Gerhard Marcks

Er wurde nach dem Krieg nach Köln geholt, damit er die Kunstszene der schwer angeschlagenen Stadt bereichern sollte. Und lieferte mit zahlreichen Skulpturen, die heute im Stadtbild zu sehen sind, markante Punkte in der Wahrnehmung Kölns. Nach Artikeln über Haubrich, Riphahn und Mataré war eine Darstellung von Leben und Werk Gerhard Marcks längst überfällig!

 


Köln stiftet uns Haus und Atelier, die post mortem dem nächsten Bildhauer zur Verfügung gestellt stehen, gute Idee! Denn unsereins muß doch in der Großstadt bleiben.“
So schreibt der 1889 geborene Gerhard Marcks im Jahre 1949 an eine Bekannte. Er hat schwere Jahre hinter sich. Jedoch scheint sich die Nachkriegszeit und der Wiederaufbau für den Künstler positiv zu gestalten. Von verschiedenen Universitäten erhält er Angebote zu Direktorenposten. Er entscheidet sich jedoch nach einer kurzen Phase als Professor an der Kunstakademie in Hamburg für das Leben eines freien Künstlers in Köln, wo er nunmehr für gut zwanzig Jahre wirken wird. Der Kontakt nach Köln kam über die Bildhauerin Hilde Dominzlaff zustanden und auch Josef Haubrich plädierte dafür, Gerhard Marcks nach Köln zu holen.

Bereits 1914 hatte Marcks in Köln auf der Werkbundausstellung zwei Steinreliefs für die Maschinenhalle Walter Gropius geschaffen und ein Terakottarelief für die Möbelfirma Hermann Gerson. Für diese hatte er auch diverse Möbelschnitzereien angefertigt. Gerhard Marcks bewegte sich häufig in der angewandten Kunst, wenn seine Anfänge auch eher in der Malerei lagen. Die Nähe zum Angewandten brachte ihn an das Bauhaus. 1920 eröffnete er dort eine Töpferei, die als eine Art Trabant des eigentlichen Lehrbetriebs in Domburg an der Saale betrieben wurde. Die Kontakte zu den Bauhäuslern, vor allem eine enge Freundschaft zu Lionel Feininger, inspirierten ihn sehr und er wechselte immer wieder zu neuen Technikexperimenten. Beispielsweise probierte er zu dieser Zeit viel mit dem Holzschnitt. Aber auch im Produktdesign gibt es Entwürfe von Marcks. So hat er z.B. die legendäre Kaffeemaschine Sintrax entworfen, eine Produktion der Schott-Werke in Jena, die heute oftmals als Wagenfeld Entwurf in den Design-Listen steht. Wagenfeld hatte die Maschine seinerzeit um einen verbesserten Henkel ergänzt. Als es 1924 zur Auflösung des Staatlichen Bauhauses kam und vor allem, weil es unterschiedliche Auffassungen in der Lehre gab (mit Gropius hat Marcks immer wieder gestritten), wandte er sich neuen Projekten zu, die 1925 in eine Berufung an die Staatliche Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein mündete, wo er seine Vorstellung einer naturnahen Kunst eher verwirklicht sah. Nach und nach holte er allerdings auch einige seiner Bauhauskollegen an die Schule, die er ab 1927 leitete bis er 1933 aus dem Lehramt entlassen wurde.

Seitdem ich in Halle bin, ist es wohl sicher, daß wir uns in Weimar nicht mehr treffen; (…) Ich werde immer gern an die Bauhauszeit zurückdenken was mich betrifft und ich glaube auch an die Notwendigkeit Eurer Vorsätze.“ Brief an Walter Gropius 9.10.1925
Marcks litt wie so viele Künstler mit ihm unter dem Nazi-Regime, wurde als entartet eingestuft und in die innere Emigration getrieben.

„Ich habe uns alle in der Entarteten-Ausstellung gesehn – ich bin mit 2 Plastiken vertreten, einem St. Georg und einer kleineren Bronze, beide aus dem Folkwang-Museum. Meine Berufung in die Akademie, von mir unbekannten Wohlgesinnten betrieben, wurde nie komplett. Das ist ein Kapitel für sich, lang und breit.“ Brief an Oskar Schlemmer, 12.12.1937

