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Fundstücke


22. Januar 2007

Herrscherporträts

Jetzt wird ja wieder viel geredet über die Frage, ob man es sich als Politiker heutzutage noch leisten kann, eine Art Alleinherrscher zu sein. Sieht man ja bei Stoiber, wohin das führen kann. Die Macht ist ganz schön wackelig, sobald man kleine Risse in der harten Schale zeigt. Nun gut, das ist der Lauf der Dinge. Gestern wurde allerdings auch Schröders Ex-Frau zu dem Thema der Politikerrolle befragt und das bringt mich zu dem unlängst durch die Gazetten geisternden Porträt das Altkanzlers, das vom todkranken Jörg Immendorff derzeit angefertigt wird und einst im Kanzleramt die lange Reihe der Altkanzler vervollständigen soll.

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8. Januar 2007

Die Eiswüste lebt

Ist es purer Luxus, wenn man einen Container (grün) voller Bücher in die Antarktis schickt, damit die dortigen Forscher sich auch mit Literatur beschäftigen? Dort, wo eigentlich das nackte Überleben an der Tagesordnung sein sollte, sich gemütlich in den Sessel lehnen und ein gutes Buch hervorholen - klingt das nicht ein bisschen sehr weldfremd? Oder ist es gerade in der heutigen Zeit, in der die Kultur gegenüber den vielen kleinen Banalitäten des Alltags allzuoft den Kürzeren zieht, ein wichtiges Signal. Wir brauchen Kultur zum Überleben. So oder ähnlich hat Lutz Fritsch, von Haus aus Bildhauer, sicher sein Konzept angedacht, bei dem am Ende ein veritabler Container herauskam, der mit viel Aufsehen auf die Polarstation verschickt wurde.

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3. Januar 2007

Watteau und Westwood

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Westwood-Robe mit dem Titel "Watteau"

Im bayrischen Tutzing beschäftigen sich Kulturwissenschaftler Ende Januar mit einer interessanten Synergie: die Mode der Jetztzeit wird untersucht auf die Reminszenzen an vergangene Epochen. Dabei steht die exzentrische Modemacherin Vivienne Westwood im Zentrum der Betrachtungen, die nach ihrer Punkkarriere vor allem durch die geschickte Überführung historischer Schnitte in moderne Kostüme die Laufstege der Modeszene bereicherte. Vor allem die vielen Stunden, die Westwood im Londoner Victoria&Albert Museum zeichnend verbrachte, machen sich in ihrer Mode bemerkbar.

Im Stile eines Salons des 19. Jahrhunderts wird in der Evangelischen Akademie Tutzing ein Gespräch mit einer überaus interessanten Expertenmischung präsentiert.

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29. Dezember 2006

Neujahrsgedanken

Bei meinen Recherchen zur Kunst, die sich mit Sylvester und Neujahr beschäftigt, stieß ich interessanterweise auf viel Dramatik, Depression und negativen Beigeschmack. So dass ich auf den guten alten Goethe zurückgreifen musste, der ja in seiner abgeklärten Art für fast jede Lebenslage etwas Literarisches zu bieten hat!
In der bildenden Kunst kam ich auf die japanische und chinesische Tradition der Neujahrsbilder, die vor allem als sogenannte "Türgötter" Schutz und Glück bringen sollten. Wobei man allerdings anmerken muss, dass das asiatische Neujahr mit dem 18. Februar verbunden wird. Dennoch wünsche ich mit einem solchen Neujahrsbild allen Lesern der Kulturtussi für den bevorstehenden westlichen Jahreswechsel alles Gute und weiterhin die nötige Neugier, hier mitzulesen!!

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27. Dezember 2006

Ist doch alles nur ein Spiel

Passend zu jeder Menge Lego unter dem Weihnachtsbaum gibt es nun auch berühmte Künstler und ihre Werke nachgebildet mit diesen kleinen Plastiksteinchen und -figürchen. Neben Andy Warhol vor seinem Dollarbild überzeugt vor allem Dali mit seinem Lobster-Telefon und ganz allerliebst ist Damian Hirst (mit Dreitagebart) vor seinem in Formaldehyd gegossenen Hai. Die Website Little Artists bietet Kunst und den Umgang damit für Kinder an und die Walker Art Galleryin Liverpool hat sich schon schlauerweise die Dienste dieser pädagogisch sinnvollen und gleichzeitig ohne schulischen Zeigefinger daherkommenden Teams gesichert. Sowas möchte man mehr sehen!!

