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November 2006



29. November 2006, Fundstücke:

Berliner Bahnhof

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Er ist einer der größten Kreuzungsbahnhöfe Europas und steht auf einer Art "grüner Wiese" mit viel Platz um sich herum: der neue Berliner Hauptbahnhof, der im Mai diesen Jahres triumphal zum Wohle der Reisenden eröffnet wurde. Die Homepage der Deutschen Bundesbahn feiert das filigrane Bauwerk, das für sie eine logistische Herausforderung darstellte und immer noch darstellt. Das Büro des Hamburger Architekten Meinard von Gerkan, das schon mal die "ideale Stadt" in China bauen darf, hatte sich mit dem Berliner Bahnhof an Tradition und Moderne gehalten, einen wirklich konsequent leichten, lichtdurchfluteten Raum geschaffen. Doch - und da kennt die Bahn dann nix - weil irgendetwas nicht ganz in die Logistik passte, hat man von seiten des Bauherrn kurzerhand ein ortsansässiges Architekturbüro beauftragt, den Bau hier ein wenig zu kürzen und dort mal eben eine Zwischendecke mit Baumarktcharme einzuziehen. So wurde der von Kunsthistorikern schon als richtungsweisend gefeierte Bahnhofsbau dermaßen in seiner Wirkung beschnitten, dass der ansonsten nicht als Prozesshansel verschriene Architekt vor Gericht zog. Und: Hurra! Er hat gewonnen. Mit heutigem Urteil vom Berliner Landgericht erging die Auflage für die Deutsche Bahn, die den Berliner Bahnhof gerne als Vorzeigeobjekt nutzt, die olle Flachdecke wieder rückzubauen. Na klar, das Unternehmen will in die Berufung gehen. Man jammert, dass dies mindestens 30 Millionen Euro kosten würde und drei Jahre Bauzeit den reibungslosen Verkehr beeinträchtigen würde. Tja, hätten sie sich halt früher überlegen müssen, ob sie so selbstherrlich in die architektonischen Details hätten eingreifen sollen. Das Urteil ist auf jeden Fall ein deutliches Signal in Richtung der so häufig schwelenden Urheberrechts-Problematik. Und wird damit eindeutig von mir begrüßt und beklatscht.

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Eindrucksvoll zeigt die beleuchtete Architektur, was sie kann!

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29. November 2006, Ausstellungen gucken:

Moderne Zeiten

Es gab eine Zeit, die hat völlig neue ästhetische Grundsätze geprägt, die bis heute ihre Wirkung tun! Die Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach der schrecklichen Erfahrung des 1. Weltkrieges, die alle Gestalter und Künstler zu der Überzeugung brachte, nun alles neu zu bedenken und endlich für die Zukunft zu schaffen. Die Kunst marschierte schnurstracks in die Abstraktion - ohne die Ansätze eines Malewitsch oder Kandinsky wäre ein Großteil heutiger Kunstproduktion gar nicht denkbar. Das Design entwickelte utopische Ideen, die nur zum Teil auch umgesetzt werden konnten. Wenn, dann waren sie derart stilbildend, dass die Entwürfe aus den frühen Jahren bis heute zeitlos gültig wirken. Bauhausmöbel, Weltraumarchitekturen und Lichtdesign sind nur einige Stichworte. Im kühn gestalteten Zentrum "MARTa" in Herford bietet eine ursprünglich für das Londoner Victoria und Alber Museum konzipierte Schau einen spannenden Überblick über diese aufregende Zeit.

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28. November 2006, Texte zur Kunst:

Der Ursprung der Moderne - Teil 4

Der Einfluß außereuropäischer Kunst auf die Avantgarde in Europa ist nun hinreichend beleuchtet worden. Doch auch in der Neuen Welt gibt es eine Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die eine eigene Identität herauszubilden versucht. Dabei spielen die kulturellen Wurzeln der jeweiligen Ursprungsländer eine wesentliche Rolle. Wo die nordamerikanischen Beiträge rasch in den Kanon der zu beachtenden Kunstströmungen aufgenommen wurde, blieben andere Äußerungen hinten angestellt. Es sollte noch bis in die neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts dauern, bis endlich auch Länder wie Afrika, Südamerika oder Asien ihre Beiträge auch entsprechend gewürdigt bekamen. Uneingedenk der Tatsache, dass der Einfluss dieser ursprünglichen Kreativität vorher schon eine wesentlich Rolle gespielt hat.


