Kölner Radtour mit Kultur Teil I

Von Festungsanlagen und Fabrikantenvillen

Wir geben gerne zu: Köln ist nicht unbedingt die ideale Radfahrerstadt. Dennoch hat sich in den letzten Jahren viel hier geändert und man ist dabei, die Bedingungen zu verbessern. Besonders engagiert ist dabei auch die Bewegung „Critical Mass“ unterwegs, die sich mit Demonstrationen jeden letzten Freitag im Monat daran macht, das Bewusstsein für die Fahrrad fahrende Bevölkerung zu stärken. Wie sehr man daran arbeitet, eine fahrradfreundliche Stadt zu werden, zeigt sich auch auf den Seiten der Stadt. Dort gibt es schon viel gutes Material, das Anregungen für Radtouren in der Stadt bietet! Also steht einer Erkundung der Stadt per Rad nichts mehr im Weg!

In loser Folge werde ich hier Touren zusammenstellen für die Liebhaber von Kunst und Kultur. Ich stelle mir dabei vor, dass sich eine Gruppe von Freunden zusammenfindet, die Lust haben, etwas gemeinsam zu erleben. Aktiv sein und sich zwischendurch zu Diskussionen über Kunst und Kultur anregen lassen – so könnte doch ein schöner Ausflug gelingen. Macht euch auf mit eurer Familie, euren Freunden und besucht spannende Kunstwerke, interessante Parkanlagen und Architektur-Highlights!

VLUU L100, M100  / Samsung L100, M100

Lutz Fritzsch, Leuchtturm, 2008

Diese Tour startet man am besten am Elisabeth-Treskow-Platz im Rheinauhafen. Es bietet sich die Möglichkeit, mit der KVB anzureisen und das Fahrrad dort für ein zusätzliches Fahrradticket mit in die 15 oder 16 zu nehmen. Steigt an der Haltestelle Ubierring aus und geht geradeaus hinunter zum Rheinufer. Für die Radtour veranschlage ich insgesamt 3 Stunden – inklusive einer längeren Rast. Die reine Fahrtstrecke beträgt ungefähr 7 km. Also eine perfekte Tour für einen lockeren nachmittäglichen Ausflug.

Der Rheinauhafen ist das neueste Kölner In-Viertel und hat neben vielen architektonischen Highlights vor allem eine interessante Vergangenheit. Die zeigt sich am Startpunkt unserer Tour ganz besonders, denn wir blicken direkt geradeaus auf einen Rest der alten Befestigungsanlagen. Die 1891 entstandene Rheinbastion ist – genauso wie ihr Gegenstück am Theodor-Heuss-Ufer –zur Verteidigung erbaut worden und gehörte zu den großen Festungsanlagen rund um Köln. Ich finde es schön, wie schon seit den zwanziger Jahren über eine Umnutzung der militärischen Anlagen nachgedacht wurde – später kommen wir noch einmal darauf zurück. Die meterdicken Mauern der Rheinbastion bergen interessante Räumlichkeiten, die aktuell gerade zum Verkauf stehen.

Elisabeth Treskow war die Grande Dame des Schmuck-Designs in Köln. Unter anderem entwarf sie die allen Fußballfans bekannte Meisterschale für den DFB! Aber sie steht auch für die Wiederentdeckung alter Goldschmiedetechniken aus der Antike. Wir können nur allen einen Besuch im Museum für Angewandte Kunst in Köln empfehlen! Dort sind viele ihrer Arbeiten ausgestellt.

Nun aber schwingen wir uns auf das Rad und fahren immer am Rheinufer entlang. Man sollte ein gemäßigtes Tempo wählen, denn man teilt sich den Weg mit Fußgängern und Inlineskatern.

Vorbei geht es am sogenannten Siebengebirge. Das sind die ehemaligen Kornspeicher des Rheinauhafens, die in den 90er Jahren aufgegeben wurden und jetzt mit modernen Wohnungen und einigen Büros neu genutzt werden. Ihr etwas romantisiertes Äußeres verbirgt im Innern die ersten Stahlbetonskelettbauten Deutschlands. 1909 entstand das Ensemble durch den Architekten Hans Verbeek. Ihr Name erinnert an die Berge bei Bonn, die bei gutem Wetter im Süden zu erkennen sind. Die Kornspeicherstadt stand lange leer und wurde von Ratten bevölkert. Die Umnutzung für den Wohnungsbau war nicht gerade einfach zu bewerkstelligen, denn der gesamte Komplex steht unter Denkmalschutz. Jetzt gibt es dort zahlreiche Eigentumswohnungen und eine Menge Büros – ein lebendiger Mix, der Kölns jüngstes „Veedel“ prägt.