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21. Dezember 2006

Weihnachtsbild

Seit dem 4. Jahrhundert gibt es die Darstellung der Geburt Christi, die sich vor allem aus den biblischen Schilderungen im Markus- und im Lukas-Evanglium speist. Die Bilder werden je nach Glaubenshintergrund der jeweiligen Epoche unterschiedlich ausgeschmückt. Ein wahrscheinlich von Hienonymus Bosch stammendes Gemälde aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zeigt eine ganz besonders eigenwillige Komposition.

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20. Dezember 2006

Desperate Housewives

Eine von vielen Serien, die aus dem fernen USA auf unsere heimischen Fernsehbildschirme flimmern - aber schon der Vorspann verheißt mehr als nur langweilige Massenware. Na ja, die altbekannten Inhaltsstoffe von serientauglicher Suchtwirkung sind natürlich schon enthalten und die Themen zwischen Sex and Crime sind dann zugegebener Maßen hollywoodesker Mainstream. Dennoch: gut gemachte Unterhaltung. Aber das wollte ich eigentlich gar nicht sagen. Wie es sich für eine Kulturtussi gehört, wollte ich hier einmal näher auf die Vorbilder des Vorspanns eingehen. Die stammen nämlich aus der Kunstgeschichte!!

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Die für den Vorspann genutzte Version des Cranach Bildes sieht ein wenig anders aus und hängt in den Florentiner Uffizien

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6. Dezember 2006

Turnerpreis an Tomma Abts

Yoko Ono sah aus, wie ein Gnom aus einem Fantasie-Film und es gab von verschiedenen Stellen aus doch auch die ein oder andere kritische Bemerkung. Dennoch: es ist schon etwas Besonderes, wenn der Turner-Preis an eine Deutsche verliehen wird - noch dazu die erste Frau in einer langen Reihe seit 1984.

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5. Dezember 2006

MoMA reloaded

Das Museum of Modern Art in New York gilt als eines der erfolgreichsten, berühmtesten und wichtigsten Museen weltweit. Es hatte immer (!) gigantische Besucherzahlen und war erfolgreich wie kein Zweites. Dennoch kam vor 10 Jahren mit dem neuen Direktor Glenn Lowry ein Macher ans Ruder dieses Flaggschiffs der Kunstmuseen, der - damals für alle etwas überraschend - einen grundlegenden Umbau des Museums forderte und den Aufsichtsrat zu fast einer Milliarde (1.000.000.000,00) Dollar überredete. Musste das denn sein? Und dann beauftragte er auch noch einen relativ unbekannten japanischen Architekten, der bisher noch nie außerhalb Nippons gearbeitet hatte.

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1. Dezember 2006

Kitsch as Kitsch can

Ich muss zugeben: ich weiß nicht, woher dieser oft zitierte Satz stammt. Aber er ist untrennbar mit der Vorstellung von Bildern verbunden, die fern ab jeder Bedeutungstiefe einen leichten Schauer des Grauens neben dem des Wohlbefindens den Rücken herunter rieseln lassen. Bilder, die bis an die Grenzen des Aushaltbaren harmonisch, schön im Sinne von banaler Ästhetik und ohne Ecken und Kanten daherkommen.

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29. November 2006

Berliner Bahnhof

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Er ist einer der größten Kreuzungsbahnhöfe Europas und steht auf einer Art "grüner Wiese" mit viel Platz um sich herum: der neue Berliner Hauptbahnhof, der im Mai diesen Jahres triumphal zum Wohle der Reisenden eröffnet wurde. Die Homepage der Deutschen Bundesbahn feiert das filigrane Bauwerk, das für sie eine logistische Herausforderung darstellte und immer noch darstellt. Das Büro des Hamburger Architekten Meinard von Gerkan, das schon mal die "ideale Stadt" in China bauen darf, hatte sich mit dem Berliner Bahnhof an Tradition und Moderne gehalten, einen wirklich konsequent leichten, lichtdurchfluteten Raum geschaffen. Doch - und da kennt die Bahn dann nix - weil irgendetwas nicht ganz in die Logistik passte, hat man von seiten des Bauherrn kurzerhand ein ortsansässiges Architekturbüro beauftragt, den Bau hier ein wenig zu kürzen und dort mal eben eine Zwischendecke mit Baumarktcharme einzuziehen. So wurde der von Kunsthistorikern schon als richtungsweisend gefeierte Bahnhofsbau dermaßen in seiner Wirkung beschnitten, dass der ansonsten nicht als Prozesshansel verschriene Architekt vor Gericht zog. Und: Hurra! Er hat gewonnen. Mit heutigem Urteil vom Berliner Landgericht erging die Auflage für die Deutsche Bahn, die den Berliner Bahnhof gerne als Vorzeigeobjekt nutzt, die olle Flachdecke wieder rückzubauen. Na klar, das Unternehmen will in die Berufung gehen. Man jammert, dass dies mindestens 30 Millionen Euro kosten würde und drei Jahre Bauzeit den reibungslosen Verkehr beeinträchtigen würde. Tja, hätten sie sich halt früher überlegen müssen, ob sie so selbstherrlich in die architektonischen Details hätten eingreifen sollen. Das Urteil ist auf jeden Fall ein deutliches Signal in Richtung der so häufig schwelenden Urheberrechts-Problematik. Und wird damit eindeutig von mir begrüßt und beklatscht.

