erhalten, lässt sich die teils scheue, teils grimmige Miene van Goghs identifizieren. Doch entstammt dieses Porträt nicht mehr dem Blick in den Spiegel, sondern hält mit den eigenen malerischen Mitteln eine Erscheinung fest, die um des Bildes willen existiert.

Arles 20.2. 1888/89 – Vincent träumt von einer Künstlergemeinschaft.
März 1888 – Auf dem Pariser „Salon des Artistes Indépendants“ werden 3 Bilder von Van Gogh ausgestellt
März bis Mai 1888 – Es entstehen mehrere Bilder der Brücke von Lanlois, die ihn mit Sicherheit an seine holländische Heimat erinnert haben mag. Er mietet im Frühjahr die rechte Hälfte des gelben Hauses, in das er jedoch erst im September einzieht.
Mai 1888 – Van Gogh zieht in das Café de la Gare, das vom Ehepaar Ginoux betrieben wird.
Juni 1888 – Durch den amerikanischen Maler Dodge MacKnight wird Vincent mit dem belgischen Dichter und Maler Eugène Boch (1855 – 1941) bekannt (Villeroy & Boch)
Juli 1888 – Vincent freundet sich mit dem Postmeister Joseph Roulin an, malt 6 Ölbilder und macht mehrere Zeichnungen von ihm, später auch von dessen Frau und den 3 Kindern
August 1888 – Vincent malt eine ganze Serie mit Sonnenblumenbildern
September 1888 – Das Nachtcafé entsteht

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Porträt Patience Escalier, Privatsammlung

„Er ist eine alter Ochsentreiber aus der Camarque, jetzt Gärtner in einem Landhaus in der Crau...“

„Ich glaube, mein Bauer würde bestimmt Deinem Lautrec (Reispuder) keinen Abbruch tun; ich wage sogar zu glauben, dass der Lautrec durch den Gegensatz noch distinguierter würde, und mein Bild würde durch die seltsame Nachbarschaft ebenfalls gewinnen, denn das Sonnengetränkte darin, das Ausgedörrte und von Sonne und Wind Gebräunte würde neben dem Reispuder und der eleganten Toilette noch mehr zur Geltung kommen. Wie falsch von den Parisern, dass sie nicht genug Geschmack am Derben finden, an Monticelli, am Steingutgeschirr.“
(Brief 520)

Die breit auf den Stock gestützten Hände des Bauern stehen fast im Zentrum des Bildes. Die Körperhaltung und der Blick des Dargestellten intensivieren das Bild. V. malt es in starken Komplementärkontrasten. Die Farbe suggeriert die glutheiße Luft der Erntezeit mitten im Süden, mitten in den Hundstagen. Es ist die transzendente Wiedergabe eines existentiellen, individuellen Zustandes. Weil er Menschen liebte, weil er menschliche Nähe und Geborgenheit entbehrte, malte er Menschen. Er suggerierte mit seinen Bildern und ganz speziell mit seinen Porträts, wie Leben und Welt hätten sein können.

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Bildnis des belgischen Dichters Eugène Boch, Paris, Musée d’Orsay

Vor einem bestirnten Nachthimmel hat Vincent das Porträt des Dichters und Malerkollegen Boch wiedergegeben. Dies vermittelt den Eindruck des Seelischen beim Dichter, ähnlich wie auf alten Heiligenbildern der Nimbus die Dargestellten symbolisch erhöht.

„Durch das Leuchten, durch das Zittern und Schwingen unserer Farben“ wollte Vincent das Ewige im Menschen wiedergeben. Es geht hier um ein malerisches Ausloten von Psychischem. „Das Bildnis, das Bild mit dem Geist, mit der Seele des Modells.“
Das Bild ist als Studie angelegt und zeigt, dass bei aller Psychologie es Vincent doch darum ging, realistisch die Figur wiederzugeben. Das endgültige Porträt kam dann doch nicht zustande, da der Dichter ihm nicht mehr Modell sitzen konnte. Aus heutiger Sicht gilt dieses Bild durchaus als fertiges Gemälde.
Obwohl Boch auch malte, sah ihn Van Gogh doch eher als Dichter.

„Da aber nichts der Annahme entgegensteht, dass es auf den zahllosen Planeten und Sonnen ebenfalls Linien und Formen und Farben gibt, bleibt es uns erlaubt, eine gewisse heitere Ruhe zu bewahren im Gedanken an die Möglichkeit, dass wir dereinst unter besseren und veränderten Bedingungen des Daseins malen werden – eines Daseins, das vielleicht durch Vorgänge verändert wird, die nicht schlimmer oder überraschender sind als die Verwandlung der Raupe in den Schmetterling, des Engerlings in den Maikäfer. Dieses Dasein als Maler-Schmetterling würde sich auf einem der unzähligen Sterne abspielen, die uns nach dem Tod vielleicht nicht weniger unzugänglich sind als im irdischen Leben die schwarzen Pünktchen, die auf der Landkarte Städte und Dörfer versinnbildlichen.“

Die Schwester Eugene Bochs, Anne, kaufte 1890 in Brüssel V. Gemälde „Der rote Weinberg“ für 400 Francs. Es war vielleicht das einzige Gemälde, das Vincent überhaupt verkauft hat.