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Erinnerung an die Vergangenheit als Hafen.

Wir radeln am Siebengebirge entlang und erreichen an der südlichen Spitze des Rheinauhafen den neuangelegten Skatepark Kap 686. Ein Konzept, das dazu dienen sollte, die Domplatte etwas zu entlasten. Dort haben die Skater seit den 80er Jahren ihre Kunst geübt, was leider zu einigen Konflikten mit Passanten führte. Der neue Platz direkt am Rhein ist sicherlich attraktiv. Aber so ein bisschen fehlt die Street-Credibility – warten wir mal ab, wie sich das entwickeln wird.

Weiter geht es am Rhein entlang. Hier zogen früher die Pferde die Schiffe auf den sogenannten Leinpfaden gegen die Strömung. Übrigens kommt auch der Begriff „Schäl Sick“ daher – denn den Pferden wurden Scheuklappen angelegt, damit sie nicht abgelenkt würden, und so hatten sie nur eine Richtung, in die sie mehr oder weniger schielend blicken konnten – die aufs andere Rheinufer.

An der Schönhauser Straße fällt ein interessanter Quader auf, der auf einer Art tektonischer Welle errichtet wurde. Es ist ein Hochwasserpumpwerk, welches von dem Architekten Kaspar Kraemer mit einem sensationellen Lichtkonzept verknüpft wurde. Das offenbart sich allerdings erst, wenn es dunkel wird. Je nach Wasserstand changiert die Beleuchtung des Kubus dann von grün (kein Hochwasser) bis rot (Überflutungsgefahr). Bei hereinbrechender Dämmerung kann man hier schöne Lichtstimmungen beobachten.

Wir nähern uns Rodenkirchen! Wer möchte, kann hier schon einen ersten Zwischenstopp einlegen. Rodenkirchen gilt als „Schickimicki“-Viertel und hat eine hübsch hergerichtete Promenade. Wir fahren nicht weiter in diese Richtung. Wenn ihr aber wollt, könnt ihr dem Rheinufer noch einige Kilometer folgen und kommt dann an die kölsche Riviera! Auch kein schlechter Ausflug. Man kann in Köln-Weiß sogar mit dem „Krokodil“ zur Insel Groov übersetzen und dann auf der anderen Rheinseite wieder nach Köln zurückfahren. Aber unsere Tour führt euch auf anderen Wegen weiter.

Unmittelbar hinter der Severinsbrücke liegt ein in den kölschen Farben Rot-Weiß gestrichenes Hausboot am Ufer vertäut. Es ist die Alte Liebe – ein Boot mit einer langen gastronomischen Tradition. Es lädt zu Kaffee und Kuchen oder einem gepflegten Kölsch ein und bietet einen herrlichen Blick auf Vater Rhein.

Falls ihr jedoch ein kleines Picknick eingepackt habt, so empfehlen wir euch noch ein bisschen Geduld. Wir haben den perfekten Platz dafür. Ihr überquert jetzt nämlich die Straße (Oberländer Ufer). Bitte achtet auf die kreuzende Straßenbahn!!! Dann geht es links entlang des Militärrings in westlicher Richtung weiter. Schon nach kurzer Zeit kommen wir in eine ausgedehnte Parkanlage, in der sich auch das Kölner Festungsmuseum befindet. Die Preußen haben 1815 den inneren Festungsgürtel angelegt, der 1873 durch den äußeren ergänzt wurde. Hier beim sogenannten Zwischenwerk VIIIb wird die Anlage durch einen kleinen Skulpturenpark besonders interessant. Am besten schiebt man das Fahrrad nun bei einem kleinen Gang um die Festungsanlage herum.

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Stahlskulptur von Alfred Karner

Man betritt den Skulpturenpark in der ehemaligen Grabenanlage und befindet sich abseits der großen Straße in einem leicht zugewucherten, magischen Ort. Umgeben von einigen dicken Festungsmauern erobert sich hier die Natur langsam ihren Platz zurück. Der schattige Ort ist so versteckt, dass man voller Staunen auf die verschiedenen Skulpturen trifft. Leider hat diese Abgeschiedenheit auch den Nachteil, dass sich hier einige Sprayer ausgetobt haben.