Jedoch gibt es auch Versuche von ihm, sich mit dieser Situation zu arrangieren. Am Berufsverbot schrammt er sozusagen immer wieder vorbei und es gibt auch in dieser schweren Zeit hin und wieder Aufträge und Ankäufe. 1935 reist er als Stipendiat der Villa Massimo nach Rom und es gibt außerdem etliche Ausstellungen in Berlin und anderswo. Allerdings werden 1937 auch seine Arbeiten aus den Museen entfernt und später die darunter befindlichen Bronzen für Rüstungszwecke eingeschmolzen. Mit einer Plünderung bei einem Freund deponierter Arbeiten und bei einem Bombentreffer auf sein Haus und Atelier 1943 wird der Großteil seiner bisher geschaffenen Arbeiten zerstört. Dennoch gab es immer wieder private Ankäufe und Marcks setzte seine Pläne, nach New York zu emigrieren nicht um. Im letzten Kriegsjahr und während der ersten Zeit nach Ende des Krieges konnte Marcks vor Erschöpfung kaum noch arbeiten.

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Foto: Werner Kürten

Trauernde, St. Maria im Kapitol, 1949
Der Lichtstreifen am Horizont war jedoch sichtbar. Er bekam allein von sechs Hochschulen das Angebot für einen Lehrstuhl und nahm das von Hamburg an. Das Nachkriegsdeutschland litt unter einem deutlichen Mangel an guten Künstlern und so trafen zahlreiche Anfragen für Aufträge aus dem gesamten Bundesgebiet bei ihm ein. Auch Köln hatte sich in die Reihe der Auftraggeber eingereiht und ihn direkt im ersten Nachkriegsjahr mit einem Mahnmal für die Kriegstoten beauftragt.

1949 war es dann soweit, die 3 Meter hohe Figur aus Muschelkalk wurde vor St. Maria im Kapitol installiert. Sie geht auf eine frühere Arbeit Marcks zurück, die er in den Jahren 1935/1937 gearbeitet hatte und in der er Studien zu seiner jüdischen Freundin Trude Jalowetz verarbeitet hatte. Eine Art Todesengel sollte diese Figur sein, die als Grabmal gedacht war. In den Kriegswirren wurde sie zerstört und der Künstler nahm den Entwurf in seiner Trauernden wieder auf. Seine besondere Art, allgemeingültige Haltungen mittels Gestik und einfacher reduzierter Gestaltung der Figuren zu vermitteln, ließen auch hier in der Engelsfigur den allgemeinen Gemütszustand der kriegsgebeutelten Deutschen nachvollziehen. Allgemein wurde die Figur auch in ihrer demütigen Haltung als eine Art Sühne verstanden.

1958 schreibt der amerikanische Historiker Eugene N. Anderson an Marcks: „Ich habe später das Denkmal an der Maria im Kapitolkirche (…) gesehen und bewundert. (Hier) habe ich das gefunden, was ich gesucht habe als Ausdruck der Erfahrung hier im kriegsbetroffenen Deutschland.“

1963 hat Gerhard Marcks für den deutschen Soldatenfriedhof in Bourdon/Somme ebenfalls eine Trauernde geschaffen, bei der er die schon für die Kölner Figur angelegten Einfachheiten noch strenger genommen hat. Seine Absicht war auch hier, einen tiefen Ausdruck des Leidens entstehen zu lassen.

„(…) es muss soviel Ausdruck in den Stein hinübergeretten werden, dass noch eine „Trauernde“ dabei raus kommt. (…) strenge Form bleibt strenge Form, und mir schwebt nich Canova sondern archaisches Griechenland vor. (…)“ (1963 in einem Brief an den Architekten Paul Schmitthenner)

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Foto: Werner Kürten

Der Gelehrte Albertus Magnus, 1955
Im Jahre 1950 zog Gerhard Marcks mit seiner Familie nach Köln-Müngersdorf in das vom Architekten Wilhelm Riphahn fertiggestellte Haus. In der Nachbarschaft wohnten Hilde Domizlaff und Dr. Josef Haubrich, später kommt noch Heinrich Böll nach Müngersdorf und so entstand dort eine kleine Künstlerkolonie, die in der Wiederaufbaustimmung des Neuen Köln zu einem regen Austausch unter den Kunstschaffenden führte.

Köln ist nach wie vor ein sympathischer Ort, ich kann über nichts klagen“, schreibt Marcks 1952 an seinen Lehrer Richard Scheibe.

