Nur für einen Tag

Man kann nicht alles kennen, was es an Kennenswertem im Bereich Kunst und Kultur in Köln gibt. Dass ich aber bislang noch nichts von der Initiative Vorgebirgspark Skulptur gehörte habe, die dieses Jahr immerhin zum 11. Male namhafte Künstler eingeladen hat, für einen Tag den Park in Zollstock zu gestalen, das hat mich doch erstaunt. Es mag vielleicht daran liegen, dass es nur ein einziger Tag ist, an dem die temporären Installationen zu sehen sind. Von nun an werde ich die Aktionen der Initiative aufmerksam verfolgen. Was ich da heute sehen durfte hat mich begeistert und lohnt auf jeden Fall die Dokumentation hier.


“Das Projekt ‘Vorgebirgsparkskulptur’ hat das Ziel, in einer historischen öffentlichen Grünanlage der Stadt Köln zeitgenössische Skulptur temporär zu präsentieren. Es werden seit 1999 ausschließlich Künstlerinnen und Künstler eingeladen, die auf das Charakteristische der Grünanlage gestalterisch Bezug nehmen. Alle Kunstwerke, Installationen und Aktionen wurden und werden für diesen speziellen Ort geschaffen. Die Initiatoren des privaten Kunstprojektes sind Künster und Kulturfreunde, die sich ohne festgelegte Vereinsstruktur getroffen haben.”
Besonders Letzteres finde ich ja persönlich sehr sympathisch 😉
In den vergangenen Jahren haben Künstler wie Lutz Fritsch, Maik und Dirk Löbbert oder Frauke Wilken an den Aktionen teilgenommen. Es ist beeindruckend, wie es die Initiative schafft mit einem äußerst schmalen Budget so viel zu bewegen.
In diesem Jahr nun haben sich Frank Bölter, Harald Fuchs, Rita Rohlfing, Petra Weifenbach und Josef Wolf zusammengefunden, um mit ihren Arbeiten ein Ensemble aus mehreren hintereinander gestaffelten Sondergärten zu gestalten.
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Frank Bölter, der bereits mit der Aufsehen erregenden Aktion “Signing Academy” gezeigt hat, wie er sich konzeptuell eines Ortes bemächtigt, hat den Vorgebirgspark kurzerhand zum Frank Bölter Park umbenannt und mit einer Stele, die noch der Aufstellung einer entsprechenden Büste harrt, vielleicht auch die Eintags-Ausstellung geschickt umgangen.
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Harald Fuchs ist mit großformatigen Tafeln vertreten, die auf naturwissenschaftliche Aufzeichnungen eines späteren Universitätsprofessors zurückgehen. Die zarte fast zeichnerische Ästhetik der wissenschaftlichen Unterlagen wird durch ein Herauszoomen von einzelnen Notationen mittels eines gezielten Pfeilschusses betont. Auch wenn sich inhaltliche Bezüge von Naturforschung und Botanik in den Tafeln finden lassen – mir kamen sie doch eher deplatziert in der Parkanlage vor. Hier wurde die geforderte Beziehung der Kunst zur umgebenden Gartenarchitektur nur bedingt eingelöst.
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Der Bezug zum Raum wurde dagegegen von beiden beteiligten Künstlerinnen zum künstlerischen Hightlight der Vorgebirkspark Skulptur 2010.
Rita Rohlfing, die Meisterin der Farbe, hat mir ihren pinken Bahnen auf dem satten Grün des Parkes einen Stadtplan der besonderen Art ausgelegt. In Vorarbeiten hat sie sich mit der Struktur der Stadt auseinandergesetzt und sich eine der sensibelsten weil in der jüngsten Zeit am stärksten verwundeten Stelle Kölns auseinandergesetzt: die Umgebung der Severinsstraße inklusive klaffender Lücke an der Stelle des Historischen Archivs. So in die Idylle des Kölner Grüns hineingesetzt wurde das Stückchen Stadt zum Mahnmal für die Kölner Kultur.
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Unmittelbar Bezug nehmend auf die Arbeit von Rohlfing installiert Petra Weifenbach ein Piktogramm des Historischen Archives am Wegesrand. Es ist eines von insgesamt 28, die im gesamten Park verteilt sind und in ihrer gleichzeitig poetischen wie ironischen Sichtweise auf die Gestaltung des öffentlichen Raumes verweisen. Die Piktogramme sind faszinierend genau in den Proportionen und der Umsetzung der Vorbilder, auf die sie verweisen. Sie betonen die Symmetrie der Gartenarchitektur genauso wie die Schönheit der Natur.
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Das außergewöhnliche Design der Rosenbögen ist zum “Logo” der gesamten Aktion geworden und wird durch das Piktogramm Weifenbachs noch einmal zum zentralen Motiv der gesamten Ausstellung.
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Durch die ungewöhnliche Kombination von Natur und reduziertem Bildzeichen wird der Betrachter angeregt, sich mit aller Wertschätzung der Schönheit jeden einzelnen Details zu widmen.
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Mit seinen fragilen Schichtungen von dunklen Eifelschiefer-Platten nimmt Josef Wolf Bezug auf das Wasserbecken im Zentrum des Rosengartens. Die ursprüngliche Natur der unbehandelten Steinplatten nimmt Bezug auf die extrem gelenkte Natur des angelegten Gartens. Wolfs Steinschichtungen wirken fast wie Lebewesen im Park, die mal ruhend im Grase, mal fließend sich ins Wasserbassin ergießen. Das Glänzende ihrer Oberfläche entstand durch die immer wieder aufkommenden Regengüsse, denen man so zumindest eine ästhetische Qualität abgewinnen konnte.
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Um 18.00 Uhr am heutigen Sonntag schließt die Eintages-Ausstellung und die Künstler sammeln ihre Installationen wieder ein. Schade eigentlich, aber wohl aus finanziellen Gründen nicht anders machbar. Ich jedenfalls war froh, heute dabei sein zu dürfen und freue mich schon auf die nächste Aktion.

2 Comments

  1. Das ist wirklich eine schöne Aktion, ich hoffe ich bekomme das im nächsten Jahr rechtzeitig mit, würde mir das sehr gerne anschauen.
    Viele Grüße
    Heike

  2. 1 Tag! Da muß muß man wirklich auf der Lauer liegen, damit einem diese Ausstellung nicht entwischt. Wirklich schade, besonders die Piktogramme und die Schiefertafelhaufen hätte ich mir gern angesehen.

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