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Eindrucksvoll zeigt die beleuchtete Architektur, was sie kann!

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23. November 2006

Darf Kunst alles? Neue Variante

Der dänische Künstler Kristian von Hornsleth hat eine neue Dimension erreicht hinsichtlich der Frage, wie weit darf Kunst gehen? In seinem aktuellen Kunstprojekt hat er in Uganda die Bewohner eines kleinen Dorfes mittels Schweine- und Ziegenbezahlung dazu gebracht, offiziell seinen Namen anzunehmen. Und das Ganze hat auch einen Titel: "We want to help you, but we want to own you". In seinen Erklärungsmodellen gibt sich der Däne schnodderig-provokant. Er glaube an die freie Marktwirtschaft, er habe etwas zu kaufen gesucht und dafür eine Bezahlung angeboten. Diese Bezahlung werde auch gerne angenommen und die Dorfbewohner hätten nun einen schönen Namen und alle seien glücklich damit.

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22. November 2006

Nobelpreis für Kunst

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Christian Boltanski wurde mit dem Praemium Imperiale für Skulptur 2006 ausgezeichnet. Das ist eine Art Nobelpreis für Kultur. Seit 1989 gibt es diesen Preis, der von der Japanese Art Foundation verliehen wird und dessen Bedeutung in den letzten Jahren stetig gewachsen ist. Ein Preis, der spartenübergreifend Preisträger präsentiert, die von insgesamt sechs international besetzten Gremien vorgeschlagen werden.
Richard Weizsäcker gab die Preisträger in Berlin bekannt. In der Kategorie Architektur erhält Frei Otto die Auszeichnung, in der Kategorie Malerei wird die Japanerin Kusama Yayoi geehrt. Der Franzose Christian Boltanski bekommt den Preis in der Kategorie Skulptur. In der Kategorie Musik wird der US-Bürger Steve Reich ausgezeichnet. In der Kategorie Theater/Film geht der Preis an die Russin Maya Plisetskaya.

Feierlich verliehen wird der von der Japan Art Association vergebene Preis am 18. Oktober in Tokio. Die weltweit höchste Ehrung zeitgenössischer Kunst wird auch als »Nobelpreis der Künste« angesehen.

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15. November 2006

Dialog der Künste - der Dritte

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Graphite Sum of Numbers, 2006, 164 graphite cubes
4 1/2in x 40 1/2in x 229 1/2in

Im Frühjahr konnte man neue Arbeiten des Minimalisten Carl André in der Londoner Galerie Sadie Coles HQ sehen, die in ihrer fast zenhaften Ästhetik des Materials faszinierten. Die Auseinandersetzung mit der Form und nichts als der Form, die Beschränkung auf das, was materialhaft und dinghaft im Hier und Jetzt präsentiert wird, das ist nicht immer leicht für den Betrachter. Er fühlt sich oft angesichts minimalistischer Kunstwerke auf sich selbst zurückgeworfen, kann nicht mit Anekdoten und erzählerischen Schnörkeln ausweichen und fühlt sich oft überfordert.

Mit dem vom Künstler gedichteten Wortbild bietet sich ein Dialog zwischen Literatur und Skulptur an, der für beide Seiten sehr fruchtbar sein kann und auch dem Betrachter eine kleine Hilfestellung an die Hand geben mag.

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13. November 2006

Provokation der guten alten Art

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Jonathan Meese sieht aus wie ein RAF-Sympathisant und trägt ausschließlich adidas-Jacken der reinsten Poyester-Art. Er wird als jüngster "Großkünstler" gehandelt, womit gemeint ist, dass man staunen kann ob der grandiosen Erfolge, die er mit Einzelausstellungen und Ankäufen für große Sammlungen verzeichnet. Gerade mal Mitte dreißig ist der Shooting Star und vor allem im Ausland hält man große Stücke auf den neo-romantischen Provokateur, der vor allem mit deutschtümelnden Klischees aufwartet. Wenn man einmal den ganzen Hype um seine Person beiseite wischt und sich auch nicht davon irritieren lässt, was er so offiziell sagt und tut, dann finden sich einige der interessantesten Ansätze der Bewertung "typisch" deutscher Kunst bei ihm.

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Posted by Kulturtussi at 15:45 | Permalink | Comments (1)


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