Als Erstes trifft man auf die beiden Formen, die der Künstler Werner Rückemann dort installiert hat. Die Dreiecksform bezeichnet er als „Differenz zweier Flächen im Raum“ – eine formale Auseinandersetzung, die ihn besonders interessiert. Wie zwei abstrakte Wächter stehen die beiden Formen dort an die alten gemauerten Wände der Fortanlage gelehnt. Der leichte Knick im unteren Bereich kann im Kopf des Betrachters unter der Erde gedanklich verlängert werden. Ein spannungsreicher Beginn der kleinen Besichtigungstour.

Ein paar Schritte weiter öffnet sich der Rasen in ein großes Rund, in dessen Mitte noch die Spuren der ehemaligen Anlage zu sehen sind. Dort, wo ein eingelassenes Oval den Rasen strukturiert, schafft eine Stahl-Installation von Ansgar Nierhoff einen ungewöhnlichen Blick auf die Natur. Eine tonnenschwere Bramme wurde in zwei Hälften geteilt und so in dem Oval platziert, dass sie die räumliche Beziehung zwischen den geraden Wänden und dem rundem Platz durchbricht. Nierhoff, der als einer der wichtigsten deutschen Stahlbildhauer galt, hat immer wieder bewiesen, wie intensiv Stahlskulpturen gerade im Miteinander mit der Natur in Szene gesetzt werden können.

Wenn man um die Ecke nach rechts abbiegt, dann führt der Rundgang hinter dem Wall weiter an den raumgreifenden Stahlarbeiten von Jochen Heufelder vorbei. Der Künstler hatte diese Idee eines Skulpturenparks 1985 als eines von vielen Projekten des Fuhrwerkswaage Kunstraums initiiert. Er ist hier mit einem Werk vertreten, welches die Wehrhaftigkeit der Mauern noch einmal deutlich machen kann und das Bewusstsein des Betrachters auf die architektonischen Relikte inmitten der umgebenden Natur lenkt.

Jetzt geht es wieder zurück in Richtung Straße und dort befindet sich mein persönliches Lieblingsobjekt in diesem kleinen Skulpturen-Rundgang. Die kleinen Häuschen von Edgar Gutbub lassen viel Spielraum für die Fantasie. Gutbub hat sich mit streng geometrischen Werken im Sinne der konkreten Kunst und einer besonderen Abstraktion einen Namen gemacht. Die Formensprache ist aber nicht nur um ihrer selbst willen interessant. Nein, hier spielt der Künstler auch mit den Assoziationen, die die Hügel mit ihren dunklen Innenräumen hervorrufen können.

Schon auf dem Weg zum Ausgang begegnet man der reizvollen Arbeit von Alfred Karner. Auch hier ist Stahl verarbeitet. Diesem ist jedoch jegliche Schwere und Monumentalität genommen. Karner arrangiert eine Stahlplatte auf zierlichen Beinen, die von einem Seil in der Schräge gehalten wird. Alles wirkt so, als könne es sich jeden Moment verändern.

Jetzt aber ist es Zeit für eine kleine Rast und es gibt hier einen perfekten Ort für das kleine mitgebrachte Picknick. Dazu müsst ihr nur die Treppe rechts neben dem Eingang zum Festungsmuseum nach oben gehen. Am besten trägt man auch rasch sein Rad mit nach oben.

Dort nämlich befindet sich ein zauberhafter Rosengarten und man kann sich auf dem Rasen niederlassen. Ach ja, und auch hier begegnen wir noch einem Kunstwerk. Heinz-Günter Prager hat einen durchgeschnittenen Zylinder mit zwei darauf befestigten Platten aufgebaut. Ein weiterer Impuls, über Formen, Ein- und Ausblicke nachzudenken! Die ursprünglich sehr ambitionierte Gartengestaltung auf dem Dach des Zwischenwerkes lässt sich heute nur noch erahnen. Mit einem ordentlichen Rosengarten und in Form geschnittenen Platanen hatte man sich hier in der Nähe des Rheins ein Kleinod der Gartengestaltung geschaffen. Inklusive kleinem Brunnen in der Mitte. Klar, dass so etwas äußerst pflegeintensiv ist. Vielleicht gibt es irgendwann auch wieder Möglichkeiten, das zu reaktivieren.

