Schreibst du noch oder bloggst du schon? Blogparade!

Au fein, endlich mal wieder eine Blogparade, bei der ich so richtig aus dem Vollen schöpfen kann. Tanja hat mich mit ihrem schönen Beitrag motiviert, auch noch dem Aufruf von Alexandra Steiner zu folgen. Wow, da sind ja mittlerweile schon 30 Beiträge eingegangen. Und so einige kommen von lieben Menschen aus meinem erweiterten Netzwerk!! Übrigens hab ich erst vor Kurzem das erste Mal gesagt, ich sei Bloggerin. Irgendwie hatte ich immer das Gefühl, dass ich dafür zu alt sein könnte. Komisch! Kann sein, dass sich da ein bestimmtes Bild in meinem Kopf verankert hatte, von dem ich meinte, dass es nicht zu mir passt. Hipster oder so? Keine Ahnung, aber ich bin es tatsächlich. Bloggerin mit Leidenschaft. Und auch nicht nur mit einem Blog! Nein, ich bin da sozusagen eine multiple Persönlichkeit!

blog

Es war das Jahr 2006, als ich zu Julian sagte:”Ich will ein Blog! Und ich weiß auch schon, wie ich es nenne: Kulturtussi!” Ich glaube, er war ziemlich baff, wie jemand sich spontan für so etwas entscheiden kann!! Vorher hatte ich schon mal ein bisschen bei ihm ausprobiert, wie das geht mit so einem Blog. Und hatte irgendwie Blut geleckt. Es drängte mich zur Öffentlichkeit! Vor allem, weil ich so viele Texte zu Kunst und Kultur in der Schublade liegen hatte. Ständig musste ich beruflich schreiben und außer einigen Kinderführern und Fachartikeln waren das meist Texte, die nur einmal genutzt wurden und dann nie wieder. Denen wollte ich zu neuer Aufmerksamkeit verhelfen. Und ich hatte mir ein Ziel gesetzt: ich wollte 1 Jahr lang täglich etwas schreiben. Hab ich dann nicht ganz geschafft, aber immerhin hab ich es zu 400 Besuchern täglich gebracht! Das war ein ganz interessanter Prozess, den ich da beobachten konnte. Und auch wenn ich heute kaum noch etwas für die Kulturtussi (warum, lest ihr weiter unten) schreibe, bleiben es bis heute immer noch so um die 100 bis manchmal 150 Besucher. Wie heißt es so schön: Content is King!

Ich habe es als ungeheuren Vorteil empfunden, einfach frei von der Leber weg über das zu schreiben, was mich bewegt. Mir ständig Anlässe gesucht, zu denen ich dann bestimmte Kulturthemen anschneiden und verknüpfen konnte. Das durfte auch mal banal sein, wie zum Thema Karneval. Auch mal kritische Beobachtungen der Kulturszene Kölns habe ich mir erlaubt. Ohne mich zu fragen, ob da jemand etwas nicht mit unterschreiben wollen würde. Das hilft ungemein, seinen eigenen Ausdruck zu finden. Und es war eine totale Befreiung aus der Kunsthistoriker-Schwurbelei, bei der ich mich immer schon schwertat.

Aufträge oder sonstige Blumentöpfe habe ich allerdings mit der Kulturtussi nicht gewinnen können. Um Erlösmodelle hab ich mir sowieso keine Gedanken gemacht. Allerdings war das auch nicht das Ziel. Aber ich muss schon ganz ehrlich zugeben, dass ich irgendwann doch dachte: warum mache ich das hier? Und die intensive Arbeit daran deutlich heruntergefahren habe.

Jahre später konnte ich meine Erfahrungen jedoch noch einmal für ein berufliches Projekt einsetzen. Beim Museumsdienst Köln lag ein Jahresprojekt an. Es sollte um das Thema “Blau” gehen und ich erhielt den Auftrag zu einer Dokumentation. Noch war nicht darüber entschieden, wie diese aussehen könnte. Und da bereits ein mehr oder weniger gezielt betriebenes Blog auf den Seiten des Museumsdienstes existierte, hatte ich die Idee, dieses zu nutzen. Allerdings war ich der Überzeugung, dass ein Blog mehr sein kann und muss, als reine Dokumentation. Ich begann, direkt aus den beteiligten Workshops zu berichten, Methoden etwas ausführlicher vorzustellen. Interviews mit Kooperationspartnern zu führen. Und der Höhepunkt dieser leider nur als zeitlich begrenztes Projekt möglichen Arbeit hab ich ein offline-Event mit dem Blog verknüpft. Mit Commentaire bleu erfand ich eine Möglichkeit, zum Museumsfest aktiv Besucher in den online-Kommunikationsprozess einzubinden.

Dass hier noch längst nich alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden konnten und leider das Bloggen zur Zeit immer an tröpfchenweise freigegebenen Projektgeldern aus unterschiedlichen Mitteln gebunden ist, ist schade. Aber in den Kulturinstitutionen muss noch ein intensiver Lernprozess stattfinden. Mit auch dem Risiko, dass mal etwas scheitert. Das Thema Blau ist ausgelaufen. Aktuell habe ich ein fantastisches Gender-Projekt mit dem Blog begleitet und vor Kurzem ist ein Relaunch der Website der Kölner Museen erfolgt. Jetzt steht das Blog auf der Eingangsseite. Das ermöglicht eine ganz andere Reichweite und ich bin gespannt, was daraus noch erwächst!

Ich habe jetzt einfach mal dieses Blog des Museumsdienstes Köln mit in die Geschichte zu meinem Blog aufgenommen. Es zeigt einfach, wie unterschiedlich Erfahrungen mit dem Bloggen sein können. Und es ist mir auch eine Herzensangelegenheit!