Die Stadt, die ihn 1949 mit der Stephan Lochner Medaille ehrte, sollte ihm noch etliche gute Aufträge geben. Eine weitere Figur, die im öffentlichen Stadtbild bis heute präsent ist und sogar als eine Art Symbolfigur der Kölner Universität fungiert, ist seine Darstellung des Gelehrten Albertus Magnus. 1955 arbeitete Marcks an einem überlebensgroßen Modell, nachdem er vorher schon einige Varianten der Figur als Kleinplastik geschaffen hatte (ein Modell dazu befindet sich heute im Museum Ludwig, ein anderes in St. Andreas, wo Albertus Magnus ja bekanntlich seine letzte Ruhe fand). Nachdem er 1953 an einem überlebensgroßen Adam gearbeitet hatte, der für ein geplantes anthroposophisches Museum gedacht war, jedoch nicht realisiert wurde (die Pläne des Architekten Wilhelm Kreis, ein solches Museum in Köln zu installieren, hatten sich zerschlagen), schien ihm die Auseinandersetzung mit der Gelehrtenfigur eine Art Fortsetzung der Überlegungen zu sein. Später einmal schrieb er: „Den Albertus kann ich immer noch vertreten: ich wollte mit ihm die Mitte halten zwischen Buddha und Rodins Penseur.“ Hochzufrieden hatte die Stadt Köln das Denkmal in Empfang genommen, von dem sie sich gewünscht hatte, dass es ganz der heutigen Zeit entspräche. Der ehemalige Leiter des Kunsthistorischen Instituts, Prof. Ladendorf war der Meinung: „Treffender kann die Lehrsituation nicht zusammengefasst werden, als es hier geschieht.“

Evangelische Kartäuserkirche, 1953-1959
Besonders die Aufträge von Kirchenseite häuften sich, nachdem Marcks sich im „großen heiligen Köln“ niedergelassen hatte, wo er fand, dass „die Ruhe (…) ideal zum Arbeiten“ war. Durch die vielfältigen Kontakte zu Künstlern, die ebenfalls mit Kirchenausstattungen beschäftigt waren, entstand ein reges Netzwerk, dass sich gegenseitig mit Aufträgen versorgte. Durch seinen ehemaligen Bauhauskollegen Charles Crodel wurde Marcks für die Ausstattung der kriegszerstörten Kartäuserkirche heran-gezogen. Cordel hatte sich hier um die Gestaltung der Kirchenfenster gekümmert und Marcks übernahm den Entwurf für eine neue Kanzel (ausgeführt von Schreinermeister Schäfer) und schuf den Altar, die beiden Leuchter, das Taufbecken sowie das Kreuz. Bis 1959 war er mit diesen Arbeiten voll ausgelastet.

Ich beschäftige mich – wie könnte es in Köln anders sein? – z.Zt. mit dem Cruzifx No. 3 (alle 3 für Protestanten). Wahrscheinlich ist in 1000 Jahren alles schon diesem Thema gesagt worden.“ (Brief von Marcks an Richard Scheibe, 8.4.1951)

1954 arbeitete Gerhard Marcks an zwei überlebensgroßen Figuren von Adam und Eva, die ursprünglich für St. Gereon gedacht waren. Grundsätzlich tat sich der Künstler offensichtlich schwer mit den kirchlichen Aufträgen. „Ich hatte geschworen nichts mehr für die Kirchen zu machen und habe freche Verse von Omar Kajjham in Holz geschnitten ausgestellt – aber sie kommen beide gerannt, und schließlich wird man weich; nun biete ich Ihnen ein Bilderbuch an, für eine Kirchentür in Bronze, mit lauter Themen, die nicht im Testament stehen, sondern auf der Straße liegen. Und eine Mutter mit Kind (hatte gerade Modelle dazu). Kann man auch Madonna nennen, ich habe nichts dagegen. (…) Brief an Richard Scheibe, 4.10.1957

Gaea, die Mutter Erde, 1965
Viel eher schienen ihm mythologische Themen zu liegen, denen er während zahlreicher Griechenland-Aufenthalte nahe kam. Im Jahre 1964 erwarb er ein Grundstück in Kypseli/Ägina und baute dort ein Sommerhaus, in welchem er viel Zeit verbrachte. Im darauffolgenden Jahr griff er ein Thema wieder auf, mit welchem er sich schon lange vor dem Krieg auseinandergesetzt hatte: die Darstellung der Mutter Erde. Eine starke Frauenfigur, die als Aktdarstellung mit einem in archaischen Falten fallenden Mantel umgeben ist. Auch hier spielte eine Griechenlandreise eine nicht unbedeutende Rolle und die Anschauung der antiken Skulptur beeinflusste die Arbeit des Bildhauers deutlich. In den Jahren nach 1925 hatte Marcks seinem künstlerischen Schaffen wieder eine deutliche Wende zur Skulptur gegeben. Die Einflüsse, die seine Werke reflektierten, sind eindeutig der große Rodin aber auch die starken erdverbundenen Frauenfiguren von Aristide Maillol. Er beschäftigt sich immer wieder mit den Grundlagen der Gestaltung und beschreibt sein Ringen um die endgültige Form später einmal so:

Ich versuche, der Sache auf dem für mich als richtig erkannten Wege näherzukommen, Formlosigkeit wie banale Abstraktion vermeidend. Es ist gar nicht die Hauptsache, zeitgemäß zu sein, noch die Mitmenschen mit gesuchter Originalität zu verblüffen. Plastik ist eine Sache der Gewichte und Proportionen, dem Chaos des Lebens abgerungene Form. Da gibt’s nichts ‚Neues‘.“

Die Gaea, eine schreitende Gottheit, wurde im Jahre 1965 in diesem Geiste wiedererschaffen und von der Schokoladenfirma Stollwerck für die Gestaltung des öffentlichen Raumes angekauft. In einen Skandal verwickelt, kam es 2005 zu einem erneuten Guss der Figur (die neuen Besitzer der Firma wollten die Statue verkaufen, der ehemalige Stollwerck-Chef Imhoff beauftragte den Neuguss, der heute in der Passage an der Hohen Straße steht). Die erste Fassung der Gaea steht heute im Rosengarten des Rheinparks. Interessanterweise wurde beim Nachguss festgestellt, dass Marcks noch kurz vor seinem Tode im Jahre 1981 wohl geringfügige Änderungen an der Gussform vorgenommen hatte. Der ruppige Umgang mit der Figur wurde besonders von der Tochter Gerhard Marcks gerügt, die sich besonders über das Zersägen des Sockels geärgert hatte, der ja immerhin mit zum Kunstwerk gehörte.

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Foto: Werner Kürten

Düxer Bock, 1963
Ganz versteckt auf der „Schäl Sick“ steht ein weiteres Beispiel für Kunst im öffentlichen Raum, das von Gerhard Marcks geschaffen wurde. Der Bock, den er 1963 als Symboltier für die Deutzer Schützen und Karnevalisten geschaffen hat, führt letztendlich zu den Anfängen der künstlerischen Laufbahn des Künstlers zurück. Die frühen Studien im Berliner Zoo hatten Marcks derartig nachhaltig geprägt, dass er zunächst als fast ausschließlich als Tierbildhauer bekannt geworden ist. Im Jahre 1908 hatte Gerhard Hauptmann ihm seine erste Figur abgekauft, eine Löwin, die er in einer Ausstellung der Berliner Sezession gezeigt hatte. Der junge Gerhard Marcks war Autodidakt und näherte sich der Darstellung mit Detailstudien von anatomischen Einzelheiten, die er anschließend zur Gesamtdarstellung verband. Das war eine zu dieser Zeit durchaus ungewöhnliche Herangehensweise, lehnten doch beispielsweise die jungen Expressionisten eine Ausbildung an der Akademie gerade wegen der anatomischen Einzelstudien besonders ab. Aber Marcks hat sich auch immer geweigert, den Einfluss des Expressionismus anzuerkennen:

Das Gerede vom Expressionismus hängt mir schon zum Halse heraus – jeder Lausejunge, der sich nicht beherrschen kann, ist jetzt Expressionist.“

Der Düxer Bock ist eine naturgetreue Studie des Tieres, das mit einigem Formwillen zu einer gewissen Einfachheit geführt wurde. Dadurch gewinnt die Bedeutung der Figur als Symbolgestalt noch stärkeren Einfluss. Der Ursprung der Figur liegt in einer Kölner Legende, die eine Streit zwischen einem Schneider und einem Finanzbeamten, bei welchem ein meckernder Ziegenbock eine nicht unwesentliche Rolle spielte.

Gefesselter Prometheus, 1948
Mit dem „Gefesselten Prometheus“ besitzt das Museum Ludwig eines der Schlüsselwerke von Gerhard Marcks. Der Künstler hatte sich mit dieser Figur über mehrere Jahre hinweg auseinandergesetzt und die Gestaltung aus dem Jahre 1948 scheint die endgültige Formel für eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zu sein. In der vom Schicksal schwer getroffenen Figur, die sich voller Schmerzen nach vorne über beugt, wird noch einmal deutlich, wie sehr sich Marcks mit den Vorbildern der griechischen Antike beschäftigt hat. Aber in der schmalen zartgliedrigen Figur erkennen wir auch eine gewisse Nähe zum expressionistischen Bildhauer Lehmbruck.