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Pablo Antonio Cuadra, * 1912 in Managua/Nicaragua
Die Geburt der Sonne
Ich habe neue Welten erfunden. Ich habe erdachte
Nächte erträumt aus unergründlichen Substanzen.
Ich habe strahlende Gestirne erschaffen, unerreichbare
Sterne ganz nah bei blinzelnden Augen. Niemals jedoch
Werde ich jenen ersten Tag wiederholen an dem unsre Väter
Mit ihren Sippen den feuchten Urwald verließen
Und nach Osten sahen. Sie hörten das Brüllen
Des Jaguars. Das Singen der Vögel. Und sie sahen
Einen Menschen der sich erhob dessen Antlitz brannte.
Ein Geschöpf mit funkelndem Antlitz,
dessen glühende Blicke die Sümpfe austrockneten.
Ein Wesen glutvoll und hoch dessen Gesicht brannte.
Dessen Antlitz die Welt erhellte.

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24. November 2006, Köln Kultur:

Bildergeschichten - Schriftsteller sehen Malerei

Auf Initiative des Kölner Literaturhauses wurde ein ehrgeiziges Projekt in Angriff genommen: insgesamt 19 Schriftsteller haben Texte zu ihren Lieblingsbildern aus dem Wallraf-Richartz-Museum entstehen lassen. Ihre persönlichen Einblicke, Gedanken und Assoziationen sollten zu "erzählter Kunst" werden, wie der Werbetext das Hörbuch beschreibt, das in diesem Zusammenhang produziert wurde. Der Text von Jürgen Becker zu Max Liebermanns "Rasenbleiche" und der von Dieter Wellershoff zu James Ensors "Mädchen mit Puppe" sind dieser Tage im Kölner Stadtanzeiger veröffentlicht worden.

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23. November 2006, Fundstücke:

Darf Kunst alles? Neue Variante

Der dänische Künstler Kristian von Hornsleth hat eine neue Dimension erreicht hinsichtlich der Frage, wie weit darf Kunst gehen? In seinem aktuellen Kunstprojekt hat er in Uganda die Bewohner eines kleinen Dorfes mittels Schweine- und Ziegenbezahlung dazu gebracht, offiziell seinen Namen anzunehmen. Und das Ganze hat auch einen Titel: "We want to help you, but we want to own you". In seinen Erklärungsmodellen gibt sich der Däne schnodderig-provokant. Er glaube an die freie Marktwirtschaft, er habe etwas zu kaufen gesucht und dafür eine Bezahlung angeboten. Diese Bezahlung werde auch gerne angenommen und die Dorfbewohner hätten nun einen schönen Namen und alle seien glücklich damit.

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22. November 2006, Fundstücke:

Nobelpreis für Kunst

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Christian Boltanski wurde mit dem Praemium Imperiale für Skulptur 2006 ausgezeichnet. Das ist eine Art Nobelpreis für Kultur. Seit 1989 gibt es diesen Preis, der von der Japanese Art Foundation verliehen wird und dessen Bedeutung in den letzten Jahren stetig gewachsen ist. Ein Preis, der spartenübergreifend Preisträger präsentiert, die von insgesamt sechs international besetzten Gremien vorgeschlagen werden.
Richard Weizsäcker gab die Preisträger in Berlin bekannt. In der Kategorie Architektur erhält Frei Otto die Auszeichnung, in der Kategorie Malerei wird die Japanerin Kusama Yayoi geehrt. Der Franzose Christian Boltanski bekommt den Preis in der Kategorie Skulptur. In der Kategorie Musik wird der US-Bürger Steve Reich ausgezeichnet. In der Kategorie Theater/Film geht der Preis an die Russin Maya Plisetskaya.

Feierlich verliehen wird der von der Japan Art Association vergebene Preis am 18. Oktober in Tokio. Die weltweit höchste Ehrung zeitgenössischer Kunst wird auch als »Nobelpreis der Künste« angesehen.

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21. November 2006, Köln Kultur:

Punkt, Punkt, Komma, Strich ...

