30. August 2007, Köln Kultur:
Köln - New York
Seit den 80er Jahren, als Köln immerhin noch als wichtigster Kunst-Hotspot galt, gibt es eine intellektuelle Schiene zwischen der Stadt am Rhein und New York, die dazu führte, dass eine ganze Reihe junger Künstler in beiden Welten zu leben und zu arbeiten begannen. Sicher auch dem Phänomen folgend, dass der Prophet im eigenen Lande weniger gilt, hat die Kölner Szene beachtliche Karrieren in den Staaten hingelegt: Jutta Koether, die zwischen beiden Welten seit langem mäandert, ist ein Beispiel dafür und auch Charline von Heyl, die ab nächster Woche in der Galerie Gisela Capitain
ihre jüngsten Arbeiten zeigt.

Charline von Heyl: Plaisier Noir, 2007
Charline von Heyl, einst Assistentin von Jörg Immendorf und zum engeren Zirkel um Martin Kippenberger gehörend, stellt sich mit ihren zum Teil monumentalen Arbeiten in den Zusammenhang der postmodernen Malerei, die allerdings zur Zeit die Abstraktion eher meidet. Von Heyl baut auf die imaginären Vorbilder der gestischen Maler, entwickelt jedoch über die emotionale Bewegung hinaus eine Bilderwelt, in der es erstaunlich viel zu entdecken gibt. Sind Bilder wie das "Plaisier Noir" eindeutige Aufforderungen, sich in einen Sog der dunklen Seite zu begeben, so kann man hier auch ihr Bemühen um die formalen Bedingungen der malerischen Mittel deutlich erkennen. Die Pinselstriche, so frei sie auch wirken, sind bewusst gesetzt, es gibt eindeutige Aufforderungen, in das Bild einzusteigen und den aufgezeigten Wegen zu folgen.

Charline von Heyl: Untitled, 2003
Oft blitzt in ihren Bildern die Auseinandersetzung mit der Kunst vergangener Jahrhunderte auf. Es scheinen sie Strukturen und malerische Genialitäten z.B. eines Tiepolo zu faszinieren. Dann wieder changieren Ihre Gemälde in Gegenständlichkeiten, die aus einer bestimmten Perspektive gesehen werden müssen. Mit ihren Bildern, die mit gezielt ausgewählten Titeln einen sehr persönlichen Bezugsrahmen auftun, erzählt Charline von Heyl besondere Geschichten.

Charline von Heyl: Dumka, 2007
Dumka, so der Titel dieses Werkes, ist eigentlich die Bezeichnung für ukrainische Volkslieder, jedoch auch als Vokabel für "Gedanken" üblich. Aus der Vogelperspektive gesehen, scheinen sich aus den abstrakten Feldern Gegenständlichkeiten abzuzeichnen. Faszinierend ist jedoch, dass Charline von Heyl es schafft, die malerische Fläche bewusst zu halten, also das Zweidimensionale zu betonen. Gleichzeitig betont sie eine Plastizität der Dingwelt. Ob man sich auf diese einlassen kann und möchte, bleibt allerdings dem Betrachter überlassen.
Charline von Heyl, Galerie Gisela Capitain,
St.-Apern-Straße 20 - 26, 50667 Köln,
September – Oktober 2007.
Posted by Kulturtussi in Köln Kultur at 30.08.07 13:51| Comments (0)
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Updated at 30.08.07 16:19
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