Das Gesicht der Stadt

Man kann einen Bau wie eine Oper nicht alleine planen. Man muss ihn im Rahmen einer großen städtebaulichen Konzeption sehen. (…) denn nicht nur von den einzelnen Gebäuden, sondern vielmehr von größeren räumlichen Zusammenhängen werden die Gesichter unserer Stadt geprägt.
Schon in den Anfängen zur Planung für die Oper hatte Riphahn immer den Gedanken eines kleineren Baus für das Schauspiel mitgedacht und zusammen mit den Opernterrassen und der Bebauung auf der anderen Seite der Nord-Süd-Fahrt bildet das gesamte Ensemble eine schlüssige städtebauliche Einheit.
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Die Diskussion um Neubau vs. Sanierung ist in einer heißen Phase und es gibt zahlreiche Veranstaltungen, die hierzu informieren, Proteste formieren, Beteiligte sprechen lassen und viele Aktionen mehr. Das finde ich grundsätzlich gut. Denn es geht darum, dass es einen Diskurs gibt, der alle Möglichkeiten zum Besten der Stadt und seiner Bürger durchzuspielen hat.
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Bei allem Verständnis für die Bedürfnisse der Bühnentechnik und sonstiger Arbeitsbedingungen, die ein Neubau bestimmt von Grund auf besser bedienen könnte – meiner Meinung nach übersieht man die Bedeutung des Gesamtkomplexes, weil die Schönheit der Bauten viel zu sehr verschüttet ist. Man kennt das doch auch im Freundeskreis. Da gibt es die Befürworter von Neubauten, die es lieben, wenn alles so schön neu ist – die Badewanne noch nie benutzt und die Steckdosen überall dort, wo man sie braucht. Aber jeder wird zustimmen, dass die Atmosphäre eines Gebäudes mit Geschichte um ein Vielfaches höher ist. Wie dem auch sei: die Ästhetik der Riphahnschen Gebäude lässt sich nur erahnen unter den vielen Versäumnissen hinsichtlich Renovierung und Gestaltung der Umgebung. Es gibt aber bestimmt eine Menge Dinge, die man tun kann, damit z.B. die Schönheit der Fassadengestaltung mit dem zurückhaltenden Muster des roten Klinkers wirken kann oder die Klarheit der einfachen Formen, die nicht nur ich an Riphahn und den Fünfzigern so schätze. Dazu gehört mit Sicherheit auch die Zurücknahme der Opernterrassen in gastronomisch anspruchsvollere Hände – so als billige Partylocation verkommt der Annex vollkommen und irgendwann würde auch der letzte Anhänger fürs Abreissen stimmen.
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In einem kleinen Stadtführer aus dem Jahre 1957 beschreibt der Autor die Hoffnung auf eine neue Signalwirkung der Neubauten:
Damit hat Köln schon wieder ein sehr respektables Kulturinstrumentarium beisammen. Nun kommt es darauf an, was in Zukunft darauf gespielt wird, die gut bürgerliche Schlummerweis’ oder eine Weltmelodie. Vor dem neuen Theater soll Jaques Offenbach, der große Kölner, vom dem die wenigsten wissen, ein Denkmal erhalten. Auch der Platz soll nach ihm benannt werden. Soll. Wenn nicht eine Lokalgröße vorgezogen wird, womit wir bereits wieder bei der Schlummerweis’ wären.
Kann es sein, dass sich seit damals nichts geändert hat? Man darf absolut auf die Entwicklungen der nächsten Zeit gespannt sein. Morgen jedenfalls gibt es schon mal einen Beweis dafür, wie lebendig das bürgerschaftliche Engagement immerhin in dieser Stadt ist.

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