Wer erinnert sich noch an diese einfachste Idee, ein Gesicht zu malen? Kindliche Naivität und Versunkenheit in den kreativen Prozess des Zeichnens klingen in diesem kleinen Reim, der mit "...fertig ist das Mondgesicht" endet. Meine Vorstellung von Paul Klee ist untrennbar mit dieser kindlichen Art verbunden. Vor allem seine zarten Papierarbeiten der dreißiger Jahre zeigen diesen Charme. Fast scheint es, dass der Künstler, je älter er wird (und leider auch kranker), er umsomehr diese ursprünglich-einfache Schaffensfreude erlebt. Nun zeigt uns das Museum Ludwig ab dem 9. Dezember 2006 bis zum 4. märz 2007 die Vielfalt dieser Periode mit wunderbaren 200 Exponaten aus dem Paul Klee Zentrum.
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Vergesslicher Engel aus dem Jahre 1939

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20. November 2006, Filme gucken:

Goyas Geister

Am Donnerstag kommt ein Film von Milos Forman in die Kinos, der sich nach "Amadeus" mit einem weiteren Genie des 18. Jahrhunderts beschäftigt: Francisco de Goya. Nach Carlos Saura, der bereits 2000 einen international wenig beachteten, aber durchaus sehr gelungenen Film über den Maler und die spanische Geschichte drehte, liefert Forman einen weiteren Beitrag zur Mythen- und Legendbildung ab. Den ersten Ausschnitten und Bildern nach zu urteilen, in der bekannt gelungenen Art der opulenten Bilder (Kameramann Javier Aguirresarobe setzt einfühlsam das Licht) entführt Forman mit "Goyas Geister" den Zuschauer in die letzten Jahre der Inquisition in Spanien und erzählt das Leben des Malers der Gegensätze. Von Natalie Portman gespielt steht dabei die Muse des Künstlers - Inès - im Rampenlicht. Dabei konnte Forman jedoch nicht den üblichen Klischees "schöne Frau in den Fängen der Folterknechte" widerstehen. Dennoch, die Werke Goyas spielen in dieser schönen Inszenierung durchaus auch die Hauptrolle und der Film scheint rundherum gelungen.

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17. November 2006, Texte zur Kunst:

"... faire du Dali!"

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Er fasziniert Massen von pubertierenden Schulklassen in seiner traumwandlerischen Feinmalerei und ist einer der Vorreiter von Performance und Selbstinszenierung in der Kunst. Eigentlich hat er zum Thema Surrealismus nur einen erwärmten zweiten Aufguß zu bieten. Und der ist meist auch von subjektiven Erfahrungen mehr geprägt, als dass er entscheidende überzeitliche Wahrheiten zu erkennen gäbe. Dennoch hat dieser Kunst-Maniac besonder in seiner frühen Phase interessante Bilder geliefert, die vor allem dem interpretationswütigen Kunstliebhaber eine Menge Steilvorlagen liefern. Nehmen wir uns doch die Zeit und erlauben uns einen Blick in die Traumwelt des Salvador Dali.

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16. November 2006, Filme gucken:

Kölner FilmhausKino muss bleiben

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Wo gibt es denn noch ein vernünftiges Kinoprogramm, das einen nicht mit Blockbustern zumüllt und das seinen Hauptakzent auf künsterlisch spannende Filme legt und nicht auf riesige Portionen Popcorn. Köln hatte die Nase vorn, was das anging. Zumindest solange der unabhängige Wille des Filmhauses zu einem solchen Vorsprung existierte. Der ist jetzt wegen - typisch kölscher ? - Unstimmigkeiten über Verträge und wer wie Verantwortung übernimmt, in Gefahr geraten. Gut, das Team des Filmhauses hat sich schon seit längerem in Richtung ehemaliger Cinemathek im Museum Ludwig orientiert. Aber trotzdem! So ganz ohne Protest sollte man dem Sterben kulturell wichtiger Programme nicht zusehen. Zumindest kann man sich auf eine Unterschriftenliste eintragen. Vielleicht hilfts.

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15. November 2006, Fundstücke:

Dialog der Künste - der Dritte

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Graphite Sum of Numbers, 2006, 164 graphite cubes
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Im Frühjahr konnte man neue Arbeiten des Minimalisten Carl André in der Londoner Galerie Sadie Coles HQ sehen, die in ihrer fast zenhaften Ästhetik des Materials faszinierten. Die Auseinandersetzung mit der Form und nichts als der Form, die Beschränkung auf das, was materialhaft und dinghaft im Hier und Jetzt präsentiert wird, das ist nicht immer leicht für den Betrachter. Er fühlt sich oft angesichts minimalistischer Kunstwerke auf sich selbst zurückgeworfen, kann nicht mit Anekdoten und erzählerischen Schnörkeln ausweichen und fühlt sich oft überfordert.

Mit dem vom Künstler gedichteten Wortbild bietet sich ein Dialog zwischen Literatur und Skulptur an, der für beide Seiten sehr fruchtbar sein kann und auch dem Betrachter eine kleine Hilfestellung an die Hand geben mag.