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November 1888 - Bild „L’Arlesienne“, New York, The Moetropolitan Museum

Joseph und Marie Ginoux betrieben das “Café de la Gare“, das V. als „Nachtcafé“ in die Kunstgeschichte eingehen ließ. Anfang November saß Mme Ginoux sowohl V. als auch Gauguin Modell. Eine zweite Fassung des Bildes befindet sich im Musée d’Orsay.
Da diese Version erst ab 1901 nachweisbar ist und zwar in der Sammlung Schuffenackers, der ein enger Freund Gauguins war, könnte es möglich sein, dass V. dieses Bild Gauguin geschenkt hat. Es kam übrigens häufiger vor, dass Gauguin V. um Repliken seiner Bilder bat. Das Bild ist mit starker Konturierung gemalt und erinnert an die Einflüsse der japanischen Holzschnitte. Es gibt nicht mehr den Charakter des Skizzenhaften her. Die leere und undefinierbare Hintergrundsfläche ist sowohl formal als auch ikonographisch eine Errungenschaft. Wie vor einem gotischen oder byzantinischen Goldgrund hebt sich archetypisch die Frauengestalt ab.

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Porträt Joseph Roulin, Winterthur, Kunstmuseum

„Ein Kopf ein bisschen wie Sokrates, fast keine Nase, eine hohe Stirn, kahler Schädel, kleine Augen, sehr rote, volle Wangen, ein großer, graumelierter Bart, große Ohren. Der Mann ist ein glühender Republikaner und Sozialist, diskutiert sehr gut und weiß eine Menge. Seine Frau hat heute entbunden und so kommt er sich sehr großartig vor und glänzt vor Genugtuung. Ich male so etwas eigentlich viel lieber als Blumen.“

Mit einem Farbklang in den drei Grundfarben Blau, Gelb und Rot malt Van Gogh diesen Postboten, mit dem er sich in Arles angefreundet hatte. Ein wenig abgemildert durch Inkarnattöne. Auch hier ist der Hintergrund ein abstrakter Farbraum und hauptsächlich zur Überhöhung des Dargestellten eingesetzt. Die Familie Roulin diente über einen langen Zeitraum hinweg für Vincent als Modell einer „Bilderbuchfamilie“ und er malte alle Mitglieder in immer wieder unterschiedlichen Formationen. Insgesamt entstanden 23 Bildnisse, vom Postmeister existieren allein 6 Bildnisse, von Madame 8, vom Sohn Armand 3, Sohn Camille malte er ebenfalls 3 mal und den Säugling Marcelle 5 mal (davon 2mal zusammen mit der Mutter)

Das Atelier des Südens – Gauguin kommt am 23.10. zu van Gogh, die beiden kochen, essen und malen zusammen, ab Dezember beginnen jedoch die Auseinandersetzungen wegen unterschiedlicher künstlerischer Meinungen

Laut Gauguin geht Vincent angeblich mit einem Rasiermesser auf ihn los, worauf dieser in einem Gasthof übernachtet, Van Gogh erleidet in der Nacht einen Anfall geistiger Umnachtung und schneidet sich den unteren Teil seines linken Ohres ab, er wickelt es in Zeitungspapier und bringt es der Prostituierten Rachel als „Geschenk“ ins Bordell
Als Auslöser für die Ereignisse des 23.12.88 kommen eine völlige körperliche Verausgabung in den letzten Monaten, die Spannungen mit Gauguin und evtl. die Botschaft der Verlobung Theos mit Jo in Frage, Gauguin reist ab, Vincent kommt ins Krankenhaus, Theo besucht ihn.

März 1889 - Die Bürger von Arles machen eine Eingabe bei Gericht, van Gogh wegen Gemeingefährlichkeit zu internieren. Sein Haus mit allen Bildern wird kurzfristig von der Polizei geschlossen. Lies und Will schicken einen Wechsel über 678,23 Francs (der von Vincent abgetreten Erbteil)
April 1889 – Vincent räumt das gelbe Haus, durch feuchte Wände aufgrund eines nahen Hochwassers traten Schäden bei den darin zurückgelassenen Bildern auf.

