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3. August 2010, Besondere Anlässe:

Die Brücke von Arles

Voller Vorfreude auf den bevorstehenden Urlaub in der Provence erinnere ich mich an viele Stunden vor dem Bild "Die Brücke von Arles" im Wallraf-Richartz-Museum. Das kleinformatige Gemälde von Vincent van Gogh ist ein absolutes Highlight in der Sammlung des Kölner Museums. Bereits im Jahre 1911 vom fortschrittlichen Direktor Hagelstange für das Kölner Museum angekauft, ist dies die wahrscheinlich letzte Version von insgesamt vier Darstellungen, die van Gogh zwischen März und Mai 1888 während seines legendären Aufenthaltes in Arles geschaffen hat. Offensichtlich hatte er an diesem Motiv, das ihn an seine holländische Heimat erinnerte, großen Gefallen gefunden.

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Am 18. März 1888 schrieb Vincent van Gogh an seinen Malerkollegen Émile Bernard:

Mein lieber Bernard, da ich Dir versprochen habe zu schreiben, will ich Dir zuerst sagen, dass mir die Gegend hier wegen der Klarheit der Luft und der lebhaften Farbwirkungen so schön erscheint wie Japan. Die Gewässer bilden in der Landschaft Flecken von schönem Smaragdgrün und leuchtendem Blau, so wie wir es auf den japandrucken sehen. Blass-orange Sonnenuntergänge, die das Land blau erscheinen lassen. Herrliche gelbe Sonnen. Dabei habe ich das Land noch gar nicht in seiner eigentlichen Sommerpracht gesehen. Die Tracht der Frauen ist sehr hübsch, und man sieht vor allem am Sonntag auf dem Boulevard sehr unbefangene und gelungene Farbzusammenstellungen. Und dies wird zweifellos im Sommer noch lebhafter. Ich bedaure, dass das Leben hier nicht so billig ist, wie ich gehofft hatte, und ich habe bis jetzt noch kein Mittel gefunden, so billig davonzukommen, wie man es in Pont-Aven könnte. Ich habe zuerst 5 Francs gezahlt, und jetzt bin ich bei 4 Francs pro Tag. Man müssten die hiesigen Dialekt beherrschen und Bouillabaisse und Knoblauch essen können, dann würde man sicherlich eine preiswerte, gutbürgerliche Pension finden. Ich bin mir sicher, man erhielte auch vorteilhaftere Bedingungen, wenn man zu mehreren wäre. Es wäre vielleicht wirklich von Vorteil, wenn Künstler, die in die Sonne und in die Farbe verliebt sind, in den Süden auswandern würden. Wenn auch die Japaner in ihrem Land nicht weiterkommen, so setzt sich doch ihre Kunst unzweifelhaft in Frankreich fort. Oben auf dem Brief schicke ich Dir eine kleine Skizze einer Studie, aus der ich etwas machen möchte: Matrosen, die mit ihren Liebsten zur Stadt zurückkehren, die sich mit der seltsamen Silhouette ihrer Zugbrücke gegen eine riesige gelbe Sonne abzeichnet. Ich habe eine weitere Studie von derselben Zugbrücke mit einer Gruppe von Wäscherinnen. Ich würde mich über ein paar Worte von Dir freuen, damit ich weiß, was Du machst und wohin Du gehen wirst. Sehr herzlicher Händedruck für Dich und die Freunde, ganz der Deine Vincent

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Der eigentliche Name der Brücke "Pont de Langlois" ging auf den Namen des damaligen Brückenwärters zurück. Van Gogh machte daraus "Pont de L'Anglais". Die Malerei ist hier noch ganz der impressionistischen Eindrucks-Wiedergabe verpflichtet. Man meint fast die flirrende Hitze zu spüren, das lustige Geschwatze und Geplätschere der Waschweiber zu hören. Van Gogh gibt einen Ausschnitt der Landschaft wieder - man ergänzt die Brücke automatisch im Geiste in die umgebende Landschaft hinein.

Auf dem Kölner Bild allerdings kündigt eine kleine Stelle an, welche Weg der Künstler nehmen wird. Expressiv fast drückt er das Weiß quasi aus der Tube direkt auf den Himmel, um so eine Wolke am Himmel anzudeuten. Das ist der späte van Gogh, der seine Bilder emotional, ja fast manisch im Umgang mit der Farbe gestaltet.

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In den Briefen an seinen Bruder spricht Vincent van Gogh immer wieder über die Farbe:

