Room Service – ein Jahr später

Nach fast einem Jahr Pause möchte ich meine Tätigkeit als Kulturtussi wieder aufnehmen und berichte ab sofort wieder regelmäßig über kulturelle Ereignisse, kündige Sehenswertes an und kommentiere Kunst. Wer also wieder reinschauen möchte, ist herzlich willkommen. Nicht ganz zufällig, sondern ein gerne gewählter Anlass für die Wiederaufnahme ist die erneute Aufführung von Gregor Webers Room Service, über die ich ja vor einem Jahr meinen letzten Bericht geliefert habe. Sehr gerne lasse ich auch in diesem Jahr diese hervorragende Theater-Inszenierung Revue passiern. Danke ein weiteres Mal an Karsten Mülhaus für die Fotos.


Das ging unter die Haut. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn das wohl einschneidendste Erlebnis der diesjährigen Aufführung war die Performance im Tatoo-Studio. Hier wohnte man einer Live-Tätowierung bei, die mit einer Lesung aus Kafkas “Strafkolonie” atmosphärisch unglaublich dicht inszeniert wurde. Toll, wenn literarisches Wertvolles so wunderbar zum coolen Lifestyle der Jetztzeit passt. Eine interessante Neben-Beobachtung lieferten mir die Gesichter zweier heftigst tätowierter Szene-Kerls bei dieser ungewöhnlichen Lesung.
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Nicht nur von den Zuschauern, auch von den Schauspielern wurde in dieser Runde Room Service sehr viel Mut abverlangt. Unglaublich, die Verrenkungen und Verzerrungen der beiden Samurai Babies in der Theater-Performance im weißen Dachstuhl. Mut zur Hässlichkeit und eine körperliche Intensität, die fast weh tut. Die Beziehungen zum No-Theater oder Theatermasken aus dem ostasiatischen Raum wurde deutlich. Kaum merkbar, aber doch merkwürdig intensiv war die Kimonofrau, die im Hintergrund die unwirkliche Szene beobachtete.
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Als besonders gelungen ist mir in diesem Jahr auch die Performance von Marie-Laure Fiaux und Frederic Rohn aufgefallen. Hervorragendes Tanztheater, das seine Choreographie aus der Alltagssituation eines von Zwangsneurosten geplagten Pärchens heraus entwickelt. Mir war spontan nach einer Gedenkminute für Pina Bausch!
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Hervorragend gespielt hat an diesem Abend auch Arne Obermaier als aggressiver Adrenalin-Junkie aus der Vorstandsetage. Körperlich präzise und sprachlich gewandt setzte er seine Treffer, die angesichts der politischen Aktualität auch gut platziert werden konnten.
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2 Comments

  1. Hey Anke, die Namen beim Tanz (Pina) stimmen nicht, hier die Daten: Das Leben eines Maulwurfs
    „Unsere pathetischen Momente“
    Tanz–Performance: Frederik Rohn, Marie-Laure Fiaux
    Kompliment, schöner Artikel, danke und bis bald
    Gregor

  2. Oh, da habe ich falsch abgeschrieben! Entschuldigung, das ändere ich sofort. Schön, dass Dir aber der Text gefallen hat.

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