Ein Hoch auf die Kunstvermittlung im Lehmbruck-Museum

“Ein Hoch auf das, was uns vereint
Das ist die Kunst!
Das ist die Kunst!”

Es war ein wunderbarer Moment, als alle Anwesenden bei der Feier zu 30 Jahre Kunstvermittlung im Lehmbruck-Museum mit einstimmten und ein herrliches Social Singing durch den Betonbau hallte. Ich mag solche verbindenden Momente sehr. Das stärkt und setzt ein positives Ausrufezeichen. Und so war das Wochenende, an dem die Kunstvermittlung in Duisburg feierte, geprägt von vielen solcher Momente, die einfach nur Spaß machten. Besonders gefreut habe ich mich über den Auftrag, eine kleine aber feine Talkrunde zu moderieren, bei der ehemalige und aktuelle Vermittlerinnen und Vermittler aus ihren Erfahrungen berichteten.

Es ist auch fast 30 Jahre her, dass ich Kontakt mit Cornelia Brüninghaus-Knubel aufgenommen habe, die im Lehmbruck Museum mit ihrem Kindermuseum in der Museumspädagogik-Szene sehr viel Beachtung gefunden hatte. Schon damals wurde hier anders vermittelt, weniger belehrend als vielmehr partizipativ gedacht. Diesen Anfangsimpuls haben die verschiedenen Akteure über die Jahre beibehalten. Ruth Gilberger war zu Beginn der nuller Jahre in Duisburg tätig und hat als bildende Künstlerin diese Idee weiter voran gebracht. Heute ist sie in den Montag Stiftungen als Vorständin aktiv für das Thema “Teilhabe” unterwegs.

Mit Herz und Verstand

Über einen Aspekte der aktuellen Kunstvermittlung im Lehmbruck-Museum habe ich ja bereits ausführlicher berichtet und die Angebote für Menschen mit Demenz im Interview mit Sybille Kastner vorgestellt. Claudia Thümler ist die andere hauptamtliche Kunstvermittlerin im Lehmbruck-Museum. Auch sie eine Künstlerin. Gemeinsam setzen beide auf Ausstellungskonzepte, die in sich schon eine Vermittlungsform darstellen. Über die möchte ich heute mal ein bisschen mehr berichten, denn es lohnt der Blick darauf!

Mir gefällt die Aktion “Hasenohren im Salon” ganz besonders. Zum Geburtstag der “Knieenden” von Lehmbruck 2011 machten Thümler und Kastner den Besuchern dieses Geschenk. Nicht die Vermittlung der Kunstgeschichte stand dabei im Vordergrund. Sondern es wurde vielmehr eine Einladung ausgesprochen, sich in die Köpfe damaliger Avantgarde-Bewegungen hineinzudenken. Ein bisschen haben mich die Kostüme, die dabei zum Einsatz kamen, an Alice im Wunderland denken lassen. Oder an das berühmte Kaninchenloch, durch das man in andere Welten eintauchen kann.

Auch das Ausstellungsformat “Hey Alter …” fand ich großartig. Eine thematisch auf “Jugend und Alter” zugeschnittene Ausstellung, die Ende 2012 bis Anfang 2013 mit einem umfangreichen Begleitprogramm einen lebhaften Dialog über die Kunst anregte. Und zwar intergenerationell. In den sogenannten Blind Dates konnten Jung und Alt gemeinsam vor allem auch über die eigenen Sichtweisen und Erfahrungen diskutieren, aber auch dieses kreativ umzusetzen. Es war sicher nicht ganz einfach, diese beiden gesellschaftlichen Gruppen zusammenzubringen. Da wurde viel Mühe aufgewendet, um Menschen ins Museum zu bringen, damit sie sich dort annähern. Ich kann mir vorstellen, was das an Energie gekostet hat. Deswegen war der 2. Platz beim hochrangigen Deutschen Alterspreis mehr als verdient.

2015/16 fand die Ausstellung BLACKBOX statt. Sie “inszeniert Skulpturen und Installationen, die uns zum experimentellen Umgang und Gedankenspiel einladen.” Großartig, wie es den beiden Kunstvermittlerinnen immer wieder gelingt, das Medium “Ausstellung” zu nutzen. “Die Kunstwerke sind Angebote, Vorschläge, aber auch Statements und Fragen. Sie rufen sinnliche Erlebnisse in uns wach und fordern uns dazu auf, das museale Gesetz der Unberührbarkeit zu brechen.” In einem ausführlichen Ausstellungsbegleiter wurden viele der Anregungen festgehalten. BLACKBOX Begleitheft Endversion 

Deutungshoheit oder hinein in den Kopf des Betrachters

Ich finde zwei Dinge an diesen Ausstellungen der Kunstvermittlung im Lehmbruck-Museum bemerkenswert: Der Kontext wird zum zentralen Moment. Es gibt einen thematischen Zusammenhang, in dem die Kunstwerke zu Stationen unterschiedlicher Erfahrungen werden. Das nimmt einen auf eine Reise mit, die am Ende zu einer nachhaltigen Erfahrung und bestenfalls auch Erkenntnis führt. So etwas fehlt mir bei Ausstellungen, in denen einzelne Positionen eher chronologisch oder stilistisch sortiert nebeneinander gestellt werden.

Der andere Aspekt, liegt in der Übergabe der Deutungshoheit an die Menschen, die die Ausstellungen besuchen und wahrnehmen. Man merkt, dass sich Claudia Thümler und Sybille Kastner einem erweiterten Kunstbegriff nahe fühlen, der im Kopf des Betrachters vollendet wird. Das klingt vielleicht heute schon etwas abgenutzt, wird dadurch aber nicht weniger wahr. Auch ich gehöre zu der Fraktion Kunstvermittlerinnen, die nicht müde werden, davon zu sprechen. In Duisburg wird immer wieder danach gehandelt!

Es gibt viele Projekte am Lehmbruck-Museum , die zeigen, welchen Gewinn Ausstellungen der Kunstvermittlung bringen. Es wird dabei nicht mit dem didaktischen Zeigefinger gefuchtelt.  Künstlerische Positionen kommen für eine konzentrierte Auseinandersetzung zusammen und ein gezieltes Ausstellungsdesign liefert den Raum für die Wahrnehmung bestimmter Phänomene. Daran knüpfen sich dann Gespräche und Diskussionen. Ich finde es auch prima, dass das immer wieder nachhaltig dokumentiert wird.

Neue Formate für Zielgruppen, die man in der Stadt ausmacht, werden laufend ersonnen. Ganz besonders stark finde ich ein Projekt, von dem mir bei unserem Treffen noch erzählt wurde. Die Artgenossen (eine Community engagierter Ehrenamtlicher) wollen mit Obdachlosen im Kantpark (in direkter Umgebung des Museumsgebäudes) ins Gespräch kommen und sie für die Kunst interessieren. Ich bin sicher, dass noch viele weitere spannende Projekte folgen.

Deswegen: Ein Hoch auf euch!!!

Kunstvermittlerinnen

Sybille Kastner, Claudia Thümler und Ruth Gilberger (von links)

 

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3 Comments

    • Liebe Sybill,

      direkt mal hinterher gehechtet 🙂
      Schönes Blog!
      Bist du auch auf Twitter unterwegs?

      Viele Grüße
      Anke

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