Apropos Glasfenster

Das Richterfenster und die Diskussion darum haben einen neuen Fokus auf die Gestaltung von Kirchenfenstern gelegt. Es gibt ja Stimmen, die so gar nicht einverstanden sind, mit modernen und vor allem abstrakten Entwürfen. Eine feine Ausstellung im Linnicher Glasmuseum bietet noch bis Ende September Gelegenheit, sich ein wenig mit der Entwicklung moderner Glasgestaltung zu beschäftigen. Und dabei gleichzeitig einen ganz Großen zu entdecken.
thorn-prikker-orange.jpg
Thorn-Prikker, Orange, 1931


Johan Thorn-Prikker stammte aus Den Haag und hatte seine künstlerischen Anfänge eher in der symbolistischen Malerei des fin de siècle. Durch eine enge Zusammenarbeit mit Henry van de Velde kam Thorn-Prikker nach Deutschland und erlangte einige interessante Aufträge für die Gestaltung von Glasfenstern. Hier entwickelte er zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen nie dagewesenen Umgang mit der Glasmalerei.
thorn-prikker.jpg
Thorn-Prikker Fenster in St. Georg, Köln, um 1930
Zunächst als Lehrer an einer neu gegründeten Kunstgewerbeschule in Krefeld und später vor allem aktiv im Werkbund, beschäftigte sich Thorn-Prikker immer wieder mit der Frage nach der Funktion einzelner Details im Gesamtkunstwerk. So entstehen seine Entwürfe für Fenster stets in Harmonie und zur Unterstützung des Gesamteindrucks. Besonders die Kölner Fenster für die kleine romanische Kirche St. Georg sind herausragende Beispiele moderner Kirchenkunst. In gelungener Synthese von Abstraktion und inhaltlichen Bezügen präsentiert Thorn-Prikker hier Glaskunst vom Allerfeinsten. Um 1930 hat er hier die Einflüsse der japanischen Farbholzsschnitte, die Ausdrucksstärken des Expressionismus und die traditionelle Farbensymbolik der Kirchen kombiniert.

Kommentar verfassen