Des Architekten Blick

Wie sehr uns die Bauten unserer Umgebung beeinflussen, bemerken wir erst, wenn es uns jemand einmal auf die Nase bindet. Mit dem Finger drauf zeigt und den Blick lenkt. Das oft etwas überstrapazierte “man sieht nur, was man weiß” wird in der Architekturwahrnehmung besonders offensichtlich. Man sieht nur, worauf man gestoßen wird. Arthur Hoffmann ist so einer, der einen drauf stößt. Er tut dies vor allem mit Fotos, die wie nebenbei geschossen wirken und es oftmals vielleicht auch sind. Ich bin ihm auf den Grund gegangen: des Architekten Blick.

Ein Bogen ist ein Bogen ist ein Bogen. So ein Bild gelingt nur demjenigen, der einen geschulten Blick hat. Hier hat sicher kein bewusster Stilwille zu der grandiosen Bogen-Kombi geführt. An so etwas läuft man vielleicht täglich vorbei, ohne es zu bemerken. Erst festgehalten im Bild und mittels eines bestimmten Bildausschnittes in Szene gesetzt, wird einem diese außergewöhnliche Reihung bewusst, die hier noch mit verschiedenen Oberflächenstrukturen einen besonderen Reiz entwickelt.

Betonabowisabowisabowhandlauf

Haptisch fühlbare Oberflächen, die ihre ganz eigene Ästhetik haben. Das ist das Metier von Arthur. Hier entdeckt er ständig neue Strukturen. Fast hat man den Eindruck, als könne man mittels seiner Bilder mit den Fingerspitzen nacherleben, wie sich Beton anfühlt. Oder roh behauener Stein. Ein Ziegel. Je näher er mit seinen Fotografien an die “Haut” der Bauten herangeht, umso tiefer taucht der Architekt in den Mikrokosmos des urbanen Umfeldes ein.

BanktürSCdünnwald

Kann sich eine Bank einsam fühlen oder ein simples Schloss auf dem Sportplatz der Eingang zu einer anderen Welt sein? Unzählige Geschichten verbergen sich hinter den alltäglichsten Dingen. Man muss sie nur sehen. Arthur Hoffmann sieht, filtert und veröffentlicht (vor allem unter @_konzer bei Instagram). Des Architekten Blick eben. Was die Phantasie der Betrachter dann damit anstellt, ist jedem selbst überlassen. Fest steht, dass es sich lohnt, mit offenen Augen durch seine Stadt zu gehen.

In dem folgenden Interview hat uns Arthur mit deutlichen Worten seine Sicht auf Köln geschildert. Arthur ist mittendrin – er lebt im Agnesviertel. Und hat doch genügend Distanz, um auch den Finger in so manche Wunde zu legen.

DG: Bitte vollende diesen Satz: „Köln ist architektonisch gesehen …“

Arthur: eine unentschlossene Flickschusterei, die bei entsprechender politischer Ambition mehr aus sich machen könnte. Aber der Kölner genügt sich ja bekanntermaßen gern selbst, das gilt dann auch für seinen Umgang mit „seiner“ Stadt. Er ist weit davon entfernt, seine Stadt zu lieben, auch wenn er immer gerne so tut. Der Kölner liebt in erster Linie sich selbst.

DG: Wenn du das Gesicht einer Stadt beschreiben solltest, was würdest du erwähnen?

Arthur: Bezogen auf Köln: ich sehe in diesem Gesicht vorwiegend eine große Nase. Der Rest ist stark entwicklungsbedürftig, hat aber Potential. Wenn nur die Kölner nicht wären.

DG: Lebst du gerne in Köln? Ich meine, in einer Stadt? Oder bist du heimlich in das Land verliebt?

Arthur: Gerne in einer Stadt, ja. Wegen der in jeder Hinsicht kurzen Wege. Und gerne auf dem Land. Wegen der in jeder Hinsicht längeren Wege.

DG: Als Architekt interessiert dich sicher auch die Stadtplanung allgemein. Was sagst du zu dem Vorwurf, „Köln kann keine Plätze …“

Arthur: Ich glaube nicht, dass Köln das nicht kann. Offensichtlich will es nicht. Siehe Frage 1. Ich finde das sehr schade, man könnte so viel mehr aus dem öffentlichen Raum und somit der Stadt machen. Aber man will ja nicht mit Düsseldorf verwechselt werden.

DG: Mit deinen urbanen Fotos bist du ganz nah an der „Haut“ einer Stadt. Was fasziniert dich da besonders?

Arthur: Mich interessieren Bilder und Details, die mir (kleine) Geschichten in vielerlei Hinsicht erzählen.

DG: Definiere mal den Begriff „schön“ für dich. Im Hinblick auf die Stadt.

Arthur: Charaktervoll. Freundlich. Zugewandt. Einladend. Eigentlich wie bei Menschen auch. Selbstgefällig ist nicht schön. Bei einer Stadt hats auch mit dem Wetter zu tun, für das die Stadt nichts kann.

DG: Du dürftest ein verlängertes Wochenende in einer Stadt deiner Wahl verbringen. Welche wäre das?

Arthur: Ziemlich viele. Spontan fallen mir Wien und Prag ein. Da bin ich noch nie gewesen.

DG: Du sollst einem Fremden beschreiben, was ein „Veedel“ ist, was würdest du in aller Kürze sagen?

Arthur: Der Stadtteil, in dem ich wohne und in dem ich mich im besten Fall wohlfühle. Wie in jeder anderen Stadt. Darauf brauchen die Kölner sich nichts einzubilden. Tun sie aber.

DG: Danke für diese urbanen Einblicke. Danke, dass wir von deinen tollen Fotos welche veröffentlichen dürfen. Wir freuen uns noch auf viele weitere davon

puzzlezuBarke

 

 

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One Comment

  1. Sehr aufmerksam gesehene (im unklassischen Sinne) schöne Bilder. Gerade das Foto vom Fernmeldehaus in der Cäcilienstraße hat mich schier umgehauen. Ich habe gar nicht realisiert, dass vor meinem meist gehassten Gebäude auch ein Bäumchen steht. Vielleicht schaust du einmal in meinen Fotoblog, ich habe mich bisher aber nicht so systematisch mit Kölle befasst

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