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14. November 2006, Texte zur Kunst:

Der Ursprung der Moderne - Teil 3

Wenn einer eine Reise tut, dann hat er viel zu erzählen! Eine kleine Binsenweisheit, die aber für die Entwicklung der Kunstgeschichte von entscheidender Bedeutung sein sollte. Bevor das Sturmgewitter des Ersten Weltkrieges alles aus den Fugen gehoben hat, reisten viele Avantgarde-Künstler in ferne Länder, um sich inspirieren zu lassen. Die Impulse, die sie vor allem von außereuropäischen Kulturen in ihre Kunst einfließen ließen, haben die Malerei des 20. Jahrhunderts entscheidend beeinflußt und die Ästhetik von Form und Farbe unserer Zeit entscheidend mitgeprägt.

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Gauguins Haus auf Tahiti

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13. November 2006, Fundstücke:

Provokation der guten alten Art

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Jonathan Meese sieht aus wie ein RAF-Sympathisant und trägt ausschließlich adidas-Jacken der reinsten Poyester-Art. Er wird als jüngster "Großkünstler" gehandelt, womit gemeint ist, dass man staunen kann ob der grandiosen Erfolge, die er mit Einzelausstellungen und Ankäufen für große Sammlungen verzeichnet. Gerade mal Mitte dreißig ist der Shooting Star und vor allem im Ausland hält man große Stücke auf den neo-romantischen Provokateur, der vor allem mit deutschtümelnden Klischees aufwartet. Wenn man einmal den ganzen Hype um seine Person beiseite wischt und sich auch nicht davon irritieren lässt, was er so offiziell sagt und tut, dann finden sich einige der interessantesten Ansätze der Bewertung "typisch" deutscher Kunst bei ihm.

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10. November 2006, Filme gucken:

Marie Antoinette

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Sie wird von Kirsten Dunst verkörpert, als sei sie die Paris Hilton des 18. Jahrhunderts gewesen: Marie Antoinette in einem Film der talentierten Coppola-Tochter. Historienfilme kommen ja immer besonders gut an und natürlich ist es auch sehr ambitioniert, sich einer tragischen Frauenfigur zu nähern und ihre Hintergründe näher zu beleuchten. Allerdings ist die Regisseurin wohl selbst ein Opfer der luxussüchtigen Epoche geworden und scheint sich in den opulenten Details etwas zu verlieren. Dennoch ein Film, der für die große Leinwand konzipiert wurde und dort durchaus zu einem Augenschmaus angetreten ist.

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9. November 2006, Köln Kultur:

Teppichverkäufer der Kunst

Was symbolisiert die fremde Welt arabischer Händler besser als ein Orientteppich. Dabei sind solche kunsthandwerklichen Kleinodien nicht immer dazu angetan, vertrauenserweckenden Verbindungen zwischen den Kulturen und den reinen Kunstgenuss zu entzünden. Was hat das alles mit Kunst zu tun? Nun, der Orientteppich ist praktisch der Hauptdarsteller eines Werkes des israelischen Künstlers Boaz Kaizmann, der bei Konrad Klapheck studierte und von diesem sicher die Inszenierung der "Dinge" gelernt hat.

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9. November 2006, Fundstücke:

Schwierige Entscheidung

Nach langem Hin und Her ist gestern das Gemälde "Straßenszene" von Ernst Ludwig Kirchner aus dem Jahre 1913 bei Christie's in New York versteigert worden. Es hat den stolzen Preis von 30 Millionen Dollar erbracht - selbstverständlich weit über dem Schätzwert! Das Gemälde gehörte einst dem jüdischen Schuhfabrikanten Alfred Hess aus Erfurt. Der Berliner Senat hatte dieses Gemälde nun den Erben der Familie zurückgegeben. Man war der Meinung, dass es sich hier um einen klaren Fall innerhalb der Restitutionspolitik Deutschlands handelt. Da vor kurzem auch ein Picasso-Gemälde von einer Auktion zurückgezogen wurde, scheint die Diskussion um Notwendigkeiten dieser Art der Wiedergutmachung neu aufgeflammt. Ein weiteres Beispiel dafür, dass die wichtige Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in Deutschland immer noch von einer tabubelasteten Warte aus geschieht.

