Der faszinierende Zeichenstift

Der Zeichenstift ist eines der am häufigsten benutzen Medien in der Kunst! Und eines der ältesten! Der Film hingegen ist erst seit den späten siebziger, frühen achtziger Jahren arriviertes Kunstgenre! Beides kombiniert der in Johannesburg geborene Künstler William Kentridge zu Kunstwerken, die sich mit den Themen der Apartheid und sozialen Veränderungen seiner Heimat Südafrika beschäftigen. Wie eine Art Bewusstseinsstrom verfolgt man die Bilder in den animierten Filmen und fühlt sich hineingezogen in eine faszinierende Zwischenwelt, die durch die haptischen Qualitäten der Kohle- oder Pastellzeichnungen ihren ganz eigenen Charme entwickelt.
Als Auftragsarbeit für das Deutsche Guggenheim in Berlin entwickelte Kentridge eine neue Installation mit dem Titel Black Box/ Chambre Noire, die sich aus einem mechanischen Theater en miniature, Animationsfilmen, Kohlezeichnungen und plastischen Elementen zusammensetzt. Black Bock/ Chambre Noire beschäftigt sich mit der deutschen Kolonialherrschaft in Afrika.


William Kentridge, der eine Ausbildung am Theater absolvierte und vor allem auch als Ausstatter und Art-Director für Filmproduktionen arbeitet, beherrscht seit den neunziger Jahren eine Kunstszene, die zunehmend auch die außereuropäischen Positionen in den Blick nimmt.
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Untitled (drawing for Black Box/Chambre Noire), 2005
Foto: John Hodgkiss © William Kentridge

Das Thema Black Box sieht Kentridge aus verschiedenen Bedeutungsperspektiven, die er jeweils auch mit anderen Techniken umsetzt: einmal ist die Black Box der ideale Theatersaal dann wieder knüpft sie an die Erfindung der Photographie (camera obscura) an und oder man assoziiert die Aufzeichnungseigenschaften der Datenschreiber von Flugzeugen.
Für seine Arbeit hat Kentridge die Geschichte des deutschen Kolonialismus anhand von alten Filmen erforscht und sich auch als Theatermann intensiv mit diesem Thema auseinander gesetzt. Seine Identität als Südafrikaner veranlasste Kentridge, Vorstellungen von Täterschaft und Mittäterschaft, Sühne und Trauer zu hinterfragen.
Kentridges einzigartiger filmischer Prozess integriert Zeichnungen im Black Box / Chambre Noire-Film und kombiniert sie mit Filmmaterial, welches er in Namibia aufnahm, sowie mit Archivfotografien und Ausschnitten aus deutschen Filmen der Kolonialzeit. Auch die Musik, auf die Kentridge und Philip Miller – Komponist der Filmmusik zu Black Box / Chambre Noire – in Namibia stießen, ist geschickt in die Arbeit eingebunden.
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Untitled (drawing for Black Box/Chambre Noire), 2005
Foto: John Hodgkiss © William Kentridge

Interessantes Begeleitprogramm!!! Vor allem:
02.12.2005 – William Kentridge: Journey to the Moon & 9 Drawings for Projection Deutschlandpremiere mit Live-Musik-Performance, 20 Uhr
04.12.2005 – William Kentridge: Journey to the Moon & 9 Drawings for Projection Deutschlandpremiere mit Live-Musik-Performance, 17 Uhr
Nach einem erfolgreichen Auftakt in Johannesburg, Zürich und Open Air im Central Park, New York, zeigt das Deutsche Guggenheim in Berlin die Deutschlandpremiere der herausragenden Live-Musik-Performance Journey to the Moon & 9 Drawings for Projection.
Kentridges Filmarbeiten 9 Drawings for Projection aus seiner ‚Soho Eckstein‘-Serie sowie Journey to the Moon werden zusammen mit einer Live-Performance der Originalfilmmusik präsentiert. Komponiert von Philip Miller wird die Musik vom Archimia-Quartett und Vincenzo Pasquariello, Piano, im Atrium der Deutschen Bank aufgeführt, in einer Produktion von Art Logic, Johannesburg, und Change Performing Arts, Mailand.
Eintritt: € 12, ermäßigt € 9
Deutsche Guggenheim
Unter den Linden 13/15
10117 Berlin
Täglich 11 bis 20 Uhr
Donnerstags bis 22 Uhr
Weihnachtsfeiertage:
24.12. geschlossen
25.12. geschlossen
31.12. von 11 bis 16 Uhr geöffnet
01.01. von 14 bis 20 Uhr geöffnet
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William Kentridge in Stockholm während der Vorbereitung zu Black Box/Chambre Noire, 2005
Foto: Petra Hellberg © Deutsche Guggenheim © William Kentridge

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