Foto-Nobelpreis für Sophie Calle

Ich mag Konzeptkunst und so bin ich 2007 auf der Biennale auch ein Fan von Sophie Calle geworden, die gezeigt hat, wie sie das alltägliche Leben zur Kunstperformance werden lassen kann. Ein trivialer Brief durchläuft bei ihr zahlreiche Stationen der Übertragung – sei es als Rezitation, Tanz oder extrovertierter szenischer Interpretation. Auch eine Psychologin und Freundinnen, berühmte Schauspielerinnen – die Reihe ist erstaunlich – geben “ihre” Version des Briefes zum Besten. Der Inhalt des Briefes ist ein typisches Frauenthema: ein Mann macht unter fadenscheinigen Gründen mit der Künstlerin Schluss. Obwohl man nie so wirklich dahinter kommt, wie hoch der Wahrheitsgehalt dieses Schreibens ist, packt einen diese persönliche Perspektive in der Kunst mit erstaunlicher Wucht.
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Gestern wurde bekannt, dass die Französin den als “Foto-Nobelpreis” bezeichneten Hasselblad-Preis erhält, der mit 100.000,00 Euro dotiert ist. In seiner Begründung betont die Hasselblad-Foundation, dass die Künstlerin seit über 30 Jahrzehnten die Verbindung zwischen Text und Photographie, privater und öffentlicher Person, Wahrheit und Fiktion in einer bahnbrechenden und absolut origniellen Weise hinterfragt. In ihrem konzeptuellen Werk habe Sie die menschliche Verletzbarkeit dargestellt und die Beziehung zwischen Identität und Intimität ebenso untersucht wie die Konstruktion von Geschichte. Mit ihren Arbeiten habe sie Emotionen hervorgerufen und den Betrachter immer wieder über die Möglichkeiten und Grenzen von Photographie nachdenken lassen. Ihr Beitrag zur Photographie habe die neue Generation junger Photographen maßgeblich beeinflusst.
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Auch auf der Biennale 2007 in Venedig zu sehen: eine Arbeit über das Sterben ihrer Mutter, mit der Sophie Calle sicherlich auch sehr an ihre eigenen Grenzen gestoßen ist. Und auch an die Grenzen ethischer Fragen. Darf man den Tod zum Kunstmotiv machen, wie sehr verstößt man damit gegen die Würde des Menschen? Sophie Dalle sagt auf die Frage, ob ihre Mutter mit dem Film einverstanden war: “Ich glaube, sie mochte ihn, weil sie gern im Vordergrund stand. Als ich die Kamera in ihrem Zimmer installierte, sagte sie zu mir: Endlich machst du etwas über mich!”(das vollständige Interview nachzulesen in der aktuellen Brigitte woman)

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2 Comments

  1. Hey Kultur-Tussi 🙂
    wollte bloß mal Hallo sagen… Dein Blog gefällt mir sehr, hab ihn heute über Mut zu Kultur gefunden.
    Ahoi vum Ihrefeld, Smilla

  2. Ach Smilla,
    ich hoffe, jetzt klappt es bei mir aber mit dem Bemerken von netten Kommentaren in Zukunft besser. Vielleicht sehen wir uns mal im “wirklichen” Leben!
    Herzlichst, die Kulturtussi

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