Wer noch einen Abstecher in die weitläufige Anlage des Forstbotanischen Gartens unternehmen möchte, der kann hier der L 300 (Zum Forstbotanischen Garten) folgen und dann hinter der Kreuzung Friedrich-Ebert-Straße rechts in den Garten eintauchen. Die Idee des Gartens geht zurück auf die Bemühungen, das kriegszerstörte Köln besonders auch durch gut geplante Grünanlagen wieder aus den Trümmern herauszuführen. Die weitläufige Anlage, die in den achtziger Jahren durch einen Friedenswald erweitert wurde, erhielt durch die Aktion „Offen Grün“ ebenfalls eine Ausstattung mit Skulpturen von Kölner Künstlern wie Klaus Bönninghausen oder Stefan Kaiser. Also durchaus sehenswert!

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Lutz Fritsch, Standortmitte, 2008

Einen weiteren Schlenker kann man auch noch den Militärring westlich hinauf bis zum Bonner Verteiler machen. Dort befindet sich die Skulptur „Standortmitte“, mit der Lutz Fritsch die besondere Verbindung von Köln und Bonn betont. Am anderen Ende der legendären Autobahn 555 befindet sich in Bonn das Gegenstück. So wird durch die beiden knallrot in den Himmel ragenden Stelen ein Beispiel beeindruckender Landschaftsgestaltung durch Kunst gegeben. Die A 555 gilt als die erste Autobahnstrecke Deutschlands und ist ein historisch bedeutendes Monument!

Wir beginnen unseren Rückweg in die Innenstadt mit einer Überquerung des Militärrings auf der Höhe des Festungsmuseums. Über die Leyboldstraße gelangen wir in Kölns wohl teuerstes und edelstes Wohnviertel. Wir fahren durch Marienburg!

Das im 19. Jahrhundert rund um den ehemaligen Gutshof gleichen Namens entstandene Villenviertel ist bis heute ein reizvolles Beispiel repräsentativer Architekturstile. Vor allem die romantische Idee englischer Landhäuser schien an dieser Stelle die Wirtschaftskapitäne früherer Jahre inspiriert zu haben. Bauten wie die  Villa Vorster sind Beispiele für das Konzept einer idyllischen Gartenstadt vor den Toren Kölns. Bevor wir an ihr in der Straße Unter den Ulmen vorbeifahren, machen wir zunächst einen kleinen Abstecher zum Südpark. Dort lädt der reizende kleine Emma Deli Kiosk zu einer kleinen Erfrischungspause ein.

Am hinteren Ende des Südparks auf der Ecke Leyboldstraße/Goethestraße kann man den Panther von Fritz Behn bewundern. Die um 1920 geschaffene Skulptur spiegelt die Eleganz der Art-déco-Bewegung, die sicher auch in so mancher Wohnausstattung der umliegenden Villen Einzug gehalten hat. Die spätere Nähe zum nationalsozialistischen Regime wurde dem Bildhauer oft vorgeworfen. Das Motiv des Raubtieres vollzog dort eine ungute Wendung zum Machtsymbol.

In der Pferdmengesstraße 52 steht eine Villa, die der Architekt Paul Pott 1910/11 für die Familie Deichmann errichtete. Auch hier zeigt sich der englische Landhausstil, der Marienburg durchweg prägte. Die Villa hat barocke Ausmaße und ragt wie ein Juwel aus dem weitläufigen Garten heraus. Ein kleines Gartenhäuschen im gleichen Stil mit dem geschwungenen Walmdach ergänzt die Anlage perfekt. Den Deichmanns gehörte ein im 19. Jahrhundert äußerst erfolgreiches Bankhaus, man war mit weiteren Bankhäusern verwandt und verschwägert und pflegte einen regen Austausch mit Künstlern. 1913 wurde an der Trankgasse nahe dem Dom das Bürogebäude und heutige Deichmannhaus erbaut und in Bonn-Mehlem besaß die Familie ein kleines Schloss in der Deichmannsaue. Die Villa reiht sich also in einen Reigen prachtvoller Bauten ein, die die Bedeutung dieser Familie im Rheinland unterstreichen.

In der Marienburger Straße 48 können wir das ehemalige Wohnhaus des Fabrikanten Stüssgen bewundern. Der Architekt Theodor E. Merrill entwarf es 1922/23 und es gilt als Beispiel für eine gelungene Einheit von Architektur und Parkgestaltung. Man kann sich gut vorstellen, wie hier die ehemaligen Bewohner zu Partys einluden und stolz den von einem Spezialisten aus Berlin konzipierten Garten vorführten. Ein kleiner runder Teich inmitten der symmetrisch angelegten sogenannten Wohnrasen, die Stauden und Zierobstbäume, schattige Sitzplätze seitlich der Terrasse – einfach perfekt!