8. Mai 1889 – Vincent geht wegen wiederholten schweren Krisen und Ohnmachtsanfällen auf eigenen Wunsch in das Asyl für Geisteskranke bei Saint-Rémy-de Provence, der leitende Arzt, Dr. Peyron „diagnostizierte“ Epilepsie (kam in der Familie der Mutter vor).
Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen könnte Van Gogh an akuter Porphyrie gelitten haben, einer in Schüben auftretenden Erbkrankheit des Blutes, auch Syphillis ist nicht ausgeschlossenen, am wahrscheinlichsten ist jedoch eine traumatische Neurose

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Das Porträt des Dr. Gachet, Auvers 1890, Privatsammlung

„Jetzt arbeite ich an einem Porträt des Dr. Gachet mit dem schmerzerfüllten Ausdruck unserer Zeit.“ (Brief an Gauguin)

Eine erste Version lieferte noch eine kompliziertere Komposition, die allerdings farblich noch nicht so ausgereift war. Dr. Ferdinand Gachet war ein Arzt, der Van Gogh in Auvers aufgenommen hatte und der als Kunstliebhaber bekannt war. Er ließ sich oftmals mit Gemälden und Zeichnungen von Künstlern bezahlen, die er behandelte. Den Hintergrund erklärte Vincent in Briefen als blaue Hügel. Dieses Bild galt lange als das teuerste Gemälde der Welt. Es wurde 1990 für 82,5 Millionen Dollar an den japanischen Geschäftsmann Ryoei Saito verkauft (er kaufte in derselben Auktion auch Renoirs „Moulin de la Galette). Drei Jahre später geriet Saito in einen Finanzskandal mit Bestechungsvorwürfen. Im Verlaufe der Untersuchungen drohte Saito, das Bild zu verbrennen, um seine Erben vor der horrenden Erbschaftssteuer zu bewahren. Später sagte er, er habe nur gescherzt. Seit dem Tod Saitos 1996 gilt das Gemälde als verschollen...
Seit Juli 2002 ist nun nicht mehr dieses Bild das teuerste der Welt, sondern bei einer Versteigerung in London bei Sothebys gilt nun Rubens „Kindermord in Bethlehem“ als Kassenschlager: 49,5 Millionen Pfund wurden hierfür erzielt. Es kommt jedoch auf den jeweiligen Umrechnungskurs an. 1990 war der Dollar nur 1,60 DM wert!!!

Landschaften und Stilleben

„Ich sehe in der ganzen Natur, z.B. in den Bäumen Ausdruck, sogar Seele. (...) Ich habe versucht, in die Landschaft dieselbe Empfindung zu legen wie in die menschliche Figur; das gleichsam krampfhafte und leidenschaftliche Sicheinwurzeln in die Erde und ein dabei doch halb Losgelöstsein durch die Stürme. Ich wollte etwas vom Kampfe des Lebens darin ausdrücken.“

Er sei ein Figurenmaler, lautete van Goghs stetes Credo. Interessanter noch und zukunftsweisender als seine Menschenbilder stellen sich aber seine Naturszenerien dar. Weniger der Landschaft, weniger dem gehegten und geordneten Objekt gutgemeinter kultivierender Eingriffe sucht er dabei habhaft zu werden als dem Rest an ungestümer Lebendigkeit und Urwüchsigkeit, in dem sich die Welt ihrer Erschließung bisher noch verweigern konnte.

7. Januar 1989
Vincent wird aus dem Krankenhaus entlassen. Zu dieser Zeit gibt Theo seine Verlobung mit Jo bekannt. Der Freund Roulin wird nach Marseille versetzt.
Vincent erleidet am 4. Februar einen erneuten Anfall
Am 7. Februar ist er abermals im Krankenhaus in Arles. Er leidet unter Schlaflosigkeit und Halluzinationen. Er glaubt, man wolle ihn vergiften.
Im März erwirken aufgebrachte Bürger eine Internierung im Krankenhaus für den „fou roux“. Im April räumt V. das gelbe Haus. Theo heiratet Johanna Bonger.
Am 8. Mai 1889 geht V. wegen wiederholten schweren Krisen und Ohnmachtsanfällen auf eigenen Wunsch in das Asyl für Geisteskranke (Hospital, ehemaliges Kloster Saint-Paul-de-Mausole) bei Saint-Rémy-de-Provence.
Ab Juni erlaubt man ihm – in Begleitung – auch außerhalb des Asylbereichs zu malen. Im August erleidet er beim Malen im Freien einen erneuten Anfall, bei dem er giftige Farben verschlucken will. Danach darf er erst einmal 6 Wochen nicht mehr ins Freie. Im Dezember versucht V. sich abermals Farben einzuverleiben.
31. Januar 1890 – Theos Sohn wird geboren. V. wird der Patenonkel.
Ende Februar erleidet V. einen erneuten Anfall nachdem er in Arles gewesen ist. Fast zwei Monate lang leidet er unter den Folgen.
Am 16. Mai verlässt er Saint-Paul und kommt am 17.05. in Paris an. Am 20. Mai reist er jedoch bereits weiter nach Auvers-sur-Oise, wohnt dort in dem kleinen Café des Ehepaares Ravoux und wird von Dr. Gachet betreut. In den letzten zwei Monaten seines Lebens malt er 80 Gemälde.
Am 6. Juli gab es Differenzen mit Theo bei einem Besuch in Paris.
24. Juli – Vincent schreibt den letzten Brief an Theo.
27. Juli – Vincent kommt erst spät am Abend von einem Spaziergang nach Hause, das Ehepaar Ravoux bemerkt, dass er an Schmerzen leidet und holt den Ortsarzt Dr. Mazery du Dr. Gachet. Vincent gesteht, dass er sich eine Kugel in die Brust geschossen hat, die aber nicht entfernt werden kann.
28. Juli 1890 – Gegen 1 Uhr 30 in der Früh erliegt V. im Beisein von Theo seinen Verletzungen. Da der katholische Pfarrer von Auvers den Leichenwagen der Gemeinde für einen Selbstmörder nicht zur Verfügung stellt, wird einer aus der Nachbargemeinde besorgt.
30. Juli – Gegen 15 Uhr wird V. beigesetzt auf dem am Rande der Felder liegenden Freiedhof von Auvers, neben Theo und Dr. Gachet kommen u.a. Bernard, Lauzet, Laval, Pissaro, Bonger und Tanguy zur Beerdigung. Dr. Gachet sagt in seiner Grabrede u.a. „Er kannte nur zwei Ziele: die Menschlichkeit und die Kunst.“