Zum Schluss aber möchte ich über mein neuestes Blog-Baby berichten. Das ist das Blog des 11punkt Verlags, den ich vor Kurzem mit Lucas Lüdemann gegründet habe. Es ist ein Corporate Blog. Ja, klar! Aber es ist noch viel mehr! Es ist für uns ein unverzichtbares Instrument für unsere Entwicklung. Wir haben uns auf ein relativ unbekanntes Terrain gewagt. E-Publishing ist neu und relativ unerforscht. Das Blog ist unser Versuchslabor. Denn neben der Tatsache, dass wir uns hier prima darstellen können (eine Website hat der Verlag nicht, braucht er auch nicht), lässt sich vieles testen. Wir setzen dabei auf den unschätzbar direkten Kontakt, der über ein Blog möglich ist. Testen aus, welche Themen für die Leserschaft interessant sind, ermöglichen zukünftigen Autoren, hier schon mal aufzutreten. Kombinieren das mit Facebook und Twitter. Sammeln Erkenntnisse und justieren Ideen und Themen nach. Unser gesamtes Verlagskonzept spiegelt sich in den einzelnen Kategorien. Allerdings ist uns eine entscheidende Sache sehr wichtig: nichts ist in Stein gemeißelt. Wir haben uns hier auf die Themen Kunst, Kultur, Genuss und Reisen spezialisiert. Zunächst in einem Radius, den wir durch persönliche Kontakte überblicken können. Aber es ist durchaus möglich, dass sich dieser Radius sehr schnell erweitert. Tut er eigentlich schon längst. Einige tolle Autoren sind uns in den letzten Wochen zugeflogen. Dadurch wurden wieder neue Ideen angeschnitten. Auf dem Blog können wir das flexibel handhaben.Wir sind schon total gespannt auf neue Impulse. Wir lernen ständig dazu!

Es ist wahnsinnig viel Aufbauarbeit. Wir bleiben dran! Nicht nur mit besonderen Themen, sondern auch mit unterschiedlichen Formaten. Wir führen kleine Rituale ein – wie die Kunst am Dienstag. Besonders beliebt sind Interviews. Eigentlich toll, wie durch ein paar Impulse, die man mit den Fragen anstößt ein wirklich spannender Content entsteht. Das kann ich jedem nur empfehlen!! Wir haben noch eine Menge neuer Ideen in der Pipeline! Aktuell arbeiten wir an einem Konzept für einen Genuss-Podcast! Da kommt also noch einiges auf euch zu! Derzeit ist unser Mantra: “Step by Step!”

Drei Blogs – drei unterschiedliche Ziele – drei unterschiedliche Geschichten. Ich bin begeistert, von der Vielfalt und wenn es dann demnächst noch mehr Möglichkeiten zur Vernetzung auch und vor allem im Kulturbereich geben wird, dann schreie ich als Erste ganz laut Hurra!!

In diesem Sinne: auf geht’s!

 

 

 

7 Comments

  1. Ach, liebe Anke,

    wunderbar über deine drei Bloggeschichten zu lesen, die allesamt Herzensangelegenheiten und Testlabors sind – kommt mir sehr bekannt vor, gerade als Kunsthistorikerin ;-).
    Auch kann ich nachempfinden, dass frau innerlich Vorbehalte gegen die Bezeichnung “Bloggerin” hat. Geht mir ähnlich, bin aber noch nicht so lange dabei wie du, trotzdem ist es etwas Besonderes und hat nichts mit Hippster zu tun.
    Lass uns weiterhin testen, verzahnt, neben- und miteinander, um die Kultur zu pushen. Die Idee mit einem Podcast finde ich seeehr gut, ist auch schon ganz hinten bei mir im Hinterkopf drin – Entwicklung und Reifung und … Ich bin sehr gespannt auf euer Format! Bloggen ist eben eine große Spielwiese.
    Mach und macht weiter so!

    Herzliche Grüße,
    Tanja

    • Liebe Tanja,
      ja, diese Spielwiese macht aber nur wirklich Spaß, wenn die richtigen Leute mitspielen! Die einem tolle Impulse geben und einen immer wieder aufs Neue anregen. Dafür danke ich dir!! Und was das Podcasten angeht, so bin ich auch total gespannt, wie das ankommen wird. Noch sind wir dabei, aufzurüsten 🙂 Ach je, es ist so viel. Allein, der Tag hat blöderweise nur 24h!
      Herzliche Grüße nach München und bis hoffentlich bald auch mal wieder offline!!
      Anke

  2. Mit dem Begriff “Hipster” hatte ich auch so meine Probleme, als irgendein Verlag uns mal einladen wollte: “Ihr Hipster-Eltern als Meinungsmacher…”
    Ich dachte immer, Hipster müssten karierte Hüte aufhaben und technogewubbelte Musik zu ihren giftgrün glänzenden Modedrinks komsumieren.
    Aber vielleicht sind wir alle Hipster. Moment, wir Elternblogger sind natürlich bis zum Kindsalter von zwei Jahren Hipp-ster. Oder Alete-ster. Egal.

  3. Ja, Marc, da hast du wohl recht. Wir sind alle Hipster. Klasse Elternblog habt ihr da, hab mal gerade rübergelinst.

  4. Sehr schöner Artikel und er trifft den Nagel eigentlich auf den Kopf: fängt man erst mit dem Bloggen an, kann man nicht mehr aufhören. Natürlich steckt harte Arbeit dahinter aber die wird dann schlußendlich doch belohnt 🙂

    Weiter so, liebe Anke!

    • Danke für die Ermunterung! Ja, viel Arbeit ist das in der Tat. Aber die Mühen sind es wert. Vor allem, wenn es immer weitere Kreise zieht.
      Grüße

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