Fantasia Colonia

Seit mehr als zwanzig Jahren kenne ich Jutta Koether nun schon. Früher beeindruckte sie mich immer sehr durch ihre exzentrische Art, in einer kleinen umgebauten Garage in Müngersdorf – genannt „die Bude“ – zu leben und zu arbeiten. Damals war ich noch Schülerin und hatte mit Kunst noch nicht wirklich Berührung gehabt. Deswegen erschien mir die Welt der Jutta Koether – die Schwester meiner besten Freundin Ursula – immer sehr geheimnisvoll und außergewöhnlich.
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Damals machten wir jüngeren Mädels uns immer nützlich, indem wir Juttas Übersetzungen von Patti Smith Songtexten in einen sehr freakigen Laden in der Südstadt trugen.
Irgendwie habe ich damals gefunden, Jutta hätte ungemeine Ähnlichkeit mit der von mir sehr geschätzten Sängerin.
Jetzt endlich sehe ich in der aktuellen Ausstellung „Fantasia Colonia“ einen wirklich umfassenden Überblick über das Werk Jutta Koethers. Ich hatte all die Jahre über immer nur einzelne Ausschnitte mitbekommen. Zum Beispiel, als sie 98/99 in der Ausstellung „I love New York“ mit einem Gemeinschaftsprojekt teilnahm, in dem sie unter anderem mit ihrer guten Freundin Kim Gordon von Sonic Youth und einigen anderen aus der New Yorker Musik-Künstler-Szene kleine schnell gemalte Assoziationen präsentierte. Oder während eine Ausstellung in der Galerie Monika Sprüth, die ich Ende der 80er Jahre von ihr sah. Ein wenig zu feministisch fand ich sie damals mit der z.T. auch in die Bilder hinein gemalten Sprüchen.
Jetzt auf der Vernissage im Kölnischen Kunstverein (tout Kunstköln war da, aber wirklich TOUT) war ich doch überrascht, wie groß ihr Oeuvre mittlerweile geworden ist. Und wie vielfältig und leicht sie mit unterschiedlichen Inszenierungen die einzelnen Bilder in eine besondere Raumerfahrung gebracht hat.
Die vorgegebene abwechslungsreiche Architektur der „Brücke“ ermöglicht die Präsentation sowohl einiger erstaunlich großformatiger Bilder. Die Idee, sie in einer Art Plexiglas-Halterung zu präsentieren und quer durch den Raum zu hängen, der nach den Umbauarbeiten die ursprüngliche Glasfront des ehemaligen Leseraums des britischen Kulturinstitutes wieder betont, finde ich vielleicht ein wenig zu kapriziös. Zudem setzt man auf die Spiegelungen des natürlichen Lichts, was meist den gesamten Raumkörper von außen seltsam dunkel und geschlossen aussehen lässt und nicht zum Besuch der Ausstellung animiert!
Trotzdem mäandert man gerne an der Reihe farbintensiver (das ist immer schon meine Erinnerung an Jutta Koethers Bilder gewesen: sehr bunt, zum Teil fand ich die Buntheit richtig mutig) Bilderfluten vorbei. Hin und wieder blitzen vor allem auch über die Bildtitel Auseinandersetzungen mit der klassischen Kunstgeschichte auf.
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Überhaupt ist das eine Überraschung für mich. Ich sah Jutta Koether eigentlich immer eher als Kultfigur einer Szene, die aus Musikperformance und Kunsttheorien gespeist wurde. Dass sie sich auf fast klassische Weise auch mit den Vorbildern großer Künstler auseinandergesetzt hat und auch deren Techniken und Motive befragt und hinterfragt, hat mich als klassische Kunsthistorikerin natürlich besonders interessiert. Die Symbolisten zitiert sie (Fuessli) und wagt sich an die Überväter heran (Cézanne, Courbet, Manet, van Gogh, ich).
Aber natürlich fehlt auch die Performance, die Szene nicht. Sehr schön: der kleine Diskoraum im Untergeschoss der „Brücke“ und ein wenig irritierend und verwirrend (schwarze Fahne in Kunstharz still gegossen hängt als „gothic-punk“ Attribut über dem Eingang) die laute Inszenierung ihrer Musiker-Autorin-Tätigkeit im Theatersaal.
Neben der Buntheit ihrer gestischen Malereien stehen immer wieder auch diese dunklen Schwarzweiß-Inszenierungen, die vielleicht auch gerade als bewusstes Gegenbeispiel dienen sollen.
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Eine ganz andere – vielleicht auch sensiblere Qualität – erhält die Präsentation von zahlreichen schwarzweißen Bildern in kleinen Formaten auf der Wand des abgedunkelten Kinosaals gehängt. Und vorne auf der Leinwand läuft eine Endlosschleife mit eben jenen Bildern aufgenommen mit der Kamera. Eine schöne Idee, die einerseits die Malerei in den Mittelpunkt rückt, andererseits aber auch das Verschwinden der Malerei im Crossover der unterschiedlichen Medien thematisiert. Wenn man sich an das Dunkel gewöhnt hat, gewinnen die Malereien an den Wänden plötzlich auf eine ganz besondere Weise an Präsenz.
Vielleicht der Raum, der in der Fülle der Ausstellungsräume am meisten beeindruckt.

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