Blogger-Relations: Es ist von Vorteil, wenn Sie sich damit auskennen!

Blogger Relation

Ein Gast, ich habe einen Gast auf mein Blog eingeladen! Das ist eine Premiere – und wird vermutlich auch eine Ausnahme bleiben. Denn ich habe selber viel zu viel, über das ich schreiben will. Aber als ich mich mit Ulrike Schmid (das Beitrags-Foto stammt von Ben Knabe) auf dem stARTcamp in Bonn über das Thema Blogger-Relations ausgetauscht habe, merkte ich, dass es ihre Sicht auf das Thema eine schöne Ergänzung meines Beitrags dazu sein könnte. Also habe ich sie kurzerhand überredet, ihre Gedanken bei mir aufzuschreiben. Vielen Dank Ulrike, dass du uns an deinen Erfahrungen teilhaben lässt. Ich finde, das sind viele gute Anregungen für alle, die nach konkreten Rezepten für das Gelingen von Blogger-Relations suchen!

Da sich dieses Blog stark auf die Museumslandschaft konzentriert, möchte ich mich als Gast aus der Welt der Musik zunächst kurz vorstellen: Als Orchestrasfan habe ich mich, wie der Name vermuten lässt, der klassischen Musik verschrieben. Da ich in Frankfurt wohne, bin ich ein Fan des hr-Sinfonieorchesters (hrSO). Eigens für dieses Orchester habe ich die Orchestrasfan-Social-Media-Profile angelegt. Schon bald hat sich meine Begeisterung für sinfonische Werke und die Menschen, die sie spielen, auch auf andere Orchester ausgeweitet.

Mittlerweile bin ich nicht mehr nur hr-Sinfonieorchester-Fan, sondern auch Mitarbeiterin der Unternehmenskommunikation des Hessischen Rundfunks (hr) und lade (Micro-)Influencer, Blogger und hr-Interessierte zu Social-Media-Events ein. (Ich war übrigens zuerst Fan, und daraus ergab sich die Beschäftigung beim hr.)

Bei der Organisation von Aktionen für den hr versuche ich, Dinge zu vermeiden, die bei mir als (Micro-)Influencer ein Stirnrunzeln hervorrufen, wenn ich von Orchestern und Museen – ja, auch für die bin ich manchmal interessant – angesprochen werde.

Ulrike Schmid im Orchestergraben der Dortmunder Philharmoniker

Im Orchestergraben der Dortmunder Philharmoniker, Foto: Barbara Volkwein

Erfahrungen als Influencer

Als Orchestrasfan werde ich hin und wieder zu Konzerten eingeladen. Dabei bin ich immer wieder überrascht, wie wenig „Ansagen“ ich von den Veranstaltern bekomme. Damit meine ich keine Vorgaben, wie viele Blogbeiträge in welcher Tonalität ich schreiben soll oder was ich zu twittern habe, das wäre ohnehin ein absolutes No-Go bei Blogger-/Influencer-Relations. Aber so eine Einladung kommt ja nicht ohne Hintergedanken und nicht nur weil ich ein netter Mensch bin. Als Veranstalter verfolge ich mit der Einladung doch eine Absicht und die sollte auch ganz offen kommuniziert werden.

Kürzlich bin ich auf eigene Kosten (!) zu einem Konzert gefahren. Das Orchester(management) hat es verpasst, sich vor dem Konzert um mich zu kümmern, und nichts angeboten, was mir für meine Aktivitäten als Orchestrasfan einen Mehrwert geboten hätte. Das war eine vertane Chance: Wie viel mehr hätte ich aus tiefster Überzeugung getwittert, gepostet und geschrieben, hätte man mir Infos angeboten, die auf mich und mein Blog zugeschnitten sind. Mich interessiert zum Beispiel der Blick hinter die Kulissen. Das haben die Dortmunder Philharmoniker und das Gewandhausorchester und auch das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks erkannt und mir auf meine Bedürfnisse zugeschnittene Angebote gemacht: Bei den Dortmunder Philharmonikern war ich im Orchestergraben, beim Gewandhausorchester habe ich einen Musiker während der Tournee einen Tag lang begleitet und beim nächsten Besuch war ich bei einem ihrer Education-Projekte dabei, und auch das Symphonieorchester des BR ließ mich hinter ihre Kulissen blicken.

Influencer-Ansprache – wie fange ich’s an?

Auf die Dos und Dont’s zum Thema Blogger-Relations will ich hier nicht näher eingehen. Anke selbst hat eine schöne Auflistung erstellt und auch das Netz ist voll von Tipps.

Doch wie sieht die praktische Umsetzung all dieser Tipps aus? Hier wechsele ich zur anderen Seite. Zu derjenigen, die für den hr Blogger und Influencer zu Social-Media-Events, wie etwa zum Open Air des hr-Sinfonieorchesters (hrSOpenAir), einlädt.

Backstage beim OpenAir des Hessischen Rundfunks.

Backstage insights at #hrSOpenAir, Foto: Paul Dylla

Im Jahr 2016 gab es einige Social-Media-Aktionen, die der hr für Blogger, (Micro-)Influencer oder hr-Interessierte organisierte – übrigens zum ersten Mal. Da sage noch einer, der öffentlich-rechtliche Rundfunk sei verstaubt – wir können auch ziemlich cool sein 🙂 Auf dem Programm standen ein Instameet, ein Social-Media-Walk und die Begleitung des Open Air des hr-Sinfonieorchesters durch Social-Media-ReporterInnen. Mit der Aktion #hrSOpenair waren wir sogar auf der Shortlist für den Virenschleuderpreis.