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Haus Heckmann

In Marienburg trifft man am südlichen Ende der Parkstraße auf einen reizenden Brunnen. Dort spielen Putten mit dem Wasser in einer riesigen Kalksandsteinschale. Der um 1910 entstandene Brunnen passt sich wunderbar in das Ambiente des als Gartenstadt geplanten Villenviertels ein.

Über die Goethe- und die Schillerstraße kreuzen wir nun den Bayenthalgürtel und fahren vorbei am beeindruckenden Komplex des St. Antonius-Krankenhauses, welches um 1910 entstand. Es spielte eine wichtige Rolle im Ersten Weltkrieg, denn man hatte sich hier auf komplizierte Verletzungen spezialisiert und hierhin kamen viele Soldaten direkt von der Front. Was mag der alte Backsteinbau für Geschichten und Schicksale kennen? Er ist – ähnlich wie die Matthiaskirche einige Meter weiter dahinter – im neogotischen Stil entstanden. Dies entsprach dem Charakter des zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Industriestandort bekannten Stadtteils. Im nächsten großen Weltkrieg blieb das Krankenhaus wie durch ein Wunder von Zerstörung fast gänzlich verschont. Ich will ja niemandem wünschen, dass er einmal in dieses Krankenhaus muss! Allerdings sind einige der originalen Flure und deren Wandverzierungen absolut sehenswert. Der Innenraum der Matthiaskirche wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von Dominikus Böhm neugestaltet.
Wir fahren nun weiter bis an die Ecke Schönhauser/Koblenzer Straße und gelangen zu einem sehr spannenden Projekt.

Das Urban Gardening „NeuLand“ befindet sich auf der Brache, die nach dem Abriss der Küppers-Brauerei entstanden ist. Hier hat sich eine Bürgerinitiative engagiert, die die Fläche für engagierte „Stadtgärtner“ urbar macht und zur Verfügung stellt. Es handelt sich dabei um eine Zwischennutzung des Geländes, welches in absehbarer Zeit wohl bebaut werden wird. Die einzelnen Pflanzprojekte werden mit Workshops betreut, und in einem Forum kann man sich zu verschiedenen Themen austauschen. Die mobile Anlage in unterschiedlichen Pflanzbehältnissen kann jederzeit an einen anderen Ort umziehen. Einerseits toll, andererseits ein bisschen schade, weil man hier nicht etwas auf Dauer aufbauen kann.

Über die Alteburger und Mainzer Straße fahren wir jetzt zu einem kleinen Platz in Köln, der einen hübschen Namen hat und im Sommer zum Schauplatz so mancher improvisierter Musiksession wird. Das Eierplätzchen hat sogar eine nach ihm benannte Band. Die spielt vor allem lateinamerikanische Klänge und ist ein Beweis mehr, dass das Lebensgefühl der Kölner dem der Südländer in nichts nachsteht. Wenn das Wetter es zulässt, trifft sich spontan ein munteres Grüppchen von typischen Südstädtlern auf diesem Platz. Will heißen: Künstler, Freiberufler, Lehrer …

Zur Einkehr sei sehr das Café Römerpark empfohlen, welches seit über 20 Jahren an der Ecke Teutoburger Straße den Stil eines typischen Kaffeehauses pflegt. Hier kann man stundenlang bei einem Kaffee sitzen, ein gutes Buch lesen oder sein temporäres Büro einrichten!

Zum Abschluss unserer Tour müssen wir noch unbedingt in den Friedenspark, der hier vom legendären Gartenbaumeister Fritz Encke zwischen 1914 und 1918 angelegt wurde. Die Idee des Gartengestalters, der stets die Idee eines „sozialen Grüns“ propagierte, basiert auf einer Umgestaltung der alten Festungsanlagen zu Naherholungszonen für die Stadtbevölkerung. Das Zusammenspiel der alten Mauerreste und einer üppigen Bepflanzung macht den Friedenspark heute zu einem Kleinod unter den städtischen Gartenanlagen. Hier kann man entspannt die Radtour ausklingen lassen. Architektur und Natur, Kunst inmitten toller Parkanlagen. Wir hoffen, dass euch die Tour genügend Stoff für anregende Gespräche liefert!

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