Vincent van Gogh und die Provence

„Warum hat der größte Kolorist von allen, Eugène Delacroix, es für unerlässlich gehalten, in den Süden und gar bis nach Afrika zu gehen? Offenbar, weil man da – und nicht nur in Afrika, sondern schon von Arles ab – die schönsten Gegensätze von Rot und Grün, von Blau und Orange, von Schwefelgelb und Lila in der Natur selber findet.“

Das Land lag noch verschneit da, als er es im Februar zum erstenmal erblickte, doch an den Ästen der Obstbäume brachen schon Knospen auf.

„Arles scheint mir nicht größer als Breda oder Mons...Aber hier in Arles scheint die Gegend flach zu sein. Ich habe wundervolles rotes Gelände bemerkt, mit Weinstöcken bepflanzt, im Hintergrund Berge von zartestem Lila. Und die Landschaften im Schnee mit den weißen Berggipfeln vor einem Himmel, der ebenso leuchtend ist wie der Schnee – wie Winterlandschaften der Japaner.“


In meinem letzten Brief wirst Du eine kleine Skizze von dem bewussten Perspektivrahmen gefunden haben. Er besteht aus zwei langen Stäben; daran wird der Rahmen mit starken hölzernen Stiften befestigt, entweder hoch- oder quergestellt. Dadurch hat man am Strand oder auf der Wiese oder auf dem Acker einen Ausblick wie durch ein Fenster. Ich würde mich nicht wundern, wenn die Impressionisten bald allerlei gegen meine Malweise einzuwenden hätten, die eher durch die Ideen von Delacroix befruchtet ist als durch die ihren. Denn statt genau wiederzugeben, was mir die Augen zeigten, bediene ich mich der Farbe eigenmächtiger, um mich stark auszudrücken. (...) Kein Pointillismus, keine Strichelung, nichts – flach aufgetragene Farben, die aber miteinander harmonisieren. (...) Ich merke jedoch , dass alles, was ich in Paris gelernt habe, entschwindet, und ich komme auf die Ideen zurück, die ich mir früher auf dem Lande zusammengedacht habe, bevor ich noch die Impressionisten kannte.
Ich halte die beiden Ansichten von der Crau und von der Gegend am Rhoneufer für meine besten Federzeichnungen... Schon öfters habe ich Dir gesagt, wie stark die Camargue und die Crau, abgesehen vom Unterschied in der Farbe und der Klarheit, mich an das alte Holland zu Ruysdaels Zeiten erinnern.... Diese endlosen Flächen üben einen ungeheuren Reiz auf mich aus... Du siehst jedoch, dass es keinerlei Effekt gibt, auf den ersten Blick ist es eine Landkarte, ein strategischer Lageplan, was die Ausführung betrifft.

10 Silberweiß, große Tuben
6 Veroneser Grün, Doppeltuben
3 Chromgelb, Zitrone, Doppeltuben
3 Chromgelb Nr. 2, Doppeltuben
1 Chromgelb Nr. 3, Doppeltube
1 Zinnober, Doppeltube
3 Geraniumlack, kleine Tuben
(6 Firnis, kleine Tuben)
2 Preußischblau, kleine Tuben
4 Smaragdgrün, kleine Tuben

Vincent konzentriert sich in der Eintönigkeit des Anstaltslebens ganz auf die Natur und seine Arbeit – die Landschaftsbilder werden zur leidenschaftlichen Manifestation seiner seelischen Erregtheit, seiner gespannten Lebenssituation.

Saint-Rémy 1889

„Ich muss unbedingt einen Entschluss fassen, es ist wirklich wahr, dass eine Menge Maler verrückt werden, das ist ein Leben, das einen, gelinde gesagt, sehr weltfremd macht (...). Beginnen wir mit drei Monaten, danach werden wir weitersehen. Es ist sehr gut möglich, dass ich noch viel zu leiden habe.“

„Hier ist die Wahrheit: eine gewisse Zahl von Leuten von hier hat eine Eingabe beim Bürgermeister (...) gemacht (es gab mehr als 80 Unterschriften) und hat mich als einen bezeichnet, der nicht in Freiheit leben dürfe, oder so was Ähnliches.“

In St. Paul malt Van Gogh in einem Jahr über 150 Gemälde und ebenso viele Zeichnungen – als habe er um seine knapp bemessene Lebenszeit gewusst.