Da ich mich seit Jahren selbst sehr aktiv in den Social Media bewege und bei vielen Veranstaltungen vor Ort bin, konnte ich bei der Suche nach geeigneten AnsprechpartnerInnen „aus dem Vollen schöpfen“. Als Social-Media-ReporterInnen fürs Open Air des hrSO wollte ich Personen außerhalb der hr-„Filterbubble“ ins Boot holen. Dabei ging es mir darum, nicht nur Personen aus dem Kulturbereich einzuladen. Ich bin vielmehr die Leute durchgegangen, die ich auf Facebook, Twitter und Instagram kenne und schätze. Die Anzahl der Follower spielte eine untergeordnete Rolle. Ausschlaggebend waren die Verschiedenartigkeit der Kanäle, die bespielt werden, und ein Bezug zu Frankfurt. Ich habe jede und jeden einzelnen angeschrieben und meine Idee, was ich mit ihnen vorhabe und von ihnen möchte, kurz vorgestellt. Da ich alle mehr oder weniger kannte, fanden wir schließlich 14 Social-Media-ReporterInnen. Besonders wichtig war mir, mich auch wirklich um diese Influencer zu kümmern. Denn das ist ein Punkt, der mich stört, wenn ich selbst eingeladen und „allein gelassen“ werde.

Wir schnüren ein Rundum-sorglos-Paket

Die Social-Media-ReporterInnen habe ich in einem dreistufigen Mailing immer wieder mit Infos zum Ablauf der Veranstaltung und Wissenswertem versorgt. Alle Videos, Trailer, Fotos und Faktencharts, die meine Kollegin Corinna Blaich für die Social-Media-Kanäle des hr erstellt hat, konnten auch die ReporterInnen für ihre (Vor-)Berichte verwenden. Ich habe ihnen Interviews, O-Töne oder Fotosessions mit den MusikerInnen angeboten. Dabei waren alle Angebote explizit ein Kann. Es war nie ein Muss, sie auch tatsächlich zu verwenden. „Ihr könnt sie benutzen, müsst es aber nicht“, lautete auch die Devise bei den extra für die Profilbilder gestalteten Overlays in den Farben des hr-Sinfonieorchesters, die mit dem Hashtag #hrSOpenAir versehen waren. Overlays mögen nicht alle, daher hatte ich großes Verständnis für diejenigen, die sie nicht verwenden wollten.

Aktivitäten und Kommunikation rund um das Event

Als das Event näherrückte, tauschten sich die Social-Media-ReporterInnen auf Twitter, Instagram und Facebook untereinander aus, und das Konzert wurde Gesprächsthema in den sozialen Netzwerken. Mit meinem eigenen und dem Twitter-Account des hr beteiligte ich mich an den Gesprächen.

Am Veranstaltungstag selbst erhielten die Social-Media-ReporterInnen einen garantierten Einlass (das Gelände muss meist zwischen 18 und 19 Uhr wegen Überfüllung geschlossen werden), Backstage-Führungen, Foto- und Videotermine sowie Exklusivinterviews mit MusikerInnen des Sinfonieorchesters. Ganz toll war, dass die MusikerInnen mitgemacht haben und sich fotografieren und interviewen ließen.

Beim hr Open Air auf den Picknickdecken. Foto von Matthias Czeikowitz

Foto: Matthias Czeikowitz

Mir liegt auch immer daran, die Leute untereinander zusammenzubringen, damit sich die Social-Media-ReporterInnen kennenlernen und austauschen können. Um dies zu ermöglichen, dienten Picknickdecken als Treffpunkt. Eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken gab es ebenfalls. Schon an den Vorbereitungen habe ich die Öffentlichkeit teilhaben lassen: Fotos vom Erwerb der Picknickdecken und des Weines bis hin zum Probeessen veröffentlichte ich in meinen privaten Social-Media-Kanälen. Ich zeige gerne Gesicht und stelle mich in den Dienst der Sache. Zugegeben, sich auch mit den eigenen privaten Social-Media-Kanälen so für den Arbeitgeber ins Zeug zu legen, ist nicht jedermanns Sache. Bei mir verschwimmt generell Berufliches und Persönliches. Von einigen ReporterInnen bekam ich allerdings die Rückmeldungen, dass sie es toll fanden, an den Vorbereitungen teilhaben zu können.

Am Ende des Tages beziehungsweise des Abends hatten wir glückliche Social-Media-ReporterInnen, die viel Spaß beim Open Air hatten. Das Hashtag #hrSOpenAir erzielte eine Reichweite von 4,7 Millionen NutzerInnen (inklusive hr-Medien) – zwei Drittel des Buzz stammte allein von den Social-Media-ReporterInnen.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Mit all den Social-Media-ReporterInnen bleibe ich weiterhin verbandelt, teils auch mit denjenigen, die am Instameet #hrEinblicke und am Social-Media-Walk #hrwalksmcffm teilgenommen haben. Für mich gehört es einfach dazu, Kontakte auch nach einem Event weiterhin zu pflegen. Die eigene, rege Teilnahme am Social-Media-Geschehen ist aus meiner Sich nicht nur von Vorteil, sondern für das Gelingen von Blogger- und Influencer-Relations entscheidend. Nur so lassen sich profunde Kenntnisse der Sichtweise aus Influencer-Perspektive erwerben und ein Fettnäpfchen-Wetthüpfen bei der Kommunikation und im Umgang mit ihnen vermeiden.

Share

3 Comments

Kommentar verfassen