Auf mich stürzt jetzt der Segen einiger Monumental-Aufträge herab: verschiedene Stellen entschlossen sich, meine Pläne verwirklichen zu helfen, für die die Ostzone keinen Platz hatte: zunächst Köln, großen Todesengel als Mal für alle Toten dieser Zeit. Dann den gefesselten Prometheus für die Jugend. Und Belsen den Schmerzensmann in einer von mir entworfenen Kapelle. Es scheint alles zu werden. Gebe Gott gute Arbeit! (…)“
Brief an Annemarie Ritter, 20.12.1946

In den fünfziger Jahren unternahm Gerhard Marcks zahlreiche Reisen ins Ausland. Er war in Amerika, wo er durch seine Kontakte zu den ins Exil gegangenen Bauhäuslern relativ früh mit großen Ausstellungen präsent war. Aber auch nach Mexiko und Afrika führten ihn die Reisen. Dabei nahm er bis ins hohe Alter die Anregungen vor allem der außereuropäischen Kunst auf, die ihn in Kombination mit der europäischen Tradition zu einer ganz eigenen Ausdruckskraft brachte. In seinen späten Jahren wendet sich Marcks verstärkt dem Holzschnitt zu, den er bereits zu der Zeit am Bauhaus verfolgt hatte. Sicher spielten auch die schwindenden Kräfte eine Rolle bei der Wahl dieser Technik. Dennoch beschäftigte er sich auch weiterhin mit der Plastik und eine seiner letzten Arbeiten – im Jahr seines Todes 1981 entstanden – ist eine Prometheus-Figur mit dem von Zeus gesandten Adler.

„(…) die Prometheusgruppe muss ich noch zustande bringen. (…) Du kannst Dir denken, was auf dem Spiele steht. Und meine Augen werden immer schlechter. Es wird also ein Wettlauf (…). Ach, jetzt hätte ich Lust, noch einige Plastik zu machen. (…) Plastik, das ist Architektur, Proportionen, Anwendung der geringste nötigen Mittel. Dann kann die Fantasie des Beschauers Leben sehn, keinen Bericht, sondern ein Gedicht.“
Marcks an Christian Höpfner, Bildhauer 6.9.1981

Die letzten Jahre verbringt Gerhard Marcks in der Eifel, wo er sich Anfang der siebziger Jahre ein kleines Häuschen anschaffte. Oft war er zeichnend in der Natur unterwegs und genoss die Abgeschiedenheit der Landschaft. Am 13. November 1981 verstirbt der Künstler, dem Köln so viele interessante Kunstwerke im öffentlichen Raum verdankt und der so gerne hier gelebt hatte. Die Bedeutung seiner Kunst hat er einmal augenzwinkernd mit folgenden Worten gleichermaßen treffend wie selbstironisch zusammengefasst:
Die Grille zirpt, der Künstler wirkt.“

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6 Comments

  1. Ein ausgezeichnetes Porträt “Gerhard Marcks”, meinem neben Barlach bevorzugten Bildhauer. Ich selbst besitze einige ältere Bronzen von ihm
    ( Knabe von 1927, Porträtkopf seiner Schwester, Entwurf einer Brunnenfigur, Holzschnitt), die mich immer wieder erfreuen. Seine Briefwechsel, Biografien, das in Bremen eingerichtete Marcks Museum und seine vielen Arbeiten im öffentlichen Raum annimieren mich, seinen Spuren zu folgen. Schade, daß in Ahrenshoop/Nienhagen sein altes Haus tabu ist und außer einem Gedenkstein für seinen Freund Alfred Partikel vor dem Kunstkaten nichts mehr an ihn erinnert!

  2. Hat Marcks nicht zusammen mit einem gewissen Engel die Kommuniste erfunden? (Das muss eine Art politisches Singspiel gewesen sein)

  3. Toller Artikel. Auf dem ersten Foto ist auch meine Grosstante Hildegard zu sehen. Ich hatte das Foto noch nicht gesehen, DANKE! Ich war jetzt mehrere Male in Koeln-Muengersdorf und es ist wirklich ein interessanter und kreativer Ort!

  4. Liebe Frau Domizlaff,
    vielen Dank für das Kompliment. Ja, Müngersdorf ist auch heute noch ein wirklich lebenswertes Viertel in Köln. Ich wohne nur kurz dahinter und bin auch oft dort.
    Viele Grüße aus Köln-Weiden
    Anke von Heyl

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