– Anstaltsleben – Selbsttötungsversuch – Selbstergründung – Vorboten des Erfolgs „Statt genügend und regelmäßig zu essen, hätte ich mich durch Kaffee und Alkohol aufrechterhalten“ beschreibt er die Vorwürfe des Klinikpersonals im Brief 581. „Das alles gebe ich zu, aber um den hohen gelben Ton zu erreichen, den ich diesen Sommer erreicht habe, habe ich mich eben ziemlich aufpulvern müssen.“
Weihnachtskrise – Abermals Selbsttötungsveruch – Geburt des Neffen – Deutliche Erfolge – Letzte und längste Krise

Auvers 1890 – Flucht in die Arbeit – Lichtblicke und Wehmut – Zum letzten Mal Gauguin - Freitod

Landschaften
Van Gogh konzentriert sich in schwierigen Phasen seines Lebens immer voll und ganz auf die Natur. Die Landschaftsbilder werden zur leidenschaftlichen Manifestation seiner seelischen Erregtheit, seiner gespannten Lebenssituation. Die Außenwelt wird so zum Spiegelbild der Innenwelt.

„Ich sehe in der ganzen Natur, z.B. in den Bäumen Ausdruck, sogar Seele. (...) Ich habe versucht, in die Landschaft dieselbe Empfindung zu legen wie in die menschliche Figur; das gleichsam krampfhafte und leidenschaftliche Sicheinwurzeln in die Erde und ein dabei doch halb Losgelöstsein durch die Stürme. Ich wollte etwas vom Kampfe des Lebens darin ausdrücken.“

Stillleben
Van Gogh bewunderte die Stillleben alter Meister, deren Komposition und Symbolik er eingehend studierte. Es ging ihm jedoch weniger um eine perfekte stoffliche Beschreibung als viel mehr das Eigenleben, das Sein der Dinge. Er erhebt den banalen Gegenstand zum bildwürdigen Objekt. Die insgesamt zehn Werke dieses Sujets dokumentieren nahezu vollständig seine malerische Entwicklung.

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Sonnenblumen, Arles 1888, München Neue Pinakothek

„Ich denke daran, mein Atelier mit einem halben Dutzend die gebrochenen Chromgelbs auf verschiedenen Hintergründen leuchten sollen, blau vom blassesten Veroneser Grün bis zum Königsblau, gerahmt in schmale, rot-orange gestrichene Leisten. Eine Wirkung wie von gotischen Kirchenfenstern.“

Die Sonnenblumenbilder weisen eine überraschende Beschränkung in der Farbwahl auf: ein reines Gelb, das die Sonnenblumen als körperlich fühlbare Realität vorstellt. Vincent lotet hier aus, was eine einzige Farbe aussagen kann. Gelb wird zum Symbol, die Blumen wie beseelte Lebewesen, mit denen Zwiesprache entsteht. Diese Sonnenblumen hingen in Gauguins Schlafzimmer. Eigentlich wollte Gauguin diese Bilder mit seinen Werken zum Tausch haben. Vincent wollte diese Bilder ihm aber nicht überlassen und malte deswegen eine Replik des Münchener Bildes und zwei des Londoner.

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Der Schnitter, Saint-Rémy, 1889

Ein weiteres Landschaftssujet beschäftigte ihn fast die gesamte Zeit seines Aufenthaltes in S-R: der Ausblick aus seinem Schlafzimmer in der Heilanstalt auf ein umfriedetes Feld und die dahinter ansteigende Gegend der Alpilles – Außenwelt – der häufig schlaflose van Gogh beobachtete hier die Natur:

„Ich ringe mit einem Bild, das ich ein paar Tage vor meinem Unwohlsein angefangen hatte: ein Schnitter, die Studie ist ganz gelb, schrecklich dick aufgetragen, aber das Motiv ist schön und einfach. Ich sehe in diesem Schnitter – einer unbestimmten Gestalt, die in sengender Hitze wie der Teufel dreinhaut, um mit der Arbeit fertig zu werden – ich sehe in ihm ein Bild des Todes in dem Sinne, dass die Menschen das Korn sind, das er niedersichelt. Es ist also, wenn man will, das Gegenstück zu dem Sämann, den ich früher versucht habe. Aber dieser Tod hat nichts Trauriges, das geht bei hellem Tageslicht vor sich, mit einer Sonne, die alles mit feinem Goldlicht überflutet...(...)