Mein lieber Theo, es ist unglaublich lieb von Dir, dass Du mir gleich alle Farben geschickt hast, die ich bestellt habe, ich habe sie gerade erhalten, aber ich habe noch keine Zeit gehabt, sie zu überprüfen. Ich bin sehr froh darüber. Der Tag heute war übrigens gut. Heute Morgen habe ich an einem Garten mit blühenden Pflaumenbäumen gearbeitet – plötzlich kam ein heftiger Wind auf, ein Effekt, wie ich ihn nur hier gesehen habe – un der sich in Abständen wiederholte. Zwischendurch Sonnenschein, der alle kleinen weißen Blüten funkeln ließ. Das war so schön! Mein Freund, der Däne, kam dazu, aber auf die Gefahr hin, dass ich jeden Augenblick all das auf dem Boden liegen sähe, habe ich weitergemalt – in diesem weißen Effekt ist viel Gelb mit Blau & lila, der Himmel ist weiß und blau. Aber was wird man zur Malweise sagen, zu dem, was man so im Freien macht? Nun, warten wir’s ab.
Nach dem Essen habe ich dann für Dich dasselbe Bild angefangen, das ich für Tersteeg vorgesehen habe, „Le pont de l’Anglais“. Und ich habe große Lust, eins auch für Jet Mauve zu machen, denn da ich so viel ausgeben, müssen wir darauf achten, dass wir von diesem Geld, das schnell durch die Finger rinnt, auch wieder etwas hereinbekommen müssen. Ich habe im Nachhinein bedauert, dass ich nicht doch Vater Tanguy um die Farben gebeten haben, obwohl man nicht den geringsten Vorteil davon hätte – im Gegenteil – aber er ist ein so lustiger Kerl, und ich denke noch oft an ihn. Vergiss nicht, ihn von mir zu grüßen, wenn du ihn siehst, und sag ihm, wenn er Bilder für sein Schaufenster will, so bekommt er welche von hier – und zwar die besten. Ach, es scheint mir mehr und mehr, dass die Menschen die Wurzel von allem sind, und es bleibt ewig ein wehmütiges Gefühl, dass man sich nicht im wirklichen Leben befindet, weil es vorteilhafter wäre, im Fleisch selbst zu arbeiten, als in Farbe oder Gips, das heißt, dass es besser wäre, Kinder zu machen oder Geschäfte, Trotzdem fühlt man, dass man lebte, wenn man daran denkt, dass man Freunde unter denen hat, die selbst auch nicht im wirklichen Leben stehen. Aber gerade weil es darauf ankommt, was im Herzen der Menschen ist und was auch das Herz der Geschäfte ist, muss man Freundschaften in Holland schließen oder eher wiederaufleben lassen. Umso mehr, weil man im Augenblick für den Sieg des Impressionismus nichts mehr fürchten muss. Und weil dieser Sieg im Vorhinein fast schon gewiss ist, müssen wir uns richtig verhalten und alles mit Ruhe angehen.
Ich hätte gern L’Incarnation de Marat gesehen, wovon Du kürzlich gesprochen hast, das würde mich sicher interessieren. Unwillkürlich stelle ich mir Marat als das moralische Gegenstück – (aber viel gewaltiger) zu Xanthippe vor – der Frau mit der verbitterten Liebe. Trotzdem rührend ist – aber natürlich ist das nicht s o lustig wie La maison Tellier von Guy de Maupassant.
Hat Lautrec sein Bild von der Frau fertig, die die Ellbogen auf einen kleinen Cafétisch stützt? –
Wenn ich es lerne, die Studien, die ich nach der Natur gemacht habe, auf einer neuen Leinwand zu malen, könnten wir vielleicht mehr verkaufen. Ich hoffe, das hier zu schaffen – und deshalb mache ich einen Versuch mit den beiden Bildern, die nach Holland gehen, da Du sie ebenfalls haben wirst, kann nichts schiefgehen.
Es war richtig, dass Du Tasset gesagt hast, er solle den Geraniumlack trotzdem dazulegen, er hat ihn geschickt, ich habe es soeben überprüft – alle Farben, die der Impressionismus in Mode gebtracht hat, verändern sich, im Grund mehr, dass man den Mut hat, sie kräftig zu verwenden, die Zeit wird sie sowieso abschwächen. Meine ganze Bestellung, die 3 Chroms (das Orange, das Geld, das Zitronengelb), das Preußischblau, das Smaragdgrün, die Krapplacke, das Veroneser Grün, die orange Mennige, all das findet man kaum auf der holländischen Palette von Maris, Mauve und Israels – Es war nur auf der von Delarcroix, der eine Passion für die beiden Farben hatte, die – und zwar aus besten Gründen – am meisten verpönt sind, Zitronengelb und Preußischblau – Trotzdem finde ich, dass er damit Großartiges gemacht hat, mit seinen Blaus und Zitronengelbs. Händedruck für Dich, für Koning und noch einmal vielen Dank für die Farben. t.à.t. Vincent

Also hatte es auch ökonomische Gründe, dass van Gogh die Brücke in insgesamt vier Versionen gemalt hat. Heute erfreuen sich die Besucher im Kröller-Müller-Museum in Otterlo ebenso daran

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wie die im Van Gogh Museum in Amsterdam

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und ein anonymer Privatier

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Besonders eindrucksvoll ist der ausführliche Bericht der Kölner Restauratorin Caroline von Saint-George. Sie stellte im Rahmen eines Forschungsprojektes eine maltechnische Untersuchung des Kölner Bildes an.

Posted by Kulturtussi in Besondere Anlässe at 03.08.10 12:28| Comments (1)   Visits: 2187
Updated at 03.08.10 14:03


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Kommentare

1
  Lolli:

Vincent van Gogh kann gut zeichen, sowas würd ich nie hinkriegen.

Posted by Lolli at 29.08.10 10:21

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