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9. November 2006, Texte zur Kunst:

Der Ursprung der Moderne - Teil 2

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts suchten viele Künstler nach Inspiration und Erneuerung vor allem in außereuropäischen Kulturen. Die Möglichkeit, Reisen zu unternehmen, bot ihnen eine ganz unmittelbare Möglichkeit, diese neuen Impulse zu erleben. Es ist spannend, wie unterschiedlich einzelne Künstlerpersönlichkeiten sich dem Neuen näherten und wie auch in diesem Zusammenhang eine gewisse Legendenbildung nicht von der Hand zu weisen ist. Offenbar taten sich die Künstler auch schwer damit, ihre Vorbilder und Einflüsse zuzugeben. Der Vorwurf der intellektuellen Ausbeutung schien ihnen zu gefährlich nahe. In der Tat ist es ja erst seit den späten 90er Jahren des 20. Jahrhunderts so, dass die außereuropäische Kunst auf dem Markt überhaupt wahrgenommen wird.

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7. November 2006, Filme gucken:

Ritter, Tod und Teufel

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Albrecht Dürer, Ritter, Tod und Teufel, 1513

Das Landesmuseum in Münster hat eine interessante Idee verwirklicht, auf die Neueinrichtung der Mittelalter-Abteilung des Hauses aufmerksam zu machen: eine Reihe zum Thema "Mittelalter im Film" weist Bezüge zur Sammlung der Abteilung auf und zeigt die Kunstwerke und kunsthandwerklichen Objekte in einem entsprechenden Setting. Macht sie auf diese Weise sozusagen erlebbar. Dabei werden verschiedene Perspektiven des Themas beleuchtet und die wichtigsten Aspekte der mittelalterlichen Welt aufgezeigt. Die Jenseitsorientierung des mittelalterlichen Denkens, die Weltordnung dieser Epoche und auch literarische Vorbilder kann der Film auf eine besondere Art und Weise vermitteln. Heiligenverehrung spielt eine ebenso große Rolle wie das Klischee Mittelalter = Ritter. So entwickelt ein breit gefächertes Programm von Fritz Lang bis Ingmar Bergmann einen ausführlichen Hintergrund dieses Zeitalters und das Museum bietet dann die Aura der originalen Objekte. Eine perfekte Kombination

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6. November 2006, Fundstücke:

Der schnöde Mammon

Da haben wir sie mal wieder. Die Sensationsmeldung "teuerstes Bild der Welt" flattert durch den Blätterwald. Und diesmal ist es kein Picasso oder ein heiterer Impressionist. Nein, es ist ein Bild des oft düsterne und zu Alkoholexzessen neigenden Jackson Pollock, das am 2. November für unglaubliche 140 Millionen Dollar den Besitzer wechselte.


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No. 5, 1948

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3. November 2006, Ausstellungen gucken:

Was ist Plastik?

Den Dingen auf den Grund zu gehen und mit Ausstellungen auch den Horizont der Besucher dergestalt erweitern, dass sie zukünftig in der Lage sind, ihre eigenen Kriterien bei der Betrachtung von Kunst zu entwickeln - solche Anliegen finde ich in der aktuellen Kunstszene viel zu selten. Zu oft zeichnen sich Kulturprojekte durch das Bewahren von Insider-Wissen hinter inszenierten Barrieren aus, die schwer zu erklimmen sind.

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Blick in die Sammlung des Wilhelm-Lehmbruck Museums, Duisburg

Das Wilhelm-Lehmbruck-Museum in Duisburg ist ein Museum, das einen ganz klaren Ansatz schon immer vertreten hat: im Sinne des großen expressionistischen Bildhauers die wesentlichen Aspekte seiner Zunft zu vermitteln. Nicht von ungefähr entstand dort auch schon vor Jahren ein ordentliches Kindermuseum. Nun kommt das Museum mit der Frage "Was ist Plastik?" daher und spannen mit einer Überblicksschau sowie Begleitprogramm einen breiten Bogen zu diesem Thema und zwar ausschließlich mit Sammlungsbeständen.

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Posted by Kulturtussi in Ausstellungen gucken at 11:30 | Permalink | Comments (0)

2. November 2006, Texte zur Kunst:

Der Ursprung der Moderne - Teil 1

Nun bist du endlich müde dieser alten Welt,
O Hirte, Eiffelturm. Die Brückenherde blökt an diesem Morgen.
Du hast es satt, im alten Griechenland und Rom zu leben;
Hier riechen selbst die Autos nach Antike
Und nur der Glaube ist noch neu geblieben, denn dieser
Ist so schlicht wie Flugzeugschuppen...
Ist es doch Gott, der freitags stirbt und sonntags aufersteht,
Christus, der besser in den Himmel fährt als jeder Flugzeugführer
Und Höhenweltrekordler ist.
Christus, Pupille des Auges,
Zwanzigste Pupille der Jahrhundert, er weiß genau, wohin es geht.
Und das Jahrhundert wird zum Vogel und klimmt himmelan wie er.

(Guillaume Apollinaire)

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