„Uff – der Schnitter ist fertg, ich glaube, das ist etwas, was Du Dir in die Wohnung nehmen wirst – es ist das Abbild des Todes, so wie das große Buch der Natur uns von ihm spricht – aber was ich darin anstreben, ist das „beinah lächelnd“. Es ist ganz gelb, außer einer violetten Hügellinie, ein blasses, blondes Gelb. Drollig, dass ich das durch die Eisenstäbe einer Irrenzelle gesehen habe!“

Thematisch gibt es eine enge Nähe zu dem Arleser Sämann. Die fast erreichte Monochromie wird auf die Landschaft übertragen. Es gibt insgesamt drei Fassungen des Bildes: eine in Otterlo im Juli vor dem Ausbruch der großen Krise gemalt; eine in Amsterdam nimmt im September das Motiv wieder auf und die 3. etwas kleinere Fassung aus Essen hat er seiner Mutter als Geschenk gemalt.

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Die Sternennacht, Juni 1889

So oft als halluzinatorisches oder visionäres Werk beschrieben, ist das Gemälde den starren Methoden der Kunstgeschichte doch unzugänglich geblieben. Immer galt die „Sternennacht“ als das extremste Beispiel für van Goghs sogenannten „verrückten“ Expressionismus. Alfred Barr (jun.) beschrieb sie als eine “Erfindung schlechthin (…), als einmalige und überwältigende Vision eines Mystikers, der sich mit den himmlischen Mächten ekstatisch vereint”.

Zum Beispiel lässt uns die Stellung des Mondes, die Richtung, in welche seine Spitzen weisen, erkennen, dass wir den östlichen Teil des Himmels kurz vor Anbruch der Dämmerung gegen vier Uhr morgens vor uns haben. Es enthält also so exakte Anhaltspunkte, dass Astronomen diese Orts- und Zeitbestimmung geben können.

Das Werk wird auch als „Allegorie der Todesqualen Christi am Ölberg“ gedeutet! Einige Kunsthistoriker sehen in dem Bild einen stark religiösen Ansatz. Jedoch hat van Gogh selbst mehrfach betont, er wende sich den Sternen zu, wenn er dies „grässliche Sehnsucht“ nach Religion verspüre. Allerdings kritisierte er persönlich die Kollegen Gauguin und Bernard wegen „ihrer Christusse auf dem Ölberg“. Er werde mit Sicherheit niemals etwas Biblisches malen, fügte er noch hinzu.

Die Stellung des Mondes und der hohe Augenpunkt der „Sternennacht“ entsprechen weitgehend den topographischen und astronomischen Fakten, die galten, als das Bild gemalt wurde.
Van Gogh war in der Zelle des oberen Geschosses des Irrenhauses von Saint-Rémy eingesperrt, das im Kloster von Saint-Paul-de-Mausole aus dem 12. Jahrhundert untergebracht war. Es war ein zweigeschossiges Gebäude. Sein Zimmer ging nach Ost-Südost. Er blickt auf ein Kornfeld und die Alpilles, die direkt hinter dem Asyl liegen. Vergleichen wir die Landkarte der Gegend mit den Studien, die van Gogh nach der Aussicht von seinem Fenster gemacht hat, können wir ohne große Mühe die östliche Richtung bestätigen. Die Zypresse wurde immer als ‚Erfindung’ van Goghs gesehen. Auf einer alten Anzeige für das Irrenhaus sieht man jedoch, dass das Institut von großen Zypressen umgeben war.

Van Goghs Interesse an Himmelserscheinungen war mehr als nur oberflächlich. In einem Brief an seine Schwester vom September 1888 schreibt er „dass gewisse Sterne zitronengelb sind, andere leuchten rosa, grün, blau, vergißmeinnichtfarben. Ich will nicht näher darauf eingehen, aber es liegt auf der Hand, dass es durchaus nicht genügt, weiße Punkte auf ein blaues Schwarz zu setzen, wenn man einen gestirnten Himmel malen will.“

Zwei Objekte im Bild kann van Gogh allerdings nicht gesehen haben: das eigenartige serpentinenähnliche Band in der Mitte des Nachthimmels und die Kirche von Saint-Martin, die im Nordwesten des Asyls liegt und von seinem Fenster aus nicht zu sehen war. Keines von beiden war erfunden, aber sie gehören mehr zum konzeptuellen als zum wahrheitsgetreuen Entwurf. Ich glaube, dass der serpentinenähnliche Band entweder ein Spiralnebel oder der Schweif eines Kometen ist, Phänomene, die in den achtziger Jahres des 19. Jahrhunderts sehr viel Aufmerksamkeit erregten und zum erstenmal fotografiert wurden.
Dass der Künstler die Kirche in den kompositiorischen Mittelpunkt hob, ist Ergebnis einer inhaltlichen Entscheidung: das von menschlicher Hand errichtete Gebäude sollte mit der Natur konfrontiert werden.

Eine genaue Untersuchung des Bildes zeigt, dass die apokalyptische Verzückung sich nicht auf die Kirche, sondern auf die Bewegung am Himmel bezieht. Die Kirche ist vollkommen niedergedrückt von der explosiven Atmosphäre, während die Zypresse, welche die Form des Kirchturms wieder aufnimmt, es fertig bringt, sich aus ihrer irdischen Beschränktheit zu befreien und mit dem Himmel zu verbinden.

Die Zypresse gilt in den Mittelmeerländern als Baum des Todes – eine Bedeutung, die van Gogh sehr wohl kannte, wie seine Briefe aus dieser Zeit zeigen. Zugleich ist sie aber auch ein immergrüner Baum, den die Römer als Zeichen der Unsterblichkeit um ihre Gräber pflanzten. Damit ist die Zypresse Vincents eigene Version des Eiffelturms, die es ihm ermöglichte, die Sterne zu erreichen.

„Die Zypresse ist für die Landschaft der Provence ungemein charakteristisch ... Bis jetzt habe ich sie nicht so machen können, wie ich sie empfinde; die Erregung, die mich angesichts der Natur ergreift, steigert sich bei mir bis zur Ohnmacht, und dann folgen etwa vierzehn Tage, an denen ich unfähig zur Arbeit bin.“

„Zypressen beschäftigen mich dauernd, ich möchte so was Ähnliches wie die Sonnenblumenbilder daraus machen, denn es wundert mich, dass man sie noch nicht gemalt hat, wie ich sie sehe. In den Linien und in den Proportionen sind sie so schön wie ein ägyptischer Obelisk. Und das Grün ist ein so ganz besonders feiner Ton. Es ist der schwarze Fleck in einer sonnenbeschienen Landschaft, aber es ist einer der interessantesten schwarzen Töne, doch ich kann mir keinen denken, der schwieriger zu treffen wäre. Man muss die Zypressen hier gegen das Blau sehen, in dem Blau, richtiger gesagt.“

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Zypressen, Saint-Rémy 1889, Metropolitan Museum

Im Mai 1889 eröffnete die Weltausstellung mit dem neugebauten Eiffelturm. Auf dessen oberster Plattform auch astronomische Experimente angestellt wurden.

Seltsamerweise wurde der größte aller modernen Astrologen und Astronomen, Nostradamus, in Saint-Rémy geboren.

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Feld mit Mohnblumen, Saint-Rémy, Anfang Juni 1889, Bremen, Kunsthalle

In der Bremer Kunsthalle war das „Mohnfeld“ erstmals im Winter 1910/1911 zu sehen, zusammen mit sechs weiteren van-Gogh-Gemälden. Die Berliner Kunsthändler Paul Cassirer, ein Spezialist für zeitgenössische französische Kunst, hatte sie ausgeliehen. In den „Bremer Nachrichten“ stellte Gustav Friedrich Hartlaub, seit einem Jahr Kurator an der Kunsthalle im Dezember 1910 das „gewaltige“ Werk vor:

„Eine frappante optische Einstellung, eine besondere Perspektive und eine bestimmte Art des malerischen Vortrags – sie bewirken, dass die räumlichen Verhältnisse dieses „Mohnfeldes“ plötzlich zu einem riesenstarken Bewusstsein kommen. Das räumliche Vor und Zurück wird als Bewegung erfasst: plötzlich erscheint diese Natur in einem merkwürdigen bewegten Aufruhr. Das Terrain kommt mit seinem Baumwuchs und seinen Blumen hervorgeprasselt und flieht, jagt, galoppiert gewissermaßen in die Tiefe, wo es verschwindet, ohne dass der Himmel sichtbar wird. Wie in Sprüngen bewegt sich der Pinsel des Künstlers über die Fläche, wie eine rote Feuerschlange kommt die Flut der roten Mohnblumen daher, und nun übernimmt in diesem prachtvollen Wirbel der Element auch die Farbe eine Führerrolle.“

Gustav Pauli, seit 1905 Direktor der Bremer Kunsthalle, zögerte nicht. Kurzerhand erwarb er von Paul Cassirer für 30.000 Mark aus Mitteln des Kunstvereins das „Mohnfeld“.

„Unsere Galerie ist nicht nur eine deutsche, sie ist eine bremische, denn sie soll auf ihre Art zu einem Spiegelbild der vornehmen Kultur werden, die in unserer alten Hansestadt einen guten boden findet. Dabei brauchen wir uns aber nicht auf die heimischen Erzeugnisse zu beschränken. Wir dürfen vielmehr auch fürderhin im Sinne hanseatischen Weitblicks der ausländischen Produktion innerhalb gewisser Grenzen Zutritt verschaffen.“

Dies scheint aus heutiger sicht selbstverständlich und vernünftig. 1911 jedoch, wenige Jahr vor dem Ausbruch des ersten Weltkriegs waren Aufgeschlossenheit und Offenheit für das Fremde keineswegs natürlich. Kaiser Wilhelm II wollte mitmischen unter den großen Mächten der Weltpolitik.

Wirtschaftlicher Aufschwung, kulturelle Blüte und die Beigeisterung für vergangene sowie kommende Kriege vollzogen sich allerdings auf dem Hintergrund drastisch gewachsener sozialer Spannungen. In jenen Monaten, in denen der „Skandal ums Mohnfeld“ die Feuilletons erhitzte, legten Arbeitsniederlegungen die Produktion lahm und standen Straßenbahnen still.
Auch manche Künstler hatten offene Ohren für die wilhelminische Politik des Säbelrasselns. Einer von ihnen war der Maler Carl Vinnen. Er warf Gustav Pauli und dem Kunstverein den Fehdehandschuh hin. In den „Bremer Nachrichten“ richtete er am 3. Januar 1911 ein „Mahnwort an den Kunstverein“.

Angesichts der großen Invasion französischer Kunst, die sich seit einigen Jahren bei uns wie in den sogenannten fortgeschrittenen deutschen Kunstkreisen vollzieht, scheint es mir ein Gebot der Notwendigkeit zu sein, dass deutsche Künstler ihre warnende Stimme erheben. (...)
Seit längerer Zeit kämpfe ich mit dem Entschlusse, Gedanken über die Entwicklung unseres Bremer Kunstlebens, wie es sich in unserm Kunstverein äußert, öffentlich Ausdruck zu geben Abgesehen von den langjährigen freundschaftlichen Beziehungen, die mich mit dessen verdientem Leiter, Herrn Dr. Pauli, verknüpfen, und den Gefühlen aufrichtiger Hochschätzung und Anerkennung, die ich für ihn hege, liegt die Gefahr nahe, dass meine Worte missverstanden werden...Wer mit so großer Tatkraft wie Pauli an sein Werk der Erneuerung unserer bremischen Kunstpflege gegangen ist, der musste begreiflicherweise viele Vertreter und Anhänger des Alten vor den Kopf stoßen. Diese Kräfte haben angesichts der Entwicklung der Dinge geschwiegen, aber sie sind nur latent geblieben und sie werden bereit sin, sich um eine Fahne zu scharen, die gegen die jetzige Leitung sich erheben sollte.

...wie z.B. der Fall unseres neuen van Gogh zeigt, der 30.000 Mark kostete, dass im allgemeinen eine derartige Preistreibung französischer Bilder stattgefunden hat, dass hier eine Überwertung vorzuliegen scheint, die das deutsche Volk nicht auf Dauer mitmachen sollte.“

„Ein großer Teil der Malereien van Goghs ist im Irrenhause entstanden. Von diesem, vor 21 Jahren verstorbenen und bereits seit mehreren Jahren in Mode gekommenen, unglücklichen und geisteskranken Maler erwarb der Kunstverein also das Bild „Mohnfeld“ für 30.000 Mark.“
Philipp Sparkuhle, Mitglied des Kunstvereins.

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Die Kirche von Auvers, Auvers 1890, Musée d’Orsay

Dies ist eine Landschaft mit einem Architekturstück. Es handelt sich um die ausdrucksstarke Darstellung einer gotischen Kirche – dynamisch, mit gebogenem und parallel angeordneten Pinselstrichen. Eine starke Wirkung geht von den drei Kompelmentärkontrasten aus – man glaubt gleichsam die Glocken läuten zu hören. Vergleichbar mit den Sonnenblumen wird hier Leben versinnbildlicht.

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Kornfelder mit Krähen unter trübem Himmel, Auvers 1890, Amsterdam

„Sobald ich hier war, habe ich mich wieder an die Arbeit gemacht – der Pinsel ist mir freilich fas aus der Hand gefallen; aber da ich genau wusste, was ich wollte, habe ich trotzdem seither drei große Bilder gemalt. Es sind endlos weite Kornfelder unter trüben Himmeln, und ich habe den Versuch nicht gescheut, Traurigkeit und äußerste Einsamkeit auszudrücken... ich glaube fast, diese Bilder werden Euch sagen, was ich in Worten niocht sagen kann, nämlich was ich Gesundes und Kraftgebendes im Landleben erblicke.“

Dieses Bild vom Kornfeld mit Krähen galt mehr als ein halbes Jahrhundert lang als letzte malerische Botschaft des danach den Freitod suchenden Malers. Dies ist durch die frühe Erwähnung in dem o.g. Brief vom 10. Juli an Theo eindeutig widerlegt.

Posted by Kulturtussi in Texte zur Kunst at 22.12.06 15:49| Comments (5)   Visits: 15405
Updated at 21.08.07 10:04


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Kommentare

1
  Kirill:

danke für diesen guten beitrag !
die briefe sind sehr gut ausgwählt.
vincent, ein künstler der mit den bildern etwas sagen wollte.

Posted by Kirill at 23.12.06 21:02

2
  Alexander Barnett:

Since you are interested in Vincent’s life and work, you might want to look at the Notes section on www.theeyesofvangogh.com. I am the writer and director of the new independent film on his life.

Posted by Alexander Barnett at 08.04.07 02:49

3
  mara ordemann:

guten tag, ich würde gerne den tollen beitrag zu vincent van gogh ausdrucken oder auch käuftlich erwerben, ist das möglich? danke mfg m. ordemann

Posted by mara ordemann at 08.07.07 14:19

4
  wat geht dich dat an:

schick schick muss schon sagen hamma

Posted by wat geht dich dat an at 27.02.09 15:59

5
  Impresiooon89:

Ich finde, dass es nicht so gut.

Posted by Impresiooon89 at 28